Image-Events für umweltaktivistische Organisationen

Die optimale Strategie, um die intendierte Message an das Publikum zu übertragen?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Definitionen und Abgrenzungen
2.1.1. (Medien-)Spektakel

3. Fallstudie der Bilder
3.1. Kurzanalyse
3.1.1. Analyse Bild 1: „Walfang auf offener See“
3.1.2. Analyse Bild 2: „Wal vor japanischer Botschaft“
3.2. Produktion, Distribution und Rezeption spektakulärer Bilder

4. Diskussion

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1, „Walfang auf offener See“

Abbildung 2, „Wal vor japanischer Botschaft“

1. Einleitung

„Bilder sagen mehr als 1000 Worte“. Was hierzulande ein geflügeltes Sprichwort ist, kann beim Übertrag auf die bildpolitische Kommunikationswissenschaft tatsächlich empirisch angewandt werden – mit der kleinen Abwandlung, dass Bilder für 1000 Wörter stehen müssen und gleichzeitig 1000 andere Bilder ersetzen oder verdrängen müssen (Perlmutter & Wagner, 2004, S. 104). Bereits bewiesen ist, dass Bilder Menschen mehr emotional und affektiv zu bewegen vermögen als Wörter. Sie werden selten hinterfragt und erlauben es den Betrachtern, entsprechend Stellung zu beziehen (Teune, 2013, S. 209). Aktivistische Organisationen haben dieses enorme Potenzial längst erkannt und versuchen ihre kontroversen Botschaften über eine visuelle Ebene zu streuen. Dies geschieht durch Bilder, die sowohl als subtile, aber gleichermaßen starke Argumente im politischen Diskurs fungieren (Teune, 2013, S. 209). Vom Poster bis zur gestellten Mimik und Gestik bei öffentlichen Auftritten versuchen Aktivisten alles, um Pressefotografen optimal zu bedienen. Die entstehenden und entsprechend gestreuten Bilder und visuellen Auftritte der Aktivisten hinterlassen Eindruck –sowohl bei den politischen Gegenspielern als vor allem auch bei der breiten Öffentlichkeit (Dörr et al., 2015, S. 8). Die visuellen Repräsentationen von sozialen und politischen Protestbewegungen sind jedoch noch ein Aspekt, über den bislang genauso wenig geforscht wurde (Teune, 2013, S. 209), wie über die Verbindungen zwischen der Aktionsformen in Image events und deren Verbindungen in Prozesse sozialer Bewegungen (Mattoni, 2014, S. 52). Daran soll das Thema meiner Arbeit anknüpfen. Ich werde mich im Folgenden auf die spezielle Aktionsform des „Spektakels“ konzentrieren. Die Begriffe „Spektakel und „Image events“ sollen spezifiziert werden und im Hinblick auf Produktions-, Distributions- und Rezeptionstendenzen exemplarisch an zwei Fallbeispielen der Greenpeace-Kampagne gegen den Walfang auf Spektakel untersucht werden. Folgende Forschungsfrage wurde daraus entwickelt: „Stellen spektakuläre (Foto-)Inszenierungen von Image events für umweltaktivistische Organisationen die optimale Strategie dar, die intendierte Message an das Publikum zu übertragen?“

2. Theoretischer Hintergrund

Für Gruppen, die sich gegen die bestehenden Verhältnisse im Politischen und Sozialen einsetzen, stellt sich im Zeitalter der modernen, direkten und globalen Massenkommunikation eine existenzielle, praktische und psychologische Frage, die Perlmutter und Wagner (2004) wie in Hamlet zusammenfassen und die ich in nicht ganz so abstrakter Form im Laufe des Hauptteils zu beantworten versuche: „To be or not to be a media spectacle (S. 95)?“

2.1. Definitionen und Abgrenzungen

Im Folgenden soll ein zentrales Begriffsverständnis der beiden Hauptbegriffe, die dieser Arbeit zugrundeliegen, erarbeitet werden und die Basis für die spätere Fallstudie legen. Es werden die Begriffe des „(Medien-) Spektakels“ sowie der sog. „Image events“ charakterisiert.

