Rhetorische Fragen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Résumé

1. Allgemeines

2. Die rhetorische Frage als Untersuchungsgegenstand
2.1. Schmidt-Radefeld
2.2. Abdullaev
2.3. Borillo
2.4. Meibauer

3. Beispiele
3.1. Reden und Vorträge
3.2. Zeitungsartikel
3.3. Literatur

Résumé

Ce travail traite les questions rhétoriques, leurs indices et leur emploi.

Après la première partie, qui est constituée d’une introduction et de quelques aspects généraux sur les questions rhétoriques, les études et les travaux de différents linguistes qui ont analysé la thématique sont présentés dans la deuxième partie.

Le premier de ces linguistes est Jürgen Schmidt-Radefeld, qui a rédigé un article en anglais en 1977 sur les questions rhétoriques en anglais, français, allemand et portugais.

La même année, Baku Sarchan Abdullaev a abordé le sujet, mais il s’est limité sur l’allemand.

En 1981, une linguiste portant le nom de Andrée Borillo a publié une vaste étude des questions rhétoriques en français.

En 1986 alors, l’Allemand Jörg Meibauer a écrit une dissertation sur les questions rhétoriques en général et plus tard il en a fait un livre. Il se sert entre autres des travaux des linguistes mentionnés ci-dessus.

La dernière partie est une présentation de quelques exemples de l’emploi des questions rhétoriques dans des discours politiques, dans les journaux et dans la littérature.

1. Allgemeines

Im Gegensatz zum Deutschen, wo man nur den Ausdruck „rhetorische Frage“ benutzt, hat die „question rhétorique“ im Französischen mehrere Namen. Man nennt sie auch noch „fausse question“, „interrogation oratoire“ oder „interrogation figurée“, was auch schon einiges über ihren Charakter aussagt.

Die rhetorische Frage ist eine Frageform, die keine Antwort erwartet, weil sie sich scheinbar von selbst versteht bzw. als bekannt und selbstverständlich vorausgesetzt oder zumindest suggeriert werden kann.

In der antiken Rhetorik wurde die rhetorische Frage vornehmlich zum Ausdruck von Unwillen, Verwunderung, Gehässigkeit oder Mitleid benutzt.

Die rhetorische Frage dient lediglich dazu, eine Aussage stärker zu betonen oder eine implizite, unausgesprochene Verneinung zu erzeugen. Sie wird oft verwendet, um zu provozieren, Aufmerksamkeit zu erzeugen oder Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine rhetorische Frage kann zur emotionalen Markierung von Äußerungen beitragen. Sie kann außerdem eine stark argumentativ-persuasive Funktion haben. Die rhetorische Frage integriert das Gegenüber mehr in das Geschehen, da sie es dazu bewegt, über den Inhalt der Frage nachzudenken. Sie bezieht sich auch öfters auf Vorausgegangenes

Eine Definition von Paul beschreibt die rhetorische Frage ganz gut:

„Man kann auch Fragen stellen, von denen man von vornherein zu wissen glaubt, wie sie beantwortet werden müssen, die nur dazu dienen, den Angeredeten zur Anerkennung einer Tatsache zu nötigen (sogenannte rhetorische Frage).“

In dieser Definition sind zwei Aspekte der rhetorischen Frage enthalten:

a) sie zielt wesentlich nicht auf Antworten ab,
b) sie hat die Funktion, den Angeredeten dazu zu bewegen, eine Tatsache, Meinung oder Behauptung anzuerkennen.[1]

Bei der rhetorischen Frage ist die Illokution des Sprechaktes keine Fragehandlung wie bei einer normalen Frage, sondern eine Aussage.

Von der Form her gibt es aber keinen sichtbaren Unterschied zu normalen Fragesätzen:

Beispiel: Glaubst du sie ist wirklich glücklich?

a) Es kann sich um eine einfache Frage handeln. Man erwartet vom Gegenüber eine Antwort.
b) Es kann sich um eine rhetorische Frage handeln, deren Aussage ist: Sie ist doch nicht glücklich!

Eine wichtige Eigenschaft der rhetorischen Frage, ist die umgekehrte Polarität, d.h. „mit Negationselement entspricht sie einem Aussagesatz ohne Negationselement [...], ohne Negationselement entspricht sie einem Aussagesatz mit Negationselement [...].[2]

Beispiel: Ist das denn wichtig?

Aussage: Das ist doch nicht wichtig.

Beispiel: Ist das vielleicht nicht wichtig?

Aussage: Das ist wichtig.

Vom grammatischen Standpunkt aus, gibt es keine rhetorischen Fragesatztypen, da eine rhetorische Frage in Form aller unterscheidbarer Fragesatztypen vorkommen kann.

