Analyse zur Korrelation von beruflicher Stellung und psychischer Belastung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung und Forschungsfrage

II. Theoretischer Überbau

III. Aufarbeitung des Forschungsstandes und Ableitung der Hypothesen

IV. Überblick über verwend Daten

V. Operationalisierung
1. Operationalisierung der abhängigen Variablen „Psychische Belastung"
2. Operationalisierung der unabhängigen Variablen „Stellung im Beruf“
3. Operationalisierung der Kontrollvariablen

VI. Prüfen der Modellvoraussetzungen
1. Normalverteilung der Daten
2. Einflussreiche Fälle
3. Multikolinearität
4. Heteroskedastizität
5. Autokorrelation
6. Linearität

VII. Datenauswertung
1. Deskriptive Analyse
2. Regressionsanalyse

VIII. Fazit – Rückbezug zu Hypothesen

IX. Literatur- und Quellenverzeichnis

X. Anhang

I. Einleitung und Forschungsfrage

„Das ist ja zur Zeit die Volkskrankheit Nr. 1“, „Ach du auch? Na das hat heute wo „Die Krankheit ist gerade im Trend, oder?“ Antworten wie diese kennen wohl die meisten, die sich mit der Krankheit beschäftigen oder selbst mit ihr zu kämpfen haben: Burn Out. Dass Burn Out von vielen Menschen nicht ernst genommen wird, liegt vermutlich zum einen an den Symptomen. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Erschöpfungsgefühle können erste Anzeichen sein, doch jeder Mensch ist diesen zu Weilen ausgesetzt. Spätestens wenn der Körper rebelliert, sich Schlafstörungen, Alpträume, Rücken- und Kopfschmerzen, bis hin zum Tinnitus oder Hörsturz einstellen sollte die Notbremse gezogen werden. (vgl. Psychosoziale Gesundheit, 2014). Doch tatsächlich ist die Zahl der Burn Out Erkrankten seit 2004 laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) um ca. 1400% gestiegen (vgl. Süddeutsch 2014). Die Betitelung „Volkskrankheit“ scheint also nicht ganz unbegründet. Doch warum dieser rasante Anstieg? Welches sind die Ursachen, die einen solchen Totalausfall hervorrufen? Burn Out ist so Michael Marwitz, promovierter Psychologe, das „Ergebnis einer lang anhaltenden Überforderungssituation“ und „Man geht von einer berufsbedingten Depression aus, die vor allem durch beruflichen Stress erzeugt wird“ (Süddeutsche Zeitung, 2014). Allerdings ist das Risiko zu erkranken bei den unterschiedlichen beruflichen Positionen keinesfalls ausgeglichen. Zwar leiden Führungskräfte häufiger unter Belastungsstress, den Kopf einer Firma trifft es dagegen seltener, so Mazda Adli, Leiter des Forschungsbereichs Affektive Störung an der Charité Berlin (vgl. Süddeutsche Zeitung, 2014). Es drängt sich daher die Frage auf, ob es bestimmte Berufspositionen gibt, die die psychische Belastung besonders beeinflussen. Um welche Berufspositionen handelt es sich hier?

Auch das Institut für Soziologie in München beschäftigt sich unter anderen mit dieser Frage. Im Winter 2013 wurde eine Umfrage über die Münchner Lebenszufriedenheit gestartet. Mittels eines Fragebogens wurden zufällig ausgewählte Münchner Bürgerinnen und Bürger gebeten, unter anderem Angaben zu ihrer Berufsposition zu machen, sowie Fragen über ihren derzeitigen Gesundheits- und Gefühlszustand zu beantworten.

Durch Auswertung gesammelten Daten sollen nun in dieser Hausarbeit Zusammenhänge zwischen der beruflichen Anstellung/Position und dem Grad der psychischen Belastung analysiert werden, um die oben formulierte Forschungsfrage zu beantworten. Dafür werden im Folgenden zuerst die Begriffe „Stellung im Beruf“ und „psychische Belastung“ theoretisch expliziert. Es schließt sich die Aufarbeitung des bisherigen Forschungsstandes an, auf dessen Basis die zu prüfende Hypothese abgeleitet wird. Es folgt ein Überblick über verwend die Operationalisierung der Variablen, sowie die Datenanalyse und –auswertung. Ein Fazit schließt diese Arbeit ab.

