Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der Eroberung Rigas in deutschen Presseberichten. Am 23. Mai 1919 wird die lettische Hauptstadt Riga von deutschen Truppen eingenommen. Diese Operation spielt sich im Kontext einer Einflussnahme der Weimarer Republik im Baltikum ab, die sich in der Akzeptanz deutscher Freiwilligenkorps durch die deutsche Regierung und dem Führen eines Stellvertreterkrieges zeigt.
Wie bewerteten zeitgenössische Zeitungen die Eroberung Rigas? Welche Motivation steht hinter der klausulierten Berichterstattung, die nur mit ausreichendem Allgemeinwissen erschöpfend verstanden werden kann? Bei der Analyse der Zeitungsartikel von namhaften Blättern wie der "Vorwärts" oder der "Vossischen Zeitung" tritt das Stimmungsbild der frühen Republik plastisch hervor. Die Wut über den "Raubfrieden" von Versailles, die Angst vor einer russischen Einflussnahme und dem Sieg des blutigen Kommunismus, aber auch die koloniale Perspektive, nach der die ehemaligen Gebiete des "Ober Ost" eine unter deutscher Führung stehenden Kultur- und Wehrlandschaft vor den Toren Russlands bilden sollten, finden sich in Zeitungen aller politischer Richtungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung - Warum ein Pressespiegel?
Zeitungen der Weimarer Republik am 23.05.1919 - die wichtigsten Meldungen
Riga „genommen“, „befreit.“, „befreit!“ - oder doch keine Meldung?
Die Reaktion der Deutschletten
Zusammenfassung - was wurde wo und wie gesagt?
Ausblick - was sich noch heranziehen lässt
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche mediale Berichterstattung in der Weimarer Republik über die Einnahme Rigas am 23. Mai 1919 durch antibolschewistische Kräfte. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politisch unterschiedlich ausgerichtete Zeitungen die militärischen Ereignisse im Baltikum wahrnahmen, welche Rolle die Rolle deutscher Truppen dabei einnahm und inwiefern ein medialer Konformitätsdruck oder eine „Autosuggestion“ gegenüber bolschewistischen Bedrohungsszenarien herrschte.
- Analyse der Berichterstattung überregionale deutscher Tageszeitungen
- Vergleich der Darstellung von Befreier-Identitäten (deutsch vs. lettisch/baltisch)
- Untersuchung des medialen „Schweigekartells“ gegenüber der Rolle deutscher Truppen
- Kontrastierung mit deutschsprachigen lettischen Zeitungen
- Einordnung der Ereignisse im Kontext des Versailler Vertrags und der Angst vor dem Kommunismus
Auszug aus dem Buch
Einleitung - Warum ein Pressespiegel?
Im Kontext der Verhandlungen um den Versailler Vertrag und der sich verschärfenden Revolution auf deutschem Boden gelang es reichsdeutschen und paramilitärischen Truppen, große Gebietsgewinne im Gebiet des heutigen Lettlands zu machen. Vorstöße der zu großen Teilen deutschen Kämpfer wurden soweit von den Mächten der Entente toleriert, dass die Bolschewiki Lettlands zurückgedrängt werden konnten. Am 22. Mai 1919 schlugen Verbände der Baltischen Landeswehr, ein Zusammenschluss vorrangig baltendeutscher und lettischer Soldaten, sowie der Eisernen Division, ein Abteil der deutschen Freikorps im Baltikum, bzw. der Baltikumer, eine sowjetische Offensive zurück.
Der Einflussbereich dieser Truppen reichte über einen Großteil Kurlands, endete jedoch bei Mitau im April 1919. Nach der Abwehr der sowjetischen Offensive stiessen die Verbände unter Leitung des Generals Rüdiger von der Goltz tiefer in Zentral-Livland hinein und nahmen bis zum Mittag des 23. Mai 1919 Riga unter ihre Kontrolle.
