Chancen und Risiken von Kryptowährungen


Masterarbeit, 2019
88 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation und Ziel
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Geldund Investmentgrundlagen
2.1 Traditionelle Zahlungsund Währungssysteme
2.1.1 Definition und Geschichte von Geld
2.1.2 Geldschöpfung, Geldmenge und Geldpolitik
2.1.3 Digitales Geld
2.2 Traditionelle Anlageklassen
2.2.1 Definition traditioneller Anlageklassen
2.2.2 Bewertung von Anlageklassen

3 Kryptowährungen
3.1 Geschichte
3.2 Technische Basis
3.2.1 Peer-to-Peer-Netzwerk
3.2.2 Distributed-Ledger-Technologie
3.2.3 Blockchain-Technologie
3.2.4 Blockchain-Anwendungen
3.2.5 Transaktionsdurchführung
3.2.6 Sicherheit des dezentralen Netzwerks
3.2.7 Erwerb und Verwaltung von Kryptowährungen
3.3 Regulierung
3.4 Zusammenfassung wesentlicher Merkmale

4 Kryptowährungen – Zahlungsmittel oder Anlageform?
4.1 Zahlungsund Währungssystem
4.2 Anlageformen

5 Chancen und Risiken von Kryptowährungen im Vergleich zu traditionellen Währungen
5.2 Unternehmen
5.2.1 Chancen
5.2.2 Risiken
5.2.3 Zusammenfassung
5.3 Zentralbanken
5.3.1 Chancen
5.3.2 Risiken
5.3.3 Zusammenfassung
5.3.4 Exkurs: Geschäftsbanken
5.4 Staat
5.4.1 Chancen
5.4.2 Risiken
5.4.3 Zusammenfassung

6 Chancen und Risiken von Kryptowährungen im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen
6.1 Gesellschaft
6.1.1 Chancen
6.1.2 Risiken
6.1.3 Zusammenfassung
6.2 Unternehmen
6.2.1 Chancen
6.2.2 Risiken
6.2.3 Zusammenfassung
6.3 Zentralbanken
6.3.1 Chancen
6.3.2 Risiken
6.3.3 Zusammenfassung
6.3.4 Exkurs: Geschäftsbanken

7 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit der Erfindung des Internets erlebte die Welt bereits eine digitale Revolution, die eine Entwicklung in Richtung Online-Welt in Gang setzte. Mittlerweile ist diese technische Innovation ein fester Bestandteil in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens, bspw. dem Tagesgeschäft der Finanzbranche. Repräsentativ dafür sind die Geldgeschäfte, das Bankensegment und die Entwicklung in Bereich digitaler Bezahlverfahren. Weltweit bieten Banken inzwischen Online-Banking an, d.h. eine Möglichkeit über die Online-Präsenz der Bank finanzielle Transaktionen zu betreiben. Hierunter haben sich Online-Bezahlsysteme (PayPal, Skrill, Apple Pay, Alipay etc.) als beliebte Alternativen zu klassischen Zahlungsmethoden (Nachnahme, Scheck, Vorkasse etc.) etabliert, um Geldtransaktionen durchzuführen. Im Ergebnis trug dieser Prozess bereits zu erheblichen Effizienzsteigerungen im Bezahlprozess bei. Zum Vorteil der Endnutzer vergrößern und verbessern sich damit die Möglichkeiten bei der Auswahl angebotener Zahlungsmethoden, die sie nach Belieben zur Abwicklung von Finanztransaktionen einsetzen können (vgl. Pak Nian & Lee Kuo Chuen, 2015, S. 6; Hanl & Michaelis, 2017, S. 364).

Der Wandel im wirtschaftlichen und sozialen Leben hin zur digitalen Transformation schreitet weiter voran (vgl. Oswald & Krcmar, 2018, S. 1). Im Jahr 2008 erwartete die Welt die nächste digitale Revolution. Als jüngste Entwicklung des digitalen Zeitalters kamen digitale Kryptowährungen (KW) auf den Markt, die die Möglichkeiten des Internets (Geschwindigkeit, Effizienz, usw.) ausschöpfen, um sich hierauf aufbauend, als dezentrale digitale parallele Welt zu positionieren. Als erste und bekannteste dieser Art erschien im Jahr 2009 die KW Bitcoin (BTC). Der BTC prägt nicht nur die nächste Etappe einer natürlichen Weiterentwicklung der Geldgeschichte, sondern repräsentiert einen völlig neuen Ansatz und Gegenentwurf zum staatlich regulierten Fiat-Geld. Den historischen Ausgangspunkt bildet die globale Finanzund Wirtschaftskrise, die im Sommer 2007 durch die US-Immobilienkrise ausgelöst wurde (vgl. Mayer, 2017, S. 7 f.). Infolge dieser Ereignisse entfaltete sich ein nachhaltiger gesellschaftlicher Vertrauensverlust in das Bankenund Währungssystem und die regulierenden Finanzinstitute. Dies veranlasste die Menschen die Kompetenz von zentralen Finanzinstituten zu hinterfragen und weckte allgemein großes Misstrauen. Die Schöpfung eines dezentralen Zahlungssystems, welches von Staaten losgelöst ist und Finanzintermediäre wie Zentralbanken (ZB) und Geschäftsbanken (GB) durch das Blockchain-Konzept ersetzt, kam somit zur rechten Zeit (vgl. Lee Kuo Chuen, 2015, S. xxi). Der dezentrale Charakter von KW war die repräsentierte Lösung ihres Erfinders, mit dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“, um die kritisierten Mängel einer zentralisierten Weltwirtschaftsordnung vollkommen zu eliminieren (vgl. Nakamoto, 2008). In der Folgezeit entwickelte sich der KW-Markt stetig weiter, bis er in den letzten Jahren förmlich einen Hype entfachte und die Anzahl der veröffentlichen KW explodierte (vgl. Hanl, 2018, S. 1). Die Ausweichmöglichkeit auf ein alternatives Zahlungssystem, finanzielle Unabhängigkeit und Freiheit von Staat und Banken, sowie neue Investitionsmöglichkeiten gehören zu den Gründen, weshalb KW seither die Beachtung zahlreicher Investoren und Währungsnutzer gefunden haben und der Blockchain ein enormes Potenzial beigemessen wird. Diverse Autoren sind der Meinung, dass die Blockchain disruptive Veränderungen in der Finanzbranche mit sich bringen wird. Derselbe Sektor setzt sich besonders intensiv mit den Risiken und Chancen von digitalen KW und seiner vielversprechenden Technologie auseinander (vgl. bspw. Kristof, 2015, S. 79; Böhme et al., 2015, S. 214).

