Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika anhand von Analphabetismus


Hausarbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1,3
Kilian Norden (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika
2.1 Die Sub-Region Westafrika
2.2 Die Diskriminierung von Frauen

3. Exkurs: Alphabetisierungsbemühungen nach 1945

4. Grundbildung, Literalität und
Forcierung von Alphabetisierung
4.1 Grundbildung
4.2 Literalität
4.3 Forcierte Alphabetisierung

5. Alphabetisierung als Schlüssel zumehr Gleichberechtigung?

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Die fünf Sub-Regionen in Afrika

Abb. 2 Die Zusammensetzung des Gender Inequality Index

Abb. 3 Der Anteil von Frauen in den Parlamenten

Abb. 4 Die Mindererwerbsbeteiligung von Frauen

Abb. 5 Die Anwendung von Verhütungsmethoden durch Frauen und die Geburtenbetreuung durch fachkundiges Personal

Abb. 6 Der Anteil von Frauen mit mindestens “secondary education“

1. Einleitung

Die Problematik der Diskriminierung von Frauen ist spätestens seit dem Jahr 1979 auf der weltpolitischen Agenda präsent. Damals verabschiedete die Generalversammlung der UN das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (“Frauenkonvention“ bzw. CEDAW). Bereits einige Jahre früher, im Jahr 1965, wurde im iranischen Teheran auf der Weltkonferenz der Bildungsminister über die “Ausrottung des Analphabetismus“ als eine der weiteren globalen Herausforderungen konferiert. Gleichwohl mehrerer Jahrzehnte, die seitdem vergangen sind, ist die Diskriminierung von Frauen wie auch der Analphabetismus weiterhin global, wenn auch in variabler Ausprägung, vorzufinden. Eine Region in der beide Problemfelder in besonders negativen Ausprägungen auftreten - ist Westafrika.1

Die vorliegende Seminararbeit zum Thema der „Diskriminierung von Frauen in Westafrika unter besonderer Berücksichtigung von Analphabetismus“ verfolgt das Ziel, der Fragestellung nachzugehen, inwieweit in Westafrika durch eine Forcierung von Alphabetisierung auch die dortige Diskriminierung bekämpft werden könnte.

Für die Bearbeitung der Fragestellung wird zu Beginn die Zielregion dieser Arbeit eingegrenzt und die dortige Ungleichbehandlung von Frauen anhand einer Untersuchung verschiedener Diskriminierungsfacetten herausgestellt. Daran anschließend wird ein Exkurs über die Alphabetisierungsbemühungen nach 1945 gegeben, welcher zwei Ziele verfolgt: Zum einen ein grundlegendes Verständnis über großangelegte Alphabetisierungsbemühungen und der damit einhergehenden Entwicklung des Alphabetisierungsbegriffs zu vermitteln und zum anderen die Erfolge sowie Misserfolge der Vergangenheit und damit die Grenzen von Alphabetisierungsbemühungen hervorzuheben. Im darauf folgenden Kapitel werden zwei aus den über sechs Jahrzehnten internationaler Alphabetisierungsbemühungen besonders hervortretende Begriffe - Grundbildung und Literalität – definiert und einer aktuellen Betrachtung unterzogen. Ferner wird auf Basis dieser beiden Termini, dass für diese Arbeit maßgebende Verständnis von forcierter Alphabetisierung ausgearbeitet. Im Schlusskapitel wird auf Basis des in den vorangegangenen Kapiteln erarbeiteten Wissens die Fragestellung dieser Arbeit beantwortet: Inwieweit könnte die Diskriminierung von Frauen in Westafrika durch forcierte Alphabetisierung bekämpft werden?

2. Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika

Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika hat viele Variationen und erstreckt sich facettenreich von Benachteiligung, über Unterdrückung, bis hin zu aktiver Gewalt. Mittels dieser allgemeinen Eingrenzung kann die Problematik keinesfalls auf Westafrika beschränkt werden, sondern würde weltweit gelten – auch in den Industrienationen. Daher werden in diesem Abschnitt besonders umfassende und tiefgreifende Formen der Benachteiligung der Frauen in Westafrika, welche über diese Definition hinausgehen, dargestellt werden. Allerdings erfolgt zunächst Einführung der Zielregion “Westafrika“, um die anschließenden Punkte dieser Arbeit besser einordnen zu können.

