Durch die eigene Tätigkeit als staatlich Anerkannter Bachelor Sozialpädagoge und Sozialarbeiter in einer Kindertagesstätte im Hort und Kindergarten wurde der Verfasser auf das Phänomen der Zusammenarbeit zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Eltern aufmerksam. Das Interesse kommt ursprünglich von Fragen nach der eigenen Professionalität als Pädagoge. Dies motivierte den Verfasser dazu sich im Rahmen des Master-Studiengangs intensiver und vor allem wissenschaftlich mit der Thematik der Professionalität in der pädagogischen Praxis auseinander zu setzen.
Bei den ersten Schritten in der Forschung justierte sich sodann das Interesse hin zur Zusammenarbeit. Das Forschungsprojekt nahm insgesamt einen Zeitraum von drei Jahren ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Identifikation von Ansätzen eines professionellen Habitus
1.3. Aufbau
2. Zur Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Eltern
2.1. Historisch und politische Bezüge zur Zusammenarbeit
2.2. Rechtliche und normative Grundlagen der Zusammenarbeit
2.3. Forschungsstand in der Zusammenarbeit
2.3.1. Nationale und internationale Befunde zur Zusammenarbeit mit den Eltern
2.3.2. Das Verhältnis von privater und öffentlich verantworteter Bildung und Erziehung von Kindern
2.4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
3. Zur Professionalität von pädagogischen Fachkräften
3.1. Zur Dispositionsforschung
3.2. Zum Kompetenzbegriff in der Pädagogik
3.3. Zum professionellen Habitus
3.3.1. Zur Binnenlogik pädagogischer Professionalität
3.3.2. Das Konzept des professionellen Habitus als Handlungskompetenz
3.4. Handlungsanforderungen und Spannungsbereiche in der Zusammenarbeit
3.5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
4. Zusammenführung und Einordnung des Theorieabschnittes in die eigene Forschung
5. Das Forschungsdesign
5.1. Konkretisierung der Fragestellung
5.2. Methodik
5.2.1. Zur rekonstruktiven Sozialforschung
5.2.2. Professionalität und Habitus
5.2.3. Analyse des Habitus mit der Dokumentarischen Methode
5.2.4. Das Untersuchungsdesign
5.2.5. Die Gruppendiskussion als Erhebungsverfahren
5.2.6. Die dokumentarische Methode als Auswertungsverfahren
5.3. Entwicklung des Gruppendiskussionsleitfadens und der Fragestellungen
6. Ergebnisse der komparativen Analyse
6.1. Ergebnisse der ersten Gruppendiskussion
6.2. Ergebnisse der zweiten Gruppendiskussion
6.3. Ergebnisse der dritten Gruppendiskussion
6.4. Ergebnisse der vierten Gruppendiskussion
6.5. Ergebnisse der fünften Gruppendiskussion
6.6. Zusammenfassung der Ergebnisse
7. Zusammenfassung
7.1. Schlussfolgerung aus der Untersuchung: potentielle professionelle Habitusmuster
7.2. Reflexion der Untersuchung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis untersucht das professionelle Denken und Handeln von pädagogischen Fachkräften in Kindertagesstätten, wobei der Fokus insbesondere auf deren habituellen Orientierungs- und Handlungsmustern in der Zusammenarbeit mit Eltern liegt. Ziel ist es, Ansätze eines professionellen Habitus zu identifizieren und die Spannungsfelder zwischen den Anforderungen an die Fachkräfte und den Bedingungen in der Praxis zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die professionelle Gestaltung dieser Schnittstelle zu gewinnen.
- Professioneller Habitus pädagogischer Fachkräfte
- Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Eltern in Kindertagesstätten
- Rekonstruktive Sozialforschung und Dokumentarische Methode
- Spannungsfelder und Handlungsanforderungen in der frühpädagogischen Praxis
- Vertrauensaufbau und Kommunikation als professionelle Schlüsselkompetenzen
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Zur Binnenlogik pädagogischer Professionalität
Bischoff (2017) führt aus, dass nach Nittel (2011) unter der Perspektive der Professionalität eine konkrete Handlung verstanden werden kann, sowie eine personenbezogene Dienstleistung. Diese können über den institutionellen Komplex der anerkannten Profession hinausgehen. So definiert Nittel (2011) Professionalität als eine Form gekonnter Beruflichkeit, in der eine bewertende Perspektive angelegt ist. So kann Professionalität sowohl aus einer kompetenztheoretischen, als auch differenztheoretischen Perspektive betrachtet werden. Kompetenztheoretisch sind in diesem Zusammenhang Fertigkeiten und Fähigkeiten, welche vom beruflichen Rollenträger benötigt werden, um bestimmte Aufgabenstrukturen erfüllen zu können. Differenztheoretisch meint wiederum die Spannungsverhältnisse zwischen den Elementen von Kompetenzprofilen und der Fehlbarkeit professionellen Handelns (vgl. Bischoff 2017: 102 f., nach Nittel 2011: 42, 48). Letzteres rückt die Professionellen-Klienten-Interaktionen, Berufsbiografien und Deutungsmuster der beruflich Tätigen in den Vordergrund (vgl. Bischoff 2017: 103, nach Cloos 2008: 13).
