Massenvernichtungswaffen sind bereits seit der Entwicklung von biologischen und chemischen Kampfstoffen und ihrem massiven Einsatz im Ersten Weltkrieg ein bedeutender Gegenstand der internationalen Sicherheitspolitik. Nach der Entwicklung von Nuklearwaffen am Ende des Zweiten Weltkrieges wuchs das Interesse nahezu aller Staaten an dieser Waffengattung aufgrund ihrer immensen Zerstörungskraft erheblich. Dieser Entwicklung folgend wuchs auf der anderen Seite auch das Interesse an der Nichtverbreitung dieser Waffen. Im Jahre 1970 trat daraufhin das internationale Nichtverbreitungsregime in Kraft, dessen Zentrum der Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) bildet. Allerdings ist die Problematik der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen erst in den letzten Jahren wieder näher ins Rampenlicht der internationalen Sicherheitspolitik gerückt. Sowohl die Terroranschläge in Washington D.C. und New York am 11. September 2001 als auch das derzeitige Streben einiger Staaten nach Atomwaffen haben der breiten Öffentlichkeit das massive Bedrohungspotential nuklearer W affen vor Augen geführt. Die Angst vor Terroranschlägen mit Weapons of Mass Destruction(WMD) und auch die Möglichkeit, dass so genannte rouge states oder states of concern WMD erwerben könnten, ließen die USA einen „Paradigmenwechsel“1in ihrer Non-Proliferationsstrategie vollziehen. Vor dem Hintergrund dieses Paradigmenwechsels und einer sich wandelnden sicherheitspolitischen Lage wird in dieser Arbeit der NPT einer kritischen Überprüfung unterzogen und die Frage untersucht:
Wie lässt sich der Bedeutungsverlust des Nuclear Non-Proliferation Treaty in der U.S.-amerikanischen Sicherheitsstrategie erklären und hat der NPT noch eine Zukunft?
Diese Arbeit gliedert sich in die folgenden drei Abschnitte: Der zweite Abschnitt gibt einen Einblick in die Theorie des Neorealismus und bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten neorealistischen Annahmen zu der Beschaffenheit der internationalen Beziehungen. Bei der Bearbeitung dieses Abschnittes findet besonders das Werk Theory of International Politics von Kenneth Waltz Berücksichtigung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neorealismus
3. Der Nuclear Non-Proliferation Treaty
3.1 Der NPT während des Ost-West Konflikts
3.2 Der NPT nach dem Ende des Ost-West Konfliktes
3.3 Der NPT nach dem 11. September 2001
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Bedeutungsverlust des Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) innerhalb der US-amerikanischen Sicherheitsstrategie. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich dieser Wandel erklären lässt und ob der Vertrag unter veränderten globalen sicherheitspolitischen Bedingungen, insbesondere nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001, noch eine Zukunft besitzt.
- Theorie des Neorealismus als analytischer Rahmen
- Geschichte und Funktionsweise des NPT
- Einfluss des Ost-West-Konflikts auf die Nichtverbreitung
- Herausforderungen durch Terrorismus und Massenvernichtungswaffen
- Paradigmenwechsel in der US-amerikanischen Sicherheitsstrategie (Counterproliferation)
Auszug aus dem Buch
3. Der Nuclear Non-Proliferation Treaty
Proliferation meint allgemein die Verbreitung von nuklearen, biologischen und chemischen Waffen und ihrer Trägersysteme. Der Fokus dieser Arbeit liegt in diesem Kontext auf der Proliferation von Nuklearwaffen.
Die Proliferationsgeschichte von Kernwaffen beginnt bereits mit der Entstehung des amerikanischen Manhatten Projects und des weltweit ersten und einzigen Einsatzes von Atomwaffen „am Ende des Zweiten Weltkrieges über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki.“
Die Erkenntnisse über die enorme Zerstörungskraft und das strategische Potential von Atomwaffen, sowie die Fortschritte der Nukleartechnologie in den folgenden Jahrzehnten, ließen immer mehr Staaten nach diesen Waffen streben. Zu Beginn der sechziger Jahre herrschte die Befürchtung vor, die Zahl der Kernwaffenstaaten könnte sich innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte versechsfachen. Um eine Verbreitung dieser zerstörerischen Waffen zu stoppen, drängten die USA bereits seit Ende der fünfziger Jahre auf einen universellen Nichtverbreitungsvertrag.
