Inszenierung städtischer Räume. Eine geographische Untersuchung am Beispiel des Kölner Rheinauhafens


Bachelorarbeit, 2018
76 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Theoretische Grundlagen zur Inszenierung städtischer Räume
2.1 Städtischer Raum
2.2 Inszenierung
2.2.1 Begriff
2.2.2 Verhältnis zum städtischen Raum
2.2.3 Hintergründe
2.2.4 Merkmale

3.Methodik der geographischen Untersuchung
3.1 Räumliche Analyse zur Inszenierung des Kölner Rheinauhafens
3.2 Medienanalyse
3.2.1 Zeitungsartikel aus dem Kölner Stadtanzeiger
3.2.2 Internetpräsenz der Rheinauhafenverwaltungsgesellschaft

4.Das Untersuchungsgebiet: Der Kölner Rheinauhafen
4.1 Lage und Eckdaten
4.2 Historischer Abriss
4.3 Umstrukturierung

5.Räumliche Analyse des Kölner Rheinauhafens als Beispiel für die Inszenierung städtischer Räume
5.1 Analyse
5.2 Ergebnis

6.Medienanalyse zur Inszenierung des Kölner Rheinauhafens
6.1 Untersuchung der Zeitungsartikel aus dem Kölner Stadtanzeiger
6.2 Untersuchung der Internetpräsenz der Rheinauhafenverwaltungs- gesellschaft

7.Fazit

8.Literaturverzeichnis

9.Abbildungsverzeichnis

10.Tabellenverzeichnis

11.Abkürzungsverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In diesem Jahr feiert der Kölner Rheinauhafen seinen 120. Geburtstag. Dabei ist er in seiner Geschichte keineswegs unverändert geblieben, sondern hat sich in den letzten Jahren sowohl physiognomisch als auch funktional gewandelt. Aus einem ehemals bedeutenden Industriehafen hat sich für die Stadt Köln heute ein modernes Dienstleistungsviertel mit ästhetischer Architektur herausgebildet. So wird der Rheinauhafen aufgrund seiner historischen restaurierten Gebäude sowie besonders durch seine neu gebauten, architektonisch auffälligen und ansprechenden Kranhäuser, neben dem Kölner Dom, als ein weiteres Wahrzeichen der Stadt gehandelt. So schreibt die New York Times in ihrem Ranking ‚The 44 Places to Go in 2009‘:

„For nearly 130 years, Cologne’s skyline has been defined by its cathedral, a Gothic masterpiece that once ranked as the world’s tallest building. So perhaps it’s no surprise that modern architects are having field day at Rheinauhafen, a former dockyard along the Rhine being reclaimed for public use. The architectural playground includes glass-box bistros like Kap am Südkai, the soon-to-open art’otel and galleries like Werft 11. The centerpiece is a trio of glass towers shaped like harbor cranes – thus its name Kranhäuser, or crane houses – that is a fitting symbol of the city new, liveable waterfront.“

Solche Veränderungen der Städte bzw. der städtischen Räume sind in den letzten Jahren auf fast allen Teilen der Erde erkennbar. So werden heute vielerorts Flächen revitalisiert, die insbesondere einem Ziel folgen: Diesen städtischen Raum, vor allem medial, in Szene zu setzen, um so die globale Aufmerksamkeit auf diese Stadt zu lenken. Dabei haben GERHARD und SCHMID (2009) Leitthemen ausgemacht, an denen sich die Inszenierung städtischer Räume orientiert. Ihr Aufsatz kann als Inspiration zu der vorliegenden Arbeit angesehen werden.

Im Bereich der Stadtgeographie tauchen in der Literatur zwar immer wieder Hinweise zur Inszenierung von städtischen Räumen auf, doch meist werden im Kern die hintergründigen Prozesse der aktuellen Stadtentwicklung beleuchtet. Die wenigsten Autoren widmen sich ganz explizit dem Thema der Inszenierung. Um dem zu begegnen, steht diese Arbeit unter dem Thema:

Inszenierung städtischer Räume – eine geographische Untersuchung am Beispiel des Kölner Rheinauhafens

Ausgehend von diesen einleitenden Beobachtungen soll in dieser Arbeit die Inszenierung städtischer Räume am Beispiel des Kölner Rheinauhafens in den Fokus genommen und folgende Forschungsfrage bzw. Forschungsfragen beantwortet werden:

Inwiefern stellt der heutige Kölner Rheinauhafen ein Beispiel für die Inszenierung städtischer Räume dar und wie wird er medial inszeniert?

Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage bzw. Forschungsfragen, mit den sich aus ihr ergebenen Unterfragen, liegt der vorliegenden Arbeit folgender Aufbau zugrunde:

Zunächst werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit die theoretischen Grundlagen zur Inszenierung städtischer Räume erläutert. Dabei wird erst einmal die Frage ‚ Was ist ein ‚städtischer Raum‘? ‘ beantwortet (Kap. 2.1). Dann folgt die Darstellung des Kernthemas ‚die Inszenierung‘ in Kap. 2.2. Hier wird sich den Fragen ‚ Was bedeutet Inszenierung? ‘ (Kap. 2.2.1), ‚ Was bedeutet sie in Bezug auf städtische Räume? ‘ (Kap. 2.2.2), ‚ Welche (Hinter-)Gründe zur Inszenierung des städtischen Raum gibt es? ‘ (Kap. 2.2.3) und ‚ Welche Merkmale stehen für die Inszenierung eines städtischen Raumes? ‘ (Kap. 2.2.4) gewidmet werden.

