Homosexualität und Religionen


Facharbeit (Schule), 2019
26 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Begründung Themawahl
1.3 Vorgehen

2 Begriffsklärungen
2.1 „Homosexualität“
2.2 „Heterosexualität“

3 Geschichte der Homosexualität
3.1 Antike
3.2 Mittelalter
3.3 1500 bis 1950
3.4 1960er Jahre
3.5 Aktuelle Situation – von Todesstrafe bis hin zu Homo-Ehe

4 Homosexualität in den Weltreligionen
4.1 Christentum
4.2 Judentum
4.3 Islam
4.4 Buddhismus
4.5 Hinduismus

5 Methode 1: Buchanalyse
5.1 Andreas Laun – Homosexualität aus katholischer Sicht
5.2 David Berger – Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche

6 Methode 2: Interviews
6.1 Interview mit Priester
6.2 Interview mit ehemaligem Mönch

7 Auswertung der Ergebnisse
7.1 Methode
7.2 Methode

8 Resümee und Fazit

9 Anhang
9.1 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Mich interessiert, welche Ansichten die Weltreligionen zum Thema Homosexualität vertreten und auf welchen Gründen diese unterschiedlichen Einstellungen basieren. Ausserdem möchte ich wissen, wie Liechtenstein über das Thema Homosexualität denkt und werde deshalb genauer auf das Christentum eingehen, da Liechtenstein christlich geprägt ist.

1.2 Begründung Themawahl

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich über etwas Aktuelles schreiben will. Homosexualität war schon seit je her ein Streitthema und auch heute sind noch gegensätzliche Meinungen darüber erkennbar. Oft werden homophobe Aussagen dadurch begründet, dass die Religion Homosexualität ablehnt. Ich persönlich bin christlich erzogen worden, bezeichne mich heute aber als Atheistin und vertrete meine eigene Meinung. Dabei versuche ich, durch niemanden beeinflusst oder manipuliert zu werden. Trotzdem interessieren mich die verschiedenen Meinungen der Weltreligionen zum Thema Homosexualität.

1.3 Vorgehen

Zunächst wird im Kapitel 2 geklärt, was die Begriffe „Homosexualität“ und „Heterosexualität“ bedeuten und woher sie stammen. Im darauffolgenden Kapitel wird die Geschichte der Homosexualität bis in die heutige Zeit zusammentragen. Danach wird im Kapitel 4 genauer auf die Meinungen der fünf Weltreligionen eingegangen. Um noch genauer auf das Christentum einzugehen, werden im fünften Kapitel als erste Methode zwei Bücher miteinander verglichen, welche die Homosexualität aus katholischer Sicht näherbringen sollten. Im sechsten Kapitel werden als zweite Methode Interviews mit einem Priester und einem ehemaligen Mönch geführt und analysiert, um Wissen von Fachleuten miteinzubringen. Danach werden die beiden Methoden ausgewertet und im abschliessenden Kapitel die wichtigsten Anhaltspunkte der Facharbeit zusammengefasst und ein Fazit daraus gezogen.

2 Begriffsklärungen

2.1 „Homosexualität“

Der Begriff „Homosexualität“ lässt sich von den Worten „Homos“ und „Sexus“ herleiten. „Homos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „gleich“. Das Wort „Sexus“ wiederum, ist lateinisch und bedeutet „Geschlecht“. Homosexualität bedeutet also „Gleichgeschlechtlichkeit“ und bezeichnet gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten oder auch romantische, sowie erotische Begierde gegenüber Personen des eigenen Geschlechts. Irrtümlicher Weise wurde das Wort „Homos“ oft mit dem lateinischen Wort „Homo“ verwechselt. „Homo“ heisst übersetzt „Mann“, daher wurde häufig geglaubt, dass sich Homosexualität nur auf die Liebe zwischen zwei Männern bezieht und nicht auf die, zweier Frauen. Ab dem Jahr 1900 verwendete man daher die deutsche Übersetzung „Gleichgeschlechtlichkeit“ als Ersatz, um den Irrtum, „Homosexualität“ bezöge sich nur auf Männer, zu vermeiden. Man bezeichnet homosexuelle Männer auch als schwul und homosexuelle Frauen als lesbisch. („Homosexualität“ Abschn. 2.1)