1.1 Motivation und Ziel

Nach Einführung des BTC stieg der KW-Markt durch die führenden Konkurrenten wie Litecoin (LTC), Ripple (XRP), Ethereum (ETH) und zahlreiche weitere neue KW immens an. Die KW erfuhren eine erhebliche Weiterentwicklung, wodurch ihre Popularität und Verbreitung weiterhin konstant anstieg (vgl. Osterrieder, 2016, S. 56-58). Dies führte zu zusätzlichen Nutzeneffekten und Vorzügen, wie geringeren Transaktionskosten und einer raschen Geschwindigkeit, vor allem im internationalen Geldtransfer (vgl. Blocher et al., 2017, S. 3). Mittlerweile erlauben zahlreiche Akzeptanzstellen die Zahlung durch KW für Waren und Dienstleistungen (vgl. Sorge & Krohn-Grimberghe, 2013, S. 721). Neben der ursprünglich angedachten Funktion als alternatives Zahlungsmittel wurden KW auch als alternative Anlagemöglichkeit und aufgrund ihres spezifisch hohen Volatilitätsrisikos für spekulative Investitionszwecke interessant (vgl. Hanl, 2018, S. 9). Der Hype um digitale dezentralisierte KW wie BTC führte in den letzten Jahren zu einer zunehmenden Aufmerksamkeit potenzieller Nutzer, Anleger, Spekulanten, aber auch zahlreicher Unternehmen, allen voran in der Gründerszene. Während die meisten Startup-Unternehmen KW nutzen, um Kapital einzusammeln und ihre Projekte zu finanzieren, haben KWbasierte Geschäftsmodelle im Bereich von Mikrofinanzgeschäften das Potenzial aktuelle Finanzlücken zu schließen. KW wie BTC eröffnen dadurch den sozial schwächeren Gesellschaftsschichten aus Entwicklungsund Schwellenländern die Chance auf soziales und wirtschaftliches Wachstum (vgl. Vigna & Casey, 2015; Hileman, 2014; DeVries, 2016, S. 5). KW haben mittlerweile einen wichtigen Platz in der Finanzwelt eingenommen. Die zahlreichen verborgenen Möglichkeiten ihrer Technologie der Blockchain werden auch mehr und mehr von Regierungskreisen und ZB behandelt (vgl. Michaelis, 2017, S. 18).

Die bisherige Entwicklung von KW führt zu der Frage, ob KW sich grundsätzlich als alternative Zahlungsund Anlagemittel eignen. Diese Arbeit hat zum Ziel dieser Frage auf den Grund zu gehen sowie zu analysieren, welche Chancen und Risiken KW als Zahlungsund Anlagemittel für verschiedene Marktteilnehmer bieten. Dabei rücken die Gesellschaft, die Unternehmen, die ZB und die Staaten in den Fokus. Eine detaillierte Analyse wird auf diese vier Marktteilnehmer beschränkt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen. Zusätzlich werden die GB tangiert, da KW auf deren Ablösung abzielen. Dies hätte einen erheblichen Einfluss auf alle Marktteilnehmer. Des Weiteren wird in der Analyse insbesondere der BTC als Referenz für KW herangezogen, da er die erste existente und bekannteste KW darstellt.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Rahmen dieser Arbeit erfolgt eine Prüfung der Eignung von KW als Zahlungsund Anlagemittel. Der Einsatz von KW zu diesem Zweck wird mit Folgen für verschiedene Marktteilnehmer einhergehen. Vor diesem Hintergrund werden in dieser Arbeit zusätzlich die Chancen und Risiken für bestimmte Marktteilnehmer evaluiert. Beide Aspekte werden in insgesamt sieben Kapiteln erarbeitet. Hierbei wird mit dem ersten Kapitel eingeleitet und die Motivation dieser Arbeit dargestellt. In den Kapiteln zwei und drei werden die Grundalgen gelegt, indem zunächst die traditionellen Geldund Investmentgrundlagen sowie darauffolgend die Grundlagen der KW beleuchtet werden. Dies geschieht auf Basis von geschichtlichen, technischen und regulatorischen Hintergründen. Anschließend wird im vierten Kapitel die Eignung von KW als Zahlungsund Anlagemittel geprüft. Dabei werden die Definitionen für traditionelle Geldsysteme und Anlageklassen herangezogen und zusätzlich bereits getätigte Analysen verschiedener Autoren, zu Zahlungsund Anlagemitteltauglichkeit der KW, betrachtet. Im fünften Kapitel werden Chancen und Risiken von KW als Zahlungsmittel untersucht, während der Fokus auf den Marktteilnehmern Gesellschaft, Unternehmen, ZB und Staat liegt. Dieselben Marktteilnehmer kommen auch im sechsten Kapitel in Betracht, in dem zudem die Chancen und Risiken von KW als Anlageform untersucht werden. Die Arbeit wird durch ein Fazit abgerundet, welches eine Antwort darauf liefert, ob sich KW grundsätzlich als Zahlungsund Anlagemittel eignen. Darüber hinaus wird ein Überblick gegeben, über die in dieser Arbeit ermittelten prägnanten Chancen und Risiken für die betrachteten Marktteilnehmer.

2 Geldund Investmentgrundlagen

2.1 Traditionelle Zahlungsund Währungssysteme

Ehe das aktuelle Währungssystem und die heute gängigen Geldformen entstanden sind, durchlebte das Geld eine lange Entwicklungsgeschichte. In diesem Kapitel werden die Grundlagen des traditionellen (bestehenden) Geldsystems dargelegt, um die essenziellen Aspekte, wie Funktionen und Bedeutung des Geldes zu erarbeiten. Dabei verdeutlicht ein historischer Rückblick in sehr frühe Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung die Bedeutsamkeit des Geldes für den Zivilisationsprozess der Gesellschaft und kennzeichnet dessen zentralen Stellenwert im Wirtschaftskreislauf, sowohl damals als auch heute.

2.1.1 Definition und Geschichte von Geld

Das Geld nahm im Laufe der Geschichte einen erheblichen Einfluss auf das tägliche Leben und ermöglichte den Handel in heutigen modernen Volkswirtschaften. Ohne Geld wäre der Zivilisationsprozess von einer Tauschwirtschaft zu der modernen arbeitsteiligen Volkswirtschaft nicht möglich gewesen (vgl. Bundesbank, 2017, S. 8). Zunächst hat das Warengeld den direkten Tauschhandel aufgehoben und als universelle Zwischentauschware das Wirtschaftsleben wesentlich vereinfacht. Damit wurde die Herausforderung (aus räumlicher und zeitlicher Sicht) einen adäquaten Tauschpartner für den direkten Tauschhandel zu finden, durch die Zwischentauschware Geld gelöst, indem sämtliche Transaktionen über dieses Gut abgewickelt wurden (vgl. Jevons, 1876, S. 3 f.; Salemi, 2012, S. 10). Dies führte zu einer Verringerung der Handelsbzw. Transaktionskosten und erleichterte den Warenhandel erheblich. Warengelder verfügen grundsätzlich über einen eigenen, inneren Wert (Eigenwert). Aus diesem Grund wird ihnen neben der Verwendung als Geldeinheit zusätzlich ein finanzieller Handelswert (Nominalwert) beigemessen. Der Eigenwert kann auch ohne den Nominalwert fortbestehen, sodass bspw. Gold über die Geldfunktion hinaus, auch andere Verwendung findet, z.B. Inflationsschutz (vgl. Panten et al., 1975, S. 193; Siegel, 2013, S. 23). Der fortschreitende Handelsprozess führte zur Weiterentwicklung vom umständlichen Warengeld hin zum praktischen Nominalgeld. Die Einführung des ersten Papiergeldes vereinfachte insbesondere die Zahlung größerer Beträge, die bis dato mit zeitintensivem Transportund Bewertungsaufwand, sowie hohen Herstellungsund Vermehrungskosten des Warengeldes einhergingen (vgl. Bundesbank, 2017, S. 14). Im Gegensatz zum Warengeld verfügt das Nominalgeld über keinen Eigenwert, weswegen es als Fiatgeld (ohne inneren Wert) bezeichnet wird (vgl. Salemi, 2012, S. 12; Bundesbank, 2017, S. 17). Schließlich entstand die dritte wichtige Geldart in Form von Buchgeld bzw. Giralgeld. Es handelt sich um eine elektronische Form von Geld, die bei Banken in den Kontobüchern als Girokonto-Guthaben gehalten wird. Der große Vorteil von Giralgeld liegt in der Einfachheit der Geldtransfers. Dieser äußert sich in Form von Überweisungen, Kreditkartenzahlungen und elektronischen Geldtransaktionen. Zudem kann der Inhaber des Bankkontos seine Sichteinlagen jederzeit in Papiergeld umtauschen (vgl. Bundesbank, 2017, S. 84). Diese historische Entwicklung des Geldes bildet die Grundlage für das heutige ZB-System. Die führenden Geldformen der modernen Zeit sind das Bargeld (Münzen und Papiergelt) und das Buchgeld. Auch wenn das Buchgeld ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel darstellt und das Bargeld gar an Quantität übertrifft, zählt es im Gegensatz zum Bargeld nicht als gesetzliches Zahlungsmittel (vgl. Bundesbank, 2017, S. 84). Der Historie nach wurden im Laufe der Zeit veraltete Geldformen ständig durch neue ersetzt (vgl.Bundesbank, 2017, S. 11). Laut Claeys et al. (2018, S. 7) hängt der Erfolg einer Geldform u.a. davon ab, inwiefern sie die drei Geldfunktionen erfüllt.

