Entfremdete Arbeit nach Karl Marx


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
14 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprüngliche Akkumulation

3. Mehrwert, Kapital und die entfremdete Arbeit

4.0 Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Entfremdung ist ein Begriff, der nicht einheitlich definiert ist und je nach Wissenschaft anders kategorisiert wird. Laut dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen bedeutet Entfremdung, abgeleitet vom Adjektiv „fremd“, soviel wie „unbekannt, ausländisch, fremd“1. In der Psychologie wird unter Entfremdung ein „vages Gefühl“ verstanden, bei dem alles fremd und unvertraut erscheinen würde. Es gäbe einhergehend damit eine Störung im Ich-Bewusstsein, durch die die bisher erlebte Umwelt als etwas Fremdes und Transparentes interpretiert und erlebt werden würde. Sigmund Freud bezeichnete Entfremdung als Vorgang, in dem verdrängte Vorgänge und Erlebnisse nun entfremdet wirken und möglicherweise Neurosen, Anomien auslösen könnten.2 Hingegen hat sich in der Philosophie der Begriff „Entfremdung“ durch Hegel (Phänomenologie des Geistes",1807) etabliert. Entfremdung ist nach ihm, die notwendige Durchgangsphase auf dem dialektischen Weg des Geistes zu sich selbst.3 Ein Kritiker von Hegel ist Karl Marx. Er erarbeitete mit Hilfe der Darstellung von Hegel sowohl eine Kritik an Hegel Darstellung selbst als auch eine eigene Analyse zur Entfremdung. Er ging in seiner Analyse über die philosophische Reflexion hinaus und betrachtete das Entfremdungsproblem sowohl aus ökonomischer als auch soziologischer Perspektive.4

Detailliert beschreibt er den Begriff der Entfremdung in seinem Werk „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten (1844)“. Dort beschreibt er, wie die soziale Organisation den Menschen von seiner Arbeit entfremdet. Er unterscheidet zwischen vier Formen der Entfremdung: Erstens, die Entfremdung vom Produkt der Arbeit, zweitens die Entfremdung von der Tätigkeit im Arbeitsprozess, drittens die Entfremdung vom menschlichen Gattungswesen und zuletzt die Entfremdung von anderen Menschen.5 Im folgenden werde ich analysieren, wie Karl Marx in seinem Nachfolgewerk, „Das Kapital“ (1876), das unter anderem auf den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten (1863–65)“ aufbaut, beschreibt unter welche Bedingungen die kapitalistische Warenproduktion erst ermöglicht wurde (ursprüngliche Akklamation) und wie die Akkumulation des Kapitals die Entfremdung der Menschen von der Arbeit fördert und gleichzeitig das Kapitalverhältnis reproduziert.

Es findet nach ihm eine Entfremdung durch die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverhältnisse statt. Der Wert ist nach Karl Marx abstrakte gesellschaftliche menschliche Arbeit, die durch den Austausch von Gebrauchsgütern und Produktionsmittel sichtbar wird. Die Vermehrung der abstrakten Arbeit sei das Kapital, die in der sachlichen Form des Austausches der Gebrauchswerte, wie Lebensmittel und Produktionsmittel, mit der lebendigen Arbeit erscheinen würde. Somit kann resümiert werden, dass der Wert als Kapital das Subjekt eines automatischen Prozesses ist, der durch Geld und Ware sichtbar wird.6 "Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital."7 Der Prozess laufe wie folgt ab: Zuerst werde das Geld ausgelegt in Produktionsmittel und Arbeitskraft. Zweitens verändere sich das produktive Kapital in Warenkapital, genauer gesagt in ein, um den Mehrwert gewachsenes, Kapital. Zuletzt würde das Kapital, das um den Mehrwert vermehrt wurde in Geldform nun zum Kapitalisten zurückgehen.8 Und somit ist das Kapital kein „Ding“, sondern ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Produzenten und Arbeitern. Das Kapital sei „ die von einem bestimmten Teil der Gesellschaft monopolisierten Produktionsmittel, die der lebendigen Arbeitskraft gegenüber verselbständigten Produkte und Betätigungsbedigungen eben dieser Arbeitskraft, die durch diesen Gegensatz im Kapital personifiziert werden."9