2.1.1. (Medien-)Spektakel

Zu Spektakel gibt es einige sehr abstrakte Theorien, die sich nicht optimal auf die aufgeführten Fallbeispiele beziehen lassen, deutlich weiter gefasst sind oder gar teilweise im Kontrast zu meinem Begriffsverständnis von Spektakel stehen. So argumentiert Guy Debord (2012) beispielsweise, dass Spektakel immun gegen menschliche Aktivität sei (S. 17). Aus meiner Sicht kann Spektakel jedoch nur durch Aktivitäten von Menschen erzeugt werden.

Etwas kleinteiliger setzt sich Douglas Kellner mit dem Spektakel auseinander. Einige seiner Annahmen lassen sich aufgrund ihrem Medienbezug gut auch auf die von mir untersuchten Fallbeispiele beziehen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Kultur des Spektakels auf signifikante Weise weiterentwickelt. Sowohl in alltäglichen Lebenssituationen, als auch in gesellschaftlichen Teilbereichen wie Wirtschaft oder Politik bekommen spektakuläre Aktionen oder Dinge eine höhere Rolle zugeschrieben. Das hängt auch damit zusammen, dass das politische und soziale Leben zunehmend von Medienspektakel beeinflusst wird (Kellner, 2003, S. 1). Spektakel lässt sich also als Mittel beschreiben, dass zwischen Medien und gesellschaftlichen Teilbereichen wechselseitig instrumentalisiert wird. Aus Sicht der gesellschaftlichen Teilsysteme taugt es vor allem zur Gewinnung von Aufmerksamkeit der Medien, die wiederum durch spektakulärere Ereignisse die Bedürfnisse der Leser nach Konflikten, Dramatisierung oder Sensationalisierung eher befriedigen können.

Im Zuge der zunehmenden Entwicklung neuer Multimedia- und Informationstechnologien hat dieses Phänomen zudem noch weiter zugenommen und somit stellt Medienspektakel einen gewichtigen Indikator für Globalisierung dar (Kellner, 2003, S. 2). Es werden Ereignisse (bewusst) produziert, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Von Medien meist als „Nachrichten“ verpackt, hat Spektakel eine eskalative Rolle inne. Sowohl Mediennutzer als auch die heutige Konsumgesellschaft können durch Spektakel in eine neue Welt von Unterhaltung und Information eintauchen, die Gedanken und Handeln der Akteure und Konsumenten maßgeblich beeinflussen kann (Kellner, 2003, S. 2).

2.1.2. Image events

Meine Definition von Image events stützt sich überwiegend auf das Begriffsverständnis von Delicath & DeLuca (2003). Sie klassifizieren Image events als postmoderne Form der argumentativen Praxis, die unter Durchführung von oppositionellen Protestakten soziale Kontroverse und Diskurs anregen und den Weg für eine soziopolitische Debatte innerhalb einer Gesellschaft ebnen sollen. Charakteristisch ist dabei die fragmentierende Nutzung von Bildern („Images“). Bilder werden dabei als Ausschnitte der Realität genutzt, deren argumentatives Potenzial bereits im Vorhinein von den jeweiligen Akteuren in die Strategie mit einbezogen wird (Delicath & DeLuca, 2003, S. 315, 321).

Image events schaffen durch die öffentliche Sichtbarmachung von Problemen, Grundkonflikten oder Missständen („issues“) Möglichkeiten, sogenannte generative Argumente zu erzeugen. Generative Argumente stellen einen Multiplikator an Möglichkeiten zur Erzeugung von öffentlichen Debatten dar, worauf die Initiatoren eines Image events hauptsächlich abzielen. Außerdem produzieren Image events oftmals starke Bilder, die von Spektakel und Kontroverse geprägt sind. Mit dieser Form von Bildern können Image events mittels Massenmedien ein deutlich größeres Publikum erreichen.

Besonders für umweltaktivistische Gruppen stellen Image events daher eine essenzielle Möglichkeit dar, gegen Missstände in der Umweltpolitik, die zunehmende Umwelt- und Naturzerstörung oder auch die (Nicht-)Einhaltung von umweltpolitischen Verträgen sichtbar zu machen, anzuprangern und in den öffentlichen Fokus zu rücken (Delicath & DeLuca, 2003, S. 317, 324).

