In dieser Arbeit wird die Kombination der beiden Therapieformen Kunst- und Reittherapie und ihre Potenziale beleuchtet. Nach der theoretischen Betrachtung der Hintergründe werden die entwickelten Übungen vorgestellt. Diese Arbeit dient als als Leitfaden für Therapeuten, die dieses Therapiekonzept gerne anwenden wollen.
Die Kunst- wie auch die Reittherapie sind eigenständige Therapieformen mit unterschiedlichen Potenzialen und Möglichkeiten. Die Idee ist, die Potenziale dieser beiden Therapieformen zu verbinden. Oftmals kommt es in der Reittherapie vor, dass gute Erfahrungen und Wirkungen erlebt werden, diese aber schnell wieder verfliegen, weil sie nicht festgehalten werden können. Durch die Kunsttherapie sollen die erlebten Erfahrungen festgehalten werden, damit die Klienten etwas Bleibendes haben, das sie anfassen und mitnehmen können. So kann die Unmittelbarkeit einer sinnlichen Erfahrung fixiert werden. In der Kunsttherapie fehlen das Spüren des Körpers und die Einbeziehung der Bewegung oftmals. Diese fehlenden Komponenten kann durch die Reittherapie ergänzt werden.
So entsteht ein ganzheitlicher Therapieansatz, der Körper und Geist anspricht und Spiel, Tiere, Kreativität und Beziehung beinhaltet. Dabei wird viel Wert auf eine ressourcenorientierte Arbeitsweise gelegt. Die Kombination von Kunst- und Reittherapie wurde im Rahmen eines Studienprojektes des Masterstudiums Kunsttherapie entwickelt und erprobt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Für wen ist das Konzept geeignet?
3. Potenziale der Reittherapie
4. Potenziale der Kunsttherapie
5. Pferd & Pinsel: Das Konzept
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit stellt einen innovativen, ganzheitlichen Therapieansatz vor, der die Reittherapie mit der Kunsttherapie verknüpft, um die flüchtigen Wirkfaktoren der pferdegestützten Arbeit durch kreative Gestaltungsprozesse zu festigen und nachhaltig zu verankern. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die non-verbale Kommunikation mit dem Pferd und die darauffolgende künstlerische Reflexion gemeinsam zur psychischen Stabilität und Ressourcenaktivierung von Patienten beitragen können.
- Kombination von Reit- und Kunsttherapie als therapeutisches Medium
- Stärkung der Selbstwirksamkeit durch non-verbale Kommunikation
- Nachhaltige Verankerung von Therapieerfolgen durch Skizzenbücher und Gestaltung
- Ressourcenorientierte Arbeitsweise im therapeutischen Kontext
- Praktische Übungen zur Verbindung von Bewegung und Ausdruck
Auszug aus dem Buch
Unmittelbares Zeichnen
Hier gestaltet der Patient auf dem Pferd ein Bild. Dazu bekommt der Patient ein Skizzenbuch (oder Papier auf einem Klemmbrett) und Stifte, die an einem Gurt (oder am Sattel) auf dem Pferd befestigt werden. Dadurch können die Erfahrungen, die durch das Reiten gemacht werden sofort und unmittelbar festgehalten werden.
Der Patient soll versuchen die Bewegungen des Pferdes und das ,,bewegt werden’’ festzuhalten. Dabei wird ein Stift locker auf das Papier aufgesetzt. Meiner Erfahrung nach eignen sich hierbei Filzstifte sehr gut, da sie auch bei wenig und unregelmäßigem Druck eine gut sichtbare Spur hinterlassen. Allerdings sind die Minen der Filzstifte oftmals empfindlich und gehen bei zu viel Druck schnell kaputt. Manche Patienten reagieren außerdem empfindlich auf den chemischen Geruch der Stifte. Alternativ können auch Wachsmalstifte verwendet werden. Holzstifte brechen meiner Erfahrung nach zu schnell ab, ebenso wie Kreiden und ähnliche Materialien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Grundidee des therapeutischen Ansatzes, die flüchtigen Erfahrungen der Reittherapie durch die Kunsttherapie nachhaltig zu fixieren und für den Patienten greifbar zu machen.
