« Les mots n’ont plus le même sens qu’autrefois.»
Mit diese Feststellung weist ein nostalgischer Polizist in Raymond Queneaus Roman Zazie dans le métro lapidar darauf hin, dass die Bedeutung von Wörtern sich im Laufe der Zeit nicht selten ändert. Die Beschreibung eines derartigen lexikalischen Bedeutungswandels ist ein Ziel der historischen Semantik, die ihre Anfänge im 19. Jahrhundert hatte. Nach einer Hochblüte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert fand die historische Semantik ihren vorläufigen Abschluss im Werk Stephen Ullmanns. In dieser Epoche steht die Klassifikation des Bedeutungswandels nach rhetorischen und/oder psychologischen Kriterien im Vordergrund. Im ausgehenden 20. Jahrhundert fallen die Arbeiten von Andreas Blank auf, an die sich die folgenden Ausführungen vorwiegend anlehnen.
Nach einer kurzen Klärung des Begriffs „Bedeutungswandel“ möchte ich auf den Prozess der semantischen Innovation und Lexikalisierung sowie auf die verschiedenen Typen von Bedeutungswandel eingehen, um danach Motive für den Bedeutungswandel aufzuzeigen. Abschließend soll der Nutzen der Merkmals- und Prototypensemantik für die eschreibung semantischen Wandels kurz angeschnitten werden.
Gliederung
1. Einleitung
2. Zur Klassifikation lexikalischen Bedeutungswandels
2.1. Was ist Bedeutungswandel?
2.2. Der Prozess der semantischen Innovation und Lexikalisierung
2.3. Typen des Bedeutungswandels
2.3.1. Metapher
2.3.2. Metonymie
2.3.3. Auto-konverser Bedeutungswandel
2.3.4. Kohyponymischer Bedeutungswandel
2.3.5. Generalisierung
2.3.6. Spezialisierung
2.3.7. Lexikalische Absorption
2.3.8. Volksetymologischer Bedeutungswandel
2.3.9. Kontrastbasierter Bedeutungswandel: Antiphrasis und Auto-Antonymie
2.3.10. Analogischer Bedeutungswandel
2.3.11. Intensivierung und Deintensivierung
2.4. Motive für den lexikalischen Bedeutungswandel
2.5. Nutzen der Merkmals- und Prototypensemantik für die Beschreibung semantischen Wandels
3. Zusammenfassung der Ergebnisse
4. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den lexikalischen Bedeutungswandel im Rahmen der historischen Semantik systematisch zu klassifizieren und die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse sowie Motive zu analysieren, wobei insbesondere die Arbeiten von Andreas Blank als theoretische Grundlage dienen.
- Definition und diachronische Einordnung des Bedeutungswandels.
- Analyse des Prozesses der semantischen Innovation und Lexikalisierung.
- Systematische Darstellung verschiedener Typen von Bedeutungswandel.
- Erörterung soziokultureller und psychologischer Motive für den Sprachwandel.
- Evaluation des Nutzens der Merkmals- und Prototypensemantik.
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Metapher
Ullmann bezeichnet die Metapher als „comparaison en raccourci“. Dieser etwas vagen Beschreibung muss hinzugefügt werden, dass die Metapher die Ersetzung darstellt einer „primären semantischen Texteinheit durch eine sekundäre, die zu jener in eine Abbild- oder Ähnlichkeitsrelation gesetzt wird“. Typische Beispiele sind Tiermetaphern (Lambert est un cochon), synästhetische Metaphern (Übertragungen von einem Bereich der Sinneswahrnehmung in einen anderen, z.B. in couleurs criardes, voix sombre) und so genannte anthropomorphe Metaphern (Übertragung aus der menschlichen Domäne, besonders der menschlichen Körperteile, in die verschiedensten nicht-menschlichen Domänen, z.B. le pied de table, l’œil du marteau; un gratte-ciel).
In der kognitiven Linguistik wird die Metapher nicht als ein rein linguistisches Phänomen gesehen, sondern in erster Linie als ein grundlegender kognitiver Prozess, mit dem wir die Welt erfassen, unser Weltwissen organisieren und mit Hilfe von Sprache beschreibbar machen können. Metaphern sind nicht nur „schmückendes Beiwerk“ der Sprache, sondern allgegenwärtig und durchdringen alle Bereiche der Sprache. Sie sind nur häufig so tief in der Kognition verankert und ein derart unverzichtbarer Bestandteil unseres Sprachgebrauchs geworden, dass wir uns ihrer meist gar nicht mehr bewusst sind.
Die innovative Metapher ist nun mehr als der zitierte „verkürzte Vergleich“: Sie entsteht aus der Interaktion zwischen der Ausgangsbedeutung und einem dazu in einem gewissen Widerspruch stehenden Kontext.
„Die innovative Bildung einer Metapher setzt eine kreative Konzeptualisierung voraus: Wir müssen etwas als etwas anderes sehen und dann als dieses andere versprachlichen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des lexikalischen Bedeutungswandels ein und skizziert die methodische Orientierung an den Arbeiten von Andreas Blank.
2. Zur Klassifikation lexikalischen Bedeutungswandels: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und bietet eine detaillierte Systematik der verschiedenen Typen, Prozesse und Motive des Bedeutungswandels.
3. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über Ursachen, assoziative Mechanismen und die Vielfalt der Bedeutungswandel-Typen zusammen.
4. Bibliografie: Das Literaturverzeichnis listet die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Werke auf.
Schlüsselwörter
Bedeutungswandel, historische Semantik, semantische Innovation, Lexikalisierung, Metapher, Metonymie, kognitive Linguistik, Konzeptmetaphern, Sprachökonomie, Merkmalssemantik, Prototypensemantik, Diachronie, Sprachwandel, framing, Assoziationsrelationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Klassifikation und Analyse des lexikalischen Bedeutungswandels unter Berücksichtigung kognitiver und sprachwissenschaftlicher Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung verschiedener Wandel-Typen, der Prozess der Innovation und Lexikalisierung sowie die Rolle der kognitiven Semantik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine systematische Einordnung der Phänomene des Bedeutungswandels und die Erläuterung der kognitiven Mechanismen, die der Versprachlichung neuer Konzepte zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird ein kognitiv-linguistischer Ansatz verfolgt, der stark auf der Arbeit von Andreas Blank basiert und Aspekte der Merkmals- und Prototypensemantik integriert.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Bedeutungswandels, die detaillierte Darstellung von elf verschiedenen Wandel-Typen (von der Metapher bis zur Intensivierung) sowie die Analyse von Motiven.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem Kernthema "Bedeutungswandel" prägen Begriffe wie "Semantische Innovation", "Metapher", "Metonymie" und "kognitive Semantik" das Werk.
Wie unterscheidet sich die Metonymie von der Metapher laut dem Text?
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass bei der Metonymie kein Transfer zwischen kognitiven Domänen stattfindet, sondern auf einer objektiv bestehenden Kontiguität zwischen Phänomenen beruht.
Warum spielt das Ökonomieprinzip eine wichtige Rolle beim Bedeutungswandel?
Das Ökonomieprinzip erklärt, warum Sprecher den kommunikativen Aufwand minimieren, was häufig zur lexikalischen Absorption oder zur Reduzierung von Komplexität führt.
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- Thomas Heim (Author), 2002, Zur Klassifikation des lexikalischen Bedeutungswandels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48948