Doch wie kam es zu diesem nicht natürlichen Verhältnis zwischen Menschen, die „auf der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andren [sic] bloße Besitzer der eigenen Arbeitskräfte“10. Oder genauer gefragt: Wie kam es zu der Subjekt-Objekt-Verkehrung des Kapitalverhältnisses und warum sind die Produktionsmittel nicht mehr in der der Hand der unmittelbaren Produzenten, sondern in der Hand von wenigen Menschen, die die Produzenten als Lohnarbeiter einstellen und deren Arbeitskraft zur Ware wurde?11 Um diese Frage zu beantworten, stellt K. Max dar, welche geschichtlichen Voraussetzungen herrschen mussten, damit das kapitalistische Warenproduktion stattfinden konnte.12

Eine Bedingung sei die Akklamation von großem Geldmittel in die Hände von wenigen Menschen, mit Hilfe der vorindustriellen Handels- oder Kaufmannkapital und dem sogenannten „Wucherkapital“. Wucherkapital hätte es in zwei Formen gegeben: „erstens, der Wucher durch Geldverleihen an verschwenderische Große, wesentlich Grundeigentümer; zweitens, Wucher durch Geldverleihen an den kleinen, im Besitz seiner eignen Arbeitsbedingungen befindlichen Produzenten."13 Außerdem hätte die Differenzierungen der Warenproduzenten aufgrund des Wertgesetzes dazu geführt, dass diejenigen Produzenten, deren Arbeitsaufwand über dem gesellschaftlich notwendigen lag, finanziell ruiniert geworden sind. Doch die wirksamste Bedingung für die kapitalistische Warenproduktion sieht Karl Marx in der „ursprünglichen Akkumulation“. Die gewaltsame Enteignung der Produktionsmittel von den Produzenten und ihre Verwandlung in „Protelatarier“, eine neue Klasse, die nicht mehr in der über Produktionsmittel verfügen und nur ihre Arbeitskraft als Waren anbieten können. „Diese Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“14

Um diese Frage zu beantworten, stellt K. Max dar, welche geschichtlichen Voraussetzungen herrschen mussten, damit das kapitalistische Warenproduktion stattfinden konnte. [7] Eine Bedingung sei die Akklamation von großem Geldmittel in die Hände von wenigen Menschen, mit Hilfe der vorindustriellen Handels- oder Kaufmannkapital und dem sogenannten „Wucherkapital“. Wucherkapital hätte es in zwei Formen gegeben: „erstens, der Wucher durch Geldverleihen an verschwenderische Große, wesentlich Grundeigentümer; zweitens, Wucher durch Geldverleihen an den kleinen, im Besitz seiner eignen Arbeitsbedingungen befindlichen Produzenten."[8] Außerdem hätte die Differenzierungen der Warenproduzenten aufgrund des Wertgesetzes dazu geführt, dass diejenigen Produzenten, deren Arbeitsaufwand über dem gesellschaftlich notwendigen lag, finanziell ruiniert geworden sind.