2. Für wen ist das Konzept geeignet?: Hier werden die Indikationen für den Ansatz dargelegt, wobei der Fokus auf einer ressourcenorientierten Arbeitsweise für Patienten mit unterschiedlichen psychischen und psychosomatischen Belastungen liegt.
3. Potenziale der Reittherapie: Dieses Kapitel beleuchtet die historische und therapeutische Bedeutung des Pferdes als Spiegel des Klienten und als Medium zur Förderung der emotionalen Befindlichkeit und sozialen Integration.
4. Potenziale der Kunsttherapie: Es wird dargelegt, wie die Kunsttherapie als Ausdrucksform dient, um innere Zustände sichtbar zu machen und Patienten einen geschützten Raum für kreative Selbstentfaltung ohne Leistungsdruck zu bieten.
5. Pferd & Pinsel: Das Konzept: Im Hauptteil wird die methodische Verknüpfung beider Ansätze beschrieben, inklusive konkreter praktischer Übungen wie dem „unmittelbaren Zeichnen“ und dem „Pferd als Leinwand“ zur Steigerung der Selbstwirksamkeit.
Schlüsselwörter
Reittherapie, Kunsttherapie, Therapiekonzept, Selbstwirksamkeit, Ressourcenorientierung, Non-verbale Kommunikation, Psychotherapie, Patienten, Therapeutische Beziehung, Selbsterfahrung, Gestaltungsprozess, Wahrnehmung, Kreativität, Reflexion, Ganzheitlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen neuartigen Therapieansatz namens „Pferd & Pinsel“ vor, der Methoden der Reit- und Kunsttherapie verbindet, um psychische Heilungsprozesse zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der therapeutischen Beziehung zwischen Mensch und Tier, der Förderung der Selbstwahrnehmung sowie der künstlerischen Verarbeitung von emotionalen Erfahrungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die flüchtigen Wirkfaktoren der Reittherapie durch künstlerische Gestaltung dauerhaft zu verankern, damit Patienten ihre Fortschritte greifbar machen und in den Alltag integrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt dem Ansatz zugrunde?
Der Ansatz basiert auf einer ressourcenorientierten Praxis, die durch ein Projekt im Rahmen eines Masterstudiums entwickelt und durch Dokumentation und Evaluation in Einzelsitzungen erprobt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt das theoretische Fundament der Reit- und Kunsttherapie sowie praktische Übungsanleitungen, wie Patienten während des Reitens zeichnen oder malen können.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Reittherapie, Kunsttherapie, Selbstwirksamkeit, Ressourcenorientierung und das Pferd als Medium der Kommunikation.
Wie unterscheidet sich „Pferd & Pinsel“ von reiner Reittherapie?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Kopplung der körperorientierten Pferdearbeit mit einem anschließenden gestalterischen Prozess, der das Erlebte auf Papier fixiert.
Warum spielt die Sicherheit des Patienten bei den Übungen eine solch große Rolle?
Da die Übungen auf dem Rücken des Pferdes oder in dessen unmittelbarer Nähe stattfinden, muss die Sicherheit durch den Therapeuten oder eine Co-Therapeutin jederzeit gewährleistet sein, um angstfreies Arbeiten zu ermöglichen.
Welche Bedeutung hat das „Skizzenbuch“ in diesem Konzept?
Es dient als persönliches Ressourcenbuch, in dem alle während der Therapie entstandenen Bilder gesammelt werden, um dem Patienten eine sichtbare Dokumentation seiner Entwicklung zu bieten.
Kann das Konzept auch in der Gruppentherapie eingesetzt werden?
Ja, durch Variationen wie das Malen auf der Bande in der Reithalle oder gezielte Gruppenübungen können soziale Dynamiken gefördert werden.
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- Anna Köhler (Author), 2018, Pferd und Pinsel. Ein Therapieansatz zur Verbindung von Kunst- und Reittherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490155