2.1 Die Sub-Region Westafrika

Im Jahr 1999 wurde durch die UNSD das “UN-Geoscheme“ entworfen. Dieses unterteilt die Landfläche der Erde in fünf Makro-Regionen und 22 Sub-Regionen. Die Makro-Region Afrika wurde hierbei in fünf Sub-Regionen untergliedert: Ostafrika, Zentralafrika, Nordafrika, Südafrika und die Zielregion dieser Arbeit – Westafrika. Innerhalb der Sub-Region Westafrika befinden sich 17 Staaten bzw. Überseegebiete mit zusammen fast 300 Millionen Einwohnern, was rund einem Drittel der afrikanischen und circa fünf Prozent der Weltbevölkerung entspricht.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bezüglich der Bevölkerungsverteilung innerhalb Westafrikas lässt sich eine äußerst heterogene Verteilung feststellen. Die Bevölkerung konzentriert sich in den Küstenregionen am Atlantischen Ozean und dort insbesondere in

Agglomerationen wie Lagos (Nigeria), Abidjan (Elfenbeinküste) oder Dakar (Senegal). In den Binnenregionen ist die Bevölkerungsdichte hingegen äußerst gering. Beispielsweise beträgt die Bevölkerungsdichte in Mali oder dem Niger durchschnittlich 10 Einwohner pro km², währenddessen in Nigeria durchschnittlich 150 Einwohner pro km² leben.3

Im südlichen Teil Westafrikas leben vor allem schwarzafrikanische Völker und im nördlichen überwiegend verschiedene Ethnien der Berber und Araber. Neben den jeweiligen Amtssprachen Arabisch, Französisch oder Englisch werden vor allem im südlichen Teil Westafrikas weitere Verkehrssprachen genutzt (bspw. ist in Nigeria die Amtssprache Englisch, zusätzlich gibt es drei weitere offiziell anerkannte Landessprachen sowie mehrere hundert einheimische Sprachen).4

Die Religion spielt im Alltag der westafrikanischen Menschen eine zentrale Rolle und ist wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens. Neben dem Islam, der vor allem in den nördlichen Regionen dominiert und dem Christentum, welches in den südlichen Regionen vorherrscht, gibt es verschiedenste traditionelle afrikanische Religionen und Mischformen (Synkretismus) zwischen diesen und dem Islam bzw. dem Christentum.5

Obwohl in Westafrika reiche Rohstoffvorkommen (u.a. Erdöl, Erdgas, Uran und Diamanten) lagern und diese durch internationale Konzerne gefördert werden, zählen die westafrikanischen Staaten heutzutage beinahe ausnahmslos zu den ärmsten Ländern der Erde. Die weitreichenden Folgen der Armut wie Korruption, Gewalt, Hunger, politische Instabilität, Bürgerkriege und die geringe Lebenserwartung erschweren wiederum jeden Versuch nach wirtschaftlicher Entwicklung – ein Teufelskreis.6

2.2 Die Diskriminierung von Frauen

Für eine möglichst sachliche Darstellung der Thematik wird nachfolgend die Diskriminierung von Frauen in Westafrika, überwiegend anhand von belastbaren Zahlen aus dem Human Development Report dargestellt. Hierfür werden die Daten Westafrikas hauptsächlich mit dem globalen Durchschnitt und ausgewählten Vergleichsregionen bzw. Ländern abgeglichen. Explizit betrachtet werden der umfassende Gender Inequality Index sowie die überwiegend daraus ausgewählten Bereiche: politi- sche Partizipation, Erwerbsbeteiligung, Gesundheit, Bildung sowie Analphabetismus.7

Gender Inequality Index

Der GII ist ein zusammengesetztes Maß, welches die länderspezifische Ungleichheit von Frauen und Männern wiedergibt. Er wird durch das HDRO erhoben und setzt sich aus drei Dimensionen (Reproductive health, Empowerment, Labour market) und fünf Indikatoren (Maternal mortality, Adolescent fertility, Parliamentary representation, Educational attainment, Labour force participation) zusammen (vgl. Abb. 2). Der GII kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen, wobei ein Indexwert von 0 absolute Gleichheit zwischen den Geschlechtern darstellt und ein Indexwert von 1 maximaler Ungleichheit zwischen den Geschlechtern entspricht.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die westafrikanischen Länder erreichen im Gender Inequality Index Ergebnisse zwischen 0.727 und 0.807. Mit diesen Indexwerten belegen sie Ränge zwischen Platz 113 und 136 (bei insgesamt 138 gewerteten Ländern; bester Wert: Niederlande mit 0.174; schlechtester Wert: Jemen mit 0.853) Der globale Durchschnitt lag bei 0.560 und der europäische bei 0.291 Indexpunkten. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Index stets nur eingeschränkt die Realität wiedergeben kann, ist die Einordnung der westafrikanischen Länder im durch die UN veröffentlichten GII zumindest ein sehr handfestes bzw. deutliches Indiz für die überdurchschnittlich starke Diskriminierung der dort lebenden Frauen.9 Um dies zu verdeutlichen, wird im Folgenden exemplarisch auf einzelne Bewertungskriterien kurz eingegangen.

