Es gibt immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft, die geschieden werden und wieder heiraten. Doch nicht nur in unserer Gesellschaft, nein, auch in den Kirchen und Gemeinden ist diese Problematik angekommen. Im Folgenden soll versucht werden, die relevanten Bibelstellen aufzuzeigen und ihre Aussagen und Bedeutungen zu klären. Des Weiteren wird versucht, anhand mehrerer Bücher und Publikationen ein Bild darüber zu machen, welche Positionen zu diesem Thema vertreten werden. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengefasst und bewertet.
Selbst die Pfarrer der katholischen Kirche sehen mittlerweile ein größeres Problem in dieser Problematik der wiederverheirateten Menschen. Sie versuchen die Bischöfe und den Papst dazu zu bewegen, veraltete oder bestehende Richtlinien an die neue, man könnte auch sagen, lebensnähere Situation, anzupassen. Die Richtlinien der katholischen Kirche sind eigentlich sehr klar: Wiederheirat ist Sünde, sie wird als andauernder, sündhafter Zustand gesehen, aus diesem Grund kann sie nicht vergeben werden. Nun ist die Frage, wie soll in der Praxis damit umgegangen werden. Diese Diskussion läuft derzeit immer noch und es ist noch keine Lösung gefunden worden. Zumindest in der katholischen Konfession.
Freikirchen stehen vor ähnlichen Problemen. Auch diese diskutieren in verschiedenen Gremien, wie mit solchen Menschen umgegangen werden kann. Das Thema bewegt mich aber auch ganz besonders, da ich selbst betroffen bin. Diese Betroffenheit, erfordert es für mich, das Thema in dieser Arbeit aufzuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BIBLISCHER BEFUND
2.1 Unter welchen Umständen ist Scheidung gerechtfertigt?
2.2 Ist eine Wiederheirat möglich?
2.3 Wer darf in der Gemeinde dienen?
2.3.1 Dienste im Allgemeinen?
2.3.2 Dienst als Ältester Pastor oder Diakon?
3 UNTERSCHIEDLICHE AUSLEGUNGEN IM GEMEINDEKONTEXT
3.1 Die buchstäbliche Auslegung
3.2 Die wörtliche Auslegung
3.3 Die sinnbildliche Auslegung
3.4 Aus seelsorgerlicher Sicht
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die biblische Grundlage zur Ehescheidung und Wiederheirat zu untersuchen und zu erörtern, ob betroffene Personen in der Gemeinde dienen dürfen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie christliche Gemeinden seelsorgerlich und theologisch verantwortungsvoll mit geschiedenen und wiederverheirateten Gemeindemitgliedern umgehen können, ohne Gottes Ordnung für die Ehe zu missachten.
- Biblische Exegese zu Scheidung und Wiederheirat
- Kriterien für den Dienst in der Gemeinde
- Differenzierung der Ämter (Ältester, Pastor, Diakon)
- Analyse verschiedener theologischer Auslegungstraditionen
- Seelsorgerlicher Umgang mit Scheidung und Neuanfang
Auszug aus dem Buch
2.3 Wer darf in der Gemeinde dienen?
Die Frage, wer in der Gemeinde dienen darf stellt sich eigentlich nicht. Denn wenn wir den Römerbrief 6,19 lesen, so sehen wir, Paulus fordert jeden auf zu dienen. In dem Vers heißt es: „… so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werde.“ Der Dienst an der Gerechtigkeit ermöglicht uns in der Heiligung zu wachsen. Das heißt für uns, jeder der zum Glauben kommt ist dazu aufgefordert Dienste in der Gemeinde durchzuführen. Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt uns in Kapitel 6,10, dass Gott keinen noch so kleinen Dienst vergessen wird, und lobt seine Leser für die schon geleisteten Dienste, und die Dienste die sie im Moment tun. Er ermutigt uns in dem Kapitel unsere Dienste in der Gemeinde treu und zuverlässig durchzuführen.
Es stellt sich nun die Frage welche Dienste das sind. In meinem nächsten Abschnitt werde ich verschiedene Dienste vorstellen. Sie sollen uns aber immer nur als Beispiele dienen. Denn selbst, wenn ich es versuchen würde, könnte ich nie alle Dienste vorstellen, die es in einer christlichen Gemeinde gibt. Deswegen beschränke ich mich auf die Ämter und Dienste sowie Gaben, die wir in der Bibel finden.