3. Fallstudie der Bilder

Bilder können die interaktionalen Netzwerke politischer Konflikte in verschiedenen Wegen erreichen. Oftmals rufen Bilder bei Betrachtern verstärkte affektive Reaktionen oder Emotionen hervor und motivieren so zu politischem Handeln und Engagement (Eder & Klonk, 2016, S. 74). Außerdem unterscheidet Eder Bilder im instrumentellen Gebrauch in sogenannte „cold images“ und „hot images“. Auf Letztere soll nun vertiefend eingegangen werden.„Hot images“ hängen in hohem Maße von der affektiven Kraft von Bildern ab und versuchen, intensive und affektive Reaktionen bei den Rezipienten auszulösen. Dabei kann es sich sowohl um die Öffentlichkeit, politische Interessengruppen sowie mächtige individuelle Akteure handeln. Die Produzenten von „hot images“ folgen dabei affektiven Strategien. Die entsprechenden (Ziel-)Publika sollen durch diese affektiven Strategien dazu motiviert werden, sich am gesellschaftlichen, politischen Diskurs über das vermittelte Thema zu beteiligen. Dies kann unter anderem durch aktives Protestieren erfolgen, aber auch durch Spenden oder dem Unterzeichnen von Petitionen. Die meisten „hot images“ werden heutzutage über Social Media gestreut, generell sind aber auch bei der Distribution von „hot images“ neuartigere Medienstrategien wie die Nutzung von „User-generated-content“, crossmedialer Distribution oder Bürgerjournalismus probate und häufig angewendete Mittel (Eder & Klonk, 2016, S. 74). Auch bei den beiden zu analysierenden Bildern von Greenpeace handelt es sich um „hot images.“ Sie sollen im Folgenden kurz analysiert werden.

3.1. Kurzanalyse

In der folgenden Kurzanalyse der beiden Bilder von Greenpeace soll das Analyseschema nach Gillian Rose (2016) den Rahmen bilden. Die von Rose praktizierte Untersuchung der Produktion, Eigenschaften und Rezeption von Bildern auf technologischer, formal-kompositioneller und sozialer Ebene soll allerdings nicht eins zu eins „durchanalysiert“ werden. Ferner soll in den folgenden beiden Kurzanalysen das Rose-Modell nur als rudimentäre Grundlage für eine relativ freie Analyse gelten und in 3.2. der Fokus auf die soziale Komponente in Rose´s Analyseschema gelegt werden, unter Einbezug von Gesichtspunkten des (Medien-)Spektakels. Da Greenpeace trotz mehrmaliger Anfrage via Email sich nicht äußerte, kann ich zu einigen Punkten nur Mutmaßungen, die auf gründlicher Internetrecherche basieren, anstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, „Walfang auf offener See“, abgerufen am 28.12.2016 von https://www.greenpeace.de/themen/ueber-uns/finanzen-und-jahresbericht-2005