Danach wird im dritten Kapitel die Methodik bzw. das Forschungsdesign der vorliegenden Arbeit dargestellt. Es wird also die Frage beantwortet: ‚ Welches methodische Vorgehen liegt der Untersuchung zugrunde? ‘. Dabei wird die räumliche Analyse (Kap 3.1) und die Medienanalyse (Kap 3.2) erläutert Mit dem vierten Kapitel startet die Untersuchung. Hierzu wird in diesem Kapitel der Kölner Rheinauhafen als Untersuchungsgebiet vorgestellt, um der Frage ‚ Welcher Raum wird untersucht? ‘ Rechnung zu tragen. Es hierbei auf die Lage und Eckdaten (Kap. 4.1), die Geschichte (Kap. 4.2) und die Umstrukturierung (Kap. 4.3) des Rheinauhafens eingegangen.

Das fünfte Kapitel dient im Rahmen der räumlichen Analyse zur Inszenierung des Kölner Rheinauhafens dem Vergleich von Theorie und Raum. Es geht dabei um die Frage: ‚ Inwiefern stellt der heutige Kölner Rheinauhafen ein Beispiel für die Inszenierung städtischer Räume dar?

Dann folgt im sechsten Kapitel die Medienanalyse, um die Frage ‚Wie wird der Kölner Rheinauhafen medial inszeniert? ‘ zu beantworten. Dazu werden die Ergebnisse einer Analyse von Zeitungsartikeln aus dem Kölner Stadtanzeiger (Kap. 6.1) und die Ergebnisse einer Analyse der Internetpräsenz der Rheinauhafen- verwaltungsgesellschaft mbH (Kap 6.2) dargestellt.

Abschließend werden im Fazit (Kap. 7) die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst, in Verbindung zueinander gesetzt und die Forschungsfrage beantwortet.

Am Ende der Arbeit gibt es einen Anhang, in dem sich u.a. Materialien zur Untersuchung befinden.

2. Theoretische Grundlagen zur Inszenierung städtischer Räume

In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen und Hintergründe zur Inszenierung städtischer Räume dargestellt. Zunächst richtet sich der Blick auf das Verständnis von ‚städtischem Raum‘ bzw. ‚Stadt‘. Danach wird das komplexe Kernthema dieser Arbeit, nämlich die ‚Inszenierung‘ in Bezug auf städtische Räume, beleuchtet.

2.1 Städtischer Raum

So vielfältig und verschieden die unterschiedlichen ‚städtischen Räume‘ bzw. ‚Städte‘ weltweit sind, so vielfältig und verschieden sind auch ihre Definitionen. Es ist also schwierig, von ‚dem städtischen Raum‘ bzw. von ‚der Stadt‘ zu sprechen. In der Stadtgeographie unterscheidet man zur Annäherung verschiedene Stadtbegriffe1, die verschiedene Anforderungen an eine Siedlung oder an einen Raum stellen, um als Stadt zu gelten (vgl. HEINEBERG 2017: 26 – 28). Hervorzuheben ist hierbei der sogenannte ‚geographische Stadtbegriff‘, der „quantitative und qualitative Bestimmungskriterien“2 (ebd.: 27) umfasst und so, merkmalsbezogen, eine Siedlung oder einen Raum als einen ‚städtischen Raum‘ bzw. eine ‚Stadt‘ definiert. Er zeichnet sich besonders durch seine Dynamik, d. h. Veränderung mit der Zeit, aus (vgl. ebd.).

Demnach fassen BASTEN und GERHARD (2016: 116) unter einem ‚städtischen Raum‘ bzw. einer ‚Stadt‘:

„Geographinnen und Geographen verstehen unter einer Stadt im Allgemeinen eine Siedlung, in der eine größere Zahl von Menschen auf recht engem Raum lebt, was dichte Wohn-, Bau- und Ortsformen bedingt (z.B. Mehrfamilienhäuser, Großwohnsiedlungen). Städte sind zudem Zentren der Wirtschaft und des Handels und somit auch Knotenpunkte des Verkehrs, weshalb sie von großer Bedeutung auch für Menschen sind, die außerhalb des Stadtgebiets leben – Geographinnen und Geographen sprechen diesbezüglich von Bedeutungsüberschuss oder Zentralität.“

In Verbindung mit diesen mehr oder weniger messbaren Faktoren tritt – insbesondere vor dem Hintergrund und Thema dieser Arbeit – der Begriff der ‚Urbanität‘. Darunter werden die für eine Stadt typischen „Wirtschafts-, Umgangs- und Lebensformen“ (ebd.) verstanden, die sich aus der Konstellation des ‚städtischen Raums‘ bzw. ‚der Stadt‘ (s.o.) selbst ergeben (vgl. WIRTH 1938 nach BASTEN & GERHARD 2016: 116). Dieser ‚way of life‘ – auch oft in Verbindung mit dem Adjektiv ‚städtisch‘ gebracht – sei aber nicht unbedingt an die Stadt gebunden, sondern bestimmt das soziale Leben über die Stadtgrenzen, u.a. durch Wanderungsprozesse, hinaus (vgl. WIRTH 1938 nach HELBRECHT 2013: 170 f.)3. Genau dieser Lebensstil ist es, der heute im Trend liegt, wodurch auch die Stadtentwicklung maßgeblich beeinflusst wird (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 120). Dies wird „verkörpert durch Altbauflair, Loft Living, Wohnen am Wasser sowie die Nähe zu zentral gelegenen Kultureinrichtungen und Arbeitsplätzen. […] Stadtplanung und Immobilienwirtschaft haben diese Konsumtrends aufgegriffen und die ökonomische Bedeutung von Urbanität und Zentralität erkannt. Sie vermarkten innerstädtische Projekte mithilfe von Inszenierungsstrategien […].“ (ebd., dazu sogleich mehr in Kap. 2.2)

‚Städtische Räume‘ bzw. ‚Städte‘ lassen sich also heute mit den Begriffen Heterogenität, Zentralität und Urbanität umschreiben (vgl. ebd.: 116), wobei anzumerken bleibt, dass es keine eindeutige Definition gibt und die Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Kriterien fließend sind.

