Ziviler Ungehorsam in Theorie und Praxis

Eine soziologische Untersuchung mit Fokus auf feministischen Theorien


Hausarbeit, 2019
10 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Begriffsbestimmung
2.1.ZivilerUngehorsam
2.2.FeministischeMedien

3. Feministische Medien als Ausdrucksform des zivilen Ungehorsams

4. Fazit

Quellen-undLiteraturverzeichnis

1. Einleitung

Das theoretische Konzept der Zivilgesellschaft geht vom politischen Gemeinwesen aus. Es ist daher die Gesamtheit jener Institutionen gemeint, die direkt zur aktiven Mitgestaltung veranlassen. Indem die abweichenden Bedürfnisse, die mit der Bevölkerung zu erheben sind, gleichberechtigt repräsentiert werden können, erfährt der demokratische Grundgedanke die Legitimation.1

Auf der anderen Seite wachsen die Akteure aber auch in das gesellschaftliche Gefüge hinein. Über den Prozess der Prägung werden die fundamentalen Wertvorstellungen verinnerlicht. Die Normalität gibt die soziale Realität bis zu einem gewissen Grad schon vor. Es wird eine ganz bestimmte Erwartung an das angemessene Verhalten gestellt.2

Als leitende Institution lässt sich die Familie für die Geschlechterrollen verantwortlich machen. Dass jedes Mitglied den zugewiesenen Rahmen kennt, führt automatisch zur Handlungssicherheit. Die gegenseitige Unterstützung ist garantiert.3

Die Organisation der Arbeit steht deshalb in direkter Relation dazu, wie die private Sphäre begründet werden kann. Ein Einkommen reicht für die Familie komplett aus. Es lässt sich dann auch genau jene Nachfrage beantworten, die in wirtschaftlicher Hinsicht gestellt wird. Während der Mann den Unterhalt zu leisten hat, versorgt die Frau den Haushalt.4

Nicht über die materiellen Mittel verfügen zu können, schränkt die Handlungsfreiheit jedoch maßgeblich ein. Das historisch gewachsene Konzept führt automatisch zu Unterdrückung der Frau. Nur über die öffentliche Meinungsbildung kann die soziale Realität verändert werden. Feministische Medien sind daher auch als Form des zivilen Ungehorsams zu verstehen.5

2. Theoretische Begriffsbestimmung

2.1. Ziviler Ungehorsam

Ziviler Ungehorsam geht vom Protest aus. Es wird sich dagegen aufgelehnt, dass die Institutionen eben nicht in der Lage sind, die Bedürfnisse in angemessener Weise zu repräsentieren. Die Legitimation kann ausschließlich über die Mehrheit gewährleistet werden. Für bestimmte Bevölkerungsanteil bleiben gesellschaftliche Zugangschancen bis zu einem gewissen Grad verwehrt.6

Manuel Castells, der selbst an der sozialen Bewegung gegen die Franco Diktatur teilgenommen hat, wendet sich dem Phänomen, als Gegenstand der Analyse zu, um darüber gesellschaftliche Widersprüche und Konflikte aufzuklären.7

Welche Praktiken für den Protest angewendet werden, steht dementsprechend in direkter Beziehung dazu, wie die gesellschaftliche Normalität eigentlich zu begründen ist. Die Akteure wachsen selbst in das soziale Gefüge hinein und sind daher bis zu einem gewissen Grad schon vorgeprägt.8

„Einen gemeinsamen Nenner der Aktivitäten sieht er nicht in einer politisch-ideologischen Konsistenz – vielmehr macht sich Castells über die Diffusität von revolutionärem Kampf, Verteidigung des Bestehendem und Pfadfindertum lustig-, sondern in dem Umstand, dass all diese Bewegungen „die Formen und Rhythmen des Alltagslebens beeinflussen“ und „direkt mit der kollektiven Organisation der Lebensweise verbunden“ sind.“ 9

In jedem Fall fällt das Verhalten dann aber immer aus dem Rahmen und obliegt dementsprechend nicht mehr der Angemessenheit, die über die zugewiesene Rolle eigentlich zu erwarten ist. Der Verstoß gegen die allgemeingültigen Regeln der Normalität führt zur Aufmerksamkeit, sodass ein direkter Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung geleistet werden kann.10

