Kinder- und Jugendlichenarmut nimmt in Deutschland in den letzten Jahren alarmierende Ausmaße an und wird sowohl sozialpolitisch als auch wissenschaftlich zunehmend zum Thema. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere damit, wie Kinder und Jugendliche Armut erleben und welche Bewältigungsstrategien sie entwickeln. Ein wesentliches Augenmerk liegt hierbei auf den geschlechtsspezifischen Unterschieden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Armutsbegriffe und Armutsdefinitonen
2.1 Relative und absolute Armut
2.2 Ressourcenansatz und Lebenslagenansatz
2.3 Kinderarmut
3. Geschlechtsspezifische Betrachtung (Sex und Gender)
4.Wie erleben Kinder Armut und wie gehen sie mit materieller Not um?
4.1 Materiellen Einschränkungen
4.2 Einschränkungen im kulturellen Bereich
4.3 Einschränkungen im sozialen Bereich
4.4 Psychische und physische Lage
5. Reaktionen und Bewältigungsversuche
5.1 Bewältigungsverhalten nach Antje Richter
5.1.1 „Mit sich selbst ausmachen“
5.1.2 „Soziale Unterstützung suchen/gewähren“
5.1.3 „Anstatt-Handlung/Haltung“
5.1.4 „An die Umwelt weitergeben“
5.2 Selbst „dazuverdienen“
5.3 Bewältigungsverhalten in sozialen Brennpunkten
6. Jugendarbeitslosigkeit
6.1 Jugendarbeitslosigkeit und Gesundheit
6.2 Faktoren, die das Stresserleben beeinflussen
6.2.1 Soziale Unterstützung
6.2.2 Soziale Schuldzuweisung
6.2.3 Kontrollverlust
6.2.4 Geschlechtszugehörigkeit
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die vielschichtigen Auswirkungen von Kinder- und Jugendarmut in Deutschland, wobei der Fokus auf der kindlichen Wahrnehmung, geschlechtsspezifischen Unterschieden im Erleben von Not sowie den verschiedenen Bewältigungsstrategien liegt. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Lebensrealitäten betroffener Kinder zu entwickeln und Handlungsbedarfe für die sozialpädagogische Praxis aufzuzeigen.
- Kindliche Armutswahrnehmung und soziale Stigmatisierung
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Armutsbewältigung
- Einfluss familiärer Armut auf Bildung und Gesundheit
- Bewältigungsverhalten in sozialen Brennpunkten
- Auswirkungen von Jugendarbeitslosigkeit auf psychische Gesundheit
Auszug aus dem Buch
5.1.1 „Mit sich selbst ausmachen“
Die erste Kategorie ist zugleich die umfangreichste und wurde von Jungen ebenso häufig gewählt wie von Mädchen. Bei diesem Bewältigungsverhalten handelt es sich um ein internalisierendes Verhalten, bei dem die Kinder und Jugendlichen keine Hilfe oder Unterstützung von außen suchen oder zulassen und ihre Probleme verschweigen. Ein Vorteil bei dieser Haltung besteht darin , dass eventuell eigene Handlungspotentiale genutzt und erweitert werden. Andererseits kann sie genauso dazu führen, dass Probleme verdrängt und Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, so dass Lösungswege versperrt bleiben. Die Folge hiervon ist dann, dass die Kinder stark unter ihrem gewählten Bewältigungsverhalten leiden. Hinzu kommt, dass sich viele selbst dadurch überfordern, dass sie alles alleine schaffen wollen.
Besonders für Kinder im Grundschulalter stellt dieses Problem eine große Gefahr dar. Sie kommen mit ihrer Pseudoautonomie nicht zurecht und tendieren dann entweder dazu, sich hoffnungslos und resigniert vollkommen zurückzuziehen und sich in der Situation einzurichten, was ein Ausbrechen aus der Situation fast unmöglich macht, oder zu einer externalisierenden Kompensationshandlung, die von (Selbst-) Zerstörung und Gewalt geprägt ist. Eine solche Kompensationshaltung dient zumindest kurzfristig dem Abbau von Spannungen. Beide Unterkategorien des ersten Bewältigungstyps sind eindeutig als negativ für die persönliche und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das alarmierende Ausmaß von Kinderarmut in Deutschland und erläutert den Fokus auf kindliche Wahrnehmungen und Bewältigungsmodelle statt auf rein politische Maßnahmen.
