Im Zeitalter der Selfies und sozialen Netzwerken ist das Thema Selbstbild hoch aktuell. Auch in der Kunst ist die Selbstdarstellung und das Selbstbild ein viel bearbeitetes Thema, wie zum Beispiel in den Arbeiten von Cindy Sherman deutlich wird. In dieser Hausarbeit möchte ich einen Überblick über die verschiedenen Theorien zur Entstehung des Selbstbildes beim Menschen, mögliche Störungen und Variationen der kunsttherapeutischen Arbeit mit Selbstbildern geben. Dabei werden die Theorien zum Selbstbild von Stern, Piaget, Freud und Erikson beleuchtet. Für die praktische kunsttherapeutische Arbeit werden verschiedene Übungen beschrieben: das progressiv therapeutische Spiegelbild, Selbstportraits, Körperbilder, Fotografie und die Arbeit mit Masken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung des Selbstbildes...
2.1 ...nach Stern
2.2 ...nach Piaget
2.3 ...nach Freud
2.4 ...nach Erikson
3. Störungen des Selbstbildes
4. Kunsttherapeutische Übungen zum Thema Selbstbild
4.1 Das progressiv therapeutische Spiegelbild
4.2 Selbstportraits
4.3 Körperbilder
4.4 Fotografische Herangehensweisen
4.4 Arbeit mit Masken
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Entstehung des menschlichen Selbstbildes sowie dessen praktische Anwendung und Modifikation innerhalb der Kunsttherapie. Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über entwicklungspsychologische Ansätze zu geben und aufzuzeigen, wie kunsttherapeutische Interventionen helfen können, das Selbstbild bei Störungen oder Identitätskrisen zu stabilisieren und neu zu gestalten.
- Psychologische Theorien der Selbstentwicklung (Stern, Piaget, Freud, Erikson)
- Einfluss von Störungen auf das Selbstbild
- Methoden der therapeutischen Bildarbeit (Spiegelbilder, Portraits)
- Körperbilder und fotografische Inszenierung als Identitätsarbeit
- Kreative Arbeit mit Masken in der therapeutischen Praxis
Auszug aus dem Buch
4.1 Das progressiv therapeutische Spiegelbild
Das progressiv therapeutische Spiegelbild ist eine von Gaetano Benedetti und Marizio Peciccia entwickelte dialogische Methode. Patient und Therapeut gestalten gemeinsam eine Bilderreihe auf Transparentpapier, das aufeinander gestapelt wird. Patient und Therapeut gestalten jeweils ein Bild, welches im nächsten Schritt dem Anderen übergeben wird. Der Andere legt dann ein Transparentpapier über das entstandene Bild und gestaltet auf dem Transparentpapier eine neue Zeichnung. Dabei werden die durchscheinenden Linien teilweise übernommen und neue Impulse und Ideen können ergänzt und eingearbeitet werden. Diese Methode erlaubt es dem Therapeuten in den Bildern des Patienten Änderungen vorzunehmen ohne diese zu beschädigen. Außerdem fühlt sich der Patient durch das Nachfahren seiner Bilder durch den Therapeuten wahrgenommen und verstanden. Dies ist eine gute Methode um am Selbstbild des Patienten zu arbeiten und es zu verändern, ohne den Patienten dabei zu überfordern, da in dieser Methode alle Änderungen Schritt für Schritt vorgenommen werden und der Patient immer die Möglichkeit hat, die Änderungen wieder rückgängig zu machen oder weiter zu entwickeln.
„Die Spiegelantworten des Therapeuten gestalten die archetypischen Bilder des Patienten in einer progressiven Positivierung um, so dass der Patient diese umgewandelten Urbilder allmählich unbewusst zu einem einheitlichen Selbstsymbol miteinander integrieren kann” (Schmid, 2001, S.10).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Selbstbildes für die menschliche Individuation und den aktuellen Stellenwert der Selbstdarstellung in der Gesellschaft und Kunst.
2. Die Entstehung des Selbstbildes...: Das Kapitel definiert den Begriff des Selbstbildes und erläutert die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Entwicklung des Selbst bei Kindern.
2.1 ...nach Stern: Hier wird das Schichtmodell von Daniel Norman Stern vorgestellt, welches die Selbstentwicklung des Menschen ab der Geburt durch Interaktionsmuster erklärt.