3.1.1. Analyse Bild 1: „Walfang auf offener See“

Das Bild „Walfang auf offener See“ wurde im Dezember 2005 von Kate Davison, einer von Greenpeace beauftragten Fotografin, aufgenommen (Behrens, 2005). Ort des dargestellten Geschehens ist das Südpolarmeer. Das Foto ist dem Genre Dokumentarfotografie zuzuordnen und wurde höchstwahrscheinlich mit einer Kamera aus einem über dem Geschehen kreisenden Hubschrauber fotografiert. Die unterschiedliche und eher dunkle Farbtonierung auf den Bildern (grau, verschiedene Blautöne und weiß) sorgt für eine dynamische, unruhige und hektische Atmosphäre beim Betrachter. Spitzen und Rundungen wechseln sich in der Bildkomposition gleichermaßen ab. Um möglichst das ganze Geschehen abzubilden, wurde aus einem sehr weiten Winkel fotografiert. Das Bild zeigt am oberen Bildrand den Bug eines großen Walfangsschiffs der Japaner. Der Name lässt sich allerdings nicht genau ablesen. Mit einer explosiven Harpune wurde ein Wal schwer verwundet und soll nun an Bord des Schiffs gezogen werden, um ihn direkt zu konsumierbaren Fleischerzeugnissen zu verarbeiten. Auf der rechten Seite des Bildes sieht man ein kleines Schlauchboot von Greenpeace, mit dem sich einige Aktivisten in den Weg der Harpunen zu stellen versuchen, um den Wal noch zu retten. Aus einer anderen Aufnahme wird zudem ersichtlich, dass sich in dargestellten Situation noch ein zweites Schlauchboot aufhält (Greenpeace, 2010) . Beide Schlauchboote gehören zum großen Greenpeace-Schiff „Esperanza“, welches auf einer einjährigen Mission („SOS Weltmeer“) in den Weltmeeren unterwegs war, um vermeintlichen illegalen oder umweltzerstörenden Maßnahmen entgegenzuwirken, auf diese aufmerksam zu machen und bedrohte Tierarten zu schützen. Sowohl die fehlende Größe des Greenpeace-Bootes als auch die mangelnde Bewaffnung gegenüber den japanischen Harpunen, Seilen und Wasserwerfern lassen eine Art Machtgefälle entstehen, der dem ungleichen Kampf zwischen David und Goliath ähnelt. Den Greenpeace-Aktivisten kommt dadurch eine Art heroische, positive Rolle zu, da sie sich nur mit ihrem Boot „bewaffnet“, dem überlegenen Gegner entgegenstellen. Die dargestellten Menschen sind aufgrund der sehr weiten Aufnahme nur als kleine Punkte zu erkennen und es besteht nicht die Möglichkeit, ihnen direkt ins Gesicht zu sehen, um mögliche Emotionen aus den Gesichtern deuten zu können. Der Fokus liegt jedoch nicht nur aufgrund seiner zentralen Position im Bild auf dem Wal, der offensichtlich gerade große Qualen erleidet. Dies wird sowohl aus der klaffenden Wunde ersichtlich, als auch durch den schmerzverzerrten Gesichtsausdruck des Meeressäugers. Dass der Wal noch lebt, zeigen die weißen Wasserbläschen, die er durch heftiges Zappeln neben sich aufwirbelt. Auf mögliche Wirkungen auf Rezipienten sowie die Absichten der Produzenten soll im Abschnitt 3.2. noch weiter eingegangen werden.

Abbildung 2, „Wal vor japanischer Botschaft“, abgerufen am 28.12.2016 von http://www.greenpeace-aachen.de/archiv/meere/meere_walfang.php

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2. Analyse Bild 2: „Wal vor japanischer Botschaft“

Das Bild wurde im Januar 2006 von einem unbekannten Fotograf von Greenpeace aufgenommen. Es wurde vor der japanischen Botschaft in Berlin gemacht und ist dem Genre Reportagefotografie zuzuordnen. Es wurde wahrscheinlich mit einer klassischen Spiegelreflexkamera mit dem Rücken zur Botschaft stehend aufgenommen. Im Gegensatz zu Abbildung 1 ist dieses nun deutlich statischer. Dies hat auch mit den eher kühlen, tristen Farben (schwarze Straße, kahle, braune Bäume, eher farblose Anoraks der beteiligten Personen, blassrosa Fassade des Gebäudes im Hintergrund, extrem verschmutzter Finnwal-Kadaver) zu tun. Im Vordergrund, weil auch im optischen Zentrum des Bildes, steht ganz klar der 17 Meter lange und rund 20 Tonnen schwere Kadaver eines Finnwals, der auf einem großen LKW-Anhänger bereits in der Nacht zuvor aufgebahrt wurde. Mit blauer Schrift auf weißem Grund versieht Greenpeace zwei Banner, auf dem es sich deutlich als Urheber der Aktion und Autor der in zwei Sprachen verfassten Parolen („Stop Whaling!“/„Schluss mit sinnlosem Walfang!“) zu erkennen gibt.

Durch die ebenfalls fotografierten Menschen (nicht nur Aktivisten, sondern dem Anschein nach auch Wachpersonal, Schaulustige und Medienvertreter) werden die Größendimensionen des Wals umso deutlicher. Bei den Menschen lässt sich in den Gesichtern eine Mischung aus Neugierde und Entsetzen ausmachen. Dies verstärkt das eher beklemmende, bedrückende Gefühl der Rezipienten.

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Details

Titel
Image-Events für umweltaktivistische Organisationen
Untertitel
Die optimale Strategie, um die intendierte Message an das Publikum zu übertragen?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V490067
ISBN (eBook)
9783668972933
ISBN (Buch)
9783668972940
Sprache
Deutsch
Schlagworte
image, events, organisationen, strategie, message, publikum
Arbeit zitieren
Philipp Durillo Quiros (Autor:in), 2017, Image-Events für umweltaktivistische Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490067

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