2 Armutsbegriffe und Armutsdefinitonen: Dieses Kapitel differenziert zwischen absoluter und relativer Armut sowie den theoretischen Konzepten des Ressourcen- und Lebenslagenansatzes.
3. Geschlechtsspezifische Betrachtung (Sex und Gender): Es wird die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht eingeführt und die Relevanz geschlechtsspezifischer Sozialisationsprozesse für das Erleben von Armut begründet.
4.Wie erleben Kinder Armut und wie gehen sie mit materieller Not um?: Dieser Teil analysiert die Auswirkungen von Armut auf materielle, kulturelle und soziale Lebensbereiche sowie die daraus resultierenden physischen und psychischen Belastungen.
5. Reaktionen und Bewältigungsversuche: Es werden verschiedene Strategien vorgestellt, wie Kinder mit Armut umgehen, basierend auf den Kategorien von Antje Richter sowie spezifischen Verhaltensweisen in sozialen Brennpunkten.
6. Jugendarbeitslosigkeit: Dieses Kapitel betrachtet die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf Jugendliche selbst, insbesondere in Bezug auf Stresserleben und gesundheitliche Folgen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit sozialpädagogischer Unterstützung zusammen und plädiert für niedrigschwellige Angebote sowie eine Sensibilisierung für das Thema Kinderarmut.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Armutsforschung, Bewältigungsstrategien, Soziale Arbeit, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Materielle Not, Jugendarbeitslosigkeit, Soziale Brennpunkte, Stigmatisierung, Deprivation, Psychische Gesundheit, Bildungsbenachteiligung, AWO-ISS-Studie, Sozialisation, Lebenslagenansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die von Armut betroffen sind, und analysiert deren individuelle Wahrnehmung sowie ihre Möglichkeiten, mit dieser Belastung umzugehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Armut, die Auswirkungen auf den Alltag und die Gesundheit von Kindern sowie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bewältigung von Armutserfahrungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die kindliche Perspektive auf Armut in den Vordergrund zu stellen und aufzuzeigen, wo besonderer Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit besteht, um betroffene Kinder zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, wie etwa der AWO-ISS-Studie, und verknüpft diese mit soziologischen und sozialpädagogischen Erkenntnissen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Benachteiligungen in verschiedenen Lebensbereichen, die Vorstellung von Bewältigungsmodellen (nach Antje Richter) und eine Untersuchung der Auswirkungen von Jugendarbeitslosigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Kinderarmut, Bewältigungsstrategien, soziale Stigmatisierung, geschlechtsspezifische Sozialisation, Deprivation und Handlungsbedarf der Sozialen Arbeit.
Wie unterscheidet sich das Bewältigungsverhalten in sozialen Brennpunkten von der allgemeinen Situation?
In sozialen Brennpunkten verstärken die räumliche Konzentration, infrastrukturelle Mängel und ein fehlendes soziales Umfeld die Ängste und die Neigung zu aggressivem Verhalten oder Rückzug deutlich.
Welche Rolle spielt die geschlechtsspezifische Sozialisation bei der Armutsbewältigung?
Die Arbeit zeigt auf, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Coping-Strategien entwickeln; Mädchen sind oft stärker in soziale Netzwerke eingebunden, während Jungen häufiger zu externalisierendem Verhalten und Dominanzgebaren neigen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für die Soziale Arbeit?
Es wird ein dringender Bedarf an niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten und einer Sensibilisierung pädagogischer Fachkräfte gefordert, um Kindern mehr Teilhabechancen zu ermöglichen und das "Vererben" von Armut zu verhindern.
- Quote paper
- Julia Knapp (Author), 2005, Armut bei Kindern und Jugendlichen - geschlechtsspezifische Unterschiede?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48977