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Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. und ihre Rolle im Entstehungsprozess der neuhochdeutschen Schriftsprache - Ein Urkundenvergleich

Título: Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. und ihre Rolle im Entstehungsprozess der neuhochdeutschen Schriftsprache - Ein Urkundenvergleich

Trabajo , 2005 , 25 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Annette Schießl (Autor)

Filología alemana - Lingüística
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Die „luxemburgische Kanzleisprache [ist] mit Fug und Recht die wesentliche Grundlage unserer Schriftsprache gewesen“ (Bernt, S.121). Der Sprachwissenschaftler Bernt bringt in diesem Satz zum Ausdruck, dass er der Prager Kanzlei des Kaisers Karl IV. eine enorme Wirkung auf die Genese der neuhochdeutschen Schriftsprache zuspricht. Da durch die neueren sprachwissenschaftlichen Forschungen allerdings immer mehr evident wurde, dass die Entwicklung der neuhochdeutschen Sprache nicht auf einzelnen Phänomenen, Herrscherhäusern oder Personen basiert, scheint es interessant, auch die kaiserliche Kanzlei Karls IV. einer erneuten Überprüfung hinsichtlich ihres tatsächlichen Einflusses auf die Entstehung unserer Schriftsprache zu unterziehen. Nimmt die Prager Kanzlei des luxemburgischen Kaisers – wie nicht nur Bernt, sondern auch andere bekannte Wissenschaftler behaupten – tatsächlich eine der zentralen Rollen bei der Genese des Neuhochdeutschen ein oder hat sie wie zahlreiche andere Faktoren lediglich eine kleine, eingeschränkte Wirkung auf die Entwicklung unserer Schriftsprache?
Um sich der Antwort auf diese Frage zumindest anzunähern, erscheint es sinnvoll den Blick zunächst auf die kaiserliche Kanzlei Karls IV. selbst zu richten, um über die Ordnungsstrukturen dieser höfischen Institution Klarheit zu erlangen. Diese Ergebnisse sollen den Weg hin zur Untersuchung der in Karls IV. Kanzlei verwende-ten Urkundensprache ebnen. Erst nach diesen allgemeinen Feststellungen zur Kanzlei an sich wird in dieser Arbeit eine Korpusauswertung folgen, in der eine Urkunde aus der kaiserlichen Kanzlei Karls IV. mit einer Regensburger Urkunde aus dem bairischen Sprachraum, die in etwa der gleichen Zeit wie das Schriftstück aus der kaiserlichen Kanzlei entstanden ist, aus sprachwissenschaftlicher Sicht verglichen werden wird. Der begrenzte Rahmen dieser Arbeit macht es nötig, sich auf ein bestimmtes Untersuchungsgebiet zu beschränken. Aus diesem Grund werden lediglich die phonetischen Gegebenheiten der beiden Urkunden näher beleuchtet werden. Allerdings bringt die Erforschung der jeweiligen Lautverhältnisse automatisch eine enge Anbindung an die Graphemik der beiden Texte mit sich, da allein diese Grundlage für die Untersuchung sein können.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. – Die ausschlaggebende Institution für die Vereinheitlichung der neuhochdeutschen Schriftsprache?

1.1 Einleitende Gedanken zur Thematik und Methodik

1.2 Überblick über die Forschungsliteratur zur Thematik

2. Die kaiserliche Kanzlei Karls IV.

2.1 Die Beamten der kaiserlichen Kanzlei

2.2 Die Bedeutung des Kanzlers für die kaiserliche Kanzlei

2.3 Der Einfluss der kaiserlichen Kanzlei auf die Sprachentwicklung

3. Die Urkundensprache unter Karl IV.

4. Untersuchung zweier Urkunden

4.1 Entwicklungen im Vokalismus

4.1.1 Neuhochdeutsche Diphthongierung

4.1.2 Neuhochdeutsche Monophthongierung

4.1.3 Dehnung kurzer Vokale und Kürzung langer Vokale

4.1.4 Rundung und Entrundung

4.1.5 Senkung

4.1.6 Vokalismus der Nebensilben

4.2 Entwicklungen im Konsonantismus

4.2.1 Lenisierung

4.2.2 Entwicklung der Affrikaten

4.2.3 Entwicklung von [s] zum palatalen Zischlaut [?]

4.2.4 Assimilation

5. Ergebnis der Korpusauswertung

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den tatsächlichen Einfluss der kaiserlichen Kanzlei Karls IV. auf die Genese der neuhochdeutschen Schriftsprache. Durch einen linguistischen Vergleich einer Urkunde aus der Prager Kanzlei Karls IV. mit einer zeitgenössischen Urkunde aus dem bairischen Raum wird geprüft, inwieweit die Prager Kanzlei als zentrale Instanz für die Sprachnormierung fungierte oder ob ihr Einfluss in der älteren Forschung überschätzt wurde.

  • Historische Rolle und Ordnungsstrukturen der kaiserlichen Kanzlei
  • Forschungskritische Auseinandersetzung mit Thesen zur Entstehung der Schriftsprache
  • Vergleichende Analyse phonetischer Entwicklungen (Vokalismus und Konsonantismus)
  • Überprüfung der Bedeutung der Kanzlei im Kontext frühneuhochdeutscher Tendenzen

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Neuhochdeutsche Diphthongierung

Bei der Untersuchung der kaiserlichen Urkunde lässt sich feststellen, dass die neuhochdeutsche Diphthongierung /i:/ > /ae/, /u:/ > /ao/ und /ü:/ > /oi/ zwar in vielen Fällen schriftlich realisiert wurde, wenn auch einige Ausnahmen zu verzeichnen sind. So fällt zum Beispiel auf, dass vor allem im Anlaut durchgehend nicht zu diphthongiert wird. Dies erkennt man etwa in „ufgeslagen“ (KU, S.588, Z.1), „uf“ (KU, S.588, Z.20/22) oder „ufheben“ (KU, S.588, Z.11/17/25). Aber auch andere Wörter – wie etwa „tusent“ (KU, S.588, Z.5/9), in denen die neuhochdeutsche Diphthongierung nicht umgesetzt wurde, sind in dem vorliegenden Urkundentext enthalten.

