Kaiser Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Habsburg


Seminararbeit, 2004
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die gemeinsame Jugend von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen am Habsburger Hof

3. Die Auseinandersetzung zwischen Ludwig und Friedrich
3.1 Ludwigs Wechsel zur habsburgerfeindlichen Politik im Zuge der Niederbayern-Angelegenheit
3.2 Die Königswahl 1314
3.3 Der Kampf der Gegenkönige bis zur endgültigen Entscheidung
3.4 Die Entscheidungsschlacht bei Mühldorf und deren Auswirkungen
3.4.1 Friedrichs Gefangenschaft
3.4.2 Langfristige Folgen der Schlacht von Mühldorf
3.4.3 Die Schlacht von Mühldorf

4. Der Versöhnungsprozess zwischen Ludwig und Friedrich bzw. den Habsburgern
4.1 Die Verträge von Trausnitz, München und Ulm
4.2 Ludwigs Motive für sein Verhalten
4.3 Die Beziehung zwischen Ludwig und Friedrich nach den Verträgen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Kein anderer deutscher Herrscher im Spätmittelalter hat wohl so polarisiert wie Ludwig der Bayer, ein König bzw. Kaiser, der zum einen als ein „Ausbund nahezu aller Laster“[1] dargestellt wird, zum anderen bei manchen Geschichtsschreibern die Hochachtung erfahren hat, dass sie ihn „als einen wahrhaft christlichen Herrscher“[2] bezeichneten. Offenbar muss die Verhaltensweise des Wittelsbacher relativ vielfältig gewesen sein, um solch völlig unterschiedliche Meinungen über ihn aufkommen zu lassen. So scheint es interessant, einmal das Leben dieses Kaisers näher zu betrachten, das so viele verschiedene Brennpunkte aufweist. Vor allem der lodernde Streit mit der Kurie ließ Ludwig den Bayern zu einer umstrittenen Berühmtheit werden, aber etwa auch die Auseinandersetzung mit seinem Bruder Rudolph prägte sein Leben. Ebenfalls ein besonderer Dreh- und Angelpunkt war die Beziehung zu seinem habsburgischen Vetter Friedrich dem Schönen, die für die politische Laufbahn des Herrschers von entscheidender Bedeutung war. Wichtige Abschnitte in Ludwigs Leben waren oft eng mit der Beziehung zu dem Habsburger verknüpft. Welches Verhältnis bestand aber zwischen den beiden? Gibt es Phasen, in denen sich die Beziehung zwischen dem Wittelsbacher und dem Habsburger verändert hat? Und nicht zuletzt: Welche Konsequenzen resultierten aus deren Verlauf? All diesen zentralen Fragen soll in dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Um den Verlauf des Verhältnisses zwischen den Vettern untersuchen zu können, ist es natürlich nötig, die politischen Ereignisse, an denen Ludwig und Friedrich maßgeblich beteiligt waren, näher ins Auge zu fassen. Eine relativ umfassende Forschungs- und Quellenlage ermöglicht es, die Beziehung der beiden konsequent nachzuvollziehen. Lediglich die gemeinsame Jugend der beiden Vettern in Wien ist wenig dokumentiert und daher auch in der vorliegenden Arbeit nicht ausführlich dargestellt.

2. Die gemeinsame Jugend von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen am Habsburger Hof

Dazu, wie es den Wittelsbacher an den Habsburger Hof, den Ort, an dem sich Ludwig und Friedrich näher kennen lernten, verschlug, sei nur wenig gesagt: Nach dem Tod von Ludwigs Vater Ludwig II. hielt Mechthild von Habsburg, Ludwigs Mutter, endgültig nichts mehr länger in München. Auseinandersetzungen mit ihrem Sohn Rudolph gaben ihr den entscheidenden Anstoß, zusammen mit ihrem zweiten Sohn Ludwig nach Wien umzusiedeln.[3] Ohne Zweifel ist, dass der spätere Kaiser dort zusammen mit seinen habsburgischen Vettern Leopold und Friedrich aufwuchs. Abgesehen von einer Diessener Quelle ist nichts Sicheres über diesen Zeitabschnitt in Ludwigs Leben überliefert[4], doch durch diese kann man sich zumindest ein grobes Bild von der gemeinsamen Erziehung der Jungen machen: „filius Ludovicus Dux adhuc puerulus Viennae literis erat applicatus, nec non cum filiis Austriae Principis disciplinis honestioribus et morum gravitate imbuebatur, in per progressum temponis ad summum Romani Imperii culmen prae cunctis terrarum Principibus eligeretur.“[5] Im Angesicht der spärlichen Überlieferungen über die Beziehung zwischen Ludwig und seinen habsburgischen Vettern lässt sich Gertrud Benker zu Mutmaßungen hinreißen: „Man könnte sich denken, daß es manches Auftrumpfen und Rangeln gab zwischen ihnen, Wettbewerb und Zorn über kleine Niederlagen”.[6] Schmid spricht allerdings davon, dass Ludwig und Friedrich „Jugendfreunde“[7] waren, also eine durchaus freundschaftliche Beziehung pflegten.