Geldfunktionen

Die wichtigste Funktion des Geldes in der heutigen Wirtschaft ist die des universellen Tauschund Zahlungsmittels. Als Tauschmittel wird Geld genutzt, indem es bspw. als Gegenleistung von einem Käufer an den Verkäufer bei dem Erwerb von Waren und Dienstleistungen übergeben wird (vgl. Issing, 2011, S. 1.). Nach Issing (2011, S. 2) reicht die Zahlungsmittelfunktion des Geldes noch weiter und ermöglicht eine zusätzliche Verwendung für Kredite und Schuldentilgung. Des Weiteren wird das Geld als Messgröße genutzt. Es erfüllt damit die Recheneinheitsfunktion und ermöglicht in einer Ökonomie sämtliche Güter und Dienstleistungen in Geldeinheiten auszudrücken und sie damit summierbar, d.h. direkt wertvergleichbar zu machen (vgl. Bundesbank, 2017, S. 11; Gischer et al., 2012, S. 4). Der ökonomischen Definition gemäß erfüllt das Geld eine dritte wichtige Geldfunktion, die für die Haltbarkeit des Geldes steht die Wertaufbewahrungsfunktion. Wenn Einflüsse wie Inflation zu einer Wertminderung des Geldwertes führen, kann die Wertaufbewahrungsfunktion auch durch Anlageformen wie Aktien, Anleihen oder Gold erfüllt werden. Geld hebt sich jedoch von solchen Vermögenswerten durch den höchsten Liquiditätsgrad ab (vgl. Bosch et al., 2018, S. 415).

Geldeigenschaften

Um die Funktionen zu erfüllen, müssen beim Geld einige Eigenschaften vorliegen. Hierzu zählt die Haltbarkeit über einen längeren Zeitraum, sodass das Geld seine Kaufkraft und Wertbeständigkeit im Laufe der Zeit behält (vgl. Hardes & Uhly, 2007, S. 433; Stroukal, 2018, S. 38 f.). Es folgt die Homogenität aller Währungseinheiten in Qualität, Form, Gewicht und Struktur. Dies sorgt für Transparenz, so dass das Geld als Wertmaß dienen kann und die Abwicklung des Handelsgeschäfts schnell und unkompliziert erfolgt (vgl. Stroukal, 2018, S. 45; Jevons, 1876, S. 37 f.). Hinzu kommt die Seltenheit des verfügbaren Tauschmittels bzw. die Knappheit, um die Werthaltigkeit des Geldes zu gewährleisten. Liegt eine begrenzte Verfügbarkeit des Geldes vor, können die Menschen ihren Geldbestand nicht unkontrolliert erhöhen. Dies führt dazu, dass der Geldwert erhalten bleibt (vgl. Sell & Kermer, 2017, S. 109; Stroukal, 2018, S. 46). Die Teilbarkeit des Geldes kommt zur Abwicklung von Transaktionen in unterschiedlichen Warenmengen und Preisgrößen ebenso hinzu (vgl. Stroukal, 2018, S. 44; Jevons, 1876, S. 38; Hardes & Uhly, 2007, S. 433), wie die Transportierbarkeit, die den Geldtransport sowie die Abwicklung von Geschäften zwischen den Parteien erleichtert. (vgl. Stroukal, 2018, S. 39; Jevons, 1876, S. 35). Die letzte der Eigenschaften bildet die Allgemeine Akzeptanz, da das Geld ein Konzept darstellt, das ähnlich wie ein Gesellschaftsvertrag zwischen Bürgern und Regierung funktioniert. Bürger oder Mitglieder der Gesellschaft schließen diesen Vertrag ab, indem sie Geld als Gegenleistung für Waren und Dienstleistungen akzeptieren (vgl. Salemi, 2012, S. 9; Claeys et al., 2018, S. 17). Die notwendige Grundlage für die Erfüllung dieses Merkmals ist das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Wertstabilität des Geldes (vgl. Bundesbank, 2017, S. 18).

Juristische Einordnung

Durch die Erbringung dieser Eigenschaften kann ein Gut die Geldfunktionen erfüllen und wirtschaftlich den Status von Geld erreichen. Rechtlich gesehen erhält ein Gut den Status einer Währung jedoch erst dann, wenn es vom Staat festgesetzt wird. In diesem Kontext wird das Geldwesen eines Staates bzw. Gebietes als Währung bezeichnet. Nach der Geldverfassung oder -ordnung des jeweiligen Staates oder Geltungsbereichs sind die Marktteilnehmer verpflichtet, Geld oder die Währung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Auf diese Weise stellt der Staat sicher, dass Vertrauen in die Währung besteht und das Merkmal der allgemeinen Akzeptanz erfüllt ist (vgl. Engelkamp et al., 2017, S. 481; Schiff, 2018, 6 f.; Bundesbank, 2018, S. 97).

2.1.2 Geldschöpfung, Geldmenge und Geldpolitik

Im Wirtschaftsund Geldkreislauf sind Akteure involviert, für deren Wechselbeziehung Geld eine ausschlaggebende Rolle einnimmt. Hierzu zählen die ZB (Notenbanken), die GB und die Nichtbanken (NB) (u.a. private Haushalte, Staat, Unternehmen) (vgl. Bundesbank, 2017, S. 8 f.; Naser, 2018, S. 18; Gischer et al., 2012, S. 2-6). Die ZB verfügen über das Notenmonopol, bringen damit das Bargeld in den Umlauf und sind für die Kontrolle der Umlaufmenge des Geldes verantwortlich. In Europa bspw. ist die Schöpfung der Euro (EUR)-Banknoten einzig und allein der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen ZB (wie Deutsche Bundesbank) vorbehalten (vgl. Naser, 2018, S. 18). Durch die GB erfolgt die Buchgeldschöpfung. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören die Vermögensverwaltung und die Ausgabe des Geldes an seine Kunden die NB. Die NB sind in dem Umfeld für die Geldnachfrage verantwortlich (vgl. Bundesbank, 2017a, S. 31). Ergänzend zu dem Notenmonopol der ZB obliegt dem Staat die Ausgabe der Münzen (vgl. Naser, 2018, S. 18). Zudem verleiht der Staat dem Fiatgeld den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels und verpflichtet die Marktteilnehmer dazu, die staatliche Währung als Tauschund Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Währungsverfassung hat dabei eine grundlegende Bedeutung für die allgemeine Akzeptanz der Bevölkerung und ihr Vertrauen in den Wert der Währung (vgl. Schiff, 2018, S. 7; Hanl & Michaelis (2017), S. 364).

