Die Etablierung des Humankapitals als Denk- und Analysesystem ist in der Gesellschaft immer weiter vorangeschritten. Zwischen Anleitungen zur Selbstoptimierung einerseits und politischen Forderungen zur Eigenverantwortung andererseits entwickelte sich eine neoliberale Denkstruktur, die Auswirkungen in allen Gesellschafsbereichen nach sich zieht. Wie ich in meiner Arbeit ausführen werde, ist diese Neoliberalität das Fundament der heutigen "Neosozialität". Diese unterstützt eine Abgrenzung einerseits und die Entwicklung völlig neuer Förderungs- und Forderungsansprüche andererseits. So werden neuste politische Entwicklungen wie die Gründung der Alternative für Deutschland (AfD), die Forderung nach Einwanderungsbegrenzungen von Rumänen und Ungarn und die Entwicklungen in der Schweiz als Ergebnisse neosozialer Denkstrukturen gewertet. Ziel dieser Arbeit ist es, mit Foucaults Analysen zur Gouvernementalität des Neoliberalismus und Lessenichs Theoriemodell des Neosozialen, sozialpolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen für die Gesellschaft zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Foucaults Gouvernementatitätsstudien zum Neoliberalismus
2.1 Ordoliberalismus und amerikanischer Neoliberalismus
2.2 Humankapitaltheorie
3. Die Gouvernementalität des Neosozialen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis der Analysen Michel Foucaults zur Gouvernementalität und des Modells der "Neosozialität" von Stephan Lessenich, wie neoliberale Regierungstechniken gesellschaftliche Prozesse transformieren. Der Fokus liegt dabei auf der Verschiebung von Verantwortung auf das Individuum sowie den damit verbundenen Auswirkungen auf soziale Strukturen und politische Diskurse.
- Foucaults Studien zur Gouvernementalität und Neoliberalismus
- Die Humankapitaltheorie als Modell für unternehmerisches Selbst
- Die Aktivierungsformel und der Umbau zur "Aktivgesellschaft"
- Soziale Folgen wie Ausgrenzung, Stigmatisierung und Sozialdarwinismus
- Politische Instrumentalisierung von Eigenverantwortung und Gemeinwohl
Auszug aus dem Buch
2.1 Ordoliberalismus und amerikanischer Neoliberalismus
Spätestens nach Foucaults Analysen zur Gouvernementalität ist klar, dass sich der Begriff der Regierung nicht mehr auf ein Praxisfeld oder auf eine exklusiv politische Bedeutung reduzieren lässt. Vielmehr umfasst der Begriff neben Techniken der Fremdführung auch alle Formen der Selbstführung, die durch Kontrolle, Leitung und Lenkung von Kollektiven oder Individuen entstehen (vgl. Lemke 2001: 110). Folglich lässt sich auch der Begriff des Neoliberalismus, als Form des Regierens, nicht auf eine Ausprägung begrenzen, die sich beispielsweise in der Privatisierung von staatlichen Aufgaben kennzeichnet. Vielmehr wird deutlich, dass sich die neoliberalen Regierungstechniken auch auf die Verhaltensweisen und Denkstrukturen der Menschen ausgewirkt und schließlich verselbständigt haben. Dabei muss jedoch zwischen zwei Ausprägungen des Neoliberalismus unterschieden werden, und zwar zum Einen dem der Ordoliberalen, welcher seinen Ursprung in der sogenannten Freiburger Schule hatte und zum Anderen dem des US-amerikanischen Neoliberalismus der Chicagoer Schule.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Etablierung des Humankapitals als zentrales Analysesystem dar und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Auswirkungen neosozialer Denkstrukturen auf die Gesellschaft.
2. Foucaults Gouvernementatitätsstudien zum Neoliberalismus: Dieses Kapitel liefert einen theoretischen Überblick über Foucaults Analysen zum Neoliberalismus, unterteilt in die ordoliberale Tradition und die amerikanische Humankapitaltheorie.
3. Die Gouvernementalität des Neosozialen: Hier wird der Prozess der "Aktivierung" und die Transformation zum Sozialstaat der "Aktivgesellschaft" untersucht, inklusive der damit einhergehenden moralischen und ökonomischen Anforderungen an das Individuum.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Aushöhlung des Wohlfahrtsstaats zugunsten eines Systems, das durch sozialen Druck, ständige Eigenverantwortung und Ausschlussmechanismen geprägt ist.
Schlüsselwörter
Neoliberalismus, Neosozialität, Gouvernementalität, Humankapitaltheorie, Aktivgesellschaft, Eigenverantwortung, Michel Foucault, Stephan Lessenich, Selbstoptimierung, Sozialpolitik, Prekarisierung, Ausgrenzung, Marktsubjekt, Sozialstaat, Aktivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen neoliberaler Regierungstechniken, die das Individuum zunehmend zur unternehmerischen Selbstführung verpflichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Humankapitaltheorie, der Umbau des Sozialstaats zur Aktivgesellschaft und die daraus resultierende soziale Kontrolle durch Eigenverantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mit Foucaults Gouvernementalitätsstudien und Lessenichs Theorie der Neosozialität zu analysieren, wie politische Diskurse und staatliche Maßnahmen die Lebensführung der Bürger beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Diskursanalyse, die Foucaults Konzepte der Regierungstechniken mit aktuellen sozialpolitischen Entwicklungen und Beispielen wie TV-Duellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Foucault und die Analyse der neosozialen Praxis, inklusive der Aktivierungsformeln und der Rolle des Bürgers als Kosten-Nutzen-Träger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Neosozialität, Aktivgesellschaft, Humankapital, Eigenverantwortung und Gouvernementalität.
Inwiefern beeinflusst das "TV-Duell" die Argumentation?
Die Autorin nutzt das TV-Duell 2013 als exemplarisches Fallbeispiel, um zu zeigen, wie politische Diskurse gesellschaftliche Normen wie Leistung und Eigenverantwortung als "alternativlos" vermitteln.
Was bedeutet der Begriff "Neosozialität" in diesem Kontext?
Neosozialität beschreibt eine Form der Sozialpolitik, die vom Einzelnen fordert, sich permanent selbst zu optimieren und soziale Risiken eigenverantwortlich zu minimieren, um nicht als "Kostenfaktor" stigmatisiert zu werden.
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- Daniel Burghardt (Autor), 2014, Die Etablierung neosozialer Regierungstechniken und ihre Auswirkungen für die Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490081