In Deutschland leben trotz hoher Präventivmaßnahmen viele Menschen in Abhängigkeiten. Im Jahr 2013 waren 1,77 Millionen Menschen alkoholabhängig, 5,6 Millionen Menschen tabakabhängig, 2,3 Millionen Menschen medikamentenabhängig und 0,32 Millionen Menschen hatten Süchte durch illegalen Substanzkonsum entwickelt. Im Jahr 2015 wurde die kassenrechtliche Anerkennung der Systemischen Therapie in Deutschland noch kontrovers diskutiert. Am 22. November 2018 veröffentlichte der gemeinsame Bundesausschuss bereits den Beschluss über die Kostenübernahme der Systemischen Therapie. Demnach wird der Therapieform aktuell eine erhöhte Relevanz zu teil. Bezugnehmend auf die Zahlen der in Abhängigkeit lebenden Menschen und der aktuell erhöhten Relevanz der Systemischen Therapie, sollen diese beiden Themen-felder verknüpft und innerhalb dieser Arbeit eruiert werden, was die Systemische Therapie im Falle von Suchterkrankungen leisten kann.
Der erste Teil dieser Hausarbeit offeriert dazu einen kurzen Rundumschlag des theoretischen Wissens über Süchte. Begonnen wird mit der durch die Veröffentlichung des DSM-V eingeführten Begrifflichkeit der „Substanzkonsumstörung“. Daraufhin werden die neurophysiologischen und behavioralen Hintergründe des Entstehens süchtiger Verhaltensweisen untersucht und mithilfe der Darstellung eines an Ratten durchgeführten Experiments expliziert. Um die Suchtthematik anschließend noch detaillierter ausdifferenzieren zu können, werden im Folgeabschnitt noch die diagnostischen Kriterien ausbuchstabiert.
Im zweiten Teil dieser Hausarbeit wird sich dann vor dem Hintergrund der Systemischen Beratung und Therapie der Suchtthematik angenähert. Dazu wird ein grundlegendes Element der systemischen Denkweise erläutert, um danach mit dem Störungsverständnis aus systemischer Sichtweise fortzufahren. Weiterhin wird exploriert, welche systemtherapeutischen Interventionen die Systemische Therapie bietet, um Substanzkonsumstörungen effektiv zu behandeln.
Die Erkenntnisse dieser Arbeit werden im Fazit zusammengefasst, um anschließend einen Ausblick zu artikulieren, der die behandelte Thematik abschließend bewertet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Suchterkrankungen
1.1 Substanzkonsumstörungen nach DSM-V
1.2 Neurophysiologische und behaviorale Grundlagen
1.3 Diagnostische Kriterien
2. Sucht in der Systemischen Beratung und Therapie
2.1 Systemisches Störungsverständnis
2.2 Systemtherapeutische Interventionen
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendungsmöglichkeiten der Systemischen Therapie im Kontext von Suchterkrankungen, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, welchen Beitrag dieser therapeutische Ansatz bei der Behandlung von Substanzkonsumstörungen leisten kann.
- Grundlagen der Sucht-Definition nach DSM-V
- Neurophysiologische Mechanismen und Belohnungssystem
- Systemisches Störungsverständnis und Symptom-Interpretation
- Methoden und Interventionsansätze der Systemischen Therapie
- Analyse des therapeutischen Prozesses bei Abhängigkeitserkrankungen
Auszug aus dem Buch
Systemische Therapie bei Substanzkonsumstörungen
Insgesamt konnte im Kontext von Substanzkonsumstörungen, durch eine Metaanalyse sechs kontrollierter und evidenzbasierter Studien die erhöhte Wirksamkeit der Systemischen Therapie im Vergleich zu lediglich informationsbasierten Beratungsformen nachgewiesen werden (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2017, S. 3). Insgesamt enthält der systemische Ansatz viele störungsübergreifende Techniken wie die Ressourcenorientierung, zirkulären Fragen, Skulpturarbeit, Familienbrettarbeit und viele andere Interventionsmethoden (Ludewig, 2015, S. 189). Es soll sich im Rahmen dieser Hausarbeit aber auf diejenigen Techniken begrenzt werden, die sich bezogen auf Suchterkrankungen als wirksam erwiesen haben.
