Das Leben und Werk von Eduard Mörike


Facharbeit (Schule), 2015

14 Seiten, Note: 1,5

Yannick Burkhardt (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kindheit und Jugendzeit

Studium in Tübingen

Mörike als Pfarrer

Heirat mit Margareta von Speeth

Erfolge und Anerkennung

Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Trennung von seiner Frau und Tod in Stuttgart

Quellenangaben

Vorwort

Vor 6 Jahren, ich war gerade 9 Jahre alt geworden, habe ich zum ersten Mal den Namen Mörike gehört. Die Stadt Ludwigsburg feierte mit Theater und Musik den 200-jährigen Geburtstag von Eduard Mörike, der am 8. September 1804 dort auf die Welt gekommen war.

Die Klasse meines Vaters hatte ihm zwei Theaterkarten für einen „Mörike-Abend“ im Schlosstheater geschenkt. Weil meine Mutter auf meine kleine Schwester aufpassen musste, durfte ich mit meinem Vater nach Ludwigsburg fahren und dort im Schloss ein Stück in 3 Akten über Eduard Mörike sehen.. Natürlich habe ich vieles von dem, was ich dort gesehen habe, wieder vergessen. Aber eines weiß ich noch genau: Wir haben viel gelacht an diesem Abend und ich verließ das Theater mit dem Gefühl, dass dieser Mörike ein recht lustiger Mensch gewesen sein musste, der gern und oft gelacht hat.

Heute weiß ich, dass es im Leben von Eduard Mörike auch sehr viele traurige Erlebnisse gegeben hat und es ihm viele Jahre lang überhaupt nicht zum Lachen zumute war. Trotzdem hat er bis ins hohe Alter seinen Humor nicht verloren, obwohl er wohl nur in seiner Kindheit ein wirklich glücklicher Mensch gewesen ist. Denn vieles war für Mörike in seinem späteren Leben bitter: Der frühe Tod des Vaters 1817 und der überraschende Tod seines Lieblingsbruders August 1724, das Erlernen und Ausüben des Pfarrerberufes, der ihm überhaupt nicht gefallen hat, seine ständigen Krankheiten, die großen Geldsorgen, die ihn viele Jahre seines Lebens begleitet haben und die Trennung von seiner Frau Margareta zwei Jahre vor seinem Tod.

Als er 1875 in Stuttgart starb, war er jedoch ein anerkannter und bekannter Schriftsteller, dessen Gedichte, Erzählungen, Märchen und Novellen in ganz Deutschland hoch geschätzt wurden.

Von diesem Mann, seinem Leben und seinen wichtigsten Werken, möchte ich in meiner GFS berichten.

Kindheit und Jugendzeit

Wann hat man eine glückliche Kindheit? Es gibt viele Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Besonders wichtig sind Eltern, die einen lieben, Lehrer, die einem mit Verständnis begegnen und Geschwister oder Freunde, bei denen man sich wohlfühlt. All das hat Eduard Mörike 13 Jahre lang gehabt. Deshalb sprach er als Erwachsener immer mit Dankbarkeit und einer großen Sehnsucht von seiner unbeschwerten Jugendzeit.

Eduard wird 1804 als siebtes Kind von Charlotte Dorothea Mörike und Karl Mörike in Ludwigsburg geboren. Von den sechs vor ihm geborenen Geschwistern sind nur noch zwei, Karl und Luise, am Leben. Sein Vater Karl war Arzt, genauer gesagt, Medizinalrat, seine Mutter Charlotte Dorothea Hausfrau. In seiner Familie, in die nach ihm noch 6 weitere Kinder hineingeboren wurden, fühlte er sehr wohl.

Wie sehr er seine Eltern liebte, zeigt ein Gedicht, das er an seinem 11. Geburtstag verfasste. In diesem Gedicht, dem er die Überschrift „Ein Wort der Liebe den besten Eltern“ gab, schrieb er:

„……Freuden habt ihr mir bereitet,

Mich an Eurer Hand geleitet,

Oh, dass Ihr Euch auch so freuet,

an dem Tag, der mich Euch gab….