II. Theoretisch

Um die Frage zu beantworten, ob sich die psychische Belastung bei den ver Berufspositionen unterscheidet, werden diese beiden Begriffe zunächst theoretisch expliziert.

Nach der „Stellung im Beruf“ werden Erwerbstätige gegliedert in Selbstständige“, „Mithelfende Familienangehörige“, „Abhängig Beschäftigte“, „Beamte und Be „Angestellte“, „Arbeiter und Arbeiterinnen“ und „Auszubildende“. Für hier dur Analyse seien „Mithelfende Familienangehörige“ ausgeschlossen.

„Selbstständige“ werden definiert als Personen, die ein Unternehmen, einen Betrieb oder eine Arbeitsstätte gewerblicher oder landwirtschaftlicher Art wirtschaftlich und organisatorisch als Eigentümer leiten, sowie alle freiberuflic Tätigen.

„Abhängig Beschäftigte“ üben ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für einen A in einem abhängigen Arbeitsverhältnis aus und werden dafür entlohnt (Gehalt).

„Beamte und Beamtinnen“ sind Personen in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverh Bundes, der Länder, der Gemeinden und sonstiger Körperschaften des öffentlich Rechts.

„Angestellte“ sind alle nicht beamteten Gehaltsempfänger/-innen, die einen Arbeitsvertrag unterzeichnet haben, darunter fallen auch leitende Angestellte.

Als „Arbeiter/-innen“ werden alle Lohnempfänger/-innen bezeichnet, unabhäng Lohnzahlungsperiode und der Qualifikation (bspw. Hausgehilfen oder Hausgehilfinnen).

„Auszubildende“ sind Personen, die in praktischer Berufsausbildung stehen (einschl. Praktikanten und Praktikantinnen sowie Volontäre und Volontärinnen). (vgl. gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, 2014)

Da bei Datenerhebung wesentlich differenzierter nach der beruflichen Position gefragt wurde, werden die genannten Antworten in oben erläuterte Kategorien eingeteilt. Genaueres kann der Operationalisierung entnommen werden.

Die „psychische Belastung“ wird in der DIN EN ISO 10075-1 („Ergonomic princples related to mental work load – Part 1: General terms and definitions / German version”) definiert als „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken”. Folglich entsteht psychische Belastung durch ein Zusammenspiel aller erfassbaren, äußerlichen Belastungsfaktoren. Ob die Beanspruchung eine schädliche Wirkung entfaltet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. (vgl. Stadler, 2006, S. 1).

Einige dieser wurden mittels des Fragebogens erhoben und werden zur Messung der psychischen Belastung verwendet. Genaueres findet sich auch hierfür unter Operationalisierung.

