Soziobiologie


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Was genau ist Soziobiologie?

3. Gruppenbildung in der Tierwelt
3.1. Formen der Gruppenbildung in der Tierwelt
3.2. Vorteile des Gruppenlebens
3.3. Nachteile des Gruppenlebens

4. Wettbewerb, Kooperation und Konflikte in einer Gruppe
4.1. Die Allgegenwart des natürlichen Wettbewerbs
4.2. Kampf und Dominanz
4.3. Kooperation und Altruismus

5. Gruppenphänomene
5.1. Territorialität
5.2. Zwischengruppenkonflikte
5.3. Ausschlussreaktionen (Ostrazismus)

6. Geschlechterbeziehungen
6.1. Innergeschlechtliche Konkurrenz und Partnerwahl
6.2. Fortpflanzungssysteme

7. Differentielles Elterninvestment
7.1. Differentielles Elterninvestment wegen unterschiedlicher Ressourcenverfügbarkeit
7.2. Differentielles Elterninvestment nach den verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Kindern
7.3. Differentielles Elterninvestment nach der Vitalität der Kinder
7.4. Differentielles Elterninvestment nach dem Geschlecht der Kinder

8. Kritik an der Soziobiologie

9. Literatur

1. Einleitung

Hat sich nicht schon jeder einmal gefragt, warum wir Menschen uns zu sozialen Gruppen zusammenschließen und uns gegenseitig unterstützen, anstatt unser Leben auf eigene Faust zu meistern. Wie kommt es dazu, dass Tiere sich untereinander bekämpfen und sich unter anderen Umständen helfen? Und wer ist der beste Fortpflanzungspartner für wen? ...?

Die Soziobiologie versucht diesen und anderen Fragen auf den Grund zu gehen. Die folgende Hausarbeit soll einen Grundriss der Soziobiologie darstellen und ihre Funktion für die menschliche Evolution liefern, denn kann man wirklich von Tieren auf Menschen schließen?

2. Was genau ist Soziobiologie?

Die Soziobiologie befasst sich grundsätzlich mit dem Phänomen Vergesellschaftung, studiert deren Formeln und versucht deren allgemeine Mechanismen zu ergründen. Ihr Kern liegt in der Anwendung der Evolutionsbiologie auf das Sozialverhalten der Tiere, einschließlich des Menschen. (vgl. Barash, 1980, S.16) Der Begriff Soziobiologie wurde erstmals auf einer Konferenz in New York verwendet und diente dazu Brücken zwischen mehreren Fachgebieten zu schlagen, wodurch sie zu einer interdisziplinärer Wissenschaft wurde, die durch vergleichende Studien allgemeine und allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten des sozialen Verhalten beim Tieren und beim Menschen zutage bringen soll.

Häufig bringt man Darwin mit der Soziobiologie in Verbindung, da sie zwar auf seiner Evolutionstheorie beruht, aber dennoch in gewisser Hinsicht von dieser abweicht. Mit zwei Wurzeln bleib sie allerdings mit Darwins Theorie verbunden: 1. Darwins Vorstellung des Wettbewerbes wird übernommen, sowie die Annahme, dass Individuen unterschiedliche Eignungen besitzen. 2. Beide Parteien sehen die Möglichkeit, dass das soziale Verhalten der Lebewesen auf evolutionsbiologischer Grundlage zu erklären sei. (vgl. Wuketits, 1997, S. 15ff)

3. Kooperation und Konflikt in sozialen Gruppe

3.1. Formen der Gruppenbildung in der Tierwelt

Als sozial werden alle Lebewesen bezeichnet, deren Individuen sich zu Gruppen zusammenschließen. Die Größe der Gruppe ist von Art zu Art verschieden, sie kann aus zehn aber auch aus 100 Mitgliedern bestehen. Das zentrale Merkmal einer Gruppe ist ein Mindestmaß an Kooperation unter den Individuen. Erst dann kann man von einer Sozietät sprechen. Anders hingegen verhalten sich die Aggregationen, die zwar auch aus mehreren Einzeltieren der gleichen Art bestehen, aber keine Gruppe im qualitativen Sinn bilden. Der Zusammenschluss erfolgt eher durch ein zufälliges Ereignis, das durch äußere Faktoren bedingt wurde (Bsp.: Klapperschlangen, die sich für den Winterschlaf an einem bestimmten Ort einfinden). Es gibt auch Aggregationen, in denen mehrere Tierarten aufzufinden sind. Hierbei handelt es sich um Tieransammlungen, beispielsweise an einem Wasserloch, die nichts mit einer sozialen Gruppe zutun haben.

