Verschuldungskrisen aus ordnungsökonomischer Sicht


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Verschuldungszyklus und der Prozess der Zahlungsbilanzumkehr nach Wilhelm Röpke

3. Die Verschuldungskrise
3.1 Ursachen einer Verschuldungskrise
3.1.1 Interne Ursachen
3.1.2 Externe Ursachen
3.1.3 Die Rolle der Banken

4. Erklärungsansätze zur Lösung der Verschuldungskrise
4.1 Schuldenerlass und Obergrenzen des Schuldendienstes
4.2 Umschuldung der kurz- und mittelfristigen Kredite
4.3 Sanierungshandlungen seitens der Entwicklungsländer
4.4 Lösungsbeiträge internationaler Organisationen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Ausgangspunkt zur Betrachtung des Themas „Verschuldungskrisen aus ordnungsökonomischer Sicht“ sind internationale Verschuldungskrisen. Im nachfolgenden Kapitel zwei wird dazu erst einmal der „normale“ Verschuldungszyklus nach Wilhelm Röpke dargestellt. Daran schließt sich eine Betrachtung der Ursachen von Verschuldungskrisen an, differenziert in interne und externe Ursachen. Gleichzeitig sollen die Auswirkungen und Folgen der Ursachen und der Verschuldungskrise auf den Staat, die Haushalte und auf andere Industrieländer und Institutionen diskutiert werden.

Anschließend werden in Kapitel vier verschiedene Ansätze zur Lösung der Verschuldungskrise vorgestellt.

Eine Schlussbetrachtung der Arbeit folgt im fünften Kapitel.

2. Der Verschuldungszyklus und der Prozess der Zahlungsbilanzumkehr nach Wilhelm Röpke

Im Folgenden soll der Verschuldungszyklus und die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz diskutiert werden. Hierzu ist zunächst die Zahlungsbilanz näher zu erläutern. Die Zahlungsbilanz ist ex definitione immer ausgeglichen, da ihr der Grundsatz der doppelten Buchführung zugrunde liegt. Häufig wird aber von einer unausgeglichenen Zahlungsbilanz gesprochen; dies ist auf die Teilbilanzen Leistungsbilanz,[1] Kapitalverkehrsbilanz, Devisenbilanz und Restposten der Zahlungsbilanz[2] zurückzuführen. Wilhelm Röpke teilt den Verlauf des Verschuldungszyklus in vier typische Stadien ein. In Phase eins, der Phase des werdenden Schuldnerlandes, nimmt das Land Kredite auf und ermöglicht so die Finanzierung eines Leistungsbilanzdefizits, da über den Zusammenhang zur Zahlungsbilanz einem Defizit in der Leistungsbilanz ein Überschuss in der Kapitalbilanz gegenübersteht. Somit ist in dieser Phase die Leistungsbilanz passiviert und die Kapitalbilanz aktiviert. Ist die Summe der Kapitalimporte geringer als die Rückzahlungen, kommt es zu einem Nettokapitalexport und das Land befindet sich in der Phase des reinen Schuldnerlandes. Der passiven Kapitalbilanz steht nun eine aktive Leistungsbilanz gegenüber – die Zahlungsbilanz hat sich umgekehrt. Um die Rückzahlungen in Form von Zins und Tilgung zu gewährleisten, ist ein Sparprozess im Inland erforderlich. Aufgrund dieses Sparprozesses kann das Land eigene Kredite vergeben, der Sparprozess wird zu Gunsten des Auslands fortgesetzt und das Land geht in die Phase des werdenden Gläubigerlandes über. Übersteigen nun, umgekehrt zur Phase des reinen Schuldnerlandes, die Zins- und Tilgungszahlungen des Auslands die Höhe der neu vergebenen Kredite des Inlands, befindet es sich in der Phase des reinen Gläubigerlandes, welches somit einen Nettokapitalimport verzeichnet. Die Zahlungsbilanz kehrt sich abermals um.[3]

Dies zeigt, im Hinblick auf den nachfolgenden Abschnitt drei, dass die Finanzierung eines Leistungsbilanzdefizits nicht zwangsläufig in einer Schuldenkrise enden muss und es per se durchaus sinnvoll sein kann, bestimmte Projekte über Kapitalimporte zu finanzieren. Jedoch sollten solche Kapitalimporte für Investitionsprojekte verwendet werden, die zukünftig einen hohen Export bzw. die Einsparung von Importen ermöglichen,[4] um über den Export die notwendigen Devisen zu erwirtschaften, die für den Schuldendienst gebraucht werden.

