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Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter

Titel: Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter

Examensarbeit , 2018 , 50 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Von der Spätantike an bis ins 11. Jahrhundert können Juden in Köln zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass durch lange Zeiträume, womöglich auch durchgehend, Juden dort wohnten. Es steht fest, dass Köln eine der ältesten Judengemeinden Deutschlands, ja zumindest die am frühesten quellenmäßig sicher belegte Niederlassung der Juden, aufweist. Die Beziehung zwischen den Christen und Juden war in der Spätantike von relativer Koexistenz und Anfang des Mittelalters von einem leichten Auf und Ab geprägt. Dies änderte sich jedoch zum Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als zuerst kleinere und schließlich größere religiöse Verfolgungswellen die jüdischen Gemeinden heimsuchten. Diese Entwicklung spitzte sich in den Verfolgungen zur Zeit des „Schwarzen Todes“ in den Jahren 1348 bis 1350 zu. 1372 wurden schließlich erneut Juden in Köln aufgenommen; allerdings nur für eine kurze Zeit: 1424 verlängerte Köln die Aufenthaltsrechte der Judengemeinde nicht weiter, was eine Ausweisung der Juden zur Folge hatte.
Das Besondere am Beispiel Kölns ist, dass zwei zeitgenössische Quellen überliefert sind, die besonders aufschlussreich in Hinblick auf das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter sind. Das ist zum einen eine Klageschrift von 1424, mit der sich die Stadt Köln an die Päpstliche Kurie richtete, um die Judenpolitik des Erzbischofs Dietrich von Moers zu beklagen und zum anderen ein Rechtfertigungsschreiben von 1431, in dem die Stadt die Ausweisung der Juden vor dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Sigismund rechtfertigte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter

1. Die Bedeutung Kölns für die Juden

2. Die Bedeutung des Kölner Erzbischofs für seine Stadt

3. Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe zur Judengemeinde im Mittelalter

3.1. Die Rolle der Erzbischöfe vor und während des 1. Kreuzpogroms

3.2. Das Verhältnis der Erzbischöfe zur Judengemeinde 1096-1152

3.3. Das Verhältnis des Erzbischofs Philipp zur Judengemeinde

3.4. Das Verhältnis des Erzbischofs Konrad zur Judengemeinde

4. Der Erzbischof in Konkurrenz mit der Stadt bis 1288

5. Der Erzbischof in Konkurrenz mit der Stadt nach 1288

6. Die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Juden im 14. Jahrhundert

7. Die Pest und ihre Auswirkungen auf das Verhältnis der Stadt zur Judengemeinde

8. Die Wiederaufnahme der Juden in Köln

9. Die Einschränkungen der Kölner Judengemeinde

10. Die Auseinandersetzungen zwischen Stadtrat und Erzbischof

11. Die Vertreibung der Juden von 1424 und die Motive

12. Klage der Stadt Köln gegen den Erzbischof 1424

13. Das Rechtfertigungsschreiben vor König Sigismund 1431

III. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die historisch wechselhafte und spannungsgeladene Beziehung zwischen der jüdischen Gemeinde Kölns, den Kölner Erzbischöfen und dem städtischen Rat im Mittelalter. Im Zentrum steht die Analyse des Machtkampfes zwischen geistlicher und städtischer Obrigkeit sowie dessen Auswirkungen auf den Schutz, die wirtschaftliche Lage und schließlich die Vertreibung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1424.

  • Entwicklung des Judenregals und des erzbischöflichen Schutzverhältnisses
  • Konkurrenzverhältnis zwischen Erzbischof und wachsendem Stadtrat
  • Soziale und wirtschaftliche Situation der Juden unter wechselnden Machtverhältnissen
  • Einfluss von Pogromen, Pestepidemien und politischen Krisen auf die jüdische Siedlung
  • Analyse zeitgenössischer Dokumente zur Klärung der Vertreibungsmotive (1424/1431)

Auszug aus dem Buch

3.4. Das Verhältnis des Erzbischofs Konrad zur Judengemeinde

Die Judengemeinde etablierte sich Ende des 12. Jahrhunderts in Köln als eine Gemeinschaft mit festen Ämtern, wie der bereits erwähnte episcopus Judei, und eigenen Institutionen, die unter anderem für den Rechtsbereich innerhalb der Judengemeinde zuständig war und zudem ab Mitte des 13. Jahrhunderts ein Schreinsbuch besaß. Schmand bezeichnet diese Entwicklung der Kölner Judengemeinde als eine steigende Emanzipation. Daraus lässt sich folgern, dass man mit den Juden nicht mehr auf die Art und Weise, wie es Erzbischof Philipp gepflegt hatte, verkehrte. Dies wird ebenfalls im weiteren Verlauf deutlich. Erzbischof Konrad von Hochstaden spielte hierbei eine bedeutende Rolle. Er war von 1238 bis 1261 Erzbischof von Köln und stimmte 1252 dem ersten Judenschutzbrief zu, was den Grundstein aller späteren Verleihungen legte.