2.2 ...nach Piaget: Dieser Abschnitt thematisiert das Modell der kognitiven Entwicklung und die Bedeutung der Autoregulation und Adaption für das Selbstbild nach Jean Piaget.
2.3 ...nach Freud: Das Kapitel bietet einen Einblick in Sigmund Freuds phasenorientierte Entwicklungstheorie, die den Fokus auf Dynamiken und mögliche Störungen im Verlauf der Entwicklung legt.
2.4 ...nach Erikson: Erik Eriksons erweitertes Stufenmodell wird hier vorgestellt, das die gesamte Lebensspanne umfasst und Umweltfaktoren sowie Identitätsfindung betont.
3. Störungen des Selbstbildes: Es wird diskutiert, wie frühe Erfahrungen oder traumatische Ereignisse zu einer Beeinträchtigung des Selbstbildes führen können und warum dessen therapeutische Bearbeitung zentral ist.
4. Kunsttherapeutische Übungen zum Thema Selbstbild: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen der Individuation mit praktischen kunsttherapeutischen Ansätzen zur Bewusstmachung des Selbst.
4.1 Das progressiv therapeutische Spiegelbild: Die Methode des dialogischen Arbeitens auf Transparentpapier wird als Werkzeug zur schrittweisen Transformation des Selbstbildes vorgestellt.
4.2 Selbstportraits: Hier werden verschiedene Techniken der seriellen und spontanen Portraitgestaltung beschrieben, um innere Gefühle und die eigene Identität nonverbal auszudrücken.
4.3 Körperbilder: Dieser Abschnitt beschreibt die Arbeit mit Umrissen in Lebensgröße als körperzentrierte Methode, besonders geeignet für Patienten mit einem verzerrten Selbstbild.
4.4 Fotografische Herangehensweisen: Der Einsatz von Fotografie und digitalen Medien zur Inszenierung und Reflektion des Selbstbildes wird in diesem Kapitel praxisnah erläutert.
4.4 Arbeit mit Masken: Die Verwendung von Gipsmasken wird als spielerische Methode vorgestellt, die insbesondere in der Arbeit mit Kindern die Inszenierung der eigenen Person ermöglicht.
Schlüsselwörter
Selbstbild, Kunsttherapie, Individuation, Identitätsfindung, Entwicklungspsychologie, therapeutische Methode, Selbstportraits, Spiegelbild, Körperbild, Selbstdarstellung, Psyche, Persönlichkeitsentwicklung, nonverbale Kommunikation, Selbstwertgefühl, Biografiearbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Entwicklung des menschlichen Selbstbildes und verknüpft diese mit praktischen, kunsttherapeutischen Interventionsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die psychologische Entwicklungslehre (Stern, Piaget, Freud, Erikson) sowie die Anwendung künstlerischer Methoden wie Spiegelbilder, Fotografie und Maskenarbeit in der Therapie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch verschiedene kunsttherapeutische Ansätze Patienten ihr Selbstbild reflektieren, korrigieren und positiv weiterentwickeln können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse entwicklungspsychologischer Theorien und der Darstellung kunsttherapeutischer Praxisbeispiele und Methoden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Theorien zur Entstehung des Selbstbildes erläutert, gefolgt von der Diskussion über Störungen des Selbstbildes und einer detaillierten Vorstellung konkreter kunsttherapeutischer Übungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Selbstbild, Individuation, Kunsttherapie, Identitätsfindung sowie verschiedene entwicklungspsychologische Stufenmodelle.
Warum ist das "progressiv therapeutische Spiegelbild" so effektiv?
Es ermöglicht eine dialogische Veränderung des Selbstbildes, ohne den Patienten zu überfordern, da Änderungen schrittweise erfolgen und durch das Medium Transparentpapier revidierbar bleiben.
Welche Rolle spielt die Fotografie in der therapeutischen Arbeit?
Fotografie dient als Inszenierung des Selbst, wodurch besonders Jugendliche oder schüchterne Patienten durch die Distanz der Kamera motiviert werden, ihr Selbstbild visuell darzustellen.
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- Anna Köhler (Author), 2016, Das Selbstbild in der Kunsttherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490103