Man unterscheidet im Allgemeinen die folgenden Typen von Fragen:

1) Entscheidungsfrage: eine Frage, auf die man nur mit „Ja” oder „Nein” antworten kann,
2) Alternativfrage: Verbund von zwei Entscheidungsfragen, die mit „oder” verbunden sind,
3) Echofrage: Gegenfrage auf eine bereits gestellte Frage,
4) Ergänzungsfrage, auch w-Frage oder Wortfrage.

Im Rahmen der Sprechakttheorie, stellt sich die Frage, ob die rhetorische Frage ein indirekter Sprechakt ist oder nicht. Ein indirekter Sprechakt ist ein Sprechakt, deren Inhalt nicht das wiedergibt, was mit dem illokutionären Akt assoziiert wird. Der Sprecher sagt damit nicht direkt, was er meint.

Dies trifft nur teilweise auf die rhetorische Frage zu, weil sie sich direkt oder indirekt auf den eigentlichen Inhalt beziehen kann:

Beispiel:

- indirekt: Glaubst du, sie ist wirklich glücklich?

Hier ist die Frage, ob der Angeredete es wirklich glaubt.

- direkt: Ist sie wirklich glücklich?

Hier wird der Inhalt direkt angesprochen.

Aussage von beiden: Sie ist doch nicht glücklich!

Wichtig, um bei einer Frage die Rhetorizität heraus hören zu können, ist natürlich auch die Betonung der Frage, die meistens anders ist, als bei einer gewöhnlichen Frage.

Mehrere Linguisten haben sich in ihren Arbeiten mit der rhetorischen Frage beschäftigt. Die Ergebnisse einiger davon dienen in dieser Arbeit der Untersuchung der rhetorischen Frage und ihrer Merkmale.

2. Die rhetorische Frage als Untersuchungsgegenstand

2.1. Schmidt-Radefeld (1977)

Schmidt-Radefeld unterscheidet zwei[3] verschiedene Typen von RF im Englischen, Französischen, Deutschen und Portugiesischen:

1) Die „auto-responsive rhetorical questions (ARQ)“, in denen die Antwort bereits enthalten ist.

Beispiel: Wer würde einen 500 Euro Schein verbrennen, wenn nicht ein Idiot?

Hier ist die Antwort „ein Idiot“ bereits in der Frage enthalten.

2) Die „implicative rhetorical questions (IRQ)“, durch die eine Antwort impliziert wird.

Beispiel: Wer würde schon einen 500 Euro Schein verbrennen?

Hier wäre eine mögliche Antwort „niemand“ oder wie im vorherigen Beispiel „ein Idiot“.

Im Folgenden werden nur noch die IRQ behandelt.

2.2. Abdullaev (1977)

Bei dieser Arbeit geht es vor allem um[4] die bereits erwähnte Eigenschaft der umgekehrten Polarität. Abdullaev redet hier von Transposition oder Neutralisation.

Abdullaev geht von den vier Ladanyischen Fragesätzen aus:

1) Fragender kennt die Lösung, Gefragter auch,
2) Fragender kennt die Lösung, Gefragter nicht,
3) Fragender kennt die Lösung nicht, Gefragter kennt sie,
4) Fragender kennt die Lösung nicht, Gefragter auch nicht.

Hierbei sind für die Problematik der rhetorischen Frage nur 1) und eventuell 2) von Bedeutung.

Er unterscheidet vier verschiedene Neutralisations- bzw. Transpositionsfälle in bezug auf die Bejahung/Verneinung:

1) Fragestrukturen, die keinen Negationsträger enthalten und Verneinung ausdrücken, werden auf einen negativen Aussagesatz transponiert. Es entsteht eine Synonymie zwischen Frage-/Aussagesatz einerseits und Bejahung/Verneinung einerseits.

Beispiel: Wer hat schuld am schlechten Wetter?

Aussage: Niemand hat schuld am schlechten Wetter.

2) Fragestrukturen, die einen Negationsträger enthalten und Bejahung ausdrücken, werden auf einen positiven Aussagesatz transponiert. Es entsteht Synonymie zwischen Frage-/Aussagesatz und Bejahung/Verneinung.

Beispiel: Ist es nicht schön hier?

Aussage: Es ist (sehr) schön hier.

[...]


[1] Meibauer, Jörg (1986): Rhetorische Fragen. Tübingen: Niemeyer. S. 2-3

[2] idem. S. 4

[3] Schmidt-Radefeld, Jürgen (1977): „On so-called ,Rhetorical’ Questions”, Journal of Pragmatics 1: 375-392.

[4] Abdullaev, Sarchan (1977): „Zu den Möglichkeiten der Transposition der Satzarten im Deutschen – Die Grundstrukturen der rhetorischen Frage und des imperativischen Ausrufs“, Deutsch als Fremdsprache 14: 263-270.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Rhetorische Fragen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FASK Germersheim)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V48992
ISBN (eBook)
9783638455497
ISBN (Buch)
9783656448396
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhetorische, Fragen
Arbeit zitieren
Kim Bauler (Autor), 2005, Rhetorische Fragen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48992

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