Politische Partizipation

Der Grad der Diskriminierung im Bereich der politischen Partizipation wird im GII anhand des Frauenanteils in den nationalen Parlamenten erfasst. Dieser Methodik wird im Rahmen dieser Arbeit gefolgt, obgleich der Bereich der kommunalen politischen Beteiligung vernachlässigt wird, da detailliertere und gleichzeitig für alle Staaten vergleichbare Daten nicht verfügbar sind.10

In westafrikanischen Parlamenten beträgt der Anteil von Frauen zwischen 7 Prozent (Nigeria) und 29 Prozent (Senegal), bei einem Gesamtdurchschnitt von 13 Prozent. Der Durchschnitt aller afrikanischen Länder beträgt 15 Prozent, der globale Durchschnitt rangiert marginal höher bei 16 Prozent und der europäische bei 25 Prozent.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der Basis dieser Daten kann festgehalten werden, dass Frauen in Westafrika insgesamt betrachtet im Bereich der politischen Partizipation stark unterrepräsentiert sind. Daher kann in diesem Bereich von einer umfassenden bzw. tiefgreifenden Diskriminierung von westafrikanischen Frauen ausgegangen werden.

Erwerbsbeteiligung

Der Anteil von westafrikanischen Frauen die einer bezahlten Tätigkeit nachgehen variiert zwischen 38 Prozent (Mali) und 82 Prozent (Guinea), bei einem Gesamtdurchschnitt von 61 Prozent. Der entsprechende Anteil von westafrikanischen Männern beträgt 82 Prozent, was eine Differenz von 21 Prozent zwischen den Geschlechtern ergibt. Der größte einzelne Unterschied ist in der Republik Ni- ger mit 50 Prozent festzustellen (Frauen: 38%; Männer: 88%), der geringste in Ghana mit 0,5 Prozent (Frauen: 75%; Männer: 75,5%). In Gesamt-Afrika beträgt der Unterschied zuungunsten der Frauen 17 Prozent, in Europa 14 Prozent und global 26 Prozent (Der hohe Unterschied in der globalen Erwerbsbeteiligung resultiert hierbei maßgeblich aus den Werten der arabischen und südasiatischen Länder).12

Insgesamt betrachtet kann daher für den Bereich der Erwerbsbeteiligung eine besonders “hervorstechende“ Diskriminierung für die Sub-Region Westafrika festgestellt werden. Ausdrücklich sei jedoch auf die positiven regionalen Ausnahmen (bspw. Ghana) hingewiesen.13

Gesundheit

In diesem Abschnitt bezüglich der Gesundheit werden zwei Bereiche beleuchtet: die Anwendung von Verhütungsmethoden und die Geburtenbetreuung durch fachkundiges Personal.

Zwischen 24 Prozent (Ghana) und 8 Prozent (Mali) der westafrikanischen Frauen (verheiratete Frauen zwischen 15 und 49 Jahren) wenden eine Verhütungsmethode (jede Methode) an, wobei der Gesamtdurchschnitt 13 Prozent beträgt. Der Durchschnitt für den gesamten afrikanischen Kontinent beträgt rund 25 Prozent, das globale Mittel rund 55 Prozent und das europäische 76 Prozent.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Anteil von Geburten die durch fachkundiges Personal begleitet werden, beträgt in Westafrika zwischen 78 Prozent (Benin) und 18 Prozent (Niger), bei einem Gesamtdurchschnitt von 50 Prozent. Der Durchschnitt für Gesamt-Afrika liegt höher und beträgt rund 60 Prozent, das weltweite Mittel 75 Prozent (Europa: 99%).15

[...]


1 Vgl. UNDAW 2011 [online]; vgl. UNTC 2011 [online].

2 Vgl. UNSD 2011 [online]; vgl. CIA 2011 [online]. Die folgenden Staaten bzw. Überseegebiete befinden sich in der Sub-Region Westafrika: Benin, Burkina Faso, Cape Verde, Cote d’Ivoire, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Mali, Mauritania, Niger, Nigeria, Saint Helena, Senegal, Sierra Leone und Togo.

3 Vgl. CIA 2011 [online].

4 Vgl. KAS 2011 [online].

5 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2011 [online].

6 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2011 [online].

7 Vgl. UNDP 2011a [online]; vgl. UNDP 2011b [online].

8 Vgl. UNDP 2011a [online].

9 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

10 Vgl. UNDP(a) 2011 [online].

11 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

12 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

13 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

14 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

15 Vgl. UNDP(b) 2011 [online].

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika anhand von Analphabetismus
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V489570
ISBN (eBook)
9783668964686
ISBN (Buch)
9783668964693
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analphabetismus, Diskriminierung von Frauen, Westafrika
Arbeit zitieren
Kilian Norden (Autor), 2011, Die Diskriminierung von Frauen in Westafrika anhand von Analphabetismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489570

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