Die Ausführungen dieses Kapitels werden vor der grundlegenden systemischen interventionstheoretischen Idee verbalisiert, dass die gestellten Fragen durch den Therapeuten und die entsprechend formulierten Antworten immer eine wechselseitige Beeinflussung beinhalten und somit ein Prozess der Veränderung angestoßen werden kann (Schwertl, 1998, S. 183).
Dabei spielt die genutzte Sprache der Therapeuten innerhalb des Therapieprozesses eine entscheidende Rolle. Die Verwendung von Begrifflichkeiten beinhalten immer auch Bewertungen, Implikationen und Interpretationen. Es wird innerhalb der Therapie also von Alkoholtrinkenden, anstatt von Suchtkranken, Abhängigen oder Alkoholikern gesprochen. Ebenso ist die Rede von einem Vorfall, statt von einem Rückfall, bei nicht gelingender Abstinenz. Diese Art der Sprache führt auch dazu, dass sich die Indexpersonen nicht als Opfer ihrer Sucht erleben, sondern als Verantwortungsträger ihres Lebens, welches bei vorhandenem Veränderungswillen auch nur von der Person selbst verändert werden kann (ebd. S. 185-186).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Suchterkrankungen ein und erläutert die zunehmende Bedeutung der Systemischen Therapie als anerkannte Behandlungsmethode.
1. Suchterkrankungen: In diesem Kapitel werden die Definitionen nach DSM-V, die neurobiologischen Grundlagen der Suchtentstehung und die klinischen Diagnosekriterien erläutert.
2. Sucht in der Systemischen Beratung und Therapie: Dieser Hauptteil beschreibt das systemische Verständnis von Störungen als Ausdruck dysfunktionaler Systemkonstellationen und stellt spezifische therapeutische Interventionen vor.
3. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, hebt das Potenzial der Systemischen Therapie hervor und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung sowie präventiver Ansätze.
Schlüsselwörter
Systemische Therapie, Substanzkonsumstörung, Suchterkrankung, Belohnungssystem, Dopamin, Symptomträger, Ressourcenorientierung, Klärungsphase, Veränderungsphase, Tetralemma, Externalisierung, Skulpturarbeit, Familienaufstellung, Prävention, Abhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Anwendung der Systemischen Therapie bei der Behandlung von Substanzkonsumstörungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den neurophysiologischen Grundlagen der Sucht, dem systemischen Störungsverständnis und den spezifischen systemtherapeutischen Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu eruieren, welchen Beitrag die Systemische Therapie bei der Behandlung von Suchterkrankungen leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen mit klinischen Konzepten der systemischen Beratung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (DSM-V, Neurophysiologie) und die systemische Praxis (Interventionsmethoden und Therapiephasen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemische Therapie, Substanzkonsumstörung, Dopamin, Symptomträger und Ressourcenorientierung.
Wie unterscheidet sich die systemische Sichtweise vom klassischen Verständnis bei Sucht?
Im Gegensatz zum rein defizitorientierten Ansatz betrachtet die Systemik den Patienten als „Symptomträger“ in einem dysfunktionalen System, statt die Störung rein als individuelles Defizit zu definieren.
Welche Rolle spielt die Sprache innerhalb der systemischen Suchttherapie?
Die Sprache wird gezielt eingesetzt, um den Patienten aus der Opferrolle zu führen und ihn als aktiven Verantwortungsträger für seine Lebensgestaltung zu positionieren.
Was besagt die Methode des "Tetralemmas" im Kontext dieser Arbeit?
Das Tetralemma dient dazu, dem Klienten neue Handlungsoptionen zu eröffnen, indem es über starre Schwarz-Weiß-Positionen hinausgeht und den Klienten dabei unterstützt, einen abstinenten Lebensstil zu erreichen.
- Quote paper
- Niklas Künneke (Author), 2019, Systemische Beratung und Therapie im Kontext von Suchterkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489366