Vater! Der Sie durch Ihr Leben

Mir des Fleißes Beispiel geben,

Möcht ich immer mich bestreben,

Menschenfreund, wie Sie zu sein.

Mutter! Ihrer zarten Liebe,

Ihres Beispiels hoher Kraft

Dank ich alle edlen Triebe,

Jede gute Eigenschaft“

Dass auch die Eltern ihren Eduard liebten, belegen viele Aussagen von Freunden und Verwandten.

Dabei war Eduard Mörike nie ein guter Schüler. Seit April 1812 besuchte er die Lateinschule. Er war aber immer verträumt und verspielt und sammelte mit Leidenschaft Steine und Käfer.Weil deshalb das Lernen zu kurz kam, waren seine Noten entsprechend schlecht. Aber seine Lehrer schienen viel Verständnis für den kleinen Eduard gehabt zu haben. Als er wieder einmal vor sich hinträumte, sagte sein Lehrer zu ihm: „Nun, von welchem Brückle hasch denn jetzt wieder runter guckt?“

In der Familie, in der Schule und in seinem großen Freundeskreis akzeptierte man ihn so, wie er eben war. Er liebte es, mit seinen Freunden auf dem Marktplatz zu spielen oder die Stadt Ludwigsburg zu erkunden, die damals eine ganz besonders interessante Stadt gewesen sein muss.

1817 schrieb Georg Memminger:„Ludwigsburg ist unstreitig die schönste und wohlgebauteste Stadt in Württemberg..Die Straßen der Stadt sind breit, reinlich und heiter.“ Dieses Zitat stammt aus Memminger Buch „Stuttgart und Ludwigsburg mit ihren Umgebungen.“

Diese schöne Stadt, die damals etwa 5000 Einwohner hatte, hätte Mörike wohl nie verlassen, wenn nicht sein Vater einen Schlaganfall erlitten hätte, an dem er 1817 schließlich starb. Für Eduard Mörike brach eine Welt zusammen. Mörike schrieb: „ Am anderen Morgen, bei unserem Erwachen, sagte man uns das ganz unfassliche Wort, dass wir jetzt keinen Vater mehr hätten. Das war der 22. September 1817.“

Nach dem Begräbnis des Vaters trat sein Onkel Georgii an die Mutter mit der Bitte heran, Eduard nach Stuttgart mitnehmen zu dürfen. Dort wolle er für ihn sorgen und ihm zu einer richtigen Schulbildung verhelfen.

Mörikes Mutter nahm das Angebot dankbar an. Eduards Brüder wurden ebenfalls bei Verwandten untergebracht. Seine Mutter verkaufte das Haus in Ludwigsburg und zog mit ihren Töchtern ebenfalls nach Stuttgart.

Studium in Tübingen

Mörikes Onkel Eberhard Friedrich Georgii machte ihm in Stuttgart von Anfang an klar, dass es für ihn nur einen Beruf geben könne: den des Pfarrers. Zunächst aber musste er weiter zur Schule gehen. Deshalb besuchte Mörike noch ein Jahr lang das Stuttgarter „Gymnasium illustre.“

Seine schulischen Leistungen waren nicht besonders, sodass es keine Überraschung war, dass er die Prüfung zum Landesexamen nicht bestand. Ohne bestandenes Landesexamen durfte er aber das Evangelische Seminar in Urach nicht besuchen, das die erste Station der Pfarrerausbildung sein sollte, die Georgii für ihn vorgesehen hatte. Jetzt griff sein Onkel ein und erreichte tatsächlich, dass man trotzdem in das niedere theologische Seminar in Urach aufnahm. So gelangte er 1818 schließlich doch nach Urach. Hier standen auch die antiken Klassiker auf dem Lehrplan. Das gefiel ihm und prägte ihn für sein ganzes Leben.