III. Aufarbeitung des Forschungsstandes und Ableitung der Hypothesen

Der Frage, ob und wie die berufliche Position mit psychischer Belastung korreliert, gingen unter anderen Rainer Wieland und Jarek Krajewski nach. In ihrer Studie „Psychische Belastung und Qualifizierung in neuen Arbeitsformen I: Zeitarbeit“ (Wuppertaler Psychologische Berichte Heft 1 (2002)) untersuchten sie einen vermuteten Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Merkmalen der Zeitarbeit. Diese tritt an die Stelle der traditionellen Arbeitsverhältnisse und kennzeichnet sich durch befristete, projektgebundene Arbeitsverträge, durch Arbeitsortwechsel, Branchenwechsel, Wechsel des sozialen Umfelds und somit der Arbeitsbedingungen, und letztlich durch unterschiedliche Arbeitsaufgaben. Die Arbeitnehmer sollten sich daher durch Kompetenzen wie Durchsetzungsvermögen, handwerkliche Geschicklichkeit und die Fähigkeit, Probleme schnell zu erkennen und selbstständig zu lösen, auszeichnen. Bei der Aufnahme von Zeitarbeit kann aufgrund dieser vielseitigen Anforderungen mit speziellen psychischen Belastungsformen für den Arbeitnehmer zu rechnen sein, so mutmaßten die Forscher. Zur Überprüfung dieser Hypothese führten Wieland und Krajewski eine schriftliche Befragung in 40 Verleihbetrieben durch. Zur Erhebung des Maßes der psychischen Belastung diente den Forschern die Synthetische Belastungs- und Arbeitsanalyse. Sie bewertet das psychische Beanspruchungspotential von Arbeitstätigkeiten. Zur Analyse der vermuteten Korrelation erfassten die Forscher außerdem arbeitsplatzbezogene Zusatzbelastungen, die Zeitarbeit kennzeichnen, wie bspw. Arbeitsortwechsel, Tätigkeitswechsel und neue Einarbeitungszeit, Aufstiegschancen, Weiterbildungschancen, Einsatzdauer usw.. Ergebnisse lieferte die Kausal-Dominanzanalyse, die Richtung und Grad kausaler Abhängigkeiten bestimmen sollte: Demnach erreicht die psychische Belastung für die Arbeitsform Zeitarbeit im Vergleich zu traditioneller Arbeit höhere Werte. Als Ursprung identifizierten Wieland und Krajewski vor allem zu geringe Tätigkeitsspielräume, unangemessene Aufgabenanforderungen sowie unzureichende Kooperations- und Kommunikationsmöglichkeiten. (vgl. Wieland & Krajewski, 2002)

Auch Paula Protsch untersucht in ihrer Studie „Lebens- und Arbeitsqualität von Selbstständigen” (2006) den Zusammenhang zwischen Merkmalen der Arbeitsformen „Selbstständig“ und „Abhängig beschäftigt“ und der jeweiligen Arbeitsbelastung.

Für ihre Analyse verwendete Protsch den Eurobarometer 56.1 von 2001 als Datenbasis, da dieser eine detaillierte Variablenauswahl bezüglich der subjektiven Arbeitsbedingungen aufweist. Mittels des Pearson Chi-Quadrat Tests wurde zuerst überprüft, ob ein genereller Zusammenhang zwischen dem empfundenen Arbeitsdruck und der jeweiligen beruflichen Situation besteht. Um allerdings Vergleiche und Unterschiede im Ausmaß der Belastung, differenziert nach Selbstständigen und Abhängig Beschäftigten ziehen zu können, wurde ein lineares Regressionsmodell erstellt, das folgende Ergebnisse zeigte: Das Ausmaß des Arbeitsdruckes ist bei Selbstständigen häufig sehr viel höher als bei Abhängig Beschäftigten. Des Weiteren gaben 47% der Selbstständigen an, ihr Beruf verlange hartes Arbeiten. Das entspricht dreimal so vielen Selbstständigen, wie Abhängig Beschäftigten. Auch arbeiten Selbstständige unter größerem Druck und deutlich länger als ihre Vergleichsgruppe. Letztlich konnte ein signifikanter Unterschied bezüglich des Gefühls, unter Zeit- und Termindruck zu stehen und hart arbeiten zu müssen, zwischen den verschiedenen Beschäftigungsformen gemessen werden: Selbstständige fühlen sich einem signifikant höheren Arbeitsdruck ausgesetzt. (vgl. Protsch, 2006)