2.2 Inszenierung

Das Verhältnis von Stadt, Urbanität und Inszenierung ist bereits im vorangegangen Abschnitt kurz angeklungen (s.o.). So taucht auch der Begriff der ‚Inszenierung‘ (oder auch das Verb ‚inszenieren‘) in den letzten Jahren häufiger in geographischen Publikationen zur Beschreibung aktueller Entwicklungsprozesse der Städte bzw. städtischer Räume auf, bleibt aber dabei leider selbst oft undefiniert bzw. wird nicht näher erläutert.4 Man bleibt mit einem alltäglichen Verständnis von ‚Inszenierung‘ zurück und fragt sich: ‚Was ist denn diese Inszenierung überhaupt?‘ Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, geht diese Arbeit in diesem Teilkapitel auf den Begriff der ‚Inszenierung‘, seinem Bezug zum städtischen Raum und den damit in Verbindung stehenden Hintergründe, Gründe und Merkmale für ‚Inszenierung‘ ein. An dieser Stelle soll bereits gesagt werden, dass die vorliegende Arbeit, aufgrund der weitreichenden Hintergründe und der Komplexität des Themas, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

2.2.1 Begriff

Das alltagssprachliche Verständnis des Begriffs ‚Inszenierung‘, wovon sich auch das Verb ‚inszenieren‘ ableitet, wird oft verwendet, um auszudrücken, dass etwas ‚in einer bestimmen Weise‘ passiert (vgl. DUDENREDAKTION o. J. a). Dabei ist er auch oft negativ konnotiert (vgl. ebd.), beispielsweise in der Aussage ‚ Das ist doch alles nur inszeniert. ‘, im Zusammenhang mit einem Skandal oder im Sinne von ‚ Das ist doch extra so dargestellt (worden).‘

Neben dieser Verwendung im Alltag wird der Begriff vor allem im Bereich des Theaters verwendet, wo die ‚Inszenierung‘ auch ihren Ursprung hat (vgl. FISCHER- LICHTE 1998: 82). Der Begriff wurde im frühen 19. Jahrhundert ins Deutsche übernommen (vgl. ebd.). Er stammt aus dem Französischen von ‚la mise en scène‘, zu Deutsch ‚Setzung in die Szene‘ (vgl. LEWALD 1837: 251 f. nach FISCHER-LICHTE 1998: 82). LEWALD (1837: 307 nach FISCHER-LICHTE 1998: 82) definiert: „‚In die Szene setzen‘ heißt, ein dramatisches Werk vollständig zur Anschauung zu bringen, um durch äußere Mittel die Intention des Dichters zu ergänzen und die Wirkung des Dramas zu verstärken.“ Diese Aufgabe wird im Theater vom Regisseur übernommen und stellt seit dem frühen 20. Jahrhundert eine eigene Kunstform dar (vgl. FISCHER-LICHTE 1998: 83 f.).

‚Inszenierung‘ ist aber nicht nur ein Begriff des Theaters, sondern stellt auch einen ästhetischen Begriff für „die Bereiche Stadt- und Landschaftsplanung, Design, Mode, Kosmetik, Werbung etc.“ (ebd.: 87) dar. Dabei nimmt in diesem Zusammenhang die Wahrnehmung der ‚Inszenierung‘ eine zentrale Rolle ein:

„Während für Theaterinszenierungen gilt, daß [sic!] sie eben unter der Bedingung zu wirken vermögen, daß [sic!] sie auch stets als Inszenierung wahrgenommen werden, gilt diese Prämisse keineswegs für andere Arten von Inszenierungen. Wenn ein Spaziergänger einen englischen Garten […] als ‚natürlich‘ empfinde[t], so [hat er die] Landschaft und [das] Verhalten wohl den Inszenierungsstrategien entsprechend wahrgenommen, jedoch nicht als Inszenierung. D.h. die Inszenierung vermag hier gerade deshalb zu wirken, weil sie nicht als solche wahrgenommen wird. Daneben gibt es im sozialen Leben eine Fülle von Situationen, in denen die Inszenierung eines Environments, einer Erscheinung, eines Verhaltens durchaus als solche wahrgenommen und bewundert werden soll, ohne dadurch an Wirkung einzubüßen; vielfach vermag sie gerade erst unter dieser Bedingung ihre Wirkung voll zu entfalten.“ (ebd.)

An diesem Zitat wird deutlich, dass man sich beim Gang ins Theater in der Regel darüber bewusst ist, dass das dort Dargestellte in irgendeiner Form inszeniert ist. An öffentlichen, alltäglichen Orten, an denen man sich über eine etwaige ‚Inszenierung‘ nicht unbedingt im Klaren ist, entfaltet die ‚Inszenierung‘ auch ihre Wirkung. Es spielt eben eine untergeordnete Rolle, ob man die ‚Inszenierung‘ als solches wahrnimmt oder eben nicht.

