Mythos Frontier. Die europäische Besiedlung Amerikas und das "Westward Movement"


Seminararbeit, 2015

27 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Exkurs: Die Kolonialisierung Nordamerikas
2.1 Vorgeschichte
2.2 Die Kolonialisierung Nordamerikas und Unabhängigkeit der vereinigten Staaten

3. Die Frontier in der Geschichte Nordamerikas
3.1 Bedeutung des Begriffes Frontier
3.2 Westward Movement
3.2.1 Die Manifest Destiny
3.2.2 Die Rolle des Eisenbahnbaus
3.2.3 Die Indianerkriege
3.2.4 Der Umgang mit der Wildnis, Romantisierung des Westens
3.2.5 Der Homestead Act 1863
3.3 Sklaverei in den Kolonien Nordamerikas und Bürgerkrieg

4. Frontier-These und Kritik
4.1 Die Frontier-These
4.1.1 Turners Frontier-Definition
4.1.2 Die Barrieren der Frontier-Expansion
4.1.3 Die soziale und wirtschaftliche „Evolution“ am Grenzgebiet
4.1.4 Unterkategorien der Frontier
4.1.5 Nationalisierende Effekte der Expansion
4.1.6 Intellektuelle Merkmale durch die Frontier-Erfahrung
4.2 Die Kritik an der Frontier-These
4.2.1 Die ethnozentrische, rassistische und nationalistische Sichtweise
4.2.2 Vernachlässigung der Frauen
4.2.3 Nichtbeachtung der demographischen Veränderungen
4.2.4 Fragliche Demokratisierungseffekte der „Frontier“
4.2.5 Der Zusatz „Mythos“

5. Aktuelle Frontier Diskurse und Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem ersten Thema „Mythos Frontier“ geben wir in unserer Arbeit Überblick für die Amerikanische Geschichte und deren Folgen für die Politik und Menschheit an den Stellen unserer Route im Mittleren Westen. Wir werden erläutern, wieso Amerika das Land ist, was es heute ist und wie das Handeln im heutigen Amerika geprägt wurde und immer noch wird. Starten wollen wir mit einem Historischen Exkurs, nämlich der Kolonialisierung Nordamerikas und der vorhergehenden Entdeckung der neuen Welt von Christoph Kolumbus. Gleich danach werden wir den Begriff der Frontier das erste Mal etwas unter die Lupe nehmen und ihn grob umreißen und definieren. Anschließend möchten wir das sogenannte Westward Movement in den damals neu gegründeten vereinigten Staaten genauer beleuchten und auf Teilbereiche wie die Manifest Destiny, den Eisenbahnbau, die aus dem Westward Movement resultierenden Indianerkriege, die heutige Romantisierung des „wilden“ Westens, den Homestead Act und die Sklaverei in den Staaten eingehen.

Im zweiten Teil der Arbeit werden wir dann die Frontier Debatte von Frederick Jackson Turner genauer betrachten, auf deren Ursprung unsere Recherchen basieren. Hier gehen wir auf Turners Definition der Frontier und seine Gründe, warum die Frontier einen nachhaltigen Eindruck auf das Amerikanische Denken hatte, ein. Erörtert werden hier die soziale und wirtschaftliche Evolution an der Frontier, Nationalisierende Effekte der West-Expansion, sowie Barrieren der Frontier-Expansion und Unterkategorien der Frontier. Danach folgt eine Kritik an Turners These, in der einige Merkmale wie die Vernachlässigung der Frauen, eine rassistische Sichtweise und Nichtbeachtungen der demographischen Veränderungen analysiert werden. Der Zusatz Mythos soll noch einmal genau vor Augen führen, wieso das, was Turner schreibt, nicht alles für bare Münze gehalten werden kann und trotz allem wohl ein Mythos bleibt. Zum Schluss beschäftigen wir uns noch mit dem Wandel des Frontier Begriffes und aktuellen Diskursen in der heutigen Zeit.