Die Einnahme Rigas wurde in der Presse der Weimarer Republik zum Großteil als Befreiungsschlag wiedergegeben. Nichtsdestotrotz fällt die Rezeption dieser Einnahme verhalten aus und unterscheidet sich, je nach Zeitung, punktuell. In seinen Erinnerungen schreibt v.d. Goltz von großen Lügen der Zeitungen der Weimarer Republik, in denen konsequent die Rolle reichsdeutscher Truppen bei der Befreiung der Stadt unterschlagen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung - Warum ein Pressespiegel?: Die Einleitung skizziert den militärischen Kontext der Einnahme Rigas und begründet die methodische Herangehensweise der Untersuchung deutscher Presseberichte im Spannungsfeld politischer Sensibilitäten.
Zeitungen der Weimarer Republik am 23.05.1919 - die wichtigsten Meldungen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die thematische Gewichtung der Zeitungen am Tag der Einnahme, wobei die Verhandlungen in Spa und Unruhen in Osteuropa dominierten.
Riga „genommen“, „befreit.“, „befreit!“ - oder doch keine Meldung?: Hier werden die spezifischen Formulierungen und die zeitliche Verzögerung der Berichterstattung in den verschiedenen Tageszeitungen detailliert gegenübergestellt.
Die Reaktion der Deutschletten: Dieser Abschnitt beleuchtet die abweichende, offenere Perspektive der lokalen deutschsprachigen lettischen Presse, die deutsche Truppen direkter als Akteure benennt.
Zusammenfassung - was wurde wo und wie gesagt?: Die Autoren ziehen ein Resümee über die Identität der Befreier in der Berichterstattung und analysieren, wie unterschiedlich die Einnahme der Stadt inhaltlich interpretiert wurde.
Ausblick - was sich noch heranziehen lässt: Der Ausblick identifiziert die Forschungslücke bezüglich der tatsächlichen Machtausübung durch die Landeswehr und schlägt weiterführende Quellenanalysen vor.
Schlüsselwörter
Riga, 1919, Baltische Landeswehr, Eiserne Division, Rüdiger von der Goltz, Weimarer Republik, Presseberichterstattung, Bolschewismus, Autosuggestion, Freikorps, Lettland, Versailler Vertrag, Befreiungsschlag, deutschbaltische Soldaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Zeitungen während der Weimarer Republik über die Einnahme der lettischen Stadt Riga am 23. Mai 1919 durch antibolschewistische Truppen berichteten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die mediale Wahrnehmung militärischer Ereignisse im Baltikum, der Umgang mit der Identität beteiligter deutscher Verbände und die Angst vor kommunistischer Expansion nach dem Ersten Weltkrieg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den realen militärischen Ereignissen und der Darstellung in der deutschen Presse aufzuzeigen, insbesondere vor dem Hintergrund politischer Zwänge und außenpolitischer Angstzustände.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse von Pressetexten (Pressespiegel) überregionaler Zeitungen der Weimarer Republik, kontrastiert mit deutschsprachigen lettischen Zeitungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die konkreten Berichte verschiedener Zeitungen ausgewertet, Unterschiede in der Wortwahl (z. B. "Befreiung" vs. "Eroberung") analysiert und die Rolle der deutschen Truppen sowie die allgemeine Informationslage an diesem Tag beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Riga 1919, Baltische Landeswehr, Antibolschewismus, Presseanalyse, Autosuggestion und die Rolle der Freikorps im Baltikum.
Warum wurde die "Rote Fahne" nicht in die Untersuchung einbezogen?
Die "Rote Fahne" konnte nicht berücksichtigt werden, da sie als linksextremes Organ infolge des Spartakusaufstandes zeitweise verboten war.
Welche Bedeutung hatte das "Schweigekartell" für die Berichterstattung?
Das sogenannte Schweigekartell verhinderte, dass die direkte Beteiligung reichsdeutscher Truppen an den Kämpfen im Baltikum offen publik gemacht wurde, um die Siegermächte des Versailler Vertrags nicht zu provozieren.
- Quote paper
- Virgil Zolyom (Author), 2018, Die Einnahme Rigas am 23. Mai 1919 durch "antibolschewistische Kräfte" in deutschen Presseberichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489323