2.2 „Heterosexualität“

Auch der Begriff „Heterosexualität“ lässt sich von zwei Worten herleiten. Das griechische Wort „Heteros“ bedeutet „ungleich“ und bildet den ersten Teil des Begriffes. Wie bei „Homosexualität“ kommt der zweite Teil, „Sexus“, aus dem Lateinischen und heisst „Geschlecht“. Heterosexualität ist also das Gegenteil von Homosexualität und bedeutet „Verschiedengeschlechtlichkeit“. Heterosexualität beschreibt die sexuelle Orientierung, bei der romantisches und erotisches Verlangen nach Personen des anderen Geschlechtes empfunden wird. („Heterosexualität“ Abschn. 1)

Beide Begriffe, Homosexualität wie auch Heterosexualität, wurden erstmals 1868 von dem Schriftsteller Karl Maria Kertbeny verwendet. Erst 1886 kam es zur Verbreitung dieser Worte durch Richard von Krafft-Ebing, welcher diese in seinem Werk Psychopathia sexualis benutzte. („Homosexualität“ Abschn. 2.1)

3 Geschichte der Homosexualität

3.1 Antike

In Griechenland war Homosexualität etwas ganz Natürliches und wurde von der Gesellschaft akzeptiert. Viele Männer schrieben Gedichte über homosexuelle Beziehungen. Weibliche Homosexualität hingegen wurde in Griechenland eher ignoriert. Sappho allerding, eine bekannte Dichterin der Insel Lesbos, schrieb viele Gedichte über die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen, welche scheinbar von der Gesellschaft akzeptiert wurde. („Homosexualität im antiken Griechenland“ Abschn. 4)

Eine sehr beliebte Form der männlichen Homosexualität war die Päderastie. Päderastie wird auch Knabenliebe genannt und beschreibt die Beziehung eines erwachsenen Mannes und einem Jugendlichen. Päderastie bezieht sich, im Gegensatz zu Pädophilie, nur auf Männer und Jungen, welche die Pubertät bereits erreicht haben. Pädophilie hingegen ist ein sexuelles Verlangen nach Kindern, egal welchen Geschlechts, die sich meist noch vor der Pubertät befinden. Im antiken Griechenland wurde die Päderastie akzeptiert und verschaffte den Jugendlichen meist eine soziale Absicherung, weswegen sie die Päderastie nicht unbedingt als etwas Negatives ansahen. Die Jugendlichen glaubten, dass sie die Weisheit des Älteren durch die sexuellen Handlungen auf sich übertragen würden. In einer päderastischen Beziehung ging es aber nicht nur um sexuellen Kontakt, denn sie hatte ausserdem einen pädagogischen Zweck. Der Erastes, so nannte man den älteren Beziehungspartner, sollte dem Jugendlichen, der sogenannte Eromenos, gesellschaftliche Ideale und männliche Tugenden lehren. Diese Form der Päderastie nannte man klassisch-hellenisch und wurde hauptsächlich von der Oberschicht praktiziert, war aber für alle griechischen Bürger, ausser Sklaven, erlaubt. Doch mit dem Durchbruch der Demokratie in Athen wurde die Päderastie aus der Öffentlichkeit verdrängt, da diese von den Mittel- und Unterschichten der Bevölkerung Athens mit dem hochnoblen Lebensstil der gerade erst entmachteten Oberschicht verbunden wurde. („Homosexualität im antiken Griechenland“ Abschn. 3.1 und 3.4) (Paradisi-Redaktion Die Päderastie in der Antike)

Im römischen Reich wurde auch nicht viel über die weibliche Homosexualität berichtet. Oft wurde sogar daran gezweifelt, ob es weibliche Homosexualität überhaupt gibt. Auch die Päderastie wurde in Rom praktiziert, jedoch hielt man nicht viel von der klassisch-hellenischen Päderastie. Dort wurde nur die römisch-priapische Form von der Gesellschaft toleriert. Diese Form bezog sich ausschließlich auf sexuellen Verkehr zwischen freien römischen Männern und Sklavenknaben. Mit dem Einzug des Christentums wurde die gleichgeschlechtliche Sexualität jedoch tabuisiert. 390 n. Chr. wurde das erste Gesetz erlassen, das gleichgeschlechtliche Liebe in generalisierender Weise verbot und mit dem Tode bestrafte. („Homosexualität im Römischen Reich“ Abschn. 2, 4 und 5)

