Der freie Wille bei Friedrich Nietzsche


Essay, 2019
2 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Essay zu Friedrich Nietzsche – vorgelegt von Uta Karger am 3.12.2018 EPG1

Es gibt keine Verantwortlichkeit des Menschen für seine Handlungen. Nietzsche ist der Überzeugung, dass der Irrtum von der Verantwortlichkeit auf einer grundsätzlichen Verwechslung der Begriffe gut und böse beruht. Indem man eine Handlung schlicht als gut oder böse bezeichnet, lässt man deren Motive völlig außen vor. Allein durch ihre nützlichen oder schädlichen Folgen wird der Handlung diese Bewertung zuteil, man verwechselt Ursache und Wirkung. Von der Handlung wird sodann auf den ganzen Menschen geschlossen und dieser als gut oder böse bezeichnet. Der Mensch ist jedoch gänzlich dem Kausalitätsprinzip und der Notwendigkeit unterworfen, er kann also für rein gar nichts verantwortlich gemacht werden. Ebenso wenig gibt es eine Freiheit des Willens. Und nur, weil gewisse Handlungen Unmut nach sich ziehen, heißt das nicht, dass dies ein verantwortlich machen rechtfertigt. Aber kann sich jemand als Folge dessen über eine Bestrafung beschweren? Wenn man den Anspruch hegt, in einer Gemeinschaft zu leben, muss man sich an deren festgelegte Regeln und Prämissen halten. Dann mag es zwar sein, dass man sich auf das Prinzip des Determinismus beruft und sich für keine Tat verantwortlich weiß, trotzdem ist es nie eine Option, zu schalten und zu walten, ungeachtet der Folgen. Determinismus und moralische Verantwortung sind für Friedrich Nietzsche nicht vereinbar. Er macht allerdings keinerlei Unterscheidung zwischen Gesetz und Naturgesetz, zwischen innerem und äußerem Zwang. Somit entsteht seine These von der Nichtesxistenz der Willensfreiheit und der Verantwortlichkeit. Weil er die Akausalität fälschlicherweise mit Willensfreiheit gleichsetzt. Dass man der Allgemeingültigkeit der Naturgesetze unterworfen ist, spricht einen nicht von Verantwortlichkeit frei. Und wenn ein Mensch sich dazu entscheidet, sich einzig den Naturgesetzen und nicht den juristischen Gesetzen zu fügen, dann muss er in einer Gesellschaft mit gewissen Normen, die Folgen seiner Handlungen akzeptieren.

Nietzsche hat gewissermaßen die Grundlage geschaffen für Moritz Schlicks Gedankengang, dass der Determinismus überall herrscht, nur hat er nicht genau genug analysiert, was Determinismus für den Menschen bedeutet. Moritz Schlick wiederum weist dieser absoluten Verteidigung der Kausalität als Ausschluss von Willensfreiheit einen entscheidenden Denkfehler nach. Ein Naturgesetz kann kein Zwang sein. Ein Naturgesetz ist lediglich die Beschreibung eines Zustandes in der Natur im Gegensatz zum juristischen Gesetz. Welchem Gesetz folgt nun der Wille? Mit Sicherheit nicht dem juristischen, sondern einer Art psychologischem Gesetz, einem Naturgesetz, das die Natur des Willens beschreibt.

Nimmt man, wie Nietzsche an, der Mensch sei vollkommen dem Determinismus unterworfen. Was sind mögliche Folgen/Auswirkungen? Der Mensch kann für nichts verantwortlich gemacht werden. Er wäre gleichzusetzen mit einem – in unserer heutigen Gesellschaft – nicht zurechnungsfähigen Wesen vor Gericht. Würde so ein Mensch überhaupt als Mitglied in einer Gemeinschaft agieren können? Was wäre das für ein Mensch? Ein triebgesteuerter? Einer, der Entscheidungen aus dem Bauch statt kraft seines Verstandes trifft? Nimmt man Nietzsches Grundsatz zum Sein im Werden als Grundprinzip eines Menschen, dann versteht man besser, was sich Nietzsche als Rechtfertigung seines absoluten Determinismus denkt. Das Individuum lebt nach selbst entworfenen Werten und Moralvorstellungen. Vorherrschend ist das Prinzip der Bejahung des Lebens und gewollt wird das, was man immer wieder wollen kann. Woher jetzt wiederum dieses Wollen kommt, bleibt bei einem zuvor erklärten Nichtvorhandenseins des freien Willens offen und fraglich. Eventuell ist es der Unterschied freier Wille und aktiver Wille, geht es Nietzsche weniger um eine Willensfreiheit als um eine Bejahung des Lebens, ein angefülltes Leben ohne Sittengesetze und Moral. Ein selbstentworfenes Leben. Man fragt sich, wo der Determinismus bleibt bei einem solchen Selbstentwurf. Hier zeigt sich womöglich noch einmal stärker, dass Nietzsche diesen rein als Determinismus in Form von äußeren Zwängen definiert. Er definiert eine Gesellschaft, die aus heutiger Sicht eine Gesellschaft von Individualisten wäre, jedoch voll von Menschen, die diesen Individualismus so weit trieben, dass jeder völlig egozentrisch vor sich hinleben würde. Ohne Rücksicht, ohne Anteilnahme, ohne Verantwortung und Verantwortlichkeit. Und doch- so zumindest Nietzsches Annahme- jeder für sich selbst zufrieden und positiv. Es ist mehr als fraglich, ob der Mensch als Gemeinschaftswesen in einem solchen Lebensentwurf wirklich glücklich wäre, wäre denn sobald man in Kontakt mit anderen tritt, Beziehungen eingeht ist es dahin mit dem absoluten Egozentrismus und man muss Kompromisse eingehen und kann die Selbstverwirklichung in der Form wie vorher beschrieben nicht mehr ausführen. Darüber hinaus würde die Menschheit sich durch eine solche Lebensweise über kurz oder lang selbst abschaffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 2 Seiten

Details

Titel
Der freie Wille bei Friedrich Nietzsche
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
2
Katalognummer
V489483
ISBN (eBook)
9783668969353
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wille, friedrich, nietzsche
Arbeit zitieren
Uta Karger (Autor), 2019, Der freie Wille bei Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489483

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