2. Ursprüngliche Akkumulation

Doch die wirksamste Bedingung für die kapitalistische Warenproduktion sieht Karl Marx in der sogenannten „ursprünglichen Akkumulation“. Die gewaltsame Enteignung der Produktionsmitteln von den Produzenten und ihre Verwandlung in „Protelatarier“, eine neue Klasse, die nicht mehr in der über Produktionsmittel verfügen und nur ihre Arbeitskraft als Waren anbieten können. „Diese Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“[9] Den Prozess der ursprüngliche Akklamation, die die seit dem 16 Jahrhundert fortschreiten würde,15 beschreibt K. Marx in sieben Abschnitten. Im ersten Schritt wird die Enteignung von feudalem, kirchlichen und bäuerlichen Vermögen beschrieben. Die Auflösung dieser hat dazu geführt, dass die kapitalistische Gesellschaft entstanden ist, sowohl der Lohnarbeiter, als auch den Kapitalisten. Ausgangspunkt dieser ganzen Entwicklung sei die Knechtschaft des Arbeiters. Diese Knechtschaft hätte sich von der feudalen Exploitation, zur kapitalistischen Ausbeutung weiterentwickelt. Historische Momente, in dem die großen Menschenmassen unerwartet ihrer Subsistenzmitteln entraubt worden wären, hätte die kapitalistische Klasse besonders genutzt, um Produktionsmittel zu enteignen und an billige Arbeitskräfte zu gelangen. Die Grundlage für die „ursprüngliche Akklamation“ sei genau diese Enteignung von „ländlichen Produzenten, Bauern, von Grund und Boden“16. Am Beispiel von England skizziert Karl Marx diese etappenweise Enteignung der Landbevölkerung. Seit dem späten 14 Jahrhundert wäre die Leibeigenschaft in England verschwunden gewesen. Der Großteil dieser Gesellschaft bestand aus freien, selbstwirtschaftenden Bauern, die auch gemeinschaftlich Flächen nutzen. Doch gegen Ende des 15. Jahrhunderts ändert sich dieses. Der Raub des Gemeindelandes beginnt. Der Grund hierfür war das „ das Aufblühn der flandrischen Wollmanufaktur und das entsprechende Steigen der Wollpreise.“17 Die Lösung dieses Problems sah der Feudaladel in „der Verwandlung von Ackerland in Schafweide ward also sein Lösungswort.“18 Es kam zu gewaltsamen Enteignungen der Wohnungen und Häusern der Arbeiter. Das Gemeindeeigentum wurde gewaltsam von Ackerland zur Viehweide umstruktruiert. Das die Produktionsmittel in die Hände der wenigen gelangte, ist schon hier deutlich zu sehen. „Ein Akt von 1533 klagt, daß manche Eigentümer 24.000 Schafe besitzen“19 Dieses nun prekäre Lage der Arbeiter führte dazu, dass die ehemaligen Produzenten eine „Verwandlung in Mietlinge und Verwandlung ihrer Arbeitsmittel in Kapital“ erlebten.20