Daraus kann man meines Erachtens nach – auch für einen städtischen Raum – ableiten, dass es zur ‚Inszenierung‘ jemanden braucht der inszeniert und jemanden braucht der diese, bewusst oder unbewusst, wahrnimmt, um eben die Wirkung bzw. den gewollten Effekt (beispielsweise ein ‚gutes Image‘) des Inszenierenden (der Künstler, der Architekt) am Inszenierten (das Objekt, der Raum) zu erzielen. Darüber hinaus wird der Begriff der ‚Inszenierung‘ seit den 1980er Jahren verstärkt im Zusammenhang mit dem Terminus der ‚Inszenierungsgesellschaft‘ in den Kulturwissenschaften (und damit auch in der Kulturgeographie) verwendet (vgl. STING 2012). So ist heute allgemein „eine Kultur der Inszenierung […] oder auch […] eine Inszenierung der Kultur“ (FISCHER-LICHTE 1998: 88) beobachtbar, denn „[i]n allen gesellschaftlichen Bereichen wetteifern einzelne und gesellschaftliche Gruppen in der ‚Kunst‘, sich selbst und ihre Lebenswellt wirkungsvoll in Szene zu setzen.“ (ebd., zum Verhältnis zum städtischen Raum sogleich) Damit wird die ‚Inszenierung‘ zu einem Schlüsselbegriff des 21. Jahrhunderts, der nicht zuletzt durch die (sozialen) Medien neue Dimensionen erlangt5 (vgl. STING 2012, auch FISCHER-LICHTE 1998: 89).

2.2.2 Verhältnis zum städtischen Raum

Wie bereits oben erwähnt, nimmt die ‚Inszenierung‘ zunehmend die reale Lebenswelt und damit u.a. den städtischen Raum ein. So formuliert FISCHER- LICHTE (1998: 88) in diesem Bezug:

„Stadtplanung, Architektur und Design inszenieren unsere Umwelt als kulissenartige ‚Environments‘, in denen mit wechselnden ‚Outfits‘ kostümierte Individuen und Gruppen sich selbst und ihren eigenen ‚Lifestyle‘ mit dem Effekt zur Schau stellen. Einkaufen wird hier zum Shopping-Erlebnis, bei dem Käufer sich als Akteur durch die verschiedenen Szenerien bewegt, die geschickte Marketing-Strategien entworfen haben. Man konsumiert nicht nur, sondern stellt den Konsum zugleich aus und dar.“

Diese Aussage lässt an die in Kap. 2.1 gemachten Ausführungen zur ‚Urbanität‘ als Lebensstil mit seinen spezifischen Konsumtrends erinnern. So wurde dort bereits festgehalten, dass diese innerstädtischen Projekte oder – wie hier bezeichneten – kulissenartigen ‚Environments‘ spezifischen Inszenierungsstrategien folgen. Diese orientieren sich an vier ‚Leitthemen‘ (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 120), die von GERHARD & SCHMID (2009) in einem Aufsatz herausgearbeitet worden, die ein wichtiges Analyseinstrument darstellen. Sie bilden dabei „den thematischen Rahmen für die Inszenierung“ und ziehen „nicht selten eine umfangreiche Neugestaltung von innerstädtischen Quartieren, Uferpromenaden oder Parkanlagen nach sich […].“ (ebd.: 312). Man unterscheidet erstens die ‚Festivalisierung‘, zweitens die ‚Historisierung‘, drittens ‚Kulturalisierung‘ und viertens die ‚Globalisierung‘ (vgl. ebd.: 314 – 319, überblicksartig mit Beispielen in Abb. 1). Diese sollen hier im Folgenden kurz erläutert werden.

Bei der ‚Festivalisierung‘ geht es um die Orientierung am Erlebnis, die sich in Veranstaltungen (z.B. Märkte oder Sportevents) und Shopping-Centern realisiert (vgl. ebd.: 314 f.). Als Merkmal gilt hierbei die „Verschmelzung von Stadt und Konsum, da der öffentliche Raum selbst zum Konsumort wird“. (ebd.: 315). Es wird eine „Gleichsetzung von Urbanität mit Verzehr, Verkauf und Vergnügen“ (ebd.) angestrebt, wobei insbesondere der Konsument in die Gruppe der Adressaten fällt (vgl. ebd.).

Die ‚Historisierung‘ umfasst zum einen die Revitalisierung von brachgefallenen Industriearealen (vor allem Hafenflächen), zum anderen den Neuentwurf von Stadtvierteln, wobei sich oft an Themen und Baustilen der Vergangenheit angelehnt wird (vgl. ebd.: 316). „Hierbei schwingt eine Verklärung und Idealisierung der Vergangenheit mit, da Urbanität vornehmlich mit den Lebensverhältnissen vergangener Epochen assoziiert und unkritisch in die Jetztzeit projiziert wird.“ (SCHROER 2005 nach GERHARD & SCHMID 2009: 316) Man setzt dabei auf einen symbolhaften Charakter und orientiert sich damit an konsumfreudige Urbaniten mit überdurchschnittlichen Einkommen (vgl. GERHARD & SCHMID 2009: 316, auch BASTEN & SCHMID 2016: 120).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 – Übersicht zu den Leitthemen städtischer Inszenierung (Quelle: GERHARD & SCHMID2009, verändert nach BASTEN& GERHARD2016)

Das Leitthema der ‚Kulturalisierung‘ steht im Zeichen der zunehmenden Bedeutung von Kultur in der Gesellschaft und beeinflusst damit auch die vorangegangenen Leitbilder, wobei hier jedoch der Fokus auf Kulturinstitutionen liegt (vgl. GERHARD & SCHMID 2009: 316). „Durch prestigeträchtige Bauwerke und Kultureinrichtungen soll die Stadt baulich aufgewertet und ihr Bekanntheitsgrad erhöht werden.“ (ebd.) Die Stadt soll zum „sinnlichen Erlebnis“ (ebd.) werden, wobei hier besonders bildungsnahe Personen angesprochen werden sollen (vgl. ebd.: 317). In diesen Bereich fällt auch die Inszenierung durch Beleuchtung von Gebäuden, die „dramaturgisch in Szene gesetzt“ (ebd.: 318) werden.

