Den Begriff „Ostalgie“ benutzt man heute, wie bereits erwähnt, als Stichwort. Man benutzt ihn unbedacht. Das Stichwort erlaubt, die Debatte über die wichtigen gesellschaftlichen Probleme zu vermeiden, denn den Begriff erlaubt das Vermischen zwischen der „Nostalgie“, das heißt „ dem Bedauern der guten alten Zeit“, und der Verbundenheit mit der persönlichen Vergangenheit, Miterinnerungen oder Werte, trotz dieser Debatte in der Öffentlichkeit kommen auf. Das Wort beinhaltet auch den Sinn mehrerer anderer Begriffe wie: „Mentalität“, „Identität“ „Anschauung“ und „Meinung“...
Trotz seines brandmarkenden Aspekts ist und bleibt der Begriff „Ostalgie“ das bekannteste Stichwort. Warum und was heisst "Ostalgie" heute noch?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Überblick: Die deutsche Einheit - zwanzig Jahre später- eine Realität?
Kapitel 1. Auftreten eines Phänomens: die „Ostalgie“
1. Was heißt „Ostalgie“? Definition des Begriffs
2. Die historischen Hintergründe der „Ostalgie“: Rückblick auf die Ereignisse von 1989/1990
2.1 Die „ Herbst Revolution“
2.2. Weg zur Wiedervereinigung
Kapitel 2. Erscheinungsformen der „Ostalgie“ als Reaktionsbewegung
1. Gewinner und Verlierer der deutschen Einheit : „Ostalgie“ als Reaktionsbewegung der Ostdeutschen.
2. Die Vermachtung der „Ostalgie“
3. „Ostalgie“ in den Medien : Instrumentalisierung der „Ostalgie“
4. „Ostalgie“ und Film
5. „Ostalgie“ und Politik
Kapitel 3. Fallstudie: Mödlareuth
1. Die Geschichte Mödlareuths
2. Das Dorf heute: Mödlareuth als „Symbol“ der deutschen Geschichte?
Schluss: „Ostalgie“ als Resultat der Behauptung der ost-deutschen Identität?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „Ostalgie“ im vereinigten Deutschland, um die anhaltenden Unterschiede zwischen der ost- und westdeutschen Identität zu beleuchten und die Wahrnehmung der DDR-Vergangenheit zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung zu analysieren.
- Historische Hintergründe der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung
- Die Entstehung und Definition des Begriffs „Ostalgie“
- Kommerzielle, mediale und filmische Ausdrucksformen der „Ostalgie“
- Die Rolle der „Ostalgie“ als politische Reaktionsbewegung und Ausdruck ostdeutscher Identität
- Fallstudie Mödlareuth: Das Dorf als Symbol deutscher Teilung und Einheit
Auszug aus dem Buch
Die Vermachtung der „Ostalgie“
Der geschäftliche Aspekt der Ostalgie ist sicherlich der bekannteste und der sichtbarste Aspekt des Phänomens. Er erschien durch die Wiederentdeckung von Produkten, die in der DDR existierten. Produkte wie die Zigaretten f6 und Karo, Bautzener Senf oder Hallorenkugeln aus Halle wurden unter den „DDR-Label“ erfolgreich wieder verkauft und gekauft. Ein gutes Beispiel um das Phänomen zu illustrieren, ist die DDR-Kaffee-Marke Rondo. Rondo war eine billige Ostmarke. Vor dem Jahr 1989 kam nur ein Drittel des verkauften Kaffee aus dem Osten, aber im Jahr 1996 kauften die Ostdeutschen mehr als 10 Tonnen von dieser ehemaligen Kaffee-Marke, die die dritte Kaffee-Marke in den neuen Ländern wurde165. Die Beispiele sind wirklich zahlreich: Der Trabant und das Ampelmännchen wurden z.B. zwei Kultobjekte der DDR-Zeit.
