Die UNO als Geburtshelferin des Staates Israel?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Selbstverständnis und Aufgaben der UNO

3. Palästina unter der Treuhandschaft des Völkerbundes

4. Das Eingreifen der UN
4.1. Aussendung des UNSCOP
4.2 Die Arbeit des UNSCOP
4.3 Die Empfehlungen des UNSCOP
4.4 UN-Resolution
4.5 Der Teilungsplan der UN

5. Die Gründung des Staates Israel
5.1 Die Nachwehen

6. Fazit

Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon vor über 2700 Jahren, lange vor der jüdischen Diaspora, schrieb der jüdische Prophet Jesaja: „Der HERR wird sich über die Nachkommen von Jakob (Israel; Anm. des. Autors) erbarmen; er nimmt die Israeliten wieder als sein Volk an und bringt sie in ihre Heimat zurück. Auch aus anderen Nationen werden Menschen kommen und sich ihnen anschließen. Fremde Völker werden den Israeliten bei der Rückkehr in das Land helfen, dass der HERR ihnen einst geschenkt hatte.“ (Die Bibel, Jesaja 14;1-2)

Seit der weltweiten Zerstreuung der Juden, der sogenannten Diaspora, zieht sich das Streben und die Hoffnung der Juden durch, einen eigenen Staat in Palästina zu errichten, doch dieses Bestreben blieb über 2700 Jahre lang immer bloß ein Traum und Wunschdenken. Erst kurz nachdem die United Nations Organization (UNO) als Organisation der Sicherheit und des Weltfriedens am 24. Oktober 1945 gegründet wurde, und sich dieses Problems annahm, konnte am 14. Mai 1948 die Republik Israel ausgerufen werden. Da ist es natürlich naheliegend zu fragen, welchen Einfluss die UNO auf die Gründung des neuen jüdischen Staates hatte. Oder auch konkreter: War die UNO die notwendige Hilfe, sozusagen die Geburtshelferin, in der Schaffung des Staates Israel?

Damit stellt sich auch die Frage nach der Effektivität von UN Aktivitäten. Die UNO ist schließlich immer wieder verschiedensten Vorwürfen und Kritiken ausgesetzt, und eine der am weitesten verbreiteten Kritiken ist die Frage, ob die UNO wirklich eine unentbehrliche Ordnungsmacht ist, oder nur ein Quatschclub, wie einige Kritiker behaupten.1

Der Historiker Rolf Steininger schreibt in seinem Buch „Der Nahost Konflikt“, dass kein anderes Krisengebiet der Welt die UNO so oft und so intensiv beschäftigt habe, wie der Nahost Konflikt.2 Daher lässt sich anhand der Untersuchung des Nahostkonflikts besonders gut beurteilen, ob die UNO wirklich effektive Arbeit leistet und seine selbst gesteckten Ziele als Organisation der Sicherheit und des Weltfriedens verwirklichen kann.

Beim Blick in die Forschungsliteratur fällt auf, dass die meisten Historiker ganz selbstverständlich von einem Zusammenhang zwischen dem Eingreifen der UN in die Palästina-Frage und der Geburt des Staates Israel schreiben. Jedoch wird nicht explizit ausgedrückt, ob dieses Eingreifen notwendig und letztlich entscheidend dafür war, dass der israelische Staat entstehen konnte. So schreibt beispielsweise Michael Krupp, Israel sei infolge einer UN-Entscheidung gegründet worden3, ohne genauer auf die Frage einzugehen, ob das Eingreifen der UN den Staat geschaffen hat. Somit bleibt offen, wie stark der Einfluss der UN auf die Staatsgründung war. Auch andere Historiker, wie etwa Karl Goller4 und Alan Gershowitz5 schreiben, dass der UN Beschluss unmittelbar der Staatsgründung Israels vorausging, jedoch wird auch dabei nicht weiter die Stärke des Einflusses beleuchtet. Es wird nicht explizit dargestellt, wie groß der Einfluss der UN bei der Staatsgründung und der Schlichtung der Streitereien zwischen Arabern und Juden war. Daher widmet sich diese Arbeit vor allem der Untersuchung der Einflussgröße der Vereinten Nationen: War die UN „nur“ die nötige Rückendeckung für den neuen, noch unstabilen und von vielen Seiten bedrohten Staat? Oder hat die UN diesem Staat entscheidend aktiv zur Gründung verholfen? Da die Konflikte in Palästina zwischen Juden und Arabern, zwischen dem Staat Israel und seinen arabischen Nachbarländern, sowie den staatenlosen Palästinensern bis heute andauern, ist diese Frage besonders relevant.