Eine weitere Gruppenform stellt die Eusozialität dar (beispielsweise ein Ameisenstaat). Die Mitglieder bleiben über Generationen in einem kooperativen Gruppenleben, das nur einem oder wenigen Individuen die Fortpflanzung gestattet, während die anderen Tiere die Aufgabe von Helfern übernehmen. (vgl. Wuketits, 1997, S.27)

Heuschrecken, unter anderem, schließen sich zu so genannten Schwärmen zusammen, hierbei handelt es sich um ein mehr oder weniger lockeren zeitlich begrenzten Zusammenschluss von mehreren, oftmals Millionen, Individuen, die normalerweise eine solitäre Lebensform verkörpern. Auf der Ebene eines Schwarms findet man bereits Vorstufen für die Kooperation im engeren Sinne. Durch gegenseitige Unterstützung entsteht eine größere Bewegungsfreiheit und ein höherer energetischer Nutzgewinn für das einzelne Individuum. Des Weiteren steigt in einem Schwarm die Wahrscheinlichkeit einen Geschlechtspartner zu finden enorm an.

Systematisch gesehen lassen sich zwei Grundtypen der Gruppenbildung erkennen und auch auseinander halten. Da seien zunächst einmal die offenen Gesellschaften (z.B. Schwärme, Scharen). Sie bestehen aus vielen Individuen, die anonym in einem Verband leben und nahezu beliebig austauschbar sind, ohne dass sich dadurch die Grundstruktur der Gruppe ändern würde. Des Weiteren seien die geschlossenen Gesellschaften genannt, auf die die Bezeichnung eusozial zutrifft. Ihre Mitglieder verhalten sich gruppenfremden Individuen gegenüber anders, als ihren Gruppengenossen. Allerdings gibt es auch hier den Unterschied zwischen anonymen (z.B. Insektenstaaten) und individualisierten (z.B. Wolfsrudel) Gesellschaften. Die anonymen Verbände sind, im Gegensatz zu den individualisierten, relativ groß. In beiden Fällen sind aber die Individuen nicht beliebig austauschbar, wie das bei einer offenen Gesellschaft festzustellen ist. (vgl. Wuketits, 1997, S.33)

Natürlich gibt es noch andere Formen von Sozietäten, wie zum Beispiel das Rudel, die Herde, etc. Aber alle aufzuzählen würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen.

3.2. Vorteile des Gruppenlebens

a) Verringerung des Raubdrucks

Tiere, die sich zu größeren Gruppen zusammenschließen, minimieren die Gefahr ein Beutetier zu werden, da erstens der Feind, aufgrund von mehreren aufmerksamen Individuen, früher erkannt wird (Entfernung zum Angreifer nimmt mit Gruppengröße zu) und zweitens, je mehr Tiere der Beuteart vorhanden sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für das einzelne Individuum gefressen zu werden. Des Weiteren ist die Beutefangkapazität und -motivation der Jäger begrenzt ist, womit sich die Überlebenschancen des einzelnen in der Gruppe erhöhen, da die Sättigungsgrenze des Jägers schnell erreicht wird.

Oftmals dauert der Angriff auf eine größere Gruppe länger, da die vielen Beutetiere die Aufmerksamkeit des Angreifers zerteilen. Man nennt dies auch den so genannten Verwirrungseffekt. (vgl. Voland, 2000, S. 28ff)

b) Effizienterer Nahrungserwerb

In einer Gruppe unterstützt man sich gegenseitig auch bei der Futtersuche. Weniger erfolgreiche Futtersucher hängen sich an die Erfolgreicheren. Durch die gegenseitige Beobachtung findet ein Informationsfluss statt, welcher dazu führt, dass die schwächeren Futtersammler von den besseren lernen und sich mit der Zeit zu erfolgreicheren Futtersuchern entwickeln.

