Das Ziel dieser Arbeit ist die Diskussion ethischer Fragestellungen und Akzeptanzfragen am Beispiel der Emotionalen Robotik in der Altenpflege. Die Emotionale Robotik stellt dabei einen relativ jungen Teilbereich der (Pflege-)Robotik dar. Hierzu soll zunächst der Begriff Roboter näher betrachtet werden. Daraufhin geht es speziell um Pflegeroboter. Hier sollen die verschiedenen Roboter-Arten voneinander abgegrenzt und mögliche Anwendungsbereiche erarbeitet werden. Es stellt sich vor allem die Frage, welche Abgrenzungspotenziale und -schwächen im Hinblick einer Kategorisierung von Pflegerobotern existieren.
Es ist jedoch auch zu untersuchen, ob eine einheitliche Definition von Pflegerobotern möglich ist, die einen Mehrwert für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung bietet. Anschließend soll der Teilbereich der Emotionalen Robotik vorgestellt werden. Am Beispiel des Roboter-Artefakts PARO, werden Anwendungsbereiche, Problem- und Fragestellungen erarbeitet. Auf Basis dieser Fragestellungen sollen in einem darauffolgenden Kapitel die ethischen Aspekte und Fragen der Akzeptanz erarbeitet und auf Basis des Evaluationsmodells MEESTAR diskutiert werden. In einem abschließenden Fazit werden die Erkenntnisse dieser Ausarbeitung zusammengetragen.
Roboter halten Einzug in die Gesellschaft. Bereits jetzt werden sie in der produzierenden Industrie, im Finanzsektor, im Verkehrswesen, in der Landwirtschaft und im Militärsektor eingesetzt - um nur wenige Beispiele zu nennen. Doch auch spielen Roboter in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen eine immer größere Rolle. Die Medizin entwickelt sich auf einem sehr stetigen Niveau weiter, was zu einer starken Veränderung der Altersstruktur speziell in Industrieländern führt. Durch den stetig wachsenden Personalmangel in Pflegeeinrichtungen wird es immer schwerer, die Qualität in den operativen Bereichen der Pflegeversorgung aufrecht zu erhalten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, im Einsatz fortschrittlicher Technologien, Fachkräfte im Gesundheitswesen in ihren operativen Tätigkeiten zu entlasten und somit die Qualität in der Pflege zu steigern - womöglich sogar nachhaltig zu verbessern. Der Einsatz von sogenannten Pflegerobotern wird zunehmend auf wissenschaftlicher und politischer Ebene diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Roboterbegriff
3. Roboter in der Pflege
3.1 Die Emotionale Robotik
3.2 Das emotionale Artefakt PARO
3.3 Anwendungsbereiche und Problemfelder
4. Ethische Aspekte und Fragen der Akzeptanz
4.1 Das MEESTAR-Modell
4.2 Evaluation und Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethischen Implikationen und Akzeptanzfragen beim Einsatz emotionaler Robotik in der Altenpflege, wobei insbesondere die Rolle von nicht-autonomen Assistenzsystemen als therapeutische Medien im Fokus steht.
- Definition und Kategorisierung von Robotern in der Pflege
- Technologische Funktionsweise des emotionalen Roboters PARO
- Anwendungsszenarien emotionaler Artefakte in der therapeutischen Praxis
- Ethische Evaluation mittels des MEESTAR-Modells
- Diskussion von Autonomie, Fürsorge, Sicherheit und Privatheit in der Mensch-Roboter-Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Emotionale Artefakt PARO
Das Roboter-Artefakt PARO wurde am National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Japan ab 1993 von dem Roboteringenieur Takanori Shibata konstruiert. Ursprünglich wurde das Artefakt als Entspannungshilfe entwickelt.
Das Artefakt wird in der wissenschaftlichen Literatur häufig als sogenannter Companion-Roboter, Emotionaler Roboter oder als sozial-interaktiver Roboter (in der englischsprachigen Literatur als personal robot oder companion-type robot) beschrieben und ist demnach der Kategorie der persönlichen Assistenzroboter zuzuordnen. Dabei bezieht sich der Name PARO auf die Buchstabenzusammensetzung aus dem Begriff Personal Robot. Es fällt auf, dass die Kategorisierung dieses Artefakts auf die Funktionsweisen und Anwendungsbereiche zurückzuführen ist, weshalb zunächst die Funktionsweise kurz erläutert werden soll.
Die Größe und das Gewicht des Artefakts wurden an die eines neugebornen Kindes angepasst. Die synthetische Oberfläche besteht aus einem weichen, antibakteriellen Kunstfell. Je nach Modell unterscheidet sich die Farbe des Kunstfells. Unter der Oberfläche des Artefakts sind verschiedene Sensoren angebracht, die unter anderem ein natürliches Fellempfinden begünstigen. Temperatursensoren simulieren eine künstliche Körpertemperatur und messen ebenfalls die Berührungsintensität.