Um der Fragestellung dieser Hausarbeit auf den Grund gehen zu können, ist es notwendig in vier Schritten vorzugehen: Zunächst werden das Selbstverständnis und die selbstgegebenen Aufgaben der Vereinten Nationen anhand der UN Charta kurz erklärt. Es folgt eine Beleuchtung der politischen Situation in Palästina zur Zeit des britischen Mandats, um die wichtigsten Details der jüngsten Vorgeschichte vorzustellen. Diese Untersuchung nutzt das UN Jahrbuch der Jahre 1947/1948 als Quelle. Anschließend wird, ebenfalls mithilfe des UN Jahrbuches von 1947/1948, sowie unter Zuhilfenahme der UN Resolution 181, untersucht, wie die UNO sich der Palästina Frage annahm und wie der Staat Israel gegründet wurde. Als vierter Schritt folgt eine kurze Untersuchung der Monate nach der Staatsgründung, also die Etablierung Israels, die damit verbundenen Kämpfe und das erneute Eingreifen der UN. Zuletzt folgt ein Fazit, in dem die Ergebnisse der vorausgegangenen Schritte genutzt werden, um eine Antwort auf die Frage dieser Hausarbeit zu geben.

2. Selbstverständnis und Aufgaben der UNO:

Die UNO wurde als Nachfolgeorganisation der Nations League und unter dem Einfluss des Zweiten Weltkrieges am 26. Juni 1945 gegründet. Laut der Präambel der UNO Charta, die am 24. Oktober 1945 verabschiedet wurde, sehen die Mitgliedsstaaten ihr primäres Ziel darin, die Menschheit vor weiteren Kriegen zu bewahren und internationale Gerechtigkeit zu schaffen. Im Artikel 1 der Charta heißt es:

„Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele:

1. den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen (…) durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen;

2. freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln (…)“6

Frieden und globale Sicherheit sieht die UN also als seine Hauptaufgaben an, was auch an dem Einfluss der zwei vorangegangenen Weltkriege liegt. Da sich im Zuge der territorialen und kulturell-religiösen Streitigkeiten in Palästina ein neuer Krieg anbahnte, sah sich die UN gemäß seinem Selbstverständnis dazu gezwungen einzugreifen, um Frieden und Sicherheit zu wahren. Um diese Ziele zu erreichen stellt die UNO, gemäß Artikel 7 Absatz 2 seiner Charta, Komitees und Unterorgane zusammen, wie im Falle Palästinas das United Nations Special Committee on Palestine (kurz UNSCOP).