Des Weiteren ist eine Gruppe auch effizienter bei der Jagd, da einzelne Beutetiere von mehreren Angreifern aus ihrer Gruppe getrennt werden können. Der Verwirrungseffekt wird somit umgangen und die Beute ist leichter zu schlagen. (vgl. Voland, 2000, S. 35ff)

c) Erfolgreichere Verteidigung begrenzter Ressourcen

Individuen, deren Selbsterhaltung und Reproduktion ganz wesentlich auf der wiederholten Nutzung begrenzter Ressourcen gründet, sollten sich dann zu Sozialgemeinschaften zusammenschließen, wenn ihnen durch eine gemeinsame Verteidigung dieser Ressourcen weniger Pro-Kopf-Kosten entstehen, als bei einem solitären Bemühen um Ressourcennutzung (vgl. Voland, 2000, S. 39ff)

d) Vermeidung hoher Dispersionskosten

Es gibt durchaus Gruppen, die sich zusammengeschlossen haben, um ihre Kosten, die sie als solitär lebendes Individuum hätten, zu minimieren, auch wenn dadurch ihre eigenen Reproduktionschancen verringert werden. Ein Beispiel hohe Dispersionskosten zu vermeiden ist das Helfer-Am-Nest-Modell. Diese Individuen unterstützen ein Brutpaar, indem sie bei der Fütterung und der Verteidigung der Jungen mithelfen. Hierdurch erlangen sie zwar eine geringere direkte Fitness, da sie nicht ihrer eigenen Reproduktivität nachgehen, dennoch steigern sie mit ihrem Verhalten ihre indirekte Fitness und erlangen dadurch eine größere Gesamtfitness, als wenn man sich nur um das eigene Wohl bemühen würde. (vgl. Voland, 2000, S.41ff) Unterschieden wird jedoch zwischen primären und sekundären Helfen. Primäre Helfer sind zum größten Teil frühere Jungtiere des Elternpaars und unterstützen somit ihre Verwandtschaft. Die Hilfsbereitschaft von ihnen ist wesentlich ausgeprägter, als die der sekundären Helfer, die nicht mit dem Brutpaar verwandt sind. (vgl. Voland, 2000, S. 42ff)

3.3. Nachteile des Gruppenlebens

a) Erhöhtes Infektionsrisiko

Das Infektionsrisiko hängt unter anderem von der Populationsgröße bzw. –dichte ab, denn je mehr Individuen sich auf engem Raum befinden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Tiere untereinander anstecken. (vgl. Voland, 2000, S. 50f)

b) Erhöhte Ressourcenkonkurrenz

Je mehr Individuen sich zu einer Gruppe zusammenschließen, desto ausgeprägter wird die Konkurrenz um Nahrung oder andere Ressourcen. Diese Art der Konkurrenz betrifft vor allem solche Arten, bei denen die bevorzugte Nahrung nur an wenigen Plätzen im Streifgebiet vorkommt.

Ein Beispiel für dieses Verhalten erbringt eine Studie von Van Schaik (1983) über eine Javaneraffengruppe: Je größer die Gruppe war, desto länger war die Jagdzeit und der Jagdweg. Außerdem gab es weniger Ruheepisoden, sondern es kam eher zu aggressiven Episoden, die dazu führten, dass spannungsvermindernde Verhaltensweisen, wie das Lausen, weniger zu beobachten waren. Es ist also deutlich, dass das Gruppenleben für die Javaneraffen auch mit Nachteilen verbunden ist, die sich dann umgehend negativ auf deren Fitness auswirken. (vgl. Voland, 2000, S. 51f)

c) Erhöhte reproduktive Konkurrenz

Diese Art der Konkurrenz liegt vor, wenn sich Individuen aufgrund von Fitnessvorteilen ganz unmittelbar in ihren Bemühungen um erfolgreiche Reproduktion behindern. Meistens wird diese Art der Konkurrenz von den Weibchen ausgetragen, weil sie mit einem höheren Aufwand, als die Männchen, am Reproduktionsgeschehen beteiligt sind.