Weiterhin sei hier kurz genannt, dass der Verschuldungszyklus nach W. Röpke im Laufe der Zeit eine Überarbeitung erfahren hat. Der Unterschied zu W. Röpke besteht darin, dass bspw. der Schuldenzyklus auf sechs Phasen ausgedehnt wurde und die Zyklusphasen in Junges, Erwachsenes und Ausreifendes Schuldnerland sowie analog für das Gläubigerland umbenannt wurden.[5]

3. Die Verschuldungskrise

3.1 Ursachen einer Verschuldungskrise

Häufig spielen verschiedene Ursachen, interne bzw. binnenwirtschaftliche sowie externe bzw. weltwirtschaftliche, zusammen, welche dann gemeinsam eine Verschuldungskrise auslösen, da sie sich gegenseitig intensivieren. Ziel der folgenden Abschnitte soll es sein, die Ursachen getrennt voneinander zu betrachten.[6]

3.1.1 Interne Ursachen

Die aufgenommenen Kredite werden häufig nicht effizient eingesetzt und nur teilweise für exportorientierte Investitionen verwendet. Im Gegenteil fließen die Kredite in großen Teilen in den privaten und öffentlichen Konsum, was an den hohen Haushaltsdefiziten abzulesen ist. Diejenigen Kredite, die investiert werden, fließen meistens in hochtechnologische und kapitalintensive Prestigeobjekte[7] oder sie werden verwendet um ineffiziente Staatsunternehmen zu erhalten, welche dann die notwendigen Mittel für den Schuldendienst nicht erwirtschaften können.[8] In ökonometrischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass eine hohe negative Korrelation zwischen Kapitalzuflüssen und Ersparnissen besteht, woraus sich Zweifel an einer produktiven Verwendung begründen lassen. Werden die Kredite für Investitionen verwendet, dann müssen diese Investitionen so eingesetzt werden, dass „das Grenzprodukt des Kapitals genau dem Zinssatz angeglichen wird.“[9]

Die Überbewertung der heimischen Währung ist ebenfalls folgenreich für die Schuldnerländer, aus ihr entstehen einen Reihe von Fehlallokationen. Sie wirkt wie eine Subvention auf den Import und gleichzeitig wie ein Zoll auf die Ausfuhr. Dadurch wird der Aufbau einer profitablen exportorientierten Industrie erschwert.[10] Weiterhin werden die Direktinvestitionen durch eine überbewertete Währung diskriminiert, da im Inland der Preis für den Faktor Kapital zu hoch ist, so dass der private Auslandskredit zum erliegen kommt; ausländische Investoren haben kein Interesse ihr Geld zu investieren.

Gleichzeitig verleitet die Überbewertung der Währung zur Politik der Importsubstitution zu greifen. Bei der Importsubstitution unterscheidet man zwei Arten, zum einen die natürliche Importsubstitution und zum anderen die wirtschaftspolitisch induzierte Importsubstitution. Die erste Variante ist, unter den Bedingungen des Freihandels, das Ergebnis des Strukturwandels, welcher durch die internationale Verschiebung der Angebots- und Nachfragebedingungen verursacht wird.

Hingegen ist die zweite Variante wirtschaftspolitisch induziert und hat unter anderem die Ziele bestimmte Wirtschaftzweige zu fördern. Dabei soll insb. der Aufbau von Industrien und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie eine Devisenersparnis und die Entlastung der Zahlungsbilanz erreicht werden. Um diese Ziele durchzusetzen, werden seitens des Staates verschiedene Maßnahmen ergriffen, z. B. werden bestimmte Einfuhrrestriktionen durchgesetzt wie Zölle, Kontingentierung und Devisenbewirtschaftung. Als zu substituierende Güter kommen prinzipiell Agrar- und Industrieprodukte sowie Dienstleistungen in Betracht. Da mit Beginn der Importsubstitutionspolitik auf einen Teil der Handelsgewinne verzichtet wird, sind anfangs i. d. R. Wohlfahrtseinbußen zu verzeichnen; günstige Wirkungen aber sind langfristig möglich, wenn positive externe Effekte in den geförderten Sektoren auftreten bzw. diese wettbewerbsfähig werden.