3.2 Mittelalter

Im Mittelalter galt im römischen Reich das Christentum als offizielle Staatsreligion. Im Christentum ist die Fortpflanzung der einzige Zweck der menschlichen Sexualität. Daher wurden alle sexuellen Handlungen, die nicht zur Fortpflanzung dienten, als sündhaft angesehen. Die Sodomie wurde dabei als schlimmste der sogenannten Unzuchtssünden gewertet. „Sodomie“ wird heute als Krankheit angesehen und bezeichnet den sexuellen Verkehr mit Tieren. Im Mittelalter wurde dieser Begriff dem „Analverkehr“ gleichgesetzt. Das bedeutet, dass schwule Männer, welche Analverkehr betrieben, als Sodomiten bezeichnet wurden. Bis ins 13. Jahrhundert sah man in Europa den sodomitischen Verkehr zwar als sündig, aber nicht als strafbar an. Doch während der Kreuzzugspropaganda gegen den Islam hat sich dies geändert, da man glaubte, Mohammed habe die Sünde der Sodomie unter seine Leute gebracht. Ab diesem Zeitpunkt kam es zur Sodomiterverfolgung. Sodomiten wurden strafrechtlich verfolgt und zum Tode verurteilt. In den meisten Regionen Europas geschah dies allerdings nur, wenn der gesellschaftliche Friede durch die Handlungen der Sodomiten gefährdet wurde, zum Beispiel bei Vergewaltigungen oder wenn ein Kind in die Handlung involviert wurde. Ein anderes grosses Thema, mit dem sich die Gerichte noch viel öfter beschäftigten, war ausserehelicher Geschlechtsverkehr zwischen Männern und Frauen, denn bei gleichgeschlechtlichem Verkehr bestand dahingegen keine Gefahr auf ein uneheliches Kind. (Sodomiterverfolgung Abschn. 3.2)

3.3 1500 bis 1950

In der 1532 veröffentlichen Constitutio Criminalis Carolina wurde erstmals ein schriftliches Gesetz gegen Homosexualität erlassen. Die Constitutio Criminalis Carolina war das erste, allgemeine Strafgesetzbuch des römischen Reiches und wurde von Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ratifiziert. Über die Homosexualität ist darin Folgendes zu lesen:

Straff der vnkeusch, so wider die natur beschicht. Jtem so ein mensch mit eynem vihe, mann mit mann, weib mit weib, vnkeusch treiben, die haben auch das leben verwürckt, vnd man soll sie, der gemeynen gewonheyt nach mit dem fewer vom leben zum todt richten. (Constitutio Criminalis Carolina Artikel 116)

Darunter wurde verstanden, dass sexuelle Handlungen zwischen Menschen und Tieren, Männern und Männern, aber auch Frauen und Frauen mit dem Tode bestraft wurden. Die Gesetzeskraft des Buches war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gültig, doch auch nach dem 18. Jahrhundert wurden homosexuelle Menschen weiterhin diskriminiert, aber immer seltener mit dem Tode bestraft. In Frankreich galt Homosexualität ab 1791 nicht mehr als strafbar und in Preussen wurde die Todesstrafe auf eine Gefängnisstrafe herabgesetzt. Ab Anfang des Jahres 1872 gab es im deutschen Strafgesetzbuch einen weiteren Paragraphen, der Homosexualität untersagte, den Paragraphen 175:

Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. (Reichsstrafgesetzbuch Paragraph 175)

1935 erweiterten die Nationalsozialisten dieses Gesetz mit einem dazugehörigen Paragraphen, 175a, welcher die Gefängnisstrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre verlängerte und besagte, dass den homosexuellen Männern zwischen einem und zehn Jahren Aufenthalt in einem Zuchthaus drohte. Im Gegensatz zu homosexuellen Frauen wurden homosexuelle Männer mit rosafarbenen Winkeln gekennzeichnet. Doch auch lesbische Frauen konnten Ihre Sexualität nicht ausleben, denn „[i]n der nationalistischen Ideologie waren Ehe und Mutterschaft die Bestimmung der arischen Frau.“ („Unsittliches Tun oder anerkennenswerte Lebensform?“ 3) Ausserdem heirateten viele homosexuelle Frauen und Männer, um vom Druck und den Bedrohungen verschont zu bleiben. 1950 kehrte die DDR wieder zur früheren Bedeutung des Paragraphen 175 zurück. („§ 175“ Abschn. 1)