2. Historischer Exkurs: Die Kolonialisierung Nordamerikas

2.1 Vorgeschichte

Beginnen wollen wir diese Arbeit bereits mit dem italienischen Seefahrer Christoph Kolumbus (1451-1506) und seiner Entdeckung Amerikas; Bekannt ist bereits, dass auch davor unter anderem Wikinger aus Europa in Nordamerika gelandet waren. Als einen wirklichen Startschuss für die Entdeckung und Besiedlung einer neuen Welt konnte und kann man diese Entdeckungsreise jedoch nicht bezeichnen. Doch zurück zu Kolumbus, der eigentlich Indien entdecken wollte, aber dann schlussendlich doch in Nordamerika gelandet ist – Ein Versehen, dass im Anschluss weitreichende Einflüsse auf amerikanische Geschichte, amerikanisches Denken und auf amerikanische Politik hatte. Doch zu Beginn stellt sich die Frage: Wieso wollte man eigentlich so dringend aus Sicht der Spanier, unter deren Flagge Kolumbus tätig war, einen Seeweg nach Indien finden?

Indien war in der damaligen Welt sozusagen die Nummer 1 auf dem Weltmarkt, was Gewürze und Verkauf von Gewürzen anbetraf. Portugal, stark rivalisierte Seemacht zu dem benachbarten Spanien, hatte bereits 1488 in Person von Bartolomeu Dias die Umrundung Afrikas geschafft und einen freien Seeweg nach Indien gefunden. Aufgrund von Angst auf seinem Schiff, musste er jedoch wieder nach Portugal zurücksegeln. So war es schließlich 1497 Vasco da Gamas, der den ersten Seeweg, heute auch Gewürzroute genannt, nach Indien erschlossen hatte (WDR, 2015). Im Zuge dessen musste die benachbarte Nation Spanien natürlich reagieren. So war es also ein italienischer Seefahrer in spanischen Diensten, der 1492 die Idee hatte, von Spanien einfach gen Westen zu segeln, ohne Kenntnis von einem anderen Kontinent, der eventuell im Weg sein könnte. Kolumbus stach am 3. August 1492 in Palos de la Frontera (Andalusien) in See und segelte nach einem kurzen Zwischenstopp auf den kanarischen Inseln weiter Richtung Westen, bis er schließlich am 12. Oktober 1492 in Guanhani, den heutigen Bahamas, landete und einen Startschuss für die Kolonialisierung der neuen Welt gab (BECKMANN, 2014).

2.2 Die Kolonialisierung Nordamerikas und Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten

Bereits zwischen 1519 und 1521 erfolgte durch Hernan Cortez die Eroberung des Azteken Reichs in Zentralamerika, dem heutigen Mexiko (ZUBER, 2009). 1565 wurde schließlich auch die erste Siedlung Nordamerikas gegründet, mit dem Namen St. Augustine (Florida) (PARKER, 2011)

Während Spanien also im Süden mit der Landnahme startete begann ein weiteres Seefahrervolk, nämlich Frankreich, mit der Eroberung im Norden im heutigen Quebec (1608).

Daraufhin beanspruchten sie 1718 (NEWORLEANS.DE, O.J.) das Gebiet um das heutige Louisiana mit ihrer Stadt New Orleans und konnten somit entlang des Mississippi nach Norden ihre Handelsrouten aufbauen (CANADA.ORG, 2015)

Ein weiteres, aber in der späteren Besiedlungsgeschichte dann doch eher unwichtiges Seefahrervolk, waren die Niederländer, die 1624 Neu Amsterdam gründeten. Ebenfalls wie die Niederländer versuchten auch die Schweden in Amerika Fuß zu fassen und gründeten 1638 Neuschweden im heutigen Delaware, was jedoch kurz darauf von den Niederländern bereits aus wirtschaftlichen Gründen wie Konkurrenz im Handel, erobert wurde (1655).