3. Die Auseinandersetzung zwischen Ludwig und Friedrich

3.1 Ludwigs Wechsel zur habsburgerfeindlichen Politik im Zuge der Niederbayern-Angelegenheit

Die möglicherweise recht freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Vettern blieb allerdings nicht lebenslang bestehen. Zwar behielt Ludwig auch nach dem Tod seiner Mutter einen habsburgerfreundlichen Kurs bei – schließlich war er „zunächst auf die Unterstützung durch seinen Onkel König Albrecht I. gegen seinen Bruder Rudolph angewiesen”[8] –, doch sobald er sich einen politischen Vorteil daraus verschaffen konnte, zögerte er nicht, sofort die Seiten zu wechseln.

Diese Situation ergab sich am Tag des 9. Septembers 1312, an dem der niederbayerische Herzog Otto III. starb. Mit dessen Tod übernahm Ludwig die Vormundschaft über seine Vetter, den noch unmündigen Herzögen Heinrich XIV., Heinrich XV. und Otto IV. und damit gleichzeitig die niederbayerische Regentschaft. Zu dieser Zeit konnte Ludwig sein diplomatisches Fingerspitzengefühl unter Beweis stellen, indem er eine Gratwanderung zwischen der Partei der Niederbayern und die der Habsburger vollzog. Diese waren einander nämlich feindlich gesinnt, so dass Ludwig nicht ohne Komplikationen gleichzeitig mit beiden zusammenarbeiten konnte. Aus diesem Grund versuchte der Wittelsbacher zunächst Niederbayern und Habsburg einander anzunähern[9], was auch von einstweiligem Erfolg gekrönt war: Einerseits gewann er die „zwölf Adelsvertreter des «Herzoglichen Rates» von Niederbayern für sich“[10], andererseits bot er den Habsburgern an, Heinrich den Älteren mit einer habsburgischen Prinzessin zu verheiraten, was laut Benker mit einem „Freundschaftsbündnis“ gleichzusetzen ist.[11] Diese zweigleisige Politik stieß aber nicht überall auf offene Ohren, so dass die Regentschaft des Wittelsbacher in Niederbayern keineswegs unumstritten war. Der gegen Ludwig gerichtete Schirm- und Bundesvertrag zwischen niederbayerischen Städten und Ludwigs Bruder Rudolph veranlasste den Wittelsbacher zu einer folgeschweren Entscheidung: Er gab die habsburgerfreundliche Politik gänzlich auf und „versöhnte“ sich wieder mit seinem Bruder, um seine Position zu stärken.[12] Auf diese Weise gelang es Ludwig dem Bayern, Niederbayern hinter sich zu stellen. Doch damit war der Konflikt mit Friedrich und dessen Brüdern natürlich vorprogrammiert, da die Habsburger ebenfalls Niederbayern für sich gewinnen wollten. Auch ein Versuch der beiden Parteien, sich in dieser Angelegenheit in Landau auszusprechen, konnte diese Auseinandersetzung nicht schlichten, ja es wird sogar von einem lautstarken Streit zwischen Ludwig und Friedrich berichtet, „in dessen Verlauf sich Herzog Ludwig vom Jähzorn hinreißen ließ“[13]. Da sich sowohl Ludwig als auch Friedrich „im Recht fühlten“[14], ist allerdings zu bezweifeln, dass bei diesem Gespräch ernsthafte Versöhnungsversuche erwartet wurden.[15] Zum weiteren Verlauf der Rivalität trugen die Witwen der Herzöge Otto III. und Stephan I. entscheidend bei, indem sie Friedrich von Habsburg „um Hilfe für ihre Kinder gegen Ludwig und Friedrich ins Land riefen“[16]. So wurde ein Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten unausweichlich, was sich am 9. November 1313 in der Schlacht bei Gammelsdorf bestätigte. Ludwigs Sieg in dieser militärischen Auseinandersetzung hatte allerdings nicht nur Folgen für die Angelegenheit um Niederbayern, sondern noch viel weitreichendere Auswirkungen, die im Verlauf dieser Arbeit noch angesprochen werden sollen.