3.4 1960er Jahre

Laut einer Vereinigung für Psychiater in Ausbildung, die American Psychiatric Association, galt Homosexualität ab 1952 als eine psychische Krankheit und wurde in eine offizielle Liste der bisher bekannten Geisteskrankheiten aufgenommen. 1972 wurde Homosexualität wieder von der Liste gestrichen, was dem Psychologen John E. Fryer zu verdanken ist. 1969 hielt er eine Rede während einer Versammlung der American Psychiatric Association, von der er selbst Mitglied war. Um frei sprechen zu können und seine Identität doch geheim zu halten, trug er dabei eine Maske und sprach in ein Mikrofon, das seine Stimme verstellte. Er begann seine Rede mit den Worten „I am homosexual. I am a psychiatrist.“ („Ich bin schwul. Ich bin ein Psychiater.“ John E. Fryer in Philadelphia 2. Mai 1972). Damit gab er zu verstehen, dass Homosexualität keine psychische Krankheit sein könne, wenn er selbst schwul, trotzdem aber ein Psychiater sei. („Dr. Henry Anonymous (John Fryer)“ Abschn. 1)

Nach der 68er-Bewegung ging es überall nur noch um Liebe und Sexualität. Auch homosexuelle Paare trauten sich erstmals ihre Sexualität frei auszuleben. Während Homosexualität in den meisten westlichen Ländern nun gesellschaftlich akzeptiert wurde, galt sie in manchen Ländern nach wie vor als Straftat.

3.5 Aktuelle Situation – von Todesstrafe bis hin zu Homo-Ehe

In manchen Gegenden folgen auch heute noch hohe Strafen auf homosexuelle Handlungen. Vor allem in afrikanischen und asiatischen Ländern ist Homosexualität noch immer illegal. Die Mindeststrafe in den meisten dieser Länder ist eine Geldstrafe. Die Strafen sind aber von Land zu Land unterschiedlich und können zwischen einem Jahr und lebenslänglichem Aufenthalt im Gefängnis variieren. Seltener, aber auch heutzutage noch vorhanden, ist als Höchststrafe auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. In Ländern wie Mauretanien, Tschetschenien aber auch im Jemen wird die Todesstrafe sogar als Mindeststrafe ausgeführt. Darüber hinaus ist in sehr vielen Ländern nur die männliche Homosexualität strafbar. Während homosexuelle Männer in Nigeria mit der Todesstrafe rechnen müssen, sind homosexuelle Handlungen für Frauen meist vollkommen legal.

In jedem ganz oder teilweise in Europa liegendem Land sind homosexuelle Handlungen legal und der Grossteil der europäischen Länder besitzt ein Antidiskriminierungsgesetz. Während in manchen Ländern Europas, also auch in Liechtenstein, eine eingetragene Partnerschaft erlaubt wird, dürfen homosexuelle Paare bereits in über 20 Ländern weltweit die Ehe eingehen. 2001 öffnete die Niederlande die Ehe für homosexuelle Paare. Somit waren sie die Ersten, die die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubten. Seither wurde die gleichgeschlechtliche Ehe auch in weiteren europäischen Ländern, in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kanada, in einigen Ländern Süd- und Mittelamerikas, in Australien und in Neuseeland erlaubt. Südafrika ist das das erste und bislang einzige Land Afrikas, welches ebenfalls die Ehe zwischen homosexuellen Paaren ermöglicht und noch im Jahr 2019 wird in Taiwan darüber entschieden, ob auch dort die Homo-Ehe eingeführt werden soll. Sollte die Entscheidung für die Homo-Ehe ausfallen, wäre Taiwan das erste Land Asiens, welches homosexuellen Paaren diesen Schritt ermöglicht. („Gesetze zur Homosexualität“ Abschn. 2 und Schreiner Taiwan stimmt über die Ehe für alle ab)