Geldschöpfung

Die Entstehung von Geld wird auch als Geldschöpfungsprozess bezeichnet, da dabei neues Geld in den Geldkreislauf gelangt. Dies kann auf zwei Weisen stattfinden: Zum einen kann das Geld durch die ZB geschöpft werden, indem sie bspw. Kredite an GB vergibt oder indem sie Anlagevermögen wie Devisen, Staatsanleihen etc. ankauft. Beide Formen der ZB-Geldschöpfung stellen eine Verbindlichkeit der ZB dar. Seit dem 19 Jhd. ist diese Verbindlichkeit der ZB nicht mehr an einen Goldstandard gebunden. Das heißt das als Giralgeld vorliegende ZB-Geld kann in Papiergeld konvertiert werden. Das Papiergeld wird jedoch nicht mit Vermögenswerten wie Gold oder Silber gedeckt, sodass das ZB-Geld als Fiatgeld bezeichnet wird (vgl. Naser, 2018, S. 20). Zum anderen wird das Geld durch die GB geschöpft, indem diese bspw. Kredite an NB vergibt (vgl. Naser, 2018, S. 18 f.) Die Geldschöpfung durch eine GB wird Buchoder Giralgeldschöpfung genannt. Dadurch erfüllen GB nicht nur die Intermediärsrolle für die Kreditvergabe, sondern lassen mit einem einfachen Buchungssatz, Giralgeld aus dem „Nichts“ entstehen (vgl. Naser, 2018, S. 22). Da bei der unkontrollierten Giralgeldschöpfung eine unendliche Giralgeldmenge entstehen kann, sind die GB dazu verpflichtet, einen bestimmten prozentualen Anteil des vergebenen Kreditbetrags als Mindestreserve bei der ZB als Sicherheit zu hinterlegen (vgl. Bundesbank, 2017, S. 195 ff; Bundesbank, 2017a, S. 34). Neben der Mindestreserve kann auch die Bargeldquote den Geldschöpfungsprozess steuern, da die GB mit unvorhersehbaren täglichen Bargeldabhebungen durch die NB konfrontiert werden können (vgl. Engelkamp et al., 2017, S. 192).

Geldmenge

Die Geldschöpfung durch die ZB oder die GB beeinflusst unmittelbar die Geldmenge. Im europäischen Wirtschaftsraum werden drei Geldmengenklassen unterschieden, wobei die Liquidität eine tragende Rolle spielt. Dabei vereint M11 den gesamten Bargeldumlauf der NB und die Sichteinlagen der NB bei den GB. Die Geldbestände der GB sind hier nicht inbegriffen. M2 und M3 erweitern M1 um Bankeinlagen, die kurzfristig zu Sichteinlagen umgewandelt werden können. Zu diesen Bankeinlagen gehören u.a. Sparund Termineinlagen auf Sparbuch und Tagesgeldkonto. M3 ist eine wichtige Maßzahl, die die Relation zwischen Geldmenge, Bruttoinlandsprodukt und Preisniveau wahrt. Da die GB unabhängig von der ZB Geld schöpfen können, stimmt die Gesamtgeldmenge nicht mit der ZB-Geldmenge überein. Der zentrale Unterschied der beiden Geldmengen ist, dass das ZB-Geld nur das Bargeld und die Depoteinlagen von GB bei der ZB umfasst, während die gesamte Geldmenge zusätzlich das Buchgeld der GB beinhaltet. Letztlich bilden nur die Bargeldbestände der NB eine Schnittmenge zwischen den Geldmengenaggregaten M1-M3 und dem ZB-Geld (siehe Anhang 1) (vgl. Naser, 2018, S. 20-22). Aus makroökonomischer Sicht basiert diese monetäre Abgrenzung auf der Zahlungsmittelfunktion des Geldes und steht in Verbindung mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage der NB nach Gütern und Dienstleistungen. Für die Zahlungsmittelfunktion verwenden die NB das Bargeld und das Giralgeld, dass nicht als gesetzliches Zahlungsmittel gilt. Trotzdem wird das Giralgeld für Kreditund Steuerzahlung sowie als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen akzeptiert, da es in Bargeld konvertierbar ist (vgl, Naser, 2018, S. 20 f.; Bundesbank, 2017, S. 56 f.).

Geldpolitik

Um die Geldmengenschöpfung der GB zu regulieren, legt die ZB in einem zentralen Geldsystem, den Leitzins auf das ZB-Geld fest. Bei einer Leitzinsänderung handelt es sich um eine konventionelle geldpolitische Maßnahme der ZB. Der Leitzins ist sozusagen der Preis den GB zahlen, wenn sie sich ZB-Geld von der ZB leihen (vgl. Bundesbank, 2017a). Wenn die ZB bspw. expansive Geldpolitik betreibt, d.h. den Leitzins senkt, vergünstigt sich die Liquiditätsbeschaffung der GB und damit einhergehend die Kreditaufnahme der NB. Indirekt beeinflusst der Leitzins auch die Preisentwicklung. Da eine Verringerung des Leitzinses die Möglichkeit der Geldschöpfung für die GB erhöht und diese sich auf die Geldmenge auswirkt, folgt daraus auch die Vergrößerung der Geldmenge. Eine Leitzinssenkung führt also indirekt zu einer Vergrößerung der Geldmenge und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Indirekt wird dadurch bspw. das Konsum-, Sparund Investitionsverhalten der Volkswirtschaft positiv beeinflusst und das Wirt-schaftswachstum angekurbelt (vgl. Bundesbank, 2017, S. 182 f.). Darüber hinaus kann die ZB mit dem Leitzins potenzielle Risiken auf die Preisniveaustabilität und den Finanzmarkt minimieren, die sich aus einer exzessiven oder moderaten Kreditgewährung der GB ergeben können. Hierbei definiert der EZB-Rat eine Preisniveaustabilität mit einer jährlichen Inflationsrate von knapp 2 % auf mittlere Frist als wichtigstes Ziel einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Preisstabilität impliziert die Gewährleistung der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes, was für das Vertrauen und die Akzeptanz der Menschen in die Wertbeständigkeit des Geldes wichtig ist (vgl. Hirsch, 2018, S. 28). In Krisenzeiten, wenn der Zinssatz eine Nullzinsgrenze erreicht, kann die ZB reagieren, indem sie zu unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen greift. Hierzu zählt bspw. „Quantitative Easing“ (QE). Diese geldpolitische Maßnahme zielt darauf ab, die langfristigen Zinsen zu senken und zusätzliche Liquidität ins Bankensystem zu schleusen. Dies kann zu niedrigeren Kreditzinsen und einer erhöhten Kreditnachfrage führen (vgl. Eisert, 2018, S. 88).