Vier Jahre später trat er in das Tübinger Stift ein, das er bis 1826 besuchte. Das Tübinger Stift war überbelegt. Statt 120 Studenten drängten sich dort 172 in den feuchten und verwanzten Räumen. Zur Bekämpfung der Insekten hielt sich Mörikes Freund Blumhardt einen Star, Mörike eine Wachtel. Das Halten von Vögeln waraber nicht erlaubt und musste im Geheimen geschehen. Auch die hygienischen Verhältnisse waren alles andere als gut. So stellte Medizinalrat Hochstetter am 23. August 1823 fest, dass das Klo zu klein sei, „wegen Mangel an Steigung“ keinen Abfluss habe und deshalb „schlimme Dünste verbreitet.“ Mörike wohnte 5 Semester im Stift und drei außerhalb. Aber nicht nur das Wohngebäude war muffig und heruntergewirtschaftet, auch das alltägliche Leben kam Mörike altbacken und erneuerungsbedürftig vor. Alles war genau festgelegt: Die Essens-, Ruhe- und Studierzeiten und die Kleiderordnung. So musste das Mittagessen um 12 Uhr in schwarzer Kleidung eingenommen werden. Wer gegen die Ordnung verstieß, wurde bestraft, oft mit dem Entzug des Tischweins. Bei Mörike werden im 1. Semester 24 Verfehlungen registriert, im zweiten 36 und 1825/26 sogar 52. Mehrfach wird er mit Karzer bestraft, etwa wegen Rauchens in der Öffentlichkeit. In der Regel brachte es Mörike auf 10-15 Stunden Kerzer pro Semester. In den Verzeichnisen des Tübinger Stifts kann auch nachgelesen werden, dass Mörike lustlos und ohne Fleiss studiert habe. Allerdings bescheinigt man ihm, ein gutes Gedächtnis zu haben und „im Ganzen ein guter Mensch zu seyn“. Das reichte, um im Herbst 1826 sein theologisches Examen zu zu bestehen.

Sein Examen war mittelmäßig. Das württembergische Konsistorium, bei dem er eine kirchliche Prüfung ablegen musste, schrieb:Er hat ein „ziemlich mangelhaftes, dennoch keineswegs zu verachtendes Wissen“. Für mich ist das ein Widerspruch in sich selbst, aber Mörike ermöglichte dieses Urteil, Pfarrer zu werden, was er aber eigentlich gar nicht wollte.

In Tübingen lernte er auch vier Männer näher kennen, mit denen er ein Leben lang befreundet war: Wilhelm Waiblinger, Friedrich Hölderlin, Johannes Mährlen und Ludwig Bauer. Diese Freundschaften waren ihm sehr wichtig. Sie haben dazu beigetragen, dass er seine Zeit in Tübingen nicht als verlorene Zeit angesehen hat.

Mörike als Pfarrer

Nach dem Studium wurde Mörike Vikar, Pfarrverweser und schließlich 1834 Pfarrer. Er selbst empfand die acht Jahre als Vikar als „Vikariatsknechtschaft“, die er „durchlitt“. Schon 1827, also nach nur einem Jahr Vikariatsdienst, schrieb er: „Ich bin nun überzeugt, das geistliche Leben taugt nicht für mich.“

Nach Stationen in Oberboihingen(1826), Möhringen(1926) und Köngen (1827) wurde er für anderthalb Jahre vom Kirchendienst beurlaubt. Während seiner Beurlaubung arbeitete er in Stuttgart als freier Schriftsteller und Redakteur der Franckschen „Damenzeitung“. 1829 musste er aber den Kirchendienst wieder aufnehmen. Nun arbeitete er in Pflummern, Plattenhardt, Eltingen (1931),Ochsenwang (1832), Weilheim an der Teck (1832), noch einmal Owen und Ötlingen. Manche meinen, Mörike wäre in diesen Jahren auf der Flucht gewesen: vor sich selbst und dem ungeliebten Dienst in Gemeinden, in denen er sich nicht wohlfühlte.

In Plattenhardt hatte er sich 1829 mit Luise Rau, der Tochter des verstorbenen Pfarrers, verlobt. Aber auch hier zeigte er keine Beständigkeit. Er floh 4 Jahre später aus dieser Verbindung. Die Verlobung wurde 1833 wieder gelöst.