Bis vor nicht allzu langer Zeit war das Thema Homosexualität ein gesellschaftliches Tabu, doch inzwischen wird immer offener über dieses Thema gesprochen. Auch Medien wie Bücher, Filme und Zeitschriften berichten über homosexuelle Paare und zeigen direkt und unmissverständlich Einblicke in deren Leben. Viele Menschen beginnen zu akzeptieren, dass die Sexualität zu jedem Menschen dazugehört und dieser auch das Recht hat, diese auszuleben. Die allgemeine Lebenssituation hat sich aus der Sicht der Homosexuellen deutlich verbessert, doch es gibt noch immer zahlreiche Diskriminierungen und Vorurteile gegenüber deren Lebensformen. In vielen Jugendgruppen wird das Wort „schwul“ oft als Synonym für etwas Schlechtes oder Blödes verwendet. Dabei sind sich viele jedoch nicht bewusst, dass das beleidigend und diskriminierend wirkt. Noch immer gibt es Ausgrenzungen von homosexuellen Menschen, sei es von Jugendlichen auf dem Pausenhof oder Erwachsenen am Arbeitsplatz. Diese Ausgrenzungen zeigen sich in Form von unangenehmen Witzen über deren Lebensart bis hin zu Beleidigungen oder sogar physischer Gewalt.

4 Homosexualität in den Weltreligionen

4.1 Christentum

Von den meisten Christen wird Homosexualität nicht akzeptiert. Der Ursprung der Ablehnung von Homosexualität findet sich in den Reinheitsvorschriften der Bibel. Diese beschreiben, welche Handlungen als rein und welche als unrein gelten. Eine menstruierende Frau, welche durch den Blutverlust ihre Lebenskraft verliert, gilt laut den Vorschriften als unrein. Auch „Vermischtes“ gilt als unrein. Es dürfen zum Beispiel nicht zwei verschiedene Arten von Saat auf dem gleichen Feld gesät werden und genau so wenig dürfen zwei unterschiedliche Arten von Fäden im selben Kleidungsstück verwendet werden. Auch Homosexualität wird als etwas „Vermischtes“ gehalten, da der passive Mann einer homosexuellen Beziehung eine weibliche Rolle einnimmt und so zugleich Mann als auch Frau ist. (Mertes Pos. 165-171)

In der Bibel heisst es: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft. Das wäre ein Gräuel.“ (Levitikus 18, 22) Ein „Gräuel“ steht hier für Abscheu, welche Grenzen markiert. Diese Abscheugrenzen markieren wiederum kulturelle Grenzen und sind somit die Grundlagen für Kulturen. Die Abscheu vor dem Unreinen beruht also auf der Treue zu den eigenen Traditionen. So hat zum Beispiel die heilige Maria Muttergottes ein Kind geboren und ist dennoch rein geblieben. Ihre Jungfräulichkeit wird mit Reinheit gleichgestellt und in Folge dessen, Sexualität mit Unreinheit. (Mertes Pos. 192-223) Von Jesus selbst wurde das Reinheitsgesetz jedoch nonkonformistisch interpretiert. Ihm ging es nämlich um das „reine Herz“ (Matthäus 5, 8).

Mittlerweile beginnen Christen die Homosexualität immer mehr zu akzeptieren. Grundsätzlich gilt, dass man jedem Menschen mit Respekt entgegentreten soll, was auch für Homosexuelle gilt. Die Kirche sieht das Problem der Homosexualität nicht in dem homosexuell veranlagten Menschen an sich, doch sie verlangt, dass man diese Veranlagung nicht auslebt. Dies ist widersprüchlich, denn würde man dem Homosexuellen mit Respekt begegnen, würde man auch seinen Lebensstil respektieren müssen. Ausserdem ist ein Grundsatz der Kirche, dass niemand, bis auf Gott, über andere Menschen richten kann und laut der Apostelgeschichte des Lukas (10, 15) soll man nichts als verboten erklären, was Gott rein gemacht hat.

Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren wird von Papst Franziskus zwar abgelehnt, doch auch er steht dem Thema Homosexualität im Grunde positiv gegenüber. Im Juli 2013 sagte er über einen Homosexuellen: „Chi sono io per giudicare?“ („Wer bin ich, über ihn zu urteilen?“, Papst Franziskus in Rio 28. Juli 2013). Im Juni 2016 wurde seine Kirche von dem Papst persönlich dazu aufgefordert, sich für die Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Homosexuellen zu entschuldigen. Im Oktober des gleichen Jahres rief er dazu auf, homosexuelle Menschen mehr in die Gemeinde zu integrieren und sie dabei zu begleiten, näher zu Gott zu finden, denn dies würde auch Jesus heutzutage tun. („Franziskus (Papst)“ Abschn. 6.9)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Homosexualität und Religionen
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V489864
ISBN (eBook)
9783668981249
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homosexualität, Religion
Arbeit zitieren
Lisa Kaiser (Autor), 2019, Homosexualität und Religionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489864

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