Den Anstoß hierfür gaben die Juden, indem sie zunächst den Stadtherrn um Schutz baten. Am 27. April 1252 gab er der Stadt Köln in einem Schreiben die Erteilung des Judenschutzbriefes und dessen Inhalt bekannt: […] quod Judei, qui nostre se credunt ac subiciunt dicioni spe protectionis et gratia assequende, speratam a nobis sentiant beneficenciam […]. Aus Eigennutz und Gründen der Ehre gewährte Konrad den Juden für zwei Jahre Schutz: Nostro in hoc profectui et honori accedere non modicum arbitrantes […]. Als Gegenleistung hatten die Juden eine Schutzsteuer zu zahlen, die zwei Mal im Jahr zu erbringen war. Neben der Rolle des Schutzherrn wird auch die Rolle des Förderers ersichtlich. Konrad von Hochstaden sorgte dafür, die in Köln sesshaften Juden zum langfristigen Niederlassen zu bewegen: Ad hec ut ipsi Judei qui in ipsa Civitate pedem iam sue fixerunt mansionis, tanto magis efficiantur voluntarii ad mandendum […].

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Präsenz jüdischen Lebens in Köln seit dem Mittelalter und führt in die zentrale Problematik der sich wandelnden Schutzverhältnisse durch Erzbischöfe und Stadtrat ein.

II. Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch und thematisch die Entwicklung, von der frühen Bedeutung Kölns als Handelszentrum über die wachsenden Konflikte im 14. Jahrhundert bis hin zur endgültigen Vertreibung der Juden im Jahr 1424.

III. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die wesentlichen Ergebnisse und betont die stete, oft problematische Wechselwirkung zwischen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Faktoren, die das Schicksal der Kölner Juden im Mittelalter bestimmten.

Schlüsselwörter

Juden, Köln, Mittelalter, Erzbischof, Stadtrat, Judenregal, Judenschutz, Schutzbrief, Pogrom, Pest, Vertreibung, Wirtschaft, Geldhandel, Emanzipation, Machtkonkurrenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Beziehung zwischen der Judengemeinde in Köln sowie den zwei konkurrierenden Mächten der Stadt: dem Erzbischof und dem Stadtrat im Mittelalter.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das erzbischöfliche Judenregal, die wachsende Autonomie des Kölner Stadtrates, die wirtschaftliche Rolle der Juden sowie die verschiedenen Motive für ihre mehrfachen Verfolgungen und die endgültige Vertreibung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Entwicklung der Schutzverhältnisse für die Kölner Juden nachzuvollziehen und zu ergründen, warum diese sich von einer privilegierten Position hin zur Ausweisung im Jahr 1424 wandelten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Quellen (Urkunden, Schutzbriefe, Klageschriften) und einer fundierten Aufarbeitung der Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt chronologisch die Rollen der Erzbischöfe, die Zunahme der städtischen Macht nach 1288, die Auswirkungen der Pestepidemien, die Wiederaufnahme der Juden 1372 und die rechtlichen sowie sozialen Einschränkungen, die zur Vertreibung führten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Judenregal, Judenschutz, städtische Autonomie, Machtkonkurrenz und mittelalterliche Stadtgeschichte charakterisiert.

Welche Rolle spielte der "Große Schied" von 1258 für die Judengemeinde?

Der Schiedsspruch bekräftigte zwar, dass die Juden der Kammer des Erzbischofs unterstanden, legte jedoch gleichzeitig fest, dass die der Stadt zugesprochenen Rechte gegenüber den Juden gewahrt werden mussten, was den Machtkampf zwischen den Instanzen verdeutlichte.

Wie lassen sich die Motive hinter dem Rechtfertigungsschreiben von 1431 einordnen?

Die Motive sind als subjektive, teils rhetorische Rechtfertigungsversuche der Stadt vor König Sigismund zu verstehen, die sowohl theologische Argumente als auch wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bedenken instrumentalisieren, um die Ausweisung zu legitimieren.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
50
Katalognummer
V489450
ISBN (eBook)
9783668959521
ISBN (Buch)
9783668959538
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis kölner erzbischöfe stadtrates judengemeinde mittelalter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2018, Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489450
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Leseprobe aus  50  Seiten
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