2.1.3 Digitales Geld

In Abschnitt 2.1 wird die Evolution des Geldes hin zur elektronischen Form des Geldesdem Buch-bzw. Giralgeld skizziert. In der heutigen Welt existieren zahlreiche neuartige elektronische Zahlungsmittel, die unter die Kategorie digitale Währungen fallen. Verschiedenste Bezeichnungen dieser Zahlungsmittel, wie virtuelle Währungen, Netzgeld, KW oder privates Geld führen schnell zu Verwirrungen (vgl. Mojsoska & Dujovski, 2018, S. 30; He et al., 2016, S. 7 f.). Vor diesem Hintergrund schafft die EZB (2012, S. 16) Abhilfe und gliedert digitale Währungen in konventionelle (elektronisches Geld bzw. EGeld) und unkonventionelle Währungen (virtuelle Währungen). Das E-Geld repräsentiert im Grunde ein elektronisches Äquivalent zum Fiat-Geld, welches auf ein elektronisches Nutzer-Konto transferiert und gespeichert wird. E-Geld ist mit mehreren Zahlungssystemen verbunden (bspw. Paypal), verfügt über eine rechtliche Grundlage, ist direkt mit den traditionellen Geldformen verbunden und behält das konventionelle Geldformat bei (vgl. Mojsoska & Dujovski, 2018, S. 30; ECB, 2012, S. 16). Dementsprechend wird es in der gleichen Rechnungseinheit (z.B. US-Dollar (USD), EUR etc.) ausgedrückt (vgl. ECB, 2012, S. 16). Eine virtuelle Währung wiederum definiert Sauer (2016, S. 118) als Geld, welches in der Realwirtschaft nicht als Münzen, Papiergeld oder Bankeinlagen existiert. Den Hauptunterschied zwischen E-Geld und virtuellem Geld stellt die Art der Schaffung sowie die Herausgabe beider Geldformen dar. Das E-Geld stellt faktisch eine Forderung an einen zentralen rechtlich anerkannten Emittenten dar. Hinter dem virtuellen Währungssystem wiederum steht keine rechtmäßige, sondern eine private Ausgabestelle (vgl. ECB, 2012, S. 16; Mojsoska & Dujovski, 2018, S. 30). Als Oberbegriff werden virtuelle Währungen weiterhin in die geschlossenen, unidirektionalen und bidirektionalen virtuellen Währungen unterteilt (vgl. ECB, 2012, S. 13 f.). Für diese, von der EZB vorgenommenen Klassifizierung virtueller Währungen, ist die Interaktion mit der Realwirtschaft und dem realen Geld entscheidend. Bei der Form geschlossener virtueller Währung besteht keine unmittelbare Verbindung mit der Realwirtschaft (vgl. ECB, 2012, S. 13). Die geschlossene Form liegt ausschließlich bei Online-Computerspielen vor und kann nicht mit realem Geld erworben werden. Bei der unidirektionalen Variante kann reales Geld nur einseitig in virtuelles getauscht werden. Mit diesen virtuellen Münzen können Kunden Apps, Spiele oder Gegenstände im Spiel kaufen. Ein Rückumtausch in gesetzliche Zahlungsmittel bzw. reale Währung ist jedoch ausgeschlossen (vgl. ECB, 2012, S. 14). Mit der bidirektionalen Variante kann der Tausch in beide Richtungen erfolgen. Die Ausprägungsformen bidirektionaler Währungen werden je nach Funktionsweise, in zentral oder dezentral organisierte Währungen unterschieden. Ein bekanntes Beispiel dezentralisierter bidirektionaler Währungen sind KW wie bspw. BTC (vgl. ECB, 2012, S. 14-16; He et al., 2016, S. 8). KW rücken in dieser Arbeit in den Fokus. Dabei werden die Begriffe digitale und virtuelle Währungen als Formulierungsalternativen für KW verwendet.

2.2 Traditionelle Anlageklassen

In Unterkapitel 2.1.1 wird darauf verwiesen, dass bspw. Gold neben der Geldfunktion auch weitere Verwendung findet. Hierbei ist gemeint, dass Gold als Anlageform genutzt werden kann (vgl. Baur & McDermott, 2010, S. 1888). Neben Gold bietet der Finanzmarkt zahlreiche weitere Möglichkeiten der Kapitalanlage in verschiedene Anlageklassen. In diesem Abschnitt werden deren Grundlagen skizziert sowie ein Überblick über die Anlageklassen und deren Bewertung gegeben.

2.2.1 Definition traditioneller Anlageklassen

Anlageklassen werden nach Sharpe über drei Kriterien definiert: 1) Eine Anlage ist immer genau einer Anlageklasse zugehörig, d.h. alle Anlageklassen unterscheiden sich voneinander. 2) In einer Anlageklasse muss diversifiziert werden können, d.h. es müssen viele verschiedene Anlagemöglichkeiten in der Anlageklasse existieren. 3) Die Renditen der Anlageklassen unterscheiden sich und weisen somit eine geringe Korrelation zueinander auf (vgl. Krumnow et al., 2013, S.56). Um Investitionen auf dem Finanzmarkt zu tätigten, rücken insbesondere die vier Hauptanlageklassen Aktien, Anleihen, Geldmarktinstrumente (u.a. Kurzfristige Geldmarktpapiere, Schatzbriefe, Geldmarktfonds, usw.) und Immobilien in den Fokus (vgl. Fabozzi, 2015, S. 21; Nikolai et al., 2009, S. 1148). Ergänzt werden die Hauptanlageklassen um alternative Anlageklassen, wie Hedgefonds, privat bereitgestelltes (außerbörsliches) Eigenkapital (welches bspw. häufig von Investoren für Unternehmensgründungen bereitgestellt wird) (Private Equity) und Rohstoffe (vgl. Fabozzi & Markowitz, 2011, S. 19).

2.2.2 Bewertung von Anlageklassen

Bei der Investition in Anlageklassen spielen verschiedene finanzielle Kriterien eine Rolle. Im Vordergrund stehen dabei die Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität. Im Optimalfall sollten die Kapitalanlagen eine möglichst hohe Rendite abwerfen, indem jährliche Ausschüttungen erfolgen und Wertsteigerungen auftreten. Gleichzeitig sollte das Risiko der Kapitalanlage gering sein, um sie zu jeder Zeit, möglichst ohne Preisabschläge, verkaufen zu können (vgl. Spremann, 2008, S.2). Bei der nun folgenden Bewertung von Anlageklassen in Hinblick auf die wichtigen finanziellen Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität wird neben den Hauptanlageklassen die Anlageklasse Rohstoffe berücksichtigt, da der Rohstoff Gold in dieser Arbeit relevant ist.

Sicherheit

Das Kriterium Sicherheit umfasst grundsätzlich unterschiedliche Aspekte, wie Kursschwankungen, die wirtschaftliche Situation oder politische Risiken. Bei der Betrachtung von Kursschwankungen weisen Anleihen und Geldmarktinstrumente ein geringeres Risiko auf, da diese auf Zinsänderungen zurückzuführen sind und diese auf kurze Frist nur geringfügig auftreten. Beide Anlageklassen können gleichzeitig von der Bonität von bspw. Unternehmen abhängen. Wirtschaftskrisen führen dann zu einem Kursverfall. Im Vergleich dazu verfügen Aktien über ein wesentlich höheres Risiko, da sie täglichen Kursschwankungen an der Börse unterliegen. Die Kurse reagieren auf die zukünftig erwartete Unternehmensperformance. Vor diesem Hintergrund dienen Informationen über die Aktiengesellschaft sowie das Marktumfeld zur regelmäßigen Einschätzung. Dies führt zu einer ständigen Kursveränderung. So kann es neben Kursgewinnen auch zu Kurseinbrüchen kommen. Auch Immobilienanlagen verfügen im Vergleich zu Anleihen und Geldmarktinstrumenten über ein höheres Risiko. Wertschwankungen basieren hier auf Zinsbewegungen sowie von Angebot und Nachfrage. Im Immobiliensegment kann es auch zu übertriebenen Preiserhöhungen kommen. Bei Rohstoffen gilt, dass der Einkauf des physischen Rohstoffs nur für den industriellen Verbrauch vorkommt. Kapitalanlagen in Rohstoffe erfolgen über Terminkontrakte und sind riskant. Die Preise hängen von Nachfrage und industrieller Produktion ab. Bei Rohstoffen wird die wirtschaftliche Entwicklung der nachfolgenden Jahre betrachtet und schlechte Prognosen können zu rapidem Kursverfall führen. Darüber hinaus ist der Rohstoffmarkt attraktiv für Spekulanten. Zwar folgen sie Trends, sind gleichzeitig jedoch empfänglich für spontane Änderungen, sobald sie feststellen, dass auch andere Marktteilnehmer ihre Kapitalanlagen reallokieren. Diese Verhaltensweisen verstärken wirtschaftlich bedingte Schwankungen (vgl. Spremann, 2008, S. 4-6). Auch wenn Gold zur Anlageklasse Rohstoffe gehört, ist das Risikoempfinden bei Kapitalanlagen in die Anlageklasse Rohstoffe nicht zwingend auf Gold anwendbar. Gold gilt im Gegenteil als sichere Anlage und stabilisierende Kraft in Krisenzeiten, da der Wert von Gold im Vergleich zu anderen Anlageformen in Krisenzeiten tendenziell sogar ansteigt (vgl. Baur & McDermott, 2010, S.1888).