Im Jahr 1607 siedelte sich schließlich auch die Englische Krone in mit der Siedlung Jamestown in Nordamerika und legte den ersten Grundstein für die Kolonialisierung Nordamerikas. Die wohl bekanntere Landnahme fand allerdings gut 13 Jahre später im Jahr 1620 statt, als die so genannten Pilgerväter (Pilgrim-Fathers) aus England in Plymouth ihre erste Kolonie gründeten. Im zweiten Niederländisch-Englischen Seekrieg eroberten die Briten zudem Neu Amsterdam, was kurzerhand in New York umbenannt wurde, und alle weiteren restlichen niederländischen Kolonien (BUEHLER-HD.DE, o.J.). Im zweiten der vier Franzosen-Indianerkriege, dem Queen Anne’s war, kämpften die beiden Mächte Frankreich und England um die Vormachtstellung auf dem Nordamerikanischen Kontinent. Der Frieden von Utrecht (1713) bedeutete gleichzeitig das Ende dieses Krieges, aus dem England die Gebiete um die Hudson Bay, Nova Scotia und das heutige Neufundland mitnehmen konnte (COLONIALWARSCT.ORG, 2011) 1732 wurde mit Georgia die letzte der 13 britischen Kolonien gegründet. Die 13 Kolonien hießen:

1. Provinz New Hampshire
2. Provinz Massachusetts Bay
3. Kolonie Rhode Island and Providence Plantations
4. Kolonie Connecticut and New Haven
5. Provinz New York
6. Provinz New Jersey
7. Provinz Pennsylvania
8. Kolonie Delaware
9. Provinz Maryland
10. Kolonie Virginia
11. Provinz North Carolina
12. Provinz South Carolina
13. Provinz Georgia

(SCHULE-STUDIUM.DE, O.J.)

Mit dem Ende des 4. Franzosen - und Indianerkrieges 1763 konnte die britische Krone mit dem Pariser Frieden noch das bis dato spanische Florida (St. Augustine) und die Gebiete östlich des Mississippi und Kanada für sich gewinnen - Nordamerika wurde also komplett neu aufgeteilt (WDR.DE, 2015). Der 4. Franzosen – und Indianerkrieg, Europa war in dieser Zeit Schauplatz des Siebenjährigen Krieges, war einer der bis dato teuersten Kriege für Großbritannien. Geld, das man also am besten durch die Kolonien in Nordamerika wieder einnehmen wollte. So verabschiedete Großbritannien den so genannten Stamp Act (1765), der verlangte, dass auf jedes offizielle Schriftstück, sei es ein Buch oder Zeitungen, eine Steuermarke geklebt wurde – eine neue Einnahmequelle für die Briten war also gefunden. Ein weiteres Ereignis, dass den Unabhängigkeitsgedanken in den Kolonien befeuerte, waren die Townshend Acts. In diesen wurde festgelegt, dass auf allen möglichen Importgütern Zölle gelegt werden sollten. Auch das eine Maßnahme um die Staatskasse Großbritanniens aufzubessern. Die Unruhen, die durch diese Gesetze befeuert wurden eskalierten 1773 in der sogenannten Boston Tea Party, als über 50 Bostoner gegen die Versteuerung von Tee vorgingen und ganze Schiffladungen ins Meer zurück kippten. Dieser Protest zog die sogenannten Intorable Acts nach sich. So wurde Beispielsweise der Hafen von Boston vom Handel ausgeschlossen und die Gründung der Kolonie Massachusetts widerrufen. Außerdem wurde ein Versammlungsverbot in Städten ausgesprochen. Diese Gesetze stießen natürlich auf große Ablehnung innerhalb der 13 Kolonien und waren mehr oder weniger der Tropfen, der das Fass für den Unabhängigkeitskrieg zum Überlaufen brachte. Die Gefechte von Lexington und Concord waren am 19. April 1775 der Startschuss für den Ausbruch des Krieges. Hier kämpfte die Kontinentalarmee gegen die britischen Truppen und die sogenannten Loyalisten. Im Oktober 1781, bei der Belagerung von Yorktown, kapitulierte schließlich die britische Armee. Der Frieden von Paris 1783 sicherte den Vereinigten Staaten somit die Unabhängigkeit und alle 13 britischen Kolonien zu. Die USA waren also geboren (SCHULE-STUDIUM.DE, O.J).