Die ‚Globalisierung‘ stellt auch ein Leitthema der Inszenierung städtischer Räume dar. Als zentrales Leitbild der hier dargestellten, hat sie maßgeblichen Einfluss auf die vorherigen (vgl. ebd.). Es geht hierbei um den globalen Wettbewerb der Städte untereinander, dem Ringen um Aufmerksamkeit (vgl. ebd.). Damit sollen vor allem Investoren, Touristen und qualifizierte Arbeitskräfte aus dem wissensintensiven Dienstleistungssektor herangezogen werden (vgl. ebd.). Dies geschieht vor allem durch „spektakuläre Architektur“ (ebd.), sog. Starchitecture, mit ihren Flagship- Gebäuden, die eine Strahlkraft aufweisen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus geht (vgl. ebd.). Sie lassen sich sowohl in großen und in kleinen Städten in Form von einzelnen Gebäuden oder auch ganzen Stadtteilen finden (vgl. ebd.: 318 f.). Auffallend sind sie dabei „durch ihre Andersartigkeit [, die] häufig als Fremdkörper im Stadtbild wahrgenommen werden.“6 Dabei geht die lokale Identität verloren, da sich diese Bestrebungen der Stadtentwicklung an die Global Player und an die Einkommensstarken orientiert, wobei die Einheimischen und Einkommensschwachen vergessen, ausgeschlossen oder verdrängt werden (vgl. ebd.: 319).

Dies sind also die Leitthemen, die – in Bezug auf die Inszenierung städtischer Räume – heutige Stadtentwicklung und -planung maßgeblich bestimmen. Insbesondere das letztgenannte Leitthema stellt dabei im Zusammenhang des ökonomischen Wandels selbst einen wichtigen Hintergrund für die Inszenierung städtischer Räume dar. Weitere Ausführungen dazu gleich in Kap. 2.2.3.

Im Zusammenhang mit dem Begriff der ‚Kunststadt‘ hat Bernadette FÜLSCHER in ihrem gleichnamigen Aufsatz vier verschiedene Formen der Inszenierung von städtischen Räumen seit dem 17. Jahrhundert herausgearbeitet:

„1. Inszenierungen städtischer Elemente, die effektvoll hervorgehoben werden (eine effektvolle Präsentation mit neuer Bedeutung);
2. Inszenierungen städtischer Räume, die gezielt ein ‚Image‘ oder eine ‚Story‘ übersetzen (eine Übertragung eines Inhalts in eine neue Form),
3. Inszenierungen städtischer Räume, die formal und inhaltlich einen anderen Raum simulieren (eine Simulation);
4. Inszenierungen städtischer Räume, die Teil einer gezielt angelegten, neuen künstlichen Realität sind, welche nur noch locker und assoziativ mit einer inhaltlichen Bedeutung verbunden ist (eine künstliche Konstruktion ohne Vorlage).“7 (FÜLSCHER 2012: 150)

Diese chronologisch geordneten Formen bzw. Begriffe der Inszenierung existieren nebeneinander und ergänzen sich jeweils (vgl. ebd.). FÜLSCHER (vgl. ebd.: 148 f.) nimmt hierbei insbesondere Bezug auf die ‚Simulakrumtheorie‘8 des französischen Philosophen Jean BAUDRILLARD. Danach versuche die heutige Gesellschaft ihre Realität – und damit ihren (städtischen) Lebensraum – selbst zu schaffen, wobei die Bedeutung von realen religiös geprägten Vorbildern (‚réalité profonde‘) immer mehr abnehme und die Simulation so zunehme (vgl. ebd.). In der Folge komme es im Laufe der Zeit zu einer Simulation der Simulation, also die Schaffung von ‚Simulakren‘ und ‚Hyperrealität‘9 (vgl. ebd.).

Zusammen mit den oben vorgestellten Leitthemen städtischer Inszenierung sind die Formen von Inszenierung ein Instrument, um die Inszenierung städtischer Räume beschreibbar bzw. greifbar zu machen. Die Stadt wird – um im ursprünglichen Sinne von ‚Inszenierung‘ zu sprechen (s.o.) – zur Bühne, in der die Entscheidungsträger der Stadtplanung als Regisseur, zusammen mit den Architekten als Bühnenbildner und den Investoren als Schauspieler, den Raum für ein zahlungskräftiges Publikum ‚in Szene setzen‘ (vgl. REUSCHENBACH 2013).

2.2.3 Hintergründe

Die oben beschriebene Inszenierung städtischer Räume fußt auf einem breiten Theorierahmen (vgl. BASTEN 2009: 5). Dabei liegen ihr eine Vielzahl unterschiedlicher Prozesse zugrunde, die sich gegenseitig bedingen und einander wechselseitig beeinflussen. Um der daraus resultierenden Komplexität des Themas Herr zu werden, kann man die Prozesse folgendermaßen ordnen bzw. zusammenfassen:

1. Der ‚ökonomische Wandel‘ mit der ‚Reurbanisierung‘ im Sinne der ‚Globalisierung‘ und der ‚Neoliberalisierung‘,
2. die damit verknüpfte Idee der ‚Postmoderne‘ und
3. die Bedeutungszunahme von Kultur in der Humangeographie, den sog. ‚cultural turn‘.

Diese Prozesse werden im Folgenden kurz erläutert. Es ist hierbei zu beachten – wie bereits oben gesagt –, dass diese Darstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Der ökonomische Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hat zu einer deutlichen Deindustrialisierung geführt (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 129). Betroffen sind davon besonders innenstadtnahe Industrieflächen, insbesondere Hafenareale, die durch die Verlagerung in die Peripherie brachgefallen sind (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 129, ALTROCK 2012: 181). Diese Brachflächen „stehen nun für Wohn-, Freizeit- und Versorgungsnutzungen zur Verfügung“ (BASTEN & GERHARD 2016: 120) – sie sind die Orte der Reurbanisierung10.