Zusammenfassend gelten von den genannten Anlageklassen, Anleihen und Geldmarktinstrumente als sicherste und Rohstoffe als riskanteste Kapitalanlage (vgl. Spremann, 2008, S. 4). Auf den Rohstoff Gold trifft diese Einschätzung jedoch nicht zu.

Liquidität

Da Aktien und Anleihen durch den täglichen Börsenhandel schnell verkauft werden können, erfüllen sie das Kriterium Liquidität sehr gut. Insbesondere Staatsanleihen und Aktienanteile großer Unternehmen kann diese Eigenschaft zugesprochen werden. Vergleichbare Liquidität zu Aktien und Anleihen weisen auch Finanzinstrumente wie Fonds, Zertifikate, usw. auf. Da zusätzlich Immobilienaktien und Rohstoff-Kontrakte an der Börse gehandelt werden können, verfügen alle betrachteten Anlageklassen grundsätzlich über eine hohe Liquidität. Es sollte berücksichtigt werden, dass die hohe Liquidität der betrachteten Anlageklassen bspw. in Krisenzeiten oder aufgrund von Einflüssen der Investmentbanken schwinden kann (vgl. Spremann, 2008, S. 3).

Rendite

Aufgrund des risikoaversen Verhaltens der Menschen werden risikoreiche Kapitalanlagen tendenziell mit niedrigeren Preisen bewertet, sodass die Rendite umso höher ausfallen kann. Ähnliches gilt für die Liquidität. Niedrigere Liquidität geht mit niedrigeren Preisen einher – umso höher kann die Rendite ausfallen. Es bestehen somit kausale Zusammenhänge zwischen den drei Kriterien (vgl. Spremann, 2008, S. 7). Die Liquidität bei allen betrachteten Anlageklassen ist als hoch einzustufen. Aus diesem Grund wird für die Rendite-Einstufung der Anlageklassen insbesondere die Bewertung der Anlageklassen in Bezug auf Sicherheit relevant. Rohstoffe werden als besonders risikoreiche Anlage angesehen, sodass nach Spremann (2008, S. 6) die Renditeerwartung hier am höchsten ausfällt. Danach folgt die Anlageklasse Aktien mit einer ebenfalls hohen Renditeerwartung, gefolgt von der Anlageklasse Immobilien. Die niedrigste Rendite ist bei Anleihen und Geldmarktinstrumenten zu erwarten. Bei der Rendite der Anlageklassen sollte berücksichtigt werden, dass diese stark von Faktoren wie der Konjunktur, Finanzmarktintermediären, Kursschwankungen etc. abhängt und sich somit die Renditeerwartung für die jeweiligen Anlageklassen oder für Anlageformen der jeweiligen Anlageklasse verändern kann. Zusätzlich ist zu beachten, dass Anlageklassen (bspw. Aktien) neben Wertsteigerungen auch Ausschüttungen bieten können, die ebenfalls die Rendite und Attraktivität der Anlageklasse beeinflussen. Zu Rohstoffen ist hinzuzufügen, dass der Rohstoff Gold den hohen Renditeerwartungen zumindest auf lange Sicht nicht gerecht wird. Langfristig gesehen fällt die Rendite von Gold geringer aus, als die von Aktien und Anleihen (vgl. Siegel, 2013, S. 23 f.).

Aus den Ausführungen der drei wesentlichen Kriterien, die Anlageentscheidungen beeinflussen, geht hervor, dass sich Anlageklassen unterscheiden. Die Erkenntnis kann sogar weitergefasst werden. Auch Anlageformen innerhalb einer Anlageklasse können sich hinsichtlich Sicherheit, Liquidität und Rendite unterscheiden. Gold als Anlageform der Anlageklasse Rohstoff verhält sich bspw. bezüglich Sicherheit konträr zur Anlageklasse Rohstoff. Unter der Berücksichtigung der wesentlichen drei Kriterien ist keine der Anlageklassen den anderen Anlageklassen überlegen. Gleichzeitig birgt die Konzentration des Kapitals auf eine Anlageklasse das Risiko, aufgrund unvorhergesehener Einflüsse signifikante Verluste zu erleiden. Dies macht eine diversifizierte Kapitalanlage in verschiedene Anlageklassen und Anlageformen (bzw. ein Portfolio) attraktiv, um Risiken auszugleichen (vgl. Spremann, 2008, S. 7).

3 Kryptowährungen

3.1 Geschichte

Lange vor der Entstehung der KW gab es bereits Ansätze virtuelle Währungen zu schaffen, die dezentral, dereguliert und anonym sind. Unter dem Titel „Denationalisation of Money“ (Hayek, 1976) wurde diese Idee bereits in den 1970er Jahren von dem Ökonom Hayek thematisiert. Dieser erklärte öffentlich, dass Regierungen ihre Macht missbrauchen und Wirtschaftskrisen durch staatlichen Einfluss auf den Geldschöpfungsprozess entstehen. Seine Idee bestand darin, der ZB und dem Staat die Macht zu entziehen und stattdessen eine diversifizierte Währungsbasis einzuführen. Dabei würden die Privatbanken jeweils ihre eigene private Konkurrenzwährung wie gewöhnlich über Kredite schaffen, wodurch letztlich Preisstabilität erreicht wird (vgl. Wesner, 2015, S. 233; Hayek, 1976). Zum großen Wegweiser des BTC wurde schließlich Wei Dai‘s Ansatz aus dem Jahr 1998. Sein Konzept von „b-money“ erfüllte bereits erste Merkmale heutiger KW. Dieses Konzept setzte sich zwar nicht durch, legte wohl aber den wichtigsten Grundstein für heutige KW. Satoshi Nakamoto zitiert Jahre später Dai´s Konzept in seinem Arbeitspapier und entwickelt darauf basierend den BTC (vgl. Wood & Buchanan, 2015, S. 397; Sixt, 2017, S. 7 f.). Die Basis hierfür legten zahlreiche vermeintliche und hochspekulative Geschäftsaktivitäten von Finanzintermediären, die ab 2007 zur globalen Bankenund Finanzmarktkrise führten. Als Stabilisator sollte die traditionelle Geldpolitik in Form von milliardenschweren Anleihekäufen, staatlichen Rettungspaketen und der Nulloder Negativzinspolitik der ZB dienen (vgl. Schuberth, 2009, S. 491 f.). Das Gegenteil war jedoch der Fall. Die geldpolitischen Maßnahmen entpuppten sich als Schockverstärker und bestärkten die Idee nach einem alternativen Geldsystem (vgl. Hanl und Michaelis, 2017, S. 369). Es breitete sich ein nachhaltiger Vertrauensverlust der Menschen in das bestehende Bankenund Währungssystem sowie die regulierenden Finanzinstitute aus (vgl. Pak Nian & Lee Kuo Chuen, 2015, S. 10). Zumal die konventionelle Währung vor allem auf Vertrauen basiert, wurde die gesellschaftliche Einstellung gegenüber dem etablierten Währungssystem getrübt (vgl. Rosenberger, 2018, S. 13; Nakamoto, 2018). Auch Satoshi Nakamoto (2008) erkannte das Problem und kritisierte, dass das konventionelle Geldsystem auf dem Vertrauen zweier Transaktionspartner in eine dritte Partei basiert die Finanzinstitute. Das Vertrauen ist elementar für das System und wurde in der Vergangenheit zahlreich gebrochen. Als eines der Beispiele führte er Banken an, die, statt Gelder aufzubewahren, Kredite mit mangelnder Deckung weiterreichten und damit Kreditblasen schufen. Dieses und weitere Beispiele führten zu einer Vertrauensproblematik, die letztlich den Ausgangspunkt für die Entwicklung eines alternativen Geldund Währungssystems darstellt. Aus dem Verlangen nach Unabhängigkeit entstand die erste virtuelle KW, der BTC (vgl. Clement & Schreiber, 2016, S. 329 f.; Nakamoto, 2008).