3. Palästina unter der Treuhandschaft des Völkerbundes:

Während des ersten Weltkrieges hatte Palästina noch zum Osmanischen Reich gehört, danach wurde das Gebiet von den Siegermächten des Krieges verwaltet. Zum 1. Juli 1920 übertrug der Völkerbund Großbritannien das Mandat über die staatenlosen Gebiete in Palästina7. Dabei geriet Großbritannien in Interessenkonflikte, da sie sowohl zu der jüdischen als auch zu der arabischen Bevölkerung des Gebietes gute Beziehungen pflegen wollte. Beiden Bevölkerungsgruppen versprachen die Briten daher, bei der Schaffung einer nationalen Heimstätte für die jeweilige ethnische Gruppe behilflich zu sein.8 Erst als beidseitige Bemühungen um einen eigenen Nationalstaat immer konkreter wurden, wurde den Briten bewusst, wie sehr die Vorstellungen der Araber und der Juden von einem eigenen Staat miteinander in Konflikt standen. Als Juden und Araber erkannten, dass ihre Ziele in Gefahr waren, verliehen sie ihren Forderungen mehr und mehr mit Gewalt Ausdruck. Es kam häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Situation drohte immer mehr zu eskalieren.9 Im Frühling 1947 sahen sich die Briten endgültig nicht mehr in der Lage, diese Problemfrage zu lösen und baten die UN, sich des Problems anzunehmen. In einem Brief an den UNO Generalsekretär wandte sich der britische Botschafter am 2. April 1947 mit der Bitte an das Sekretariat, die „Palästina Frage“ zur nächsten jährlichen Generalversammlung auf die Agenda zu setzen. Des Weiteren äußerte er die Bitte, eine spezielle Versammlung zu dieser Problematik einzuberufen und zu diesem Zweck ein Sonderkomitee einzuladen. Die Briten kündigten überdies an, Palästina bis zum 1. August 1948 zu räumen.10

4. Das Eingreifen der UN

Nachdem die britische Verwaltungsmacht am 2. April 1947 ihr Vorhaben, das Mandat in Palästina niederzulegen, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen in einem Brief mitgeteilt hatte, sah sich die UN zu einem schnellen Eingreifen gezwungen. Da die Konflikte zwischen Arabern und Juden in Palästina immer mehr zu eskalieren drohten, leitete die UN gemäß dem Selbstverständnis ihrer Aufgaben, „den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren“11 sofort Schritte ein, um den Konflikt zu beruhigen und eine Lösung in der Palästina Frage zu finden. Als erster Schritt wurde gemäß Artikel 7 Absatz 2 der UN Charta ein Sonderkomitee zusammengestellt. Dieses ad-hoc Komitee wurde „United Nations Special Comittee on Palestine“ kurz „UNSCOP“ genannt. Außerdem wurde bereits eine Sondersitzung der UN Generalversammlung geplant, bei der die Ergebnisse und Empfehlungen des UNSCOP diskutiert werden, sowie weitere Schritte zu einer Lösung für die Probleme in Palästina eingeleitet werden sollten.

4.1. Aussendung des UNSCOP:

Das Sonderkomitee bestand aus 11 Mitgliedsstaaten, die über den gesamten Globus verteilt sind. Die hohe Anzahl an vertretenen Mitgliedsstaaten im UNSCOP, sowie die globale Verteilung der Mitgliedsstaaten, boten den Vorteil, dass es relativ sicher war, dass die Ergebnisse der Untersuchungen neutral sind. Bestimmte Sympathien und Vorlieben einzelner Mitgliedsstaaten konnten durch diese Verteilung relativiert werden. Das Komitee wurde am 15. Mai 1947 entsandt und untersuchte alle offensichtlichen Konfliktpunkte in Palästina.12 Sie erforschten geografische, demografische und wichtige wirtschaftliche Faktoren, sowie die konkurrierenden Ansprüche und religiöse Ansichten bezüglich der heiligen Orte in Palästina.13 Für diese anspruchsvolle Aufgabe wurde ihnen ein Zeitraum bis zum 1. September 1947 gegeben. Die schnelle Aussendung des UNSCOP und der kurze Zeitraum, in dem das Komitee seine Ergebnisse vorlegen sollte, zeigen auf, wie wichtig und dringend es der UN war, die Probleme in Palästina schnellstmöglich friedlich zu lösen. Das Komitee nahm die Dringlichkeit dieses Anliegens sehr ernst und traf sich bereits am 26. Mai 1947, nur wenige Tage nach Ernennung des UNSCOP, zum ersten Mal auf dem UN Sitz in Lake Success.14