3. Die Frontier in Nordamerika

3.1 Bedeutung des Begriffes „Frontier“

Bei einer Recherche nach dem blanken Begriff „Frontier“ findet man im Internet mehrere Seiten mit Ergebnissen, die jedoch sogut wie immer das Gleiche ausdrücken. Das Internet Wörterbuch Dict.cc übersetzt es als Grenze oder altdeutsch Mark (DICT.CC, 2015). Wikipedia ist schon genauer und übersetzt die Frontier mit Grenzland. Grenzland ist ein Überbegriff für mehrere Arten von Grenzbereichen zwischen menschlichen Gesellschaften. Sie können deutliche Unterschiede in der Kultur bzw. der Weltanschauung aufweisen, in der staatlichen Organisationsform oder in anderen, eine gegenseitige Fremdheit ausmachenden Aspekten. Gesellschaften, die in diesen Räumen leben, nennt man frontier society“ (WIKIPEDIA, 2015). In diesem Thema wird die sogenannte Frontier weitestgehend als Grenzlinie zwischen der amerikanischen, zivilisierten Bevölkerung und der „Wildnis“, also dem Westen Amerikas mit all seinen Gefahren und Bewohnern, gesehen. Die neuen Hindernisse, die es zu bewältigen gab, die also durch die Frontier hervorgerufen wurden, sind laut Frederick Jackson Turner mittlerweile die prägende Schlüsselfunktion im Amerikanischen Denken und Handeln. Heutzutage weiß man, dass die Frontier nicht als klare geographische Grenzlinie angesehen werden kann, sondern vielmehr als die Durchdringung eines Kulturellen völlig neuen Kreises gesehen werden muss. 1890 gilt das sogenannte Westward Movement und die Landnahme im Westen für abgeschlossen und somit wurde auch die Frontier Debatte für aufgelöst erklärt (KRÜGER, 2015: 4F).

3.2 Westward Movement an der Frontier

3.2.1 Die Manifest Destiny

Im 19. Jahrhundert war es wohl eine der prägendsten Doktrinen im amerikanischen Bewusstsein: Die Manifest Destiny (HISTORY.COM, 2015) Der Begriff wurde zuerst von dem Journalisten John O’Sullivan gebraucht, indem er meinte, dass es eben die Manifest Destiny von den USA sei, sich über den Kontinent auszubreiten. Sie bedeutete, dass die USA mit göttlichem Beistand die östlichen Gebiete bis zum Pazifik einnehmen sollte. Man wollte also jedem Bürger der vereinigten Staaten verständlich machen, dass es nur gut ist, wenn man sich in den Westen ausbreitet, da man allen Völkern des Kontinents die Demokratie und Zivilisation bringen sollte. Ein tatsächlicher Politischer Gesetzesentwurf zum Thema „Manifest Destiny“ wurde zwar nie geschaffen, trotzdem wurde die Idee stark medial propagiert und ein Bisschen Grundstock politischen Denkens(HISTORY.COM, 2015). Was sich für die damaligen „weißen“ Siedler gut anhörte, war in der folgenden Geschichte Amerikas wohl eines der brutalsten Kapitel. Dass man Millionen „American Indians“ und Mexikanern das Land nahm, war zwar für die USA selbstverständlich, für die tatsächlichen indigenen Völker des Landes jedoch unverständlich. Das Resultat waren zahlreiche Indianerkriege und der mexikanisch- amerikanische Krieg, die im Folgenden noch erörtert werden sollen.

Im Jahr 1783 bekamen die Vereinigten Staaten ein 17-mal so großes Gebiet wie Großbritannien von der britischen Krone zugesprochen. Besiedelt waren jedoch nur ein paar Streifen im Osten. Der unbesiedelte Westen hielt jedoch vor allem eines für die neuen Siedler bereit: einen Platz zum Bebauen und Wohnen. Unter dem Unabhängigkeitsführer und damaligen dritten Präsidenten Thomas Jefferson bekam die USA für 15 Millionen im Jahr 1803 mehr als zwei Millionen Quadratkilometer Land in Nordamerika, das bis zu den Rocky Mountains reichte. Während 1790 noch knapp 100 000 US-Amerikaner in den neuen westlichen Gebieten lebten, waren es 50 Jahre später mit sieben Millionen bereits 40 Prozent der gesamten Bevölkerung. Den Pazifik erreicht die Landesgrenze der USA dann schließlich 1848 als man Mexiko (1821: Unabhängigkeitserklärung Mexikos von Spanien) im Krieg besiegen kann und Oregon 1846 ebenfalls erwerben kann. Die indigenen Völker, auch Indianer genannt, müssen in Reservate weichen – zu viele Weiße haben mittlerweile ihren Platz weggenommen (GOTTSCHALK, 2014: 25).