Einen weitere Etappe der Enteignungsprozesses sieht Karl Marx in der Reformation des 16 Jahrhunderts. In diesem Zeitraum war die katholische Kirche der Feudaleigentümer über den Großteil des englischen Bodens. Die Arbeiter, die auf diesem Boden arbeiteten, wurden nun durch die Unterdrückung der Kloster in das „Proletariat“ gedrängt. Die Länderrein wären zu niedrigen Preisen an spekulierende Pächter oder Stadtbürger verkauft worden, die wiederum die Unterassen verjagten. So verloren die Arbeiter ihre Existenzgrundlage. Auch das gesetzlich garantierte Eigentum an einem Anteil der Kirchengüter wurde enteignet. Es kam zum Pauperismus, zu einer gewaltigen Verelendung großer Bevölkerungsteile Arbeiterschicht, sodass die Regierung im Jahre 43. eine Armensteuer einführte.21 Im 17 Jahrhundert kam es zu einer Verwandlung von Feudaleigentum in bürgerliches Eigentum. Karl Marx interpetiert, dass durch die „glorreiche Revolution“ durch den Oranier Willhelm der III., grundherrrliche und kapitalistische Ausbeuter an die Macht gekommen wären. Sie hätten eine neue Ära eingeeitet, in dem sie Staatsvermögen bestohlen hätten, in dem sie Ländereien verschenkten oder zu günstigen Preisen verkauften. Dieser Vorgang wären durch die bürgerlichen Kapitalisten unterstützt worden. Während Karl Marx die gewaltsamen Enteignungen (bis ins 16 Jahrhundert) als Prozess der individuelle Gewalttaten bezeichnet, gegen die die Gesetzgebung vergeblich versuchte anzukämpfen, sieht er im 18 Jahrhundert das das Gesetz selber zum Mittel missbraucht worden wäre, um die Enteignungen anzutreiben. Als Beispielt nennt er das „Bills for Inclosures“ (Gesetze für die Einhegung des Gemeindelandes“), durch die sich Grundherrn selbst legal beschenken konnte mit Grund und Boden der Bevölkerung. So kam es dazu, dass „zwischen 1765 und 1780 ihr Lohn anfing, unter das Minimum zu fallen und durch offizielle Armenunterstützung ergänzt zu werden. Ihr Arbeitslohn, sagt er, "genügte nur noch eben für die absoluten Lebensbedürfnisse".22 Im 19 Jahrhundert verordnet Karl Marx den „letzten große Expropriationsprozeß der Ackerbauer von Grund und Boden endlich...das sog. Clearing of Estates (Lichten der Güter, in der Tat Wegfegung der Menschen von denselben).“23 Die Ackerbauern konnten nun auf ihrem bestellen Boden nicht mehr genug Raum finden zur eigenen Behausung. Denn es fand eine Verwandlung von feudalem und Claneigentum in modernes Privateigentum statt, indem zwischen „1814 und 1820 15.000 Einwohner, ungefähr 3.000 Familien, systematisch verjagt und ausgerottet.“ worden waren. Die Dörfer wurden zerstört und niedergebrannt, und Gemeinschaftsfelder in Weide umstrukturiert. Zusammengefasst kann resümiert werden, dass durch den Raub der Kirchengüter, der Verkauf von Staatsdomänen, der Diebstahl und die Transformation von Gemeineigentum in Weideland, die gewaltsame Verwandlung von feudalem Eigentum in modernes Privateigentum die Methoden der „ursprünglichen Akkumulation“ waren. Es entwickelte sich eine kapitalistische Agrikultur, der Grund und Boden wurde Kapital und die enteigneten ehemaligen Produzenten waren nun gezwungen, in der städtischen Industrie ihre Arbeitskraft als Ware anzubieten, um zu überleben.24

[...]


1 Köbler, Gerhard, Deutsches Etymologisches Wörterbuch, 1995, S.137.

2 Entfremdung, Entfremdungserlebnis. (2014). In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 456). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.

3 https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/entfremdung/4130 (entnommen am 24.3.19)

4 Johannes, Niermann: Das Problem der Entfremdung bei Karl Marx, S.2.

5 7. Theorie-Praxis-Dialog Was bedeutet „Entfremdung“? Geschichte und Aktualität eines Begriffs und seine Bedeutung für die gewerkschaftliche Bildung Berlin-Pichelssee, 14./15. März 2013, S.27. Link: https://www.philosophie.hu-berlin.de/de/lehrbereiche/jaeggi/media/doku-tpd-07.pdf

6 Vgl. Treptow, Elmar: Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx, S.90.

7 Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1962, Band 23, S. 161-170.

8 Vgl. Treptow, Elmar: Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx, S.91.

9 MEW 25, S.823.

10 MEW 23, S. 183.

11 Treptow, Elmar: Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx, S.91.

12 Treptow, Elmar: Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx, S.91.

13 MEW 25, S.608.

14 Marx und Engels (1848, 1959, S.486)

15 MEW, Band 23, S.743.

16 MEW 23, S.744.

17 MEW 23, S.746.

18 MEW 23, S.746.

19 MEW 23, S.747.

20 MEW 23, S.748.

21 MEW 23, S.749.

22 MEW 23, S.755.

23 MEW 23, S.756.

24 MEW 23, S.761.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Entfremdete Arbeit nach Karl Marx
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V489906
ISBN (eBook)
9783668971134
ISBN (Buch)
9783668971141
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entfremdete, arbeit, karl, marx
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Entfremdete Arbeit nach Karl Marx, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489906

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