Ähnliche Ergebnisse erzielten auch Jurkat und Reimer. Sie untersuchten in ihrer Studie “Arbeitsbelastung und Lebenszufriedenheit bei berufstätigen Medizinern in Abhängigkeit von der Fachrichtung” (2001), ob die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen verschiedener medizinischer Berufsformen in Zusammenhang mit dem physischen und psychischen Überlastungsgefühl der Ärztinnen und Ärzte korrelieren. Dazu differenzierten sie diese in folgende Kategorien: Mediziner der Fachrichtungen Chirurgie, Allgemeinmedizin und Innere Medizin. Methodisch wurde zuerst die Lebensqualität der Ärztinnen und Ärzten mittels Fragebogen erhoben, welcher die vier Themenbereiche „Arbeitszufriedenheit/- unzufriedenheit“, „Berufswahl“, „Lebenszufriedenheit/-unzufriedenheit“ und „Gesundheit“ abdeckte. Dabei ermittelten die Forscher zugleich eine überdurchschnittlich hohe Arbeitszeit mit einem Modalwert von 60 Stunden in allen Fachgebieten. Aufgrund der Nichtnormalverteilung der Daten wurden zur Überprüfung eventueller Korrelationen überwiegend non-parametrische statistische Verfahren verwendet, die folgende für die hier zu prüfende Hypothese relevanten Ergebnisse lieferten: Die Arbeitszeit korreliert positiv mit dem Gefühl von Überlastung durch Arbeitsanfall und negativ mit der Schlafdauer. Diejenigen der Mediziner, die 70 und mehr Stunden arbeiten, leiden unter einem signifikant höheren Zeitdruck, im Vergleich zu den weniger Arbeitenden. Zugleich gaben ca. 94% der 70 Stunden und mehr Arbeitenden an, ihre Gesundheit durch die daraus resultierende Belastung beeinträchtigt zu sehen. (vgl. Jurkat & Reimer, 2001)

Aus oben beschriebenen Studienergebnissen kann geschlussfolgert werden, dass die Arbeitsbelastung von den Merkmalen der beruflichen Position beeinflusst wird. Daraus wird die Hypothese abgeleitet, dass auch die psychische Belastung von der Art der beruflichen Anstellung abhängt. Das konnte auch zuerst beschriebene Studie bestätigen, allerdings nur für auf Zeitarbeit Angestellte im Vergleich zu traditionell Angestellten. Diese Analyse untersucht daher – differenziert nach verschiedenen beruflichen Positionen –, ob es einen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Art der Berufsposition gibt. Explizit soll zu prüfende Hypothese lauten: „Wenn sich die Stellung im Beruf ändert, dann ändert sich die psychische Belastung“.

IV. Überblick über verwen

In der bereits in der Einleitung erwähnten Befragung des Instituts für Soziologie der Ludwig- Maximilians-Universität München zum Thema Lebenszufriedenheit wurden in einer Querschnittstudie Daten auf Kollektivebene durch einen halbstandardisierten Fragebogen erhoben. Zu untersuchende Population ist die Münchner Bevölkerung über 18 Jahren. Das Sample wurde zufällig mithilfe des Random-Route-Verfahrens, des Straßenstück-Verfahrens, sowie der Last-Birthday-Methode gezogen.

Das Sample hat einen Umfang von 3000 Personen. Dabei sind die Erhebungsein Stichprobe identisch mit den Untersuchungseinheiten bei der Datenauswertung.

Einen Monat nach Verteilung der Fragebögen wurden Erinnerungsschreiben an die Adressen verschickt. Ein Nacherhebungsverfahren kam nicht zum Einsatz.

V. Operationalisierung

Für eine richtige Interpretation der Ergebnisse der deskriptiven Statistik und die der linearen Regression im anschließenden Kapitel, dient dieser Abschnitt der Aufbereitung der verwendeten Variablen. Zuerst wird die Operationalisierung der abhängigen Variablen beschrieben, dann folgt die Operationalisierung der unabhängigen Variablen. Die Aufbereitung der Kontrollvariablen schließt dieses Kapitel ab.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Analyse zur Korrelation von beruflicher Stellung und psychischer Belastung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V489746
ISBN (eBook)
9783668970939
ISBN (Buch)
9783668970946
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, korrelation, stellung, belastung
Arbeit zitieren
Julia Zuber (Autor), 2014, Analyse zur Korrelation von beruflicher Stellung und psychischer Belastung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489746

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