Daraufhin entwickelte das Eighteen Nations Disarmament Committee (ENDC) seit 1962 einen Vertragsentwurf, der 1968 in revidierter Form von der UNO-Generalversammlung angenommen und von dreiundvierzig Staaten unterzeichnet wurde. Der Nuclear Non-Proliferation Treaty trat 1970 in Kraft und versucht seither den „bis dato erreichten Proliferationsgrad einzufrieren.“ Der NPT unterscheidet dementsprechend zwischen Nuclear-Weapon States (NWS) und Non Nuclear-Weapon States (NNWS): “For the purposes of this Treaty, a nuclear-weapon State is one which has manufactured and exploded a nuclear weapon or other nuclear explosive device prior to January 1, 1967.“ Dies war bisher nur den USA, der Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China gelungen und macht sie somit zu den einzigen fünf legalen NWS.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Massenvernichtungswaffen ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich des NPT und der US-Sicherheitsstrategie.
2. Neorealismus: Dieses Kapitel erläutert die neorealistische Theorie, insbesondere das Konzept des Sicherheitsdilemmas und die anarchische Struktur internationaler Beziehungen als analytische Basis.
3. Der Nuclear Non-Proliferation Treaty: Hier wird die Historie und Funktionsweise des NPT sowie dessen Entwicklung in verschiedenen sicherheitspolitischen Phasen analysiert.
3.1 Der NPT während des Ost-West Konflikts: Dieses Kapitel beleuchtet die Stabilität des Nichtverbreitungsregimes während der bipolaren Ära.
3.2 Der NPT nach dem Ende des Ost-West Konfliktes: Die Analyse konzentriert sich auf die neuen Herausforderungen durch den Zerfall der Sowjetunion und aufkommende Proliferationsrisiken.
3.3 Der NPT nach dem 11. September 2001: Das Kapitel untersucht den Einfluss des Terrorismus und den Paradigmenwechsel der USA hin zur Counterproliferation.
4. Schlussbetrachtung: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Zukunftsperspektiven des NPT kritisch bewertet.
Schlüsselwörter
NPT, Neorealismus, Massenvernichtungswaffen, Nichtverbreitung, USA, Sicherheitspolitik, Counterproliferation, Terrorismus, Sicherheitsdilemma, Atomwaffen, Internationale Beziehungen, Regime, Proliferation, Rüstungskontrolle, Weltordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Status des Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) und dessen Bedeutungsverlust in der amerikanischen Sicherheitsstrategie vor dem Hintergrund neorealistischer Theorieansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Theorie der internationalen Beziehungen, die Geschichte der Nuklearwaffenkontrolle, der Wandel der globalen Sicherheitsarchitektur sowie die neue Rolle der USA nach den Terroranschlägen des 11. Septembers.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erklären, warum der NPT an Bedeutung für die USA verloren hat und ob der Vertrag unter heutigen Bedingungen noch eine effektive Rolle spielen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Theorie des Neorealismus, um das staatliche Handeln und die Motivation für den Rückzug aus multilateralen Verträgen rational zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine historische Analyse des NPT in drei Phasen (Ost-West-Konflikt, Post-Kalter Krieg, Post-11. September) und eine kritische Bewertung der US-Strategie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie NPT, Neorealismus, Massenvernichtungswaffen, Counterproliferation und internationale Sicherheit geprägt.
Welche Bedeutung hat das Sicherheitsdilemma für den NPT?
Das Sicherheitsdilemma beschreibt den Zwang der Staaten zur Machtanhäufung, was den NPT aus neorealistischer Sicht zu einem fragilen Instrument macht, da die Vertragstreue hinter nationale Sicherheitsinteressen zurücktritt.
Warum haben die USA ihren Paradigmenwechsel vollzogen?
Aufgrund der Unfähigkeit des NPT, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen an Terroristen oder sogenannte "Schurkenstaaten" effektiv zu verhindern, wählten die USA mit der Counterproliferation eine proaktive und teils unilaterale Strategie.
Hat der NPT nach Ansicht des Autors noch eine Zukunft?
Der Autor argumentiert, dass der NPT trotz seiner Schwächen und des Bedeutungsverlusts weiterhin eine wichtige Funktion erfüllt, seine Zukunft jedoch von der Bereitschaft der Kernwaffenstaaten zu mehr Transparenz und Kompromissen abhängt.
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- Sebastian Meyer (Author), 2005, Die Entwicklung und der gegenwärtige Status des Nuclear Non-Proliferation Treaty, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48928