Als weitere fünf Hauptsensoren sind Licht-, Seh-, Geräusch-, Spracherkennungs- und Balance-Sensoren zu nennen. Diese Sensoren sind pro- und reaktiv. Sobald beispielsweise das Licht angeschaltet wird, bewegt sich das Artefakt und gibt Geräusche von sich (proaktiv). Wenn es gerufen wird, blickt das Artefakt in Richtung des Geräusches (reaktiv). Die Prozessoren im Inneren des Artefakts sind so konzipiert, dass sie ein tier- bzw. naturähnliches Bewegungsmuster an den Tag legen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den zunehmenden Einsatz von Robotern in der Pflege vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und diskutiert das Spannungsfeld zwischen technischer Entlastung und ethischen Bedenken.
2. Der Roboterbegriff: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Herleitung des Begriffs sowie die fehlende einheitliche wissenschaftliche Definition von Robotern.
3. Roboter in der Pflege: Hier werden Serviceroboter als Kategorie eingeführt, wobei besonderes Augenmerk auf Assistenzroboter und die Emotionale Robotik gelegt wird.
3.1 Die Emotionale Robotik: Dieses Kapitel stellt das Forschungsfeld vor, das sich mit sozial-interaktiven Robotern zur emotionalen Betreuung von Pflegebedürftigen befasst.
3.2 Das emotionale Artefakt PARO: Es wird die Entstehungsgeschichte, Funktionsweise und sensorische Ausstattung des Roboter-Artefakts PARO detailliert beschrieben.
3.3 Anwendungsbereiche und Problemfelder: Dieses Kapitel analysiert die praktische Integration von PARO in therapeutische Settings und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Nutzung.
4. Ethische Aspekte und Fragen der Akzeptanz: Die Arbeit diskutiert hier theoretische Grundlagen der Roboterethik und die Notwendigkeit ethischer Bewertungen sozio-technischer Arrangements.
4.1 Das MEESTAR-Modell: Vorstellung eines Instruments zur ethischen Evaluation sozio-technischer Systeme anhand verschiedener Achsen und Dimensionen.
4.2 Evaluation und Diskussion: Anwendung des MEESTAR-Modells auf PARO zur ethischen Beurteilung und kritische Reflexion des Modells selbst.
5. Fazit: Zusammenführung der Erkenntnisse mit dem Schluss, dass PARO als therapeutisches Medium verstanden werden sollte und weiterführende ethische Diskurse notwendig sind.
Schlüsselwörter
Emotionale Robotik, Pflegeroboter, PARO, MEESTAR-Modell, Roboterethik, Altenpflege, Serviceroboter, Autonomie, Fürsorge, Technikfolgenabschätzung, Mensch-Roboter-Interaktion, Demenz, Assistenzsysteme, sozio-technische Arrangements, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Herausforderungen und Akzeptanzfragen, die durch den Einsatz von Robotern zur emotionalen Unterstützung in der Altenpflege entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kategorisierung von Pflegerobotern, die Anwendung der emotionalen Robotik (speziell am Beispiel von PARO) und die ethische Bewertung sozio-technischer Systeme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Diskussion ethischer Fragestellungen und Akzeptanzprobleme am Beispiel emotionaler Robotik, um deren Potenzial und Grenzen im Pflegekontext zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt das MEESTAR-Modell als analytisches Instrument zur ethischen Evaluation sozio-technischer Szenarien im therapeutischen Umfeld.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte technische und ethische Analyse des Roboters PARO sowie die theoretische Herleitung der angewandten Bewertungskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Emotionale Robotik, Roboterethik, PARO und das MEESTAR-Modell.
Warum wird PARO in der Arbeit nicht als autonomer Roboter eingestuft?
Der Autor ordnet PARO nicht als autonom ein, da das Gerät für den Betrieb auf die Unterstützung durch menschliches Personal angewiesen ist und eher ein reaktives „Medium“ als einen eigenständig handelnden Akteur darstellt.
Welche ethischen Dimensionen sind für die Anwendung von PARO laut dem MEESTAR-Modell entscheidend?
Besonders kritisch sind laut Modell die Dimensionen Fürsorge, Selbstbestimmung, Sicherheit und Privatheit, da sie das Wohlbefinden und die Würde der (oft eingeschränkten) Zielgruppe direkt betreffen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für das Pflegepersonal?
Der Autor betont, dass Technik das Personal entlasten kann, aber eine hohe Verantwortung mit sich bringt, da der Einsatz von Robotern nicht zu einer Substituierung der zwischenmenschlichen Zuwendung führen darf.
- Arbeit zitieren
- Milan Viktorias (Autor:in), 2018, Roboter in der Pflege. Ethische Aspekte und Fragen der Akzeptanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490185