Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Individual, Groups, Society

Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick im Vergleich

Title: Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick im Vergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Florian Link (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die systemtheoretische Sichtweise menschlicher Beziehungen basiert auf der These, dass zwischenmenschliche Systeme – also Gruppen, Ehepaare, Familien, oder selbst internationale Beziehungen usw. – als Rückkoppelungskreise angesehen werden können, da in ihnen das Verhalten jedes einzelnen Individuums das jeder anderen Person bedingt und seinerseits von dem Verhalten aller anderen bedingt wird.
Im Regelfall geht es dabei um ein alltagssprachliches Verständnis von Kommunikation, das die – wie auch immer bewerkstelligte – Übertragung von Informationen meint. Kommunikation kann in sozialer Hinsicht nicht einfach als Transportvorgang zwischen Alter und Ego beschrieben werden. Wer sich für Kommunikation interessiert, beobachtet vielmehr die „Hervorbringung“ von Sinn zwischen den an Kommunikation Beteiligten. Das ist so, weil Alter und Ego füreinander undurchsichtig sind, so dass Ego nicht wissen kann, was Alter aus einer Mitteilung macht, was für ihn dabei einen Unterschied machen, also zur Information werden wird und wie er diese dann versteht, d.h. sie in seine eigenen Sinnhorizonte einbaut und sie mit den eigenen Erwartungen abgleicht. Erst wenn Alter geantwortet hat, wird der soziale Sinn einer Äußerung – sprachlich, körperlich, schriftlich oder per Email – für die Beteiligten greifbar. Was in Kommunikation also geschieht, ist für beide Seiten in einem hohen Maße kontingent und durch Absichten, Motive usw. nur sehr bedingt zu steuern.
Trotzdem gibt es soziale Ordnung. Es gibt Strukturen, Handlungszusammenhänge, Institutionen, in denen Ego mit relativer Sicherheit wissen kann, wie Alter eine Information verstehen und wie er auf sie antworten wird – wie Alter dann auch weiß, was Ego von ihm erwartet. Gesellschaft kann an dieser Stelle allerdings nicht auf gute Absichten, d.h. auf das Bewusstsein der Beteiligten gebaut werden. Es wäre heillos überfordert mit dieser Aufgabe. Diese Strukturierungs- und Ordnungsleistung muss vielmehr in Kommunikation selbst erbracht werden. Das geschieht durch sprachliche Codierungen, durch Symbole, in denen Situationsdeutungen mit Erwartungen eindeutig verknüpft werden, durch Rituale und performative Gestaltung von Kommunikation. Soziale Ordnung entsteht durch die Formung von Kommunikation.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikationstheorien

2.1 Systemtheoretischer Ansatz nach Niklas Luhmann

2.2 Konstruktivistischer Ansatz nach Paul Watzlawick

2.2.1 Das 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren

2.2.2 Das 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

2.2.3 Das 3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt

2.2.4 Das 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten

2.2.5 Das 5. Axiom: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär

3. Diskussion

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Kommunikationskonzepte von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick vergleichend gegenüberzustellen, um deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie ihre potenzielle Komplementarität in der theoretischen und praktischen Anwendung zu analysieren.

  • Grundlagen des radikalen Konstruktivismus
  • Systemtheoretische Kommunikation nach Niklas Luhmann
  • Konstruktivistische Kommunikationstheorie nach Paul Watzlawick
  • Anwendung des systemischen Denkens in der klinischen Psychologie
  • Vergleich der Modelle hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Das 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren

Dies ist das wichtigste Axiom, welches alle anderen überspannt und beeinflusst. Kommunikation wird hierbei mit dem Begriff Verhalten gleichgesetzt, da „das Material jeglicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, sondern auch alle paralinguistischen Phänomene... umfasst – kurz, Verhalten jeder Art.“

Verhalten besitzt keinen subjektiven Sinn, es verbindet sich damit keine Absicht, und es schließt vor allem auch unbewusste Verhaltensweisen von Individuen mit ein. Daraus leitet er ab, dass man sich immer irgendwie verhält, sich also „nicht nicht verhalten“ kann. Da er Verhalten mit Kommunikation gleichsetzt, spielt für ihn das Verstehen der Nachricht, die mitgeteilt wird, keine Rolle und es muss auch kein gerichtetes Ziel dahinter stehen, zu kommunizieren. Jedes Verhalten in Gegenwart noch eines anderen stellt für diesen eine Mitteilung dar, ist daher auch als „Kommunikation“ zu begreifen. Verhalten hat aber kein Gegenteil. Daraus ergibt sich die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren. Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter. Daraus leitet er das erste Axiom ab. „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die systemtheoretische Sichtweise auf menschliche Beziehungen und führt in die Thematik der „Hervorbringung“ von Sinn sowie die Bedeutung der sozialen Ordnung durch Kommunikation ein.