Bischoff (2017) rekonstruiert im Anschluss an die von Nittel (2011) beschriebene Handlungsperspektive zur Professionalität zwei Blickrichtungen, um professionelles pädagogisches Denken und Handeln zu betrachten. Die erste Blickrichtung zielt darauf professionelles Handeln empirisch von seiner Binnenlogik her zu erschließen und zentrale Kernelemente des Handelns zu identifizieren. In Anlehnung an Schütze (2011), der 15 Paradoxien professionellen Handelns im Sozialwesen herausarbeitete, besteht die Aufgabe der professionell Tätigen darin, mit diesen Paradoxien (sach-)angemessen umzugehen, indem sie die auftretenden Gegensätze ausbalancieren. So nennt dieser für die professionelle Handlungskonstitution als unabdingbar, dass professionell Handelnde grundsätzlich das Problem der KlientInnen analysieren, eine Prognose über die Problementfaltung erstellen und über eine mögliche professionelle Intervention entscheiden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, benennt die Problemstellung hinsichtlich der Elternarbeit und skizziert das Forschungsinteresse sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Zur Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Eltern: Hier werden die historischen, politischen und rechtlichen Grundlagen der Zusammenarbeit beleuchtet sowie der aktuelle Forschungsstand zur Kooperation von Einrichtung und Familie dargelegt.
3. Zur Professionalität von pädagogischen Fachkräften: Das Kapitel widmet sich der Dispositionsforschung, dem Kompetenzbegriff und dem theoretischen Konzept des professionellen Habitus als Handlungskompetenz.
4. Zusammenführung und Einordnung des Theorieabschnittes in die eigene Forschung: Hier werden die theoretischen Überlegungen für das eigene empirische Vorhaben zusammengefasst und eingeordnet.
5. Das Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, insbesondere die Verwendung der rekonstruktiven Sozialforschung und der Dokumentarischen Methode zur Analyse des Habitus.
6. Ergebnisse der komparativen Analyse: Hier werden die empirischen Erkenntnisse aus den Gruppendiskussionen formal interpretiert und komparativ analysiert.
7. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel führt die Ergebnisse zusammen, formuliert Schlussfolgerungen zu den Habitusmustern und reflektiert den gesamten Forschungsprozess.
Schlüsselwörter
Professioneller Habitus, Pädagogische Fachkräfte, Zusammenarbeit mit Eltern, Kindertagesstätte, Dokumentarische Methode, Frühpädagogik, Kompetenzmodell, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft, Rekonstruktive Sozialforschung, Professionalität, Habitusmuster, Gruppendiskussion, Vertrauensaufbau, Spannungsfelder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem professionellen Denken und Handeln pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten, speziell im Kontext ihrer Zusammenarbeit mit Eltern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Professionalität der Fachkräfte, das theoretische Konzept des Habitus, die Dokumentarische Methode als Forschungsinstrument und die Analyse von Handlungsspannungen in der Elternarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, habituelle Denk- und Handlungsmuster frühpädagogischer Fachkräfte zu explorieren und zu verstehen, wie diese die professionelle Gestaltung der Elternarbeit beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze der rekonstruktiven Sozialforschung, insbesondere die Dokumentarische Methode zur Analyse von Gruppendiskussionen mit Fachkräfteteams.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen und einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse aus fünf Gruppendiskussionen analysiert und in Typologien überführt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. professioneller Habitus, Elternarbeit, Kindertagesstätte, pädagogische Professionalität und Dokumentarische Methode.
Was bedeuten die identifizierten "Spannungsbereiche"?
Diese Bereiche beschreiben Dilemmata (wie z.B. Nähe vs. Distanz oder fachliche Zuständigkeit vs. Lebenshilfe), mit denen pädagogische Fachkräfte in ihrem Alltag konfrontiert sind und die ihr professionelles Handeln strukturieren.
Warum ist das Konzept des "professionellen Habitus" für die Arbeit wichtig?
Es dient als theoretischer Ankerpunkt, um nicht nur explizites Fachwissen, sondern auch das implizite, habituelle Können der Fachkräfte erfassbar zu machen, das in komplexen, nicht standardisierbaren Situationen handlungsleitend wirkt.
Welche Rolle spielt die Dokumentarische Methode bei der Ergebnisfindung?
Sie ermöglicht es, über die expliziten Äußerungen hinaus die tieferliegende Sinnstruktur des Handelns (den Modus operandi) der Fachkräfte zu rekonstruieren und so den kollektiven Habitus innerhalb der Teams sichtbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Luis C. Maraver Munoz (Autor:in), 2019, Der professionelle Habitus pädagogischer Fachkräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489815