Die Reurbanisierung orientiert sich dabei an den Bestrebungen der Globalisierung und der Neoliberalisierung bzw. der „neoliberalen Globalisierung“ (HEEG & ROSOL 2007: 492, auch GERHARD 2017: 146). Die Neoliberalisierung beschreibt dabei „einen [seit den 1970er Jahren] tief greifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess, in dem mehr und mehr Entscheidungen einer ‚rein‘ ökonomischen Logik unterworfen werden, nach der Alternativen ausschließlich nach Kriterien der Effizienz und Leistung und über den Maßstab des Preises bewertet werden.“ (BASTEN & GERHARD 2016: 131)

Städte stehen so, unter diesen ökonomischen Gesichtspunkten, in einem globalen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit (vgl. SCHMID 2007: 289, 293 f., GERHARD 2012: 54 f.), vor allem von Investoren, Global Playern, Konsumenten und Touristen (vgl. ALTROCK 2012: 191 f., BASTEN 2009: 5, HEEG & ROSOL 2007: 493). BASTEN und GERHARD (2016: 131) formulieren dazu eindrücklich:

„Die dominant ökonomistische Orientierung der Stadtentwicklungspolitik zeigt sich auch in der weitverbreiteten Wahrnehmung, dass die Städte untereinander in einem ökonomischen – und globalen – Wettbewerb stehen, der nicht zu hinterfragen oder gar zu bekämpfen ist, sondern in dem es zu bestehen gilt. Dies führt zur Ausrichtung des Stadtumbaus auf die Bedürfnisse der Erfolgreichen und Kreativen […], was sich insbesondere in den Großstädten und Metropolregionen beobachten lässt.“

Diese Aufmerksamkeit wird vor allem durch die Inszenierung städtischer Räume mit ihren Leitthemen (s.o.) hervorgerufen (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 120 f., HEEG & ROSOL 2007: 494 f.). Dabei ist es vor allem die besondere Architektur bzw. sind es die „imageträchtige[n] Leuchtturmprojekte“ (BASTEN & GERHARD 2016 131), die einen städtischen Raum, insbesondere medial (vgl. BASTEN 2009: 5), in Szene setzen.

Diese Projekte werden im Zuge der Neoliberalisierung weniger durch die öffentliche Hand finanziert, als durch private Investoren. So bilden sich sog. Public- Private-Partnerships (PPP) heraus, die nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten gesteuert werden. Dabei werden auch Gesellschaften gegründet, die in ganzen Stadtvierteln dieses Revitalisierungsvorhaben planen und durchführen, dabei aber weitestgehend keiner staatlichen Kontrolle unterzogen sind (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 131, GERHARD & SCHMID 2009: 312). Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Privatisierung oder ‚urban governance‘ (vgl. BASTEN & GERHARD 2016: 127, GERHARD 2012: 54 f., HEEG & ROSOL 2007: 493 f., MAYER 2013: 159), da „staatliche Kompetenzen und Aufgaben an private und semi- staatliche Akteure übertragen werden.“ (SCHMID 2007: 290, ähnlich GERHARD & SCHMID 2009: 311 f.) Städtische Räume werden so zu „Zitadellen der Eliten“ (MAYER 2013: 160).

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass zunehmend die sog. ‚weichen Standortfaktoren‘, vor allem das Image, neben den ‚harten Standortfaktoren‘ bei diesen Prozessen eine zentrale Bedeutung einnehmen (vgl. BASTEN 2009: 5 f., HELBRECHT 2001: 214, 220 f.).

Diese Entwicklungen sind eng verknüpft mit der Idee der Postmoderne, denn Kennzeichen einer postmodernen Stadtentwicklung sind vor allem „hochgradig spektakuläre Zentren“ (WOOD 2011: 899, WOOD 2003: 135), wie sie die Räume städtischer Inszenierung meist darstellen. „Mit dem Oberbegriff der Postmodernisierung wird beschrieben, dass sich gegenwärtig fundamental andersartige Logiken gesellschaftlicher, ökonomischer und eben auch städtischer Entwicklungen etablieren, die sich von denen der sogenannten industriellen Moderne deutlich unterscheiden“ (SOJA11 1997, SOJA 2000, DEAR 1997 nach BASTEN & GERHARD 2016: 133). Es wird also mit der Postmodernisierung der wissenschaftliche Paradigmenwechsel von der ‚Moderne‘ zur ‚Postmoderne‘ beschrieben, der Ausdruck der „Krise der Repräsentation“12 (BOYNE & RATTANSI 1990 nach WOOD 2011: 895) ist. In Bezug auf den städtischen Raum nimmt man damit besonders Kritik an der Vorstellung homogener funktioneller Stadträume der Chicagoer Schule (vgl. WOOD 2011: 898 f.). Vielmehr zerfallen städtische Räume in Fragmente, sog. Fragmentierung, und werden zu einer Heteropolis, was nicht zuletzt am ökonomischen Wandel im Sinne der neoliberalen Globalisierung (s.o.) liegt (vgl. WOOD 2011: 898 f., 902 f., WOOD 2003: 134 f., 142 – 144).

Auch wird die postmoderne Stadt geprägt „durch die künstliche Gestaltung von städtischen Umwelten […]. Es handelt sich hierbei um inszenierte ‚Erlebniswelten‘, die mit dem (mitteleuropäischen) Bild der historisch gewachsenen Stadt brechen und stattdessen eine Simulation von Stadt kreieren […].“ (WOOD 2011: 902) Hieran wird noch einmal der Bezug zur Inszenierung städtischer Räume (s.o.) deutlich. Besonders wird in der Debatte der Postmoderne die Architektur13 betrachtet (vgl. WOOD 2003: 137 f.), die aufgrund ihres „symbolischen Kapitals“ (ebd.) dazu beitrage, „Standortvorteile gegenüber anderen Orten geltend zu machen“ (ebd.) und sich so im globalen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit (s.o., vgl. ebd.) zu behaupten.