Als er 1843 Pfarrer in Cleversulzbach wurde, hatte er es sich nicht vorstellen können, längere Zeit hier zu bleiben. Dass schließlich 9 Jahre daraus wurden, kann wohl als kleines Wunder bezeichnet werden. Am 30. Juli 1834 zog er mit seiner 63-jährigen Mutter und der 18-jährigen Schwester Klara in Cleversulzbach ein, das damals etwa 700 Einwohner hatte.

Die Pfarrei von Cleversulzbach zählte zu den kleinsten und ärmsten im Königreich Württemberg. Sein Gehalt von 600 Gulden lag am untersten Niveau. Dennoch war Mörike glücklich. Endlich hatte er eine Pfarrei, konnte selbstständig arbeiten und durfte in einem großen Pfarrhaus wohnen, das von einem schönen Garten umgeben war. In diesem Garten saß er oft, um Gedichte und Geschichten zu schreiben. Zahlreiche Gedichte wurden später von bekannten Komponisten wie Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Hugo Distler und Max Reger vertont. Hier hat er 1839 sogar eine Geschichte für eine Oper geschrieben. Sie hieß „Die Regenbrüder.“ und wurde von Ignaz Lachner (1807–1895 vertont.

Das Glück endete 1841, als seine Mutter starb. Das war ein Schlag, der ihn schwer traf und seine an sich schon angegriffene Gesundheit noch mehr zerstörte.

Er beerdigte sie auf dem Cleversulzbacher Friedhof neben der Mutter Friedrich Schillers, deren fast vergessenes Grab er schon zu Beginn seines Pfarramtes dort entdeckt und mit einem schlichten Kreuz gekennzeichnet hat.

Zu alledem kam eine immer stärker werdende Amtsmüdigkeit hinzu.Wegen seiner schlechten Gesundheit ließ er sich zwei Jahre lang durch einen Vikar unterstützen. Als man ihm schließlich den Vikar wieder entzog und ihn vor die Entscheidung stellte, entweder zu predigen oder sich pensionieren zu lassen, ließ er sich 1843 im Alter von nur 38 Jahren auf eigenen Wunsch mit 200 Gulden Jahrespension in den Ruhestand schicken.

Heirat mit Margareta von Speeth

Im Herbst 1843 zog er nach Wermutshausen, wo er bis zum Frühjahr 1844 im Haus von Wilhelm Hartlaub (1804-1885) wohnte. Der war ebenfalls Pfarrer und seit Mörikes UracherZeit (1818-1822) mit ihm befreundet. Seine Freundschaft mit Mörike begann, als dieser in Urach in der Krankenstube lag. Hartlaub erklärte später: „Ich muss etwas geahnt haben von dem, was Ludwig Bauer von Mörike sagte: Dass er die verkörperte Poesie war, unter Poesie alles verstanden, was gut, schön, lieb und liebenswert ist. Von diesem Tag an schloss ich ihn für immer ins Herz". 1844 zog er mit seiner Schwester Klara nach Schwäbisch Hall, später nach Bad Mergentheim. Hier traf er eine Frau, die für einige Jahre seine große Liebe wurde: Margareta von Speeth. Zu ihrem 27. Geburtstag schenkte er ihr die folgenden Verse:

Früh, schon vor der Morgenröte Fühlt ich, Liebste, deinen Tag, Küsste dich, o Margarete, Wie man Engel küssen mag; Dann, vor unsres Städtchens Toren Riefen hundert Stimmen mir: Dir, auch Dir ist sie geboren, Wie vor Tausenden du ihr!

Er liebte sie sehr, aber heiraten konnte er sie nicht, weil ihm das Geld dazu fehlte. Er hatte nämlich für zwei Brüder gebürgt und musste jetzt für deren Schulden aufkommen. So konnte er seine Margareta erst 7 Jahre später heiraten, als sich seine finazielle Situation wieder gebessert hatte. Ab 1851 lebte er über sechs Jahre mit 2 Frauen zusammen: seiner Schwester Klara und seiner Frau Margareta.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Leben und Werk von Eduard Mörike
Veranstaltung
GFS
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V489546
ISBN (eBook)
9783668970519
ISBN (Buch)
9783668970526
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, werk, eduard, mörike
Arbeit zitieren
Yannick Burkhardt (Autor), 2015, Das Leben und Werk von Eduard Mörike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489546

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