3.2.2 Die Rolle des Eisenbahnbaus

Der Wunsch, den Westen einfach bereisen zu können schwebte schon lange in so manchen Köpfen der Amerikaner. Während 1860 im Osten bereits 50 000 Kilometer an Eisenbahnschienen verlegt waren, lag im Westen noch kein einziger Meter, abgesehen von einer Strecke von 50 Kilometern, die Sacramento mit Lincoln verbinden sollte. Unstimmigkeiten im Verlauf und keine Einigung der Kongressteilnehmer waren 1855 der Grund dafür. Doch schließlich war es Theodore Judah, der im Januar 1861 vier Männer, die sogenannten Big Four einlädt, um mit ihnen seine Idee zu besprechen. Die Big Four waren Collis Huntington, ein Eisenwarenhändler, Mark Hopkins, Huntingtons Buchhalter, Charles Crocker, ein Kurzwarenhändler und Leland Stanford, Bald Gouverneur von Kalifornien, gerissen und Spekulant – Männer des Westens, sogenannte „Self Made Men“. Er sagte ihnen, dass er einen Weg für eine Trasse gefunden hätte und eine Eisenbahngesellschaft aufgrund der kommenden Transkontinentalbahn auch am Profit gemessen das sinnvollste wäre. Ein halbes Jahr später wurde die Central Pacific ins Handelsregister eingetragen. Durch Schmiergelder und Manipulationen bleibt die Central Pacific die einzige Gesellschaft im Westen. Die Kosten dieser Linie, die am Ende knapp 3000 Kilometer lang sein wird, beliefen sich wohl auf 100 Millionen Dollar – Das Projekt wurde zu einem Jahrhundertprojekt. Ein Kongress 1862 in der Hauptstadt Washington beschloss zudem die Einführung einer weiteren Eisenbahngesellschaft, die die Strecke im Osten beaufsichtigen sollte, die staatlich beaufsichtigte Union Pacific. So kam es also am 8. Januar 1863 in Sacramento zum ersten „Spatenstich“ durch den damaligen Gouverneur Leland Stanford – Der Bau der Transkontinentalbahn hatte also begonnen (MESENHÖLLER 2014:94 FF).

Nach harten Wintern, dem Fehlen und Sterben von Arbeitern, schließlich zählte nur der Profit, und weiteren Auseinandersetzungen mit den American Indians trafen sich schließlich am 10. Mai 1869 die beiden Gesellschaften der Union Pacific und der Central Pacific in Utah, am Promontory Summit. Die beiden Aufseher der Gesellschaften, Stanford und Durant schlugen den letzten Nagel, der die beiden letzten Schienen miteinander verbinden sollte, in Gold ein. Insgesamt zählt man mehr als 2800 Kilometer von der einen Station in Omaha zur anderen in Sacramento – 1110 von Sacramento aus, 1745 von Omaha aus. Der Traum jedoch, mit der Technik und Industrie die Natur überwunden und besiegt zu haben, blieb weiterhin ein Traum: verdienten die beiden Gesellschaften zwar an den Einnahmen der Eisenbahn, wurde die komplette Strecke trotzdem im Winter oft wochenlang lahmgelegt. Ein sich in der Zukunft wohl auch weiterhin wiederholendes Desaster (MESENHÖLLER 2014:94 FF).