Diese Ausbildung eines symbolischen Kapitals hängt dabei vor allem mit der Bedeutungszunahme von Kultur in der Humangeographie, dem sog. ‚cultural turn‘14, zusammen (vgl. GEBHARDT et al. 2003). „Mit dem cultural turn ist insgesamt wieder ein stärkeres Bewusstsein für die Stadt als Ganzes sowie einzelne Gebäude als ein bildhaftes, meist symbolisches oder zumindest symbolisch aufgeladenes, kulturelles Produkt entstanden.“ (BASTEN 2009: 6) Damit geht auch – wie bei der Inszenierung (s.o.) – „die Kulturalisierung der Ökonomie bzw. die Ökonomisierung der Kultur“ (Wood 2003: 138) einher. Somit besteht eine Verbindungsachse zwischen Kulturalisierung, Ökonomisierung und Inszenierung. So formulieren BASTEN und GERHARD (2016: 133 f., eigene Hervorhebung):

„Jenseits der veränderten Form und Raumstruktur ist in der Stadt der Postmoderne besonders bedeutsam, dass Stadt als neuartige Verbindung von Kultur und Kommerz begriffen wird. So wird ‚das Städtische‘ einerseits künstlich und künstlerisch geschaffen, geformt und inszeniert. Die Stadt insgesamt sowie bestimmte Viertel werden durch Filme, Literatur, Festivals und Großereignisse zu einer Bühne und zur Szene, Urbanität wird als kulturelle ‚Performance‘ verstanden […]. Andererseits und gleichzeitig wird Stadt auch als kommerzielles Produkt begriffen: ein Stadtimage wird kreiert und inszeniert, Urbanität und städtisches Flair werden ökonomisch in Wert gesetzt, um die Stadt als Standort zu vermarkten, neue, wohlhabende Einwohner, Firmen und Investoren anzulocken. Image wird so zu einem Faktor der Lebensqualität, das kulturell vermittelte Gefühl, in einem Szenestadtviertel oder in einer ‚hippen‘ Stadt zu wohnen, lässt sich über Immobilienwerte in bare Münze umwandeln.“

Die Kultur hat darüber hinaus wesentlichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Inszenierung städtischer Räume (s.o.), denn „meanings are in people, not in objects or things“ (RAPOPORT 1990: 19 nach BASTEN 2009: 7). „Bedeutungen sind also Bestandteil der sozialen Umwelt der Menschen und werden über die kulturell bestimmten Prozesse der sozialen Kommunikation produziert und reproduziert. Menschen greifen auf sog. interpretative Schemata zurück, um die von Architekten kodierten Bedeutungen von Gebäuden zu begreifen bzw. zu dekodieren.“ (BASTEN 2009: 7)

2.2.4 Merkmale

Aus den oben gemachten Aussagen (insbesondere Kap. 2.2.1 bis Kap. 2.2.3) lassen sich unterschiedliche Merkmale für die Inszenierung städtischer Räume ableiten. Sie sind in folgender Tabelle nach Kategorien geordnet dargestellt (Tab. 1). Diese Darstellung ist nicht abschließend, sondern erfreut sich der Ergänzung durch etwaige weitere Forschungsvorhaben in diesem Themengebiet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 – Merkmale der Inszenierung städtischer Räume (eigene Darstellung)

3. Methodik der geographischen Untersuchung

Bevor die vorliegende Arbeit sich der geographischen Untersuchung zuwendet, erläutert dieses Kapitel die zugrunde liegende Methodik bzw. das Forschungsdesign. Dabei lässt sich die geographische Untersuchung in zwei Teile gliedern: Zum einen die Analyse inwiefern der aktuelle Kölner Rheinauhafen ein Beispiel für die Inszenierung städtischer Räume darstellt (Forschungsfrage Teil 1), zum anderen wie der Kölner Rheinauhafen medial inszeniert wird (Forschungsfrage Teil 2).

3.1 Räumliche Analyse zur Inszenierung des Kölner Rheinauhafens

In diesem Teil der Untersuchung geht es darum, Merkmale im Untersuchungsraum selbst und in der Literatur über den Untersuchungsraum zu finden, die nach der Theorie (Kap. 2) für eine Inszenierung eines städtischen Raumes bezüglich des Kölner Rheinauhafens sprechen. Dazu wird zunächst in Kap. 4 der Untersuchungsraum vorgestellt. Die Analyse zu der Frage, inwiefern der Kölner Rheinauhafen ein Beispiel für die Inszenierung eines städtischen Raums darstellt, folgt sodann in Kap. 5. Dabei werden unterschiedliche ausgewählte Aspekte – in Anlehnung an Tab. 1 und den Leitthemen für die städtische Inszenierung nach GERHARD & SCHMID (2009) –, die in Verbindung zur Inszenierung stehen, diskutiert, um so einen Vergleich zwischen Theorie und Raum herzustellen. Es wird hier Raum und Architektur in den Fokus der Betrachtung genommen.

3.2 Medienanalyse

Anschließend erfolgt im zweiten Teil der Untersuchung eine Medienanalyse (Kap. 6), um herauszufinden, wie der Rheinauhafen medial inszeniert wird. Die Medienanalyse wird hierbei im Wesentlichen in Form einer Textanalyse durchgeführt (vgl. MEYER KRUKER & RAUH 2016: 79 f.). Diese Textanalyse erfolgt wiederrum in Form einer quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse15 (vgl. ebd.).