Doch bevor wir damit beginnen möchte ich Jesu Wort aus Matthäus 23,11 zitieren: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“ Dieser kleine Satz von Jesus, zeigt uns, dass alle Dienste nach denen wir streben uns immer zu Dienern der anderen innerhalb und außerhalb der Gemeinde machen. Paulus beschreibt in der Apostelgeschichte 20,19 seinen Dienst so: „Wie ich dem Herrn gedient habe in aller Demut und mit Tränen und unter Anfechtungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfahren sind.“ An diesem kurzen Abschnitt können wir schon erkennen was die Hauptmerkmale seines Dienstes waren: es ist die Demut. Auch sehen wir, der Dienst ist nicht immer leicht gewesen, er vergoss Tränen, wurde verfolgt durch seine eigenen Landsleute. So kann es auch immer wieder zu Anfechtungen, Zweifeln und Anfeindungen kommen, wenn wir unseren Dienst für den Herrn ernst nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Der Autor führt in die Problematik von Scheidung und Wiederheirat in der heutigen Gesellschaft und den Kirchen ein und erläutert seine persönliche Motivation sowie das Ziel der Arbeit.
2 BIBLISCHER BEFUND: Dieses Kapitel untersucht die biblischen Aussagen zu Scheidung und Wiederheirat sowie die biblischen Voraussetzungen für Dienste in der Gemeinde.
3 UNTERSCHIEDLICHE AUSLEGUNGEN IM GEMEINDEKONTEXT: Hier werden vier verschiedene hermeneutische Ansätze (buchstäblich, wörtlich, sinnbildlich, seelsorgerlich) hinsichtlich ihrer Position zu Scheidung und Gemeinde-Dienst gegenübergestellt.
4 FAZIT: Der Autor fasst seine Ergebnisse zusammen und betont, dass die Vergebung durch das Kreuz Jesu eine zentrale Rolle beim Umgang mit Scheidung und bei der Zulassung zum Dienst in der Gemeinde spielt.
Schlüsselwörter
Scheidung, Wiederheirat, Gemeinde-Dienst, Biblische Exegese, Ehe, Ältester, Pastor, Diakon, Vergebung, Seelsorge, Herzenshärte, Gnade, Neutestamentliche Ämter, Christlicher Glaube, Biblische Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen und praktischen Frage, wie christliche Gemeinden mit geschiedenen und wiederverheirateten Männern und Frauen umgehen sollen, insbesondere im Hinblick auf deren Eignung für einen Dienst in der Gemeinde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die biblischen Grundlagen zur Ehe, die verschiedenen theologischen Deutungen von Ehescheidung und Wiederheirat sowie die Anforderungskriterien für geistliche Leitungsämter wie Älteste oder Diakone.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob geschiedene und wiederverheiratete Personen aufgrund ihres Lebenswegs pauschal von geistlichen Ämtern ausgeschlossen sind oder ob durch Gnade und Vergebung ein Neuanfang möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet die Methode der biblischen Exegese und hermeneutischen Analyse, indem er einschlägige Bibelstellen untersucht und mit theologischen Kommentaren und Literatur vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst biblische Texte zur Ehe analysiert, dann die Qualifikationskriterien für Ämter erläutert und abschließend vier verschiedene Auslegungspositionen aus dem evangelikalen Gemeindekontext dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Scheidung, Wiederheirat, geistlicher Dienst, Vergebung, biblische Eheordnung und seelsorgerlicher Umgang mit Lebenskrisen.
Gibt es einen Unterschied zwischen der Eignung für Diakone und Pastoren?
Ja, der Autor stellt fest, dass bei Diakonen/Diakonissen flexiblere Kriterien gelten können, während bei Ältesten/Pastoren striktere Anforderungen, wie z.B. das Prinzip „Mann einer Frau“, aus den Pastoralbriefen diskutiert werden.
Wie bewertet der Autor die biblische Anweisung "Mann einer Frau"?
Der Autor interpretiert dies primär im Sinne moralischer Loyalität und untadeligen Zeugnisses, wobei er betont, dass eine vergangene Scheidung vor der Bekehrung oder nach aufrichtiger Buße kein Ausschlusskriterium sein muss.
Warum spielt die seelsorgerliche Sicht eine besondere Rolle?
Sie adressiert Grenzfälle, die in der Bibel nicht explizit genannt werden, wie z.B. häusliche Gewalt oder Machtmissbrauch, und plädiert dafür, bei der Anwendung biblischer Prinzipien immer den Einzelfall und das Angebot der Gnade zu berücksichtigen.
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- Stephan Langenfeld (Author), 2018, Die Bewertung von Ehescheidung und Wiederheirat im Christentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490232