4.2 Die Arbeit des UNSCOP:

Bis zum Ende der Frist am 1. September 1947 hatte das Komitee 16 öffentliche und 36 nicht- öffentliche Treffen. Dabei lud das UNSCOP auch Vertreter der Jewish Agency, einer jüdischen Organisation, die sich für die Gründung des Staates Israel einsetzte, sowie des Arab Higher Committee, der führenden politischen palästinensisch-arabischen Organisation, ein. Doch nur die Jewish Agency erklärte die Bereitschaft zusammenzuarbeiten, während die arabische Seite jegliche Zusammenarbeit kategorisch ablehnte.15 Dabei war die Einladung eine Geste, mit der UNSCOP signalisierte, dass sie die Wünsche und Anliegen der Konfliktparteien berücksichtigen wollten. Jedoch verweigerte die arabische Seite jegliche Mitarbeit, und so konnten die Abgesandten der UN nur die palästinensische Regierung und die jüdische Seite als Hilfe zu Rate ziehen. An dieser Stelle fällt auf, wie sehr die UN zur gerechten Lösung von Konflikten auf die Kooperation der jeweils beteiligten Konfliktparteien angewiesen ist.

Um sich ein besseres Bild von der Situation in Palästina machen zu können, traf sich UNSCOP am 16.06.1947 direkt vor Ort in Jerusalem. Bei diesem Treffen waren auch Mitglieder der palästinensischen Regierung und der Jewish Agency anwesend und hatten Mitspracherecht. Da die Vertreter des Arab Higher Committee die Zusammenarbeit ablehnten, konnten sie bei diesem Zusammenkommen auch nicht mitreden.16 Doch das UNSCOP ließ nicht locker, und wollte trotzdem die Ansichten der arabischen Bevölkerung in den Bericht einfließen lassen. Also schrieben sie Briefe an die arabischen Staaten und das Arab Higher Committee, mit der Bitte um Mitteilung ihrer Ansichten.17 Der Konsens in den Antworten der arabischen Staaten war der Vorschlag, sich zu einer Besprechung in Beirut, Libanon zu treffen. So kam es am 22. Juli 1947 zu einem Treffen der arabischen Staaten mit dem UNSCOP im Libanon.18 Nachdem der UNSCOP also beide Konfliktseiten angehört hatte, sowie die Ansprüche, geographische, demografische und wirtschaftliche Faktoren untersucht hatte, entwickelten sie Vorschläge, die dann bei der UNO Sondersitzung vorgestellt werden sollten.

[...]


1 09.07.: Die UNO – Quatschclub oder unentbehrliche Ordnungsmacht? https://panda.uni-paderborn.de/course/view.php?id=2668 (letzter Zugriff: 26.02.19; um 15:40)

2 vgl. Steininger, Rolf, Der Nahostkonflikt, Frankfurt a.M. (2.Aufl.) 2014, S.105.

3 vgl. Krupp, Michael, Die Geschichte des Staates Israel: von der Gründung bis heute, Gütersloh (2. Auflage) 2004, S.12.

4 vgl. Goller, Karl, Israel. Seine Geschichte, geographische, politische, religiöse, wirtschaftliche und soziale Struktur, Berlin 1981, S.33.

5 vgl. Gershowitz, Alan, Plädoyer für Israel. Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen, Leipzig 2005, S.114.

6 Gareis, Sven Bernhard, & Varwick, Johannes, Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen, Bonn 2014, S.37.

7 Balke, Ralf, Israel. Geschichte Politik Kultur, München (5. Auflage) 2013, S.76.

8 ebd.

9 ebd. S.77

10 ebd.

11 Gareis, Sven Bernhard, & Varwick, Johannes, Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen, Bonn 2014, S.37.

12 The Yearbook of the UNITED NATIONS, https://www.unmultimedia.org/searchers/yearbook/page.jsp?volume=1947-48&page=1&searchType=advanced S. 227 (letzter Abruf: 22.02.2019; 10:53)

13 ebd.

14 ebd.

15 ebd. S.228.

16 ebd.

17 ebd.

18 ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die UNO als Geburtshelferin des Staates Israel?
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Geschichte der Vereinten Nationen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V489574
ISBN (eBook)
9783668955646
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Israel, Nahostkonflik, UNO, Vereinte Nationen, Palästina, Krieg, Staatsgründung, United Nations
Arbeit zitieren
Tobi Fröhlich (Autor), 2018, Die UNO als Geburtshelferin des Staates Israel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489574

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