3.2 Die Königswahl 1314

Da Kaiser Heinrich der VII. aus dem Hause Luxemburg am 24. August gestorben war, musste ein Nachfolger gefunden werden. Heinrichs Sohn Johann von Böhmen konnte sich trotz redlicher Bemühungen in den Wahlverhandlungen nicht durchsetzen. Die Habsburger ihrerseits sahen im Tod Heinrichs VII. eine willkommene Gelegenheit, die Krone wieder ihrem Haus zuzuführen, so dass sie sich für eine Kandidatur Friedrichs einsetzten.[17] Die Erzbischöfe von Mainz und Trier, die auf luxemburgischer Seite standen, jedoch Johann von Böhmen als Nachfolger ablehnten, setzten sich ab August 1314 für Ludwig den Bayern ein[18], da dieser – wie bereits angesprochen – in der Schlacht von Gammelsdorf sein militärisches Geschick und seine Überlegenheit gegenüber den Habsburgern gezeigt hatte. Auch die Tatsache, dass der Wittelsbacher „mit seinem Anteil an Oberbayern [nur] über eine äußerst schmale Herrschaftsgrundlage verfügte“[19], dürfte die Erzbischöfe wohl in ihrer Entscheidung bestärkt haben; sie fanden niemand, „der besser geeignet schien, das Reich zu lenken“[20]. Auf diese Weise hat sich die Rivalität der beiden Vetter von der Niederbayern-Angelegenheit auf den Thronkampf übertragen. Obwohl sich der Ursprungspunkt der Konkurrenz nach der Schlacht um Gammelsdorf dadurch vorerst geklärt hatte, dass Friedrich Ludwigs und Rudolfs niederbayerische Pflegschaft anerkannte[21], blieb die Feindschaft zwischen den Rivalen also aufgrund der Thronfrage bestehen. Natürlich versuchten beide Parteien, möglichst einflussreiche Verbündete an ihre Seite zu stellen. Aus diesem Grund geizten weder Ludwig noch Friedrich mit Versprechungen für diejenigen, die sich bereit erklärten, sie zu wählen.[22]

Schließlich kam es dazu, dass Friedrich Heinrich von Köln, Ludwigs Bruder Rudolph, Rudolph von Sachsen-Wittenberg und Heinrich von Kärnten auf seine Seite zog und diese ihn am 19. Oktober zum König wählten[23], während einen Tag später Peter von Mainz, Balduin von Trier, Johann von Böhmen, Woldemar von Brandenburg und Johann von Sachsen-Lauenburg Ludwig den Bayern ebenfalls zum König erhoben.[24]

[...]


[1] Schmid, Ludwig, S.5

[2] Pertz, Quellen, S.103

[3] Vgl. Schmid, Ludwig, S.7

[4] Vgl. Schlögl, Jugendgeschichte, S.195

[5] Oefele, Scriptores, S.650

[6] Benker, Ludwig, S.22

[7] Schmid, Ludwig, S.9

[8] Ebenda.

[9] Vgl. Hundt, Ludwig, S.75

[10] Benker, Ludwig, S.66

[11] Vgl. Ebenda.

[12] Vgl. Hundt, Ludwig, S.76

[13] Pertz, Quellen, S.43

[14] Benker, Ludwig, S.69

[15] Vgl. Ebenda., S.68 f

[16] Schmid, Ludwig, S.9

[17] Vgl. Lhotsky, Geschichte Österreichs, S.223 f

[18] Vgl. Huber, Verhältnis, S.15

[19] Schmid, Ludwig, S.11

[20] Pertz, Geschichtsschreiber, S.59

[21] Vgl. Koch, Pfalzgrafen, Nr.1730

[22] Vgl. Thomas, Ludwig, S.56-58

[23] Vgl. Gross, Regesta habsburgica, Nr.1-3

[24] Vgl. Koch, Pfalzgrafen, Nr.1922

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kaiser Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Habsburg
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Bayerische Landesgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar zur Mittelalterlichen Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V48937
ISBN (eBook)
9783638455060
Dateigröße
1779 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiser, Ludwig, Bayer, Friedrich, Schöne, Habsburg, Proseminar, Mittelalterlichen, Geschichte
Arbeit zitieren
Annette Schießl (Autor), 2004, Kaiser Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Habsburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48937

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