[...]


1 Neben dem hier vorgestellten ‚geographischen Stadtbegriff‘, gibt es einen ‚umgangssprachlichen‘ ‚statistisch-administrativen‘, ‚historisch-juristischen‘, ‚soziologischenStadtbegriff‘ (vgl. HEINEBERG 2017: 26 f.). Daneben gibt auch ‚andere nicht-geographische Stadtbegriffe‘ (vgl. ebd.)

2 Eine umfangreiche Auflistung der einzelnen Kriterien bzw. Merkmale des ‚geographischen Stadtbegriffs‘ gibt Kasten 2.1 bei HEINEBERG (2017).

3 Zu beachten gilt hierbei auch die unterschiedliche Bedeutung von ‚Verstädterung‘ und ‚Urbanisierung‘ in der deutschsprachigen Geographie (vgl. Kasten 2.3 bei HEINEBERG 2017).

4 Es gibt daneben auch Veröffentlichungen die sich mit dem Begriff der ‚Inszenierung‘ intensiver auseinandersetzen, wie beispielsweise FÜLSCHER (2012).

5 Daher wird auch in der vorliegenden Arbeit die mediale Inszenierung des Kölner Rheinauhafens mithilfe einer Medienanalyse untersucht (siehe auch Forschungsfrage, Kap. 3.2 und Kap. 6).

6 So spricht FÜLSCHER (2012: 154 f.) davon, „dass die typischen Merkmale eines Hauses negiert werden: Ornamentaler Schmuck, Fenster, Türen und ihre Rahmen, aber auch Vordächer oder Balkongeländer werden weggelassen beziehungsweise als nicht gegenständliche Formen und Volumen gestaltet und zu einer Gesamtkomposition arrangiert. Dieser zwei- oder dreidimensionalen Anordnung wird überdies ein letzter alltäglicher Ausdruck genommen, indem unkonventionelle Farben, Formen und Körper den Bau prägen.“

7 Zur Herleitung dieser Inszenierungsformen siehe FÜLSCHER (2012: 145 – 149).

8 Eine ausführliche Beschreibung der Theorie gibt BAUDRILLARD (1976) und insbesondere BAUDRILLARD (1981). Sie wird auch im Zusammenhang des oben erläuterten Leitthemas der ‚Historisierung‘ von GERHARD & SCHMID angeführt.

9 Der Begriff der ‚Hyperrealität‘ taucht auch bei ROOST (2000: 30 – 33) im Zusammenhang einer ‚Disneyfizierung von Städten‘ auf. Er geht davon aus, dass Elemente aus künstlich gestalteten Freizeitparks (z.B. Disneyland) vermehrt Einzug in den realen städtischen Raum erhalten (in Form von Shopping Malls als Konsumzonen), sodass „die Grenzen zwischen vermeintlich echter und künstlicher Urbanität [verschwinden]“ und sich so die „Hyperrealität in den Alltag“ verbreitet (ebd.).

10 Der Begriff der Reurbanisierung umfasst im Allgemein die „Verdichtung, Aufwertung und Umwandlung innerstädtischer Gebiete“ (BASTEN & GERHARD 2016: 120). Man kann dabei in quantitative (Anstieg der innerstädtischen Bevölkerung) und qualitative (Aufwertung und dauerhafte Belebung) Reurbanisierung unterscheiden (vgl. GERHARD 2017: 146).

11 Edward Soja ist einer der wichtigsten Vertreter postmoderner Stadtentwicklung. Er hat diesbezüglich sechs Diskurse über die Postmetropolis entwickelt (vgl. SOJA 2000).

12 Damit „ist eine weitgehende Infragestellung bzw. Diskreditierung überkommender Formen der sprachlichen Repräsentationen der Gegenstände künstlerischer, philosophischer, sozialwissenschaftlicher und literarischer Diskurse gemeint, die im Wesentlichen als eine Folge diverser kritischer Positionen gegenüber ‚dem Projekt der Moderne‘ angesehen werden können.“ (WOOD 2011: 895)

13 Die Thematisierung von Architektur erfreut sich seit den 1990er Jahren in der stadtgeographischen Forschung wieder größerer Beliebtheit (vgl. BASTEN 2009: 4).

14 Mit ‚cultural turn‘ meint man die „Kulturalisierung der Gesellschaftstheorie“ (BASTEN 2009: 6) und umfasst den ‚spatial turn‘, den ‚linguistic turn‘ und den ‚semiotic turn‘ (vgl. GEBHARDT et al. 2003: 4). Raum wird in diesem Rahmen „als Konstruktion, d.h. als sozial, ökonomisch und politisch interpretierter, als symbolisierter Raum“ (ebd.: 3) begriffen.

15 Der Begriff der ‚Qualitativen Inhaltsanalyse‘ ist insbesondere durch P. MAYRING geprägt. Dieses Verfahren stellt eine „qualitativ orientierte kategoriengeleitete Textanalyse“ (MAYRING & FENZL 2014: 544) dar, wobei die Kategorien induktiv oder deduktiv gebildet werden. Eine genaue Beschreibung des Verfahrens gibt u.a. MAYRING (2015).

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Inszenierung städtischer Räume. Eine geographische Untersuchung am Beispiel des Kölner Rheinauhafens
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
76
Katalognummer
V490279
ISBN (eBook)
9783668979147
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inszenierung, räume, eine, untersuchung, beispiel, kölner, rheinauhafens
Arbeit zitieren
Kevin Minartz (Autor), 2018, Inszenierung städtischer Räume. Eine geographische Untersuchung am Beispiel des Kölner Rheinauhafens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490279

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