3.2 Technische Basis

Nakamoto (2008, S. 1) zielt mit dem KW-Konzept auf ein dezentrales, elektronisches Zahlungsund Währungssystem ab. Dieses ermöglicht zwei Parteien innerhalb eines Netzwerks direkt (Peer-to-Peer bzw. P2P) und ohne zusätzliche Zwischeninstanz Transaktionen miteinander durchzuführen. Entscheidend für seine Vision ist die technische Umsetzung, die im Folgenden beschrieben wird.

3.2.1 Peer-to-Peer-Netzwerk

In seinem Arbeitspapier stellt Satoshi Nakamoto (2008) das technische Konzept des von ihm entwickelten dezentralen, elektronischen Zahlungssystems vor. Dieses beruht, anstelle von Vertrauen in eine dritte Partei (wie Finanzinstitute, Staaten, ZB), auf kryptografischen Beweisen und einem P2P-Netzwerk. Mithilfe von digitalen und kryptographischen Verfahren können vertrauliche Informationen, wie Internetdatenverläufe oder Transaktionen verschlüsselt werden. Das P2P-Netzwerk ist ein Netzwerk aus Rechnern, in dem eine digitale Gemeinschaft, die über die ganze Welt verstreut ist, alle Prozesse selbst steuert und kontrolliert. Dabei sind alle Mitglieder dieser digitalen Gemeinschaft gleichberechtigt. Im Ergebnis konnte der Handel und die Ausgabe von KW wie BTC unabhängig von Finanzinstituten abgewickelt und Zahlungen direkt von einer Privatperson zu einer anderen Privatperson anonym durchgeführt werden (vgl. Nakamoto, 2008; ECB, 2012, S. 21).

3.2.2 Distributed-Ledger-Technologie

Die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) gilt als fundamentale technologische Basis von KW. Dabei stellt die Blockchain eine spezielle Ausprägungsform der DLT dar, die gleichzeitig den gängigsten und bekanntesten Anwendungsfall für Datentransaktionsabwicklungen repräsentiert (vgl. Brühl, 2017, S.135 f.; Bundesbank, 2017b, S. 36 f.). Indem die DLT Transaktionsdaten dezentral verteilt und speichert, werden zentrale Instanzen gezielt ausgeschaltet. Die zentral ausgeführten Aufgaben werden dabei automatisch dezentral, auf die Netzwerknutzer übertragen, sodass Transaktionsabwicklungen direkt von Nutzer zu Nutzer (P2P), ohne vertrauenswürdige Drittstellen erfolgen können. Die dezentrale Speicherung von Daten im Netzwerk bringt zwei Vorteile mit sich. Und zwar einen besseren Schutz gegen böswillige Angriffe durch Dritte und die Ablösung der Abhängigkeit von Dritten, indem die Nutzer des Netzwerkes selbst die Genauigkeit von Transaktionen überprüfen (vgl. Voshmgir, 2016, S. 8; Papadopoulos, 2015, S. 156). Zudem können durch die Sicherheitsmechanismen der DLT Manipulationen wie die einfache Vervielfältigbarkeit von digitalen Währungen gelöst werden. Faktisch besteht die DLT aus einer Datenstruktur, in der die relevanten Daten festgehalten werden, sowie einem Protokoll, das Datenaustausch und -abgleich spezifiziert (vgl. Bundesbank, 2017b, S. 40-42; Badev & Chen, 2014, S. 1; Brühl, 2017, S. 137).

3.2.3 Blockchain-Technologie

Die Blockchain funktioniert wie eine öffentliche digitale Datenbank, die die gesamte Historie zu den Transaktionen enthält, die zwischen den Netzwerkteilnehmern durchgeführt wurden. Dazu werden durchgeführte Transaktionen in einer chronologischen Reihenfolge erfasst, mit einem Zeitstempel versehen, zu einem Block zusammengefasst und mithilfe von kryptographischen Verfahren (blockweise) verschlüsselt. Zuletzt wird der neue Block an eine Kette von bereits verifizierten Blöcken angefügt (vgl. Sixt, 2017, S. 39 f.; Oswald & Krcmar, 2018, S. 25 f.). Die Technologie bedient sich der beiden kryptografischen Elemente Hash-Funktionen und digitale Signaturen, um die Blöcke zu verketten. Dabei generiert eine Hashfunktion aus einer Zeichenfolge mit beliebiger Länge eine Zeichenfolge mit fixer Länge – den Hashwert. Eine Hashfunktion ist deterministisch, sodass dieselben Eingangsdaten immer denselben Hashwert ergeben. Veränderte Eingangsdaten führen zu einem anderen Hashwert. So verhindert der Hash-Algorithmus Veränderungen in der Blockchain. Einmal in der Blockchain aufgenommene Datensätze sind nicht mehr änderbar. Eine Änderung in einem älteren Block führt dazu, dass alle folgenden überprüften Blöcke abweichen und die Änderung somit erkennbar wird (vgl. Badev & Chen, 2014, S. 7-9). Jeder Block enthält dabei aktuelle Transaktionsdaten und in einem einzigen Hashwert komprimierte Informationen zu den vorangehenden Blöcken. Mittels Hashwerts kann die Gültigkeit einer Transaktionskette bestätigt und Manipulationen der Blockchain verhindert werden. Zusammenfassend besteht die Blockchain aus drei Hauptkomponenten. Dazu zählen die P2P-Vernetzung, die Kryptographie und die Spieltheorie (vgl. Voshmgir, 2017, 13 f.).

3.2.4 Blockchain-Anwendungen

Bei den KW handelt es sich um Blockchain-Anwendungen. Auf die Blockchain setzt das Protokoll bzw. die Software auf, die den Transfer der KW auf der Blockchain regelt. Über dem Protokoll sind schließlich die KW angesiedelt (vgl. Swan, 2015, S. 1 f.). Eine KW verwendet entweder ein gleichnamiges Protokoll oder kann auf einem fremden Protokoll, z.B. gemeinsam mit einer anderen Währung koexistieren. Der BTC ist bspw. eine KW, welche ein gleichnamiges Protokoll verwendet. Im Laufe der Zeit wurde das als Open Source organisierte BTC-Protokoll auch als Referenzprotokoll für viele weitere KW genutzt (vgl. Voshmgir, 2016, S. 15 f.) Hierunter fallen die Altcoins, die mit der Absicht eine bessere Variante von BTC bereitzustellen, auf ein modifiziertes BTC-Protokoll aufsetzen. (vgl. Sixt, 2017, S. 112; Lee Kuo Chen, 2017, S.2). Daher wird das BTC-Protokoll modifiziert, um eine neue KW mit den gewünschten Eigenschaften zu erzielen. Zu diesen KW gehören u.a. Litecoin und Peercoin (vgl. Arsov, 2017, S. 10; Voshmgir, 2016, S. 15). Bei KW, die auf ihrem eigenen Protokoll agieren, handelt es sich um Coins. Hierzu zählt neben BTC bspw. der Coin Ether (ETH), der auf dem Ethereum-Protokoll aufsetzt. Der Unterschied zw. BTC und Ethereum ist, dass Ethereum nicht nur eine KW darstellt, sondern weitere Anwendungsmöglichkeiten, basierend auf Smart Contracts, anbietet (vgl. Voshmgir, 2016, S. 15; Sixt, 2017, S. 112 f.). Bei der dritten Variante von KW handelt es sich um Tokens. Diese verfügen über kein autonomes Netzwerk, sondern nutzen ein bestehendes Protokoll (häufig Ethereum). Darüber hinaus gibt es für Tokens drei verschiedene Anwendungsfälle. So können sie als Zahlungsmittel verwendet werden, als Nutzungs-/Zugriffs-Token (um z.B. Zugriff auf eine digitale Dienstleistung zu erhalten) oder als Vermögenswert (wie einer Aktie oder einem Anteilschein) (vgl. Howell et al., 2018, S. 1).