2.2. Feministische Medien

Die Geschlechter sind sozial konstruiert und daher mit dem gesellschaftlichen Gefüge historisch gewachsen. Aufgrund der Unterdrückung, die in der Vergangenheit belegt werden kann, verfolgen feministische Medien das Ziel, sich aus der vorgebenden Rolle zu befreien. Die gestellte Erwartung soll eben nicht mehr erfüllt werden. Gemeint sein, kann unter anderem dann, das Schönheitsideal, das diesbezüglich nur verfolgt wird, um dem Mann zu gefallen. Auch von der mütterlichen Fürsorge ist sich eher abzuwenden.11

Verfolgt wird auf der anderen Seite wiederum das, wozu es im Vorfeld noch keine Möglichkeit gegeben hat. Die Selbstverwirklichung steht eindeutig im Vordergrund. Nicht mehr nur für andere, soll das eigene Leben nun gelebt werden.12

In gewisser Hinsicht bedeutet die Individualisierung aber auch, dass traditionelle Werte immer unbedeutender werden. Jene haltgebende Funktion, die mit der Familie zu begründen ist, geht praktisch verloren. Zur Not steht irgendwie jeder, für sich allein da.13

Den vielversprechenden Ersatz bietet an dieser Stelle trotzdem dann die soziale Gemeinschaft an. Feministische Medien sind von und für Frauen gemacht. Es ist sich zu vernetzen und selbst einen Beitrag zu leisten. Die Digitalisierung hat zur maßgeblichen Erweiterung des Handlungsspielraums geführt. Unbedingt sind die neu aufkommenden Möglichkeiten auch zu nutzen.14

Nur über die öffentliche Meinungsbildung kann die soziale Realität tatsächlich verändert werden. Auf die Missstände ist in erster Linie aufmerksam zu machen. Die Art und Weise, wie das weibliche Geschlecht in den Medien dargestellt wird, zeigt auf welche Rolle die Frau auch heute noch häufig sowohl am Arbeitsplatz als auch innerhalb der Familie hat. Sexuelle Übergriffe und andere Formen der Gewalt sind deshalb kaum verwunderlich. Über die Möglichkeit zum sozialen Austausch, die nun mit dem Internet gegeben ist, kann direkt zur Solidarität aufgerufen werden.15

[...]


1 vgl. Adloff, Frank: Zivilgesellschaft. Frankfurt: Campus Verlag 2005: 10

2 vgl. Cyprian, Gudrun: Veränderungen der Rollenbilder von Mann und Frau im Kontext von Partnerschaft, Ehe und Familie in: Vaskovics, Lazlo A., Lipinski, Heike: Familiale Lebenswelten und Bildungsarbeit. Wiesbaden: Springer 2018: 69f.

3 vgl. ebd.: 69f.

4 vgl. ebd.: 69f.

5 vgl. Susemichel, Lea, Rudigier, Saskya, Horak, Gabi: Feministische Medien: Öffentlichkeiten jenseits des Malestream. Königstein/ Taunus: Ulrike Helmer Verlag. 2008: 25f.

6 vgl. Holm, Andrej: Vorwort zum Reprint von Manuel Castells Kampf in den Städten (1975). In: Castells, Manuel: Kampf in den Städten. Gesellschaftliche Widersprüche und politische Macht. Hamburg: 2012: 7.

7 vgl. ebd.: 9

8 vgl. ebd.: 8

9 ebd. : 8

10 vgl. ebd.: 8

11 vgl. Kannengießer, Sigrid: Geschlecht, Feminismus, Bildschirmmedien im Wandel in: Prommer, Elizabeth, Schuegraf, Martina, Wegener, Claudia. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2015: 25f.

12 vgl. ebd.:

13 vgl. Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1986: 206f.

14 vgl. Kannengießer, Sigrid: Geschlecht, Feminismus, Bildschirmmedien im Wandel in: Prommer, Elizabeth, Schuegraf, Martina, Wegener, Claudia. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2015: 25f.

15 vgl. ebd.: 25f.

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Details

Titel
Ziviler Ungehorsam in Theorie und Praxis
Untertitel
Eine soziologische Untersuchung mit Fokus auf feministischen Theorien
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V490298
ISBN (eBook)
9783668978560
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ziviler, ungehorsam, theorie, praxis, eine, untersuchung, fokus, theorien
Arbeit zitieren
Fatma Degirmenci (Autor), 2019, Ziviler Ungehorsam in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490298

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