3.2.3 Die Indianerkriege

Damit die Weißen sich also immer weiter in den Westen vordringen konnten, schob man die „American Indians“ in immer kleinere Reservate ab – auch mit Militärgewalt. Eine wichtige Person im Kampf gegen die „Zivilisation“, die Invasion aus dem Osten, war Quanah, Häuptlingssohn eines Komantschen Stammes, der 1874 zum Kampf aufrief. Was ihn antrieb, war Rache. Sein Vater war beim Kampf mit weißen Soldaten gestorben, sein Bruder an einer eingeschleppten Krankheit gestorben und seine Mutter wurde von weißen Siedlern entführt. Ein erster Versuch eine weiße Siedlung anzugreifen schlug jedoch fehl, zu übermächtig war die Munition der weißen Siedler. 15 von 250 seiner Krieger starben im Kreuzfeuer. Unbeeindruckt zog sein Trupp weiter und griff unbeirrt Siedlungen an. Seine Armee tötete in einem Sommer bis zu 190 weiße Siedler, was dazu führte, dass nun auch die Reservate in die Obhut des Militärs gelegt wurden und gewaltsam gegen Ureinwohner vorgehen durften. Am 26. Juli wurde verkündet, dass sich alle Indianer in ihre Reservate zurückziehen sollten, sonst wurde man von den Truppen der USA unterworfen. 2000 Stammesmitglieder Quanahs beugten sich und gingen in ihr Reservat. Bis zu 3000 weitere Ureinwohner ließen das Ultimatum von 8 Tagen verstreichen und so kam es im Sommer 1874 zum Krieg. Bis zu 3000 Mann hat Washington aufgeboten, um die Indianer zu beugen – die Größte Streitmacht, die je gegen Indianer vorgehen musste und sie endlich beugen sollte. Während es also gelingt, die Komantschen um ihren Anführer Quanah zu jagen, zu verfolgen und schließlich 1875 doch noch ins heutige Oklahoma ins Reservat zu bringen, sind andernorts die Indianerkriege noch lange nicht vorbei (BERHORST, 2014: 118FF). 1876 verbündeten sich ca. 30 000 Sioux unter Sitting Bull gegen eine US-Armee, die am 25. Juni besiegt wird (Schlacht von Little Bighorn). Was sich wie ein Triumph anhört, war eigentlich der Ruin. Die Indianer wurden bis an ihre Grenzen verfolgt, was sie schließlich zur Kapitulation trieb. Sechs Jahre nach Quanah gingen auch die letzten Sioux in ihr Dakota Reservat und gaben ihre Waffen ab. 1887 wurde den American Indians mit dem Dawes Act entgegengekommen. Er sicherte jedem männlichen Indianer eine Parzelle zu, die, wenn er es vorschriftsmäßig bewirtschaftet, nach 25 Jahren in seinen Besitz übergeleitet werden sollte. Ein Akt, der vor allem die „primitive“ Lebensweise der Indianer ausrotten sollte und ihre Zivilisation beschleunigen sollte. Der durch die Aufteilung übrig gebliebene Besitz wurde an weiße Siedler verkauft, wodurch sich bis 1934 die Fläche der Reservate um zwei Drittel verringerte. Auch vor militärischer Gewalt waren die Indianer nicht mehr sicher: 1890 schickte die US-Streitmacht ein Kavallerieregiment in ein Reservat in South Dakota, um mögliche aufkeimende Protestbewegungen im Keim zu ersticken (BERHORST, 2014: 118FF).

Ausgerechnet der, der diese „Revolution“ losgetreten hatte kooperierte am Ende sogar mit den Weißen, wurde zu einem Ansprechpartner für die US Regierung und stieg in das Viehgeschäft ein, baute sich 1890 ein Haus und kaufte sich ein Auto. Ein ganz zivilisiertes Leben als weißer Bürger wollte Parker, so wie er sich fortan nannte, jedoch nicht führen und heiratete 8 Frauen und zeugte 24 Kinder. Quanah Parker starb am 23. Februar 1911 und wurde neben seiner Mutter, nach deren Leichnam er ständig suchen ließ, begraben (BERHORST, 2014: 118FF).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Mythos Frontier. Die europäische Besiedlung Amerikas und das "Westward Movement"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Seminar zum Großen Geländeseminar: USA
Note
2
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V489398
ISBN (eBook)
9783346176967
ISBN (Buch)
9783346176974
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich hierbei um eine kurze Hausarbeit zum Thema und zur Begrifflichkeit "Mythos Frontier" und bedient sich zum großen Teil des Werks von Frederick Jackson Turner von 1965: The significance of the frontier in American history.
Schlagworte
USA, Frontier, Mythos, Myth, Besiedlung Amerikas, Westward Movement, Seminar Paper, FAU, Geschichte, History, Geländeseminar, Amerika, Demographie, Bevölkerungsentwicklung, American Studies, Amerikanistik
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Mythos Frontier. Die europäische Besiedlung Amerikas und das "Westward Movement", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489398

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