3.2.5 Transaktionsdurchführung

Für die Abwicklung von Transaktionen auf der Blockchain muss jeder Teilnehmer des P2P-Netzwerks im Besitz eines kryptographischen Schlüsselpaars sein, dem privaten und dem öffentlichen Schlüssel (Private und Public Key) (vgl. Sauer, 2016, S. 119; Sorge & Krohn-Grimberghe, 2012, S. 480). Bei einer Transaktion erstellt der Sender eine digitale Signatur. Diese beinhaltet einen Hashwert, den öffentlichen Empfänger-Schlüssel und die Anzahl der zu transferierenden KW. Dabei verweist der Hashwert auf den Sender der vorherigen Transaktion (in welcher der jetzige Sender in den Besitz der KW gekommen ist), während der öffentliche Schlüssel ähnlich wie eine Empfangsadresse benutzt wird. Aus diesem Grund kann der Sender nur dann KW an den Transaktionspartner überweisen, wenn er den öffentlichen Schlüssel des Transaktionspartners kennt. Der Sender verschickt schließlich die digitale Nachricht inkl. aller Informationen und autorisiert diese mit seinem persönlichen (nur ihm bekannten) Schlüssel. Dieser Schlüssel ist mit einem geheimen Passwort zu einer BTC-Adresse gleichzusetzen, durch dessen Einsatz der Sender die Überweisung beglaubigt. Der Empfänger der Zahlung verifiziert die Signatur, indem er den öffentlichen Schlüssel und die Signatur des Absenders abgleicht. Bei einer Übereinstimmung des Schlüsselpaars wird die Authentizität der Nachricht verifiziert und die Kette der Eigentümer bestätigt (vgl. Badev & Chen, 2014, S. 7 f.; Sorge & Krohn-Grimberghe, 2012, S. 480; Nakamoto, 2008). Die digitale Signatur dient somit zur Authentifizierung des Senders und zur Integrität der Nachricht, da der Hashwert verhindert, dass der Inhalt der Nachricht verändert wird (vgl. Kerscher, 2014, S. 19-22; Badev & Chen, 2014, S. 7-9).

3.2.6 Sicherheit des dezentralen Netzwerks

Die Transaktionen auf der Blockchain unterliegen einem Validierungsprozess. Hierfür sind die Miner zuständig, die die Authentizität neuer Transaktionen prüfen und als weitere Transaktionsblöcke in der Blockkette erfassen. Die Miner überprüfen die Gültigkeit von zuvor unbestätigten Transaktionen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums stattgefunden haben und entfernen die ungültigen Transaktionen (vgl. Clement & Schreiber, 2016, S. 330; Sixt, 2017, S. 40 f.; Böhme et al., 2015, S. 217). Der Validierungsprozess wird auch als Mining bezeichnet. Durch die Lösung eines hochkomplexen kryptographischen Rätsels konkurrieren die Miner um die schnellstmögliche Überprüfung der Transaktionsblöcke. Faktisch müssen die Miner einen Hashwert errechnen, der eine Zufallszahl („Nonce“) beinhaltet. Durch Ausprobieren und Testen muss die passende Nonce herausgefunden werden. Dabei verweist der ermittelte Hashwert auf einen Hashwert des vorherigen Transaktionsblocks in der Blockchain, sodass jeder nachfolgende Block eine Referenz auf einen zuvor validierten Block enthält. Mit herausfinden der richtigen Nonce wird der Nachweis erbracht, dass die Aufgabe erfüllt wurde. Dies wird als Proof-of-Work (PoW) bezeichnet. Anschließend muss das Netzwerk durch Mehrheitsbeschluss (Konsens) über die Richtigkeit der Lösung entscheiden. Wird der Transaktionsdatensatz durch Konsens bestätigt, wird die Blockkette um einen neuen Block erweitert. Dadurch stellt der Mining-Prozess sicher, dass nur die fehlerfreien Transaktionsblöcke in der Blockchain erfasst werden (vgl. Clement & Schreiber, 2016, S. 333; Sixt, 2017, S. 40 f.; Böhme et al., 2015, S. 21; Badev & Chen, 2014, S. 14 f.).

PoW-Mechanismus

Im Rahmen des PoW werden Transaktionen in der Blockchain über das Validierungsverfahren in chronologischer Reihenfolge erfasst und erhalten einen Zeitstempel, der die Fälschungssicherheit garantiert. So kann der Miner den Zeitpunkt der KW-Transaktion verfolgen. Dabei werden Sicherheitsrisiken wie Sybil-Angriffe auf das P2P-Netzwerk verhindert. Bei solchen Angriffen versuchen die Nutzer, die Konsensentscheidung durch die Erstellung zahlreicher KW-Adressen zu manipulieren. Ebenso werden Mehrfachausgaben („double spending“) verhindert, d.h. die Vervielfältigung oder Verfälschung einer digitalen Münze. Darüber hinaus dient PoW der Würdigung der Hashwert-Berechnung, die mit einem hohen Verbrauch an Rechenleistung verbunden ist (vgl. Badev & Chen, 2014, S. 11; Sixt, 2017, S. 15, 41). Der Miner, der als Erster eine korrekte Lösung für das mathematische Rätsel liefert und damit einen neuen Block errechnet, erhält als Gegenleistung für seinen erbrachten rechnerischen Arbeitsnachweis (PoW) eine monetäre Belohnung. Er wird mit einer vordeterminierten Anzahl neu geschlürfter KW entlohnt. Auf diesem Weg emittieren die Miner (indirekt) neue KW (vgl. Brühl, 2017, S. 136; Badev & Chen, 2014, S. 14; Sixt, 2017, S. 41 f.). Im Beispiel von BTC kann das Mining nicht unendlich fortgeführt werden, da weltweit nur 21 Millionen BTC ausgegeben werden können. Um das System der zu bestätigenden Blöcke nach der Ausgabe des letzten BTC (im Jahr 2140 prognostiziert) aufrecht zu erhalten, werden die Miner mit Transaktionsspesen bezahlt (vgl. Pak Nian & Lee Kuo Chuen, 2015, S. 20). Die Belohnung der Miner ist eine Motivation, um die Tätigkeit aufrechtzuerhalten. Solange Transaktionen über die Blockchain getätigt werden und Miner neue Blöcke erstellen, kann diese stetig wachsen (vgl. Nakamoto, 2008; Rosenberger, 2018, S.19 f.).

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Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken von Kryptowährungen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
88
Katalognummer
V490068
ISBN (eBook)
9783668971530
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen, risiken, kryptowährungen
Arbeit zitieren
Jana Botvinnikova (Autor), 2019, Chancen und Risiken von Kryptowährungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490068

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