Bei der Politik der Importsubstitution tritt das Problem eines langfristig geringen entwicklungspolitischen Erfolges auf. Importbeschränkungen im Konsum- und Industriegüterbereich bewirken überhöhte Preise und eine verzerrte Preisstruktur, was zu einer Überdimensionierung des entsprechenden Produktionssektors im Entwicklungsland führt. Dies kann zu einer volkswirtschaftlichen Fehlallokation führen und den gesamten Exportbereich in seiner Expansion behindern sowie die gesamtwirtschaftliche Produktivität beeinträchtigen. Des Weiteren werden häufig Investitionen gefördert, die nur durch dauerhafte Unterstützung und bei anhaltendem Schutz überlebensfähig bleiben und so ebenfalls gesamtwirtschaftlich verlustreich sind. Die geförderten Industrien produzieren unter zu geringfügigem Wettbewerbsdruck, was eine Aussetzung des natürlichen Wettbewerbsprozesses zur Folge hat und dazu führt, dass wettbewerbsunfähige Unternehmen nicht selektiert werden. Außerdem produzieren sie zu relativ überhöhten Kosten, da durch die Einfuhrrestriktionen wichtige Inputs und Investitionen verteuert werden.[11] Die mit der Importsubstitution einhergehenden Finanzierungslücken wurden in den Entwicklungsländern häufig durch eine aktive Kreditschöpfung geschlossen. Die entstehende Inflation verstärkte bei festen Wechselkursen den ohnehin schon vorhandenen Importsog. Um dem entgegen zu wirken griffen die Regierungen zur Devisenbewirtschaftung; dies war bequemer als eine Abwertung, die die benötigten Einfuhrgüter verteuert.[12]

Im Rahmen der Devisenbewirtschaftung müssen die Exporteure die vereinnahmten Devisen an den Staat abführen. Es obliegt dem Staat, die erhaltenen Devisen zu verwalten und zu lenken; er hat also das Monopol auf die Devisen und verteilt diese an die Importeure.[13] Wenn ein Unternehmen Devisen nachfragt, ist es auf das Wohlwollen des Staates angewiesen. Die Entscheidung welches Unternehmen wie viel Devisen bekommt unterliegt also politischen Zuteilungskriterien, was Korruption und Willkür zur Folge hat. Dabei werden häufig politisch mächtige Gruppen sowie Groß- und staatliche Unternehmen bevorzugt. Daraus entsteht eine gewisse Unlust zum Unternehmertum, denn schließlich hängt es vom Staat ab, welche ausländischen Produktionsmittel man erhält.[14]

Eine weitere Folge des sich nicht entwickelnden Exportsektors ist eine mangelnde Exportdiversifizierung, was zur Folge hat, dass der Exportsektor eine einseitige Ausrichtung aufweist. Mexiko hat bspw. seinen Anteil am Erdölexport in den Jahren 1977 bis 1982 von 22% auf 73% gesteigert.[15]

[...]


[1] Bestehend aus Handels-, Dienstleistungs- und Übertragungsbilanz.

[2] Statistisch nicht aufgliederbare Transaktionen resp. ungeklärte Beiträge.

[3] Vgl. zum gesamten Abschnitt: Weber, Ralf L. (1994), S. 160f.

[4] Vgl. Bender, Dieter (1999), S. 612.

[5] Vgl. Weber, Ralf (1994), S. 162f.

[6] Vgl. Schlichting, Georg (1997), S. 30.

[7] Vgl. Leutwiler, Fritz (1988), S. 126f.

[8] Vgl. Giersberg, Karl-Wilhelm (1991), S. 12.

[9] Ziesemer, Thomas (1997), S. 62.

[10] Vgl. Schüller, Alfred (o. J.), Vorlesung Internationale Wirtschaftsbeziehungen III, Kap. 4.2, S. 6f.

[11] Vgl. zum ges. Abschnitt: Bender, Dieter (1999), S. 620ff. sowie Gabler Wirtschaftslexikon (1993), Stichwort: Importsubstitution, S. 1565.

[12] Vgl. Schüller, Alfred (1988), NZZ, S. 15.

[13] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (1993), Stichwort: Devisenbewirtschaftung, S. 775.

[14] Vgl. Schüller, Alfred (o. J.), Vorlesung Internationale Wirtschaftsbeziehungen III, Kap. 4.2, S. 7.

[15] Vgl. Hedström, Håkan (1985), S. 43f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Verschuldungskrisen aus ordnungsökonomischer Sicht
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Ordnungsfragen der Weltwirtschaft und der Europäischen Integration
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V49015
ISBN (eBook)
9783638455664
ISBN (Buch)
9783638764407
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Betrachtung von internationalen Verschuldungskrisen, deren interne und externe Ursachen sowie Auswirkungen und Folgen auf Staat, Haushalte, Industrieländer und Institutionen. Weiterhin Vorstellung einiger Lösungsansätze.
Schlagworte
Verschuldungskrisen, Sicht, Ordnungsfragen, Weltwirtschaft, Europäischen, Integration
Arbeit zitieren
Nils Ewald (Autor), 2004, Verschuldungskrisen aus ordnungsökonomischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49015

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