Die Diphthongierung von <î> zu hingegen wurde in fast allen Fällen schriftlich fixiert, wenn auch – wie in frühneuhochdeutscher Zeit überall zu beobachten ist – keine Kontinuität gewahrt wurde: Das Phonem /i:/ wurde in den Wörtern „sinen“ (KU, S.588, Z.1), „sine“ (KU, S.588, Z.7) und „siner“ (KU, S.588, Z.12) fast ausnahmslos mit dem Graphem statt mit dem Diphthong wiedergegeben. Nur in Ausnahmefällen wird die Diphthongierung graphisch umgesetzt, wie etwa „seine“ (KU, S.588, Z.21)/„sein“ (KU, S.588, Z.26) erkennen lässt. Ob dieses Nebeneinander der Formen letztendlich als Zufall, Inkonsequenz oder als gewollte „Abwechslung“ zu bewerten ist, bleibt weiterhin ungeklärt, vor allem vor dem Hintergrund, dass „das Nebeneinander graphischer Doppelformen im selben Schriftstück mitunter als eine besondere Zierde galt“ (Schmidt, S.310).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. – Die ausschlaggebende Institution für die Vereinheitlichung der neuhochdeutschen Schriftsprache?: Einleitung in die Thematik, bei der die kritische Forschungsfrage nach dem tatsächlichen Einfluss der Prager Kanzlei auf die deutsche Sprache gestellt wird.

2. Die kaiserliche Kanzlei Karls IV.: Darstellung der höfischen Institution, ihrer Hierarchie, der Aufgabenbereiche ihrer Beamten und der Bedeutung des Kanzlers.

3. Die Urkundensprache unter Karl IV.: Analyse zentraler Entwicklungstendenzen, insbesondere im Bereich des Vokalismus, die die Urkundensprache in dieser Zeit prägten.

4. Untersuchung zweier Urkunden: Ausführlicher linguistischer Vergleich einer kaiserlichen Urkunde mit einer Regensburger Urkunde hinsichtlich phonetischer Merkmale im Vokal- und Konsonantismus.

5. Ergebnis der Korpusauswertung: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die auf ähnliche Entwicklungstendenzen, aber auch auf einen teils höheren Fortschritt in anderen Sprachgebieten hinweist.

6. Resümee: Abschließende Einordnung: Die Bedeutung der Prager Kanzlei wird relativiert und als weniger dominant für die Entstehung der Schriftsprache bewertet, als früher angenommen.

Schlüsselwörter

Kaiserliche Kanzlei, Karl IV., neuhochdeutsche Schriftsprache, Urkundensprache, Sprachgeschichte, Sprachwandel, Diphthongierung, Monophthongierung, Phonetik, Konsonantismus, Sprachraum, Mittelalter, Frühneuhochdeutsch, Korpusauswertung, Sprachnormierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle der kaiserlichen Kanzlei Karls IV. bei der Herausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache und hinterfragt den in der älteren Forschung oft postulierten großen Einfluss dieser Institution.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Organisationsstruktur der Prager Kanzlei, die Untersuchung der Urkundensprache unter Karl IV. und der Vergleich dieser mit anderen regionalen Urkundenzeugnissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die Kanzlei Karls IV. eine zentrale, steuernde Rolle bei der Vereinheitlichung des Deutschen spielte oder ob sie lediglich ein Faktor unter vielen war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische Korpusauswertung, bei der gezielt eine Urkunde der kaiserlichen Kanzlei einer Regensburger Urkunde gegenübergestellt und phonetisch-graphisch analysiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten phonetischen Untersuchung, untergliedert in Entwicklungen des Vokalismus (z.B. Diphthongierung, Monophthongierung) und des Konsonantismus (z.B. Lenisierung, Assimilation).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kanzleisprache, Sprachgenese, phonetischer Wandel, Karl IV. und der frühneuhochdeutsche Entwicklungsprozess.

Warum wird eine Regensburger Urkunde als Vergleich herangezogen?

Der Vergleich mit einer bairischen Urkunde aus der gleichen Zeit dient dazu, zu prüfen, ob die in der Prager Kanzlei beobachteten sprachlichen Entwicklungen ein Alleinstellungsmerkmal waren oder zeitgleich auch in anderen Regionen auftraten.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Prager Kanzlei?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Bedeutung der Kanzlei Karls IV. in der älteren Forschung überbewertet wurde und sie nicht als primäres Vorbild für andere Schreibstuben betrachtet werden kann.

Final del extracto de 25 páginas  - subir

Detalles

Título
Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. und ihre Rolle im Entstehungsprozess der neuhochdeutschen Schriftsprache - Ein Urkundenvergleich
Universidad
University of Regensburg  (Institut für Germanistik)
Curso
Hauptseminar
Calificación
1,0
Autor
Annette Schießl (Autor)
Año de publicación
2005
Páginas
25
No. de catálogo
V48943
ISBN (Ebook)
9783638455114
Idioma
Alemán
Etiqueta
Kanzlei Karls Rolle Entstehungsprozess Schriftsprache Urkundenvergleich Hauptseminar
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Annette Schießl (Autor), 2005, Die kaiserliche Kanzlei Karls IV. und ihre Rolle im Entstehungsprozess der neuhochdeutschen Schriftsprache - Ein Urkundenvergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48943
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