Eine Form seine eigenen Kosten gering zu halten, stellt der Brutparasitismus dar. Dies bedeutet, dass das Weibchen ihre eigenen Eier in ein fremdes Nest legt und daraus für sich ein eigenes Ersparnis an Zeit, sowie Energie gewinnt und das Risiko, was bei der Jungenaufzucht aufkommt, verringert. Die Folge hieraus ist, dass die Wirtstiere in der Regel weniger Eier legen und somit auch weniger ihrer eigenen Jungen flügge werden. (vgl. Voland, 2000, S. 53f)

Bei manchen Tierarten konnte man eine Unterdrückung der Reproduktion der schwächeren durch die dominanteren Individuen beobachten (Bsp.: Murmeltiere). Somit verliert der Schwächere viele fruchtbare Jahre und bringt weniger Jungtiere zur Welt, deren Sterberate höher ist, als bei den Jungtieren der Dominanten.

Bei Primatengruppen, wie den Hanuman-Languren, konnte man beobachten, dass sobald das Gruppenmännchen bei einem Weibchen aus seinem Harem aufzureiten begann, die anderen Weibchen hinzukamen und durch Schlagen, Ziehen und andere aggressive Verhaltensweisen versuchten die Kopulation zu verhindern. Bei den ranghohen Weibchen wurden nur 58,5 % aller Paarungsakte gestört und bei den rangniedrigeren 96,4%, was auch hier eine Rangabstufung erkennen lässt. Außerdem unterbrachen hochrangige Weibchen Paarungen doppelt so häufig, wie rangniedrige. (vgl. Voland, 2000, S. 58)

Warum zeigen sie solch ein Verhalten? Es senkt vermutlich die Konzeptionschancen der Mitkonkurrentinnen und schafft dadurch mehr Spielraum für die eigene Fortpflanzung und Jungenaufzucht.

Reproduktive Konkurrenz kann sich aber auch durch ein anderes Phänomen ausdrücken, nämlich in der Vernichtung unerwünschten Nachwuchses. Hierbei lassen sich verschiedene Kategorien feststellen. Entweder erfolgt die Tötung durch Fetizid, welcher vorliegt, wenn zum Beispiel bei einer Haremsübernahme, die von dem Vorgänger begatteten Weibchen solange aggressiv angegangen werden, bis sie ihren Nachwuchs streßinduziert abortieren

Eine weitere Forme stellt der Infantizid dar, wobei hier die Tötung noch nicht entwöhnter Jungtiere gemeint ist, während beim Pädizid älterer Kinder getötet werden. (vgl. Voland, 2000, S. 59)

Infantizid wird als der Oberbegriff verwendet, der sich in vier Gruppen einteilen lässt:

(1) Kannibalismus: Jungtiere werden wegen ihres Nahrungswertes getötet und gefressen
(2) Elterliche Manipulation: Führen den Tod des Kindes aktiv herbei bzw. nehmen ihn in Kauf, da unter bestimmten Umständen so zunächst eingespartes und später effizienter eingesetztes Elterninvestment den Nettoreproduktionserfolg erhöhen kann
(3) Reproduktive Konkurrenz unter Männchen: Männchen tragen ihre reproduktive Konkurrenz dadurch aus, dass sie abhängigen Nachwuchs, der nicht von ihnen selbst gezeugt wurde, umbringen und sich dadurch eine Aussicht auf eine rasche Vaterschaft erhoffen
(4) Reproduktive Konkurrenz unter Weibchen: Weibchen erzielen durch reproduktive Benachteiligung der Mitkonkurrentinnen Vorteile bei der Gestaltung der eigenen Fortpflanzung und Jungenaufzucht (vgl. Voland, 2000, S.61)

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Soziobiologie
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V49030
ISBN (eBook)
9783638455787
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziobiologie
Arbeit zitieren
Monika Blazek (Autor), 2005, Soziobiologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49030

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