Wie lässt sich dieses kommerzielle Phänomen erklären?
der Anfang der 90er Jahre wurde durch einen Willen von spontaner Demontage der DDR- Symbole markiert166, der besonders in der reinen und einfachen Ablehnung der ostdeutschen Konsumgüter zugunsten der westdeutschen Produkte, sichtbare war. Die politische Delegitimation der DDR war auch an der Tagesordnung. Aus Gründen, die ebenso politisch wie geschäftlich waren, schien das Verschwinden der materiellen Spuren der DDR, wie von ihren Konsumgütern und ihren Symbolen, verständlich zu sein. Die vereinte BRD sollte die Wahl der Ostdeutschen für einen schnellen Beitritt legitimieren. Aber im Laufe der Zeit, empfanden die Ostdeutschen ein Gefühl des Verlusts167. Eine Reaktionsbewegung gegen das Auslöschen der täglichen Umwelt trat auf und in diesem Kontext entwickelte sich die Ostalgie. Also hat die Ostalgie einen patrimonialen Aspekt, denn die Rückkehr der kommunistischen Zeit entwickelte und äußerte sich durch die sensorielle Suche nach bestimmten Elementen, die etwas Beruhigendes für die Ostdeutschen hatten (Musik, Bonbons u.s.w.)168.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Problematik der inneren Einheit Deutschlands zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung anhand einer kontroversen Kunstausstellung aufgezeigt.
Kapitel 1. Auftreten eines Phänomens: die „Ostalgie“: Das Kapitel definiert den Begriff der „Ostalgie“ und bettet ihn in den historischen Kontext der Friedlichen Revolution von 1989 und der deutschen Wiedervereinigung ein.
Kapitel 2. Erscheinungsformen der „Ostalgie“ als Reaktionsbewegung: Hier werden die wirtschaftlichen, medialen, kulturellen und politischen Ausdrucksformen der „Ostalgie“ als Form ostdeutscher Selbstbehauptung analysiert.
Kapitel 3. Fallstudie: Mödlareuth: Das Dorf Mödlareuth dient als Fallbeispiel für eine geteilte Lebenswelt und die heutige symbolische Verarbeitung der deutschen Geschichte.
Schluss: „Ostalgie“ als Resultat der Behauptung der ost-deutschen Identität?: Das Fazit fasst die „Ostalgie“ als Ausdruck einer spezifischen ostdeutschen Identität und als Reaktion auf die Wahrnehmung von Ungleichheit im vereinten Deutschland zusammen.
Schlüsselwörter
Ostalgie, Wiedervereinigung, DDR, Identität, Ostdeutschland, Mödlareuth, Sozialismus, Transformation, DDR-Nostalgie, Friedliche Revolution, Medienkritik, kollektives Gedächtnis, Alltagsleben, SED-Diktatur, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „Ostalgie“ als Ausdruck ostdeutscher Identität und als Reaktion auf die soziale und wirtschaftliche Transformation nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, die Kommerzialisierung von DDR-Symbolen, die mediale Darstellung der ostdeutschen Lebenswelt und die Suche nach einer eigenen Identität im vereinigten Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwieweit die „Ostalgie“ ein Resultat der Behauptung einer eigenständigen ostdeutschen Identität ist und wie sich die Wahrnehmung der DDR in den 1990er Jahren und danach verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die historische Analysen, soziologische Studien zur Transformationsgesellschaft sowie medien- und filmwissenschaftliche Untersuchungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Erscheinungsformen der „Ostalgie“ – von der Vermarktung ehemaliger DDR-Produkte über die mediale Instrumentalisierung in Fernseh-Shows bis hin zur filmischen Verarbeitung der DDR-Geschichte – sowie eine detaillierte Fallstudie über das geteilte Dorf Mödlareuth.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Ostalgie, Wiedervereinigung, ostdeutsche Identität, Transformation, kollektives Gedächtnis und Erinnerungskultur.
Was bedeutet die „Vermachtung der Ostalgie“ konkret?
Dieser Begriff beschreibt den geschäftlichen Aspekt der „Ostalgie“, bei dem ehemalige DDR-Produkte und Symbole aufgrund eines Bedürfnisses nach Authentizität und Vertrautheit wieder erfolgreich auf den Markt gebracht wurden.
Inwiefern spielt Mödlareuth eine besondere Rolle?
Mödlareuth fungiert als Fallstudie, da das Dorf aufgrund seiner geografischen Lage und der jahrzehntelangen Teilung als „Little Berlin“ bekannt ist und die unmittelbaren Auswirkungen der deutschen Teilung und die Bemühungen zur historischen Aufarbeitung im öffentlichen Raum greifbar macht.
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- Xavier Fluet (Author), 2012, Spuren der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik von 1990 bis heute. Das Phänomen der "Ostalgie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489784