2. Kommunikationstheorien: Dieser Abschnitt bietet einen theoretischen Überblick über den systemtheoretischen Ansatz von Luhmann und den konstruktivistischen Ansatz von Watzlawick.

2.1 Systemtheoretischer Ansatz nach Niklas Luhmann: Hier wird Kommunikation als eine operativ geschlossene Synthese aus Information, Mitteilung und Verstehen definiert, wobei Menschen lediglich als Instanzen fungieren.

2.2 Konstruktivistischer Ansatz nach Paul Watzlawick: Dieser Teil widmet sich dem Fokus auf Verhaltensstörungen und der Definition von Kommunikation als Medium beobachtbarer Manifestationen menschlicher Beziehungen.

2.2.1 Das 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren: Erläuterung der Grundannahme, dass alles menschliche Verhalten in einer sozialen Situation Mitteilungscharakter besitzt.

2.2.2 Das 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt: Analyse darüber, wie Informationen übertragen werden (Daten) und wie sie interpretiert werden sollen (Beziehung).

2.2.3 Das 3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt: Untersuchung der Strukturierung von Ereignisfolgen als Ursache für Beziehungskonflikte.

2.2.4 Das 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten: Unterscheidung zwischen logisch-syntaktischer digitaler Kommunikation und semantisch-analogem Ausdruck.

2.2.5 Das 5. Axiom: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär: Kategorisierung der Interaktionsformen in solche, die auf Gleichheit oder auf Ergänzung basieren.

3. Diskussion: Kritische Reflexion der Anwendung systemischen Denkens in der Psychologie und Gegenüberstellung der Luhmannschen Systemtheorie mit der Watzlawickschen Praxisorientierung.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die eine grundsätzliche Vereinbarkeit der beiden Ansätze konstatiert.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, radikaler Konstruktivismus, Kommunikation, Niklas Luhmann, Paul Watzlawick, soziale Systeme, Interpunktion, Axiome, Inhaltsaspekt, Beziehungsaspekt, Symmetrie, Komplementarität, doppelte Kontingenz, Sinnkonstitution, systemisches Denken.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick, um deren theoretische Grundlagen und Anwendbarkeit zu beleuchten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen den radikalen Konstruktivismus, systemtheoretische Grundbegriffe, die Axiome der Kommunikation nach Watzlawick sowie deren Anwendung in der klinischen Psychologie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Konzepte von Luhmann und Watzlawick zueinander verhalten und inwieweit sie als komplementär angesehen werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, die theoretische Konzepte der Systemtheorie und des Konstruktivismus gegenüberstellt und auf ihre praktische Relevanz hin prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des luhmannschen Ansatzes (Synthese aus Information, Mitteilung und Verstehen) sowie die detaillierte Ausarbeitung der fünf Axiome der Kommunikation nach Watzlawick.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Systemtheorie, soziale Systeme, Kommunikation, Konstruktivismus und die verschiedenen Kommunikationsmodalitäten geprägt.

Worin unterscheidet sich Luhmanns Verständnis von Kommunikation von dem Watzlawicks?

Luhmann betrachtet Kommunikation als ein autopoietisches System, bei dem der Mensch nur als Außenwelt fungiert, während Watzlawick Kommunikation als beobachtbares zwischenmenschliches Verhalten definiert.

Warum ist laut Watzlawick das erste Axiom so bedeutend?

Es ist bedeutend, weil es besagt, dass jedes Verhalten in einer sozialen Interaktion eine Mitteilung darstellt, wodurch es unmöglich wird, nicht zu kommunizieren.

Wie bewertet der Autor die praktische Anwendbarkeit der beiden Modelle?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Luhmanns Modell sehr abstrakt ist, während sich Watzlawicks Konzepte aufgrund seines Hintergrunds als Psychotherapeut leichter in die klinische Praxis integrieren lassen.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick im Vergleich
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Soziologie)
Course
Konzepte der Interaktion
Grade
1,0
Author
Florian Link (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V48959
ISBN (eBook)
9783638455213
ISBN (Book)
9783656074908
Language
German
Tags
Kommunikationsmodelle Niklas Luhmann Paul Watzlawick Vergleich Konzepte Interaktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Link (Author), 2005, Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann und Paul Watzlawick im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48959
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint