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Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?

Title: Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Catrin Knußmann (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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„Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit, sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden, sie kann aber auch vom dazu Berechtigten zugesprochen werden. Durch Missachtung des Kollektivs wird der Einzelne, durch Missachtung des Einzelnen wird sein Kollektiv getroffen - anders als z. B. beim Ruhm. Verletzte Ehre wurde früher und wird in vielen meist islamischen Ländern auch heute noch auf verschiedene Weise wiederhergestellt. Das Streben einer Person nach Ruhm oder Ehren führt und führte nicht selten zu persönlichen und äußeren Konflikten. In manchen Kulturen spricht man beim Verlust der Ehre auch von Gesichtsverlust“ (de.wikipedia.org/wiki/Ehre).
Laut dem österreichischem Soziologen Roland Gritler existiert die Ehre seit Menschengedenken, die Muster der Ehre und die inhaltliche Bedeutung können sich im Laufe der Zeit allerdings verändern. Die Ehre ist somit etwas Unveränderbares, Universales, deren Bedeutung aber unterschiedlich sein kann. Die Ehre von der inhaltlich veränderbaren Seite könnte vielleicht mit den Begriffen wie Prestige oder Ansehen gleichgestellt werden. Die inhaltliche Bedeutung der Ehre könnte man auch mit einem an der Gesellschaft genormten Muster, das sich auf Respekt stützt, vergleichen. Im Bezug auf die Ehre der Sizilianer bin ich der Meinung, dass sie universell bei allen Sizilianern vorhanden ist. Die inhaltliche Ebene hat sich allerdings von der Entstehungszeit der Mafia bis in die heutige Zeit verändert. Im ersten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf die fachliterarische Definition von Mafia und den Entstehungskontext ein. Für mich erscheint es notwendig zu klären, dass gerade das machtpolitische Feudalsystem und die nicht zu einer Zentralisierung fähigen Herrscher dazu beigetragen haben, die Entstehung eines Phänomens mit einer solch ausgeprägten Gewaltbereitschaft wie die der Mafia zu begünstigen. Daran schließt sich eine Darstellung des mediterranen Ehrenkodex und die Unterscheidung zwischen der männlichen und der weiblichen Ehre an. Die traditionelle Mafia lebte von der Ehre, für sie war es das Lebenselexier. Deshalb ist es wichtig, sich mit deren Bedeutung und auch deren inhaltlichen Einfluss auf die beiden Geschlechter auseinander zu setzen. Im letzten Teil dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich die Ehrvorstellung in Sizilien und insbesondere innerhalb der Mafia im Laufe der Zeit verändert hat.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die traditionelle sizilianische Mafia

2.1. Definition der Mafia

2.2. Entstehungskontext der Mafia

3. Der mediterrane Ehrenkodex

4. Männliche und weibliche Ehre

5. Veränderung der Ehrvorstellung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und soziologische Bedeutung des Ehrbegriffs innerhalb der sizilianischen Mafia. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich die traditionell auf Gewalt, männlicher Dominanz und familiärer Ehre basierenden Wertvorstellungen unter dem Einfluss gesellschaftlicher Wandlungsprozesse bis in die Gegenwart transformiert haben.

  • Historische Entstehung und soziologische Definition der Mafia.
  • Struktur und Funktion des mediterranen Ehrenkodex.
  • Geschlechtsspezifische Rollenbilder und deren Einfluss auf die Familienehre.
  • Wandel von einer auf Ehre basierenden zu einer materialistisch orientierten Mafia.

Auszug aus dem Buch

2.1. Definition der Mafia

Wenn man sich einfach einmal im Bekanntenkreis umhört, was die Leute unter Mafia verstehen, wird man immer wieder das Gleiche zu hören bekommen: „eine kriminelle Vereinigung“, „organisiertes Verbrechen“, „familiäre Bindungen, die in dunkle Machenschaften verwickelt sind“, „Mafia hat doch was mit Dons und Ehre zu tun“. Im Endeffekt stellen sich die meisten eine geheim operierende, kriminelle Organisation vor, die durch die Hochhaltung der individuellen Ehre geprägt ist. Dieses Bild wird auch in so bekannten Filmen wie „Der Pate“, „Die Ehre der Prizzis“ oder „ Donnie Brasco“ vermittelt und gezeichnet. Für das allgemeine Verständnis mögen diese Definitionen vielleicht ausreichen, nicht aber, um aber die spezielle Situation der Mafia in Sizilien zu erläutern. Ich möchte mich hierzu auf die Definitionen von Arlacchi, Hess, Pitré und Blok stützen.

Pino Arlacchi verweist in seinem Buch „Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus“ darauf, dass er die Mafia nicht als eine Organisation, sondern als eine Verhaltensform sieht: „Sich auf mafiose Weise zu verhalten bedeutet, sich ehrenhaft [onorevole] zu verhalten, und zwar in einer Weise, die den Regeln von Mut, Schlauheit, Grausamkeit und der Anwendung von Raub und Betrug entspricht“ (Arlacchi 1989: 29). Ehrenhaft ist in diesem Zusammenhang ein Synonym für außergewöhnlich, achtbar und rechthaberisch. Ganz wichtig ist es dabei, dass ein ehrenhafter Mann immer wieder seine Überlegenheit zur Schau stellt. Ein Mafioso ist nach der Definition von Arlacchi jemand, der sich mafios verhält und sich mit seinem Handeln Respekt und Ehre zu verschaffen weiß, daher auch die italienischen Bedeutungen als uomo di

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die begriffliche Komplexität der Ehre ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die den Wandel der Ehrvorstellungen innerhalb der Mafia in Sizilien analysiert.

2. Die traditionelle sizilianische Mafia: Dieses Kapitel definiert die Mafia nicht nur als Organisation, sondern als Verhaltensform und beleuchtet den historischen Entstehungskontext im Rahmen des sizilianischen Feudalsystems.

3. Der mediterrane Ehrenkodex: Der Abschnitt erläutert die Funktion der Ehre als symbolisches Kapital und zentrales Steuerungsmerkmal für das soziale Handeln in einer Gesellschaft, der es an einer staatlichen Justiz fehlte.

4. Männliche und weibliche Ehre: Hier wird die geschlechtsspezifische Dimension des Kodex analysiert, wobei die „reine Frau“ als Objekt männlicher Familienehre gegenüber dem „kämpfenden Mann“ kontrastiert wird.

5. Veränderung der Ehrvorstellung: Das Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg, der zu einer Verschiebung von immateriellen Werten hin zu materiellem Konsum als Statussymbol führte.

6. Fazit: Die Schlussfolgerung resümiert den Wandel der Mafia vom traditionalen Männerbund hin zu einem modernen, ökonomisch ausgerichteten Akteur in der Konsumgesellschaft.

Schlüsselwörter

Mafia, Ehre, Ehrenkodex, Sizilien, Feudalsystem, Uomo d'onore, Familienehre, Materialismus, Gewalt, Sozialstruktur, Geschlechterrollen, Omertà, Prestige, Kriminalität, Wandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Bedeutung des Ehrbegriffs innerhalb der sizilianischen Mafia und dessen Wandel im Laufe der Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der mediterrane Ehrenkodex, geschlechtsspezifische Rollenbilder, die soziale Funktion von Gewalt und der Übergang von traditionellen Werten zu materialistischem Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die Ehrvorstellungen innerhalb der Mafia und der sizilianischen Gesellschaft durch sozioökonomische Entwicklungen im 20. Jahrhundert verändert haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse soziologischer Standardwerke über die Mafia und mediterrane Gesellschaftsstrukturen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Definition der Mafia, den historischen Kontext der Entstehung, die Bedeutung des Ehrenkodex und die geschlechtsbezogenen Unterschiede innerhalb dieses Systems.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Mafia, Ehre, Ehrenkodex, Familienehre, Materialismus, Gewalt und gesellschaftlicher Wandel.

Warum spielt die Familienehre eine so wichtige Rolle?

In der traditionellen sizilianischen Gesellschaft diente die Familienehre zur Sicherung des sozialen Status und der moralischen Integrität, wobei Frauen als Symbole der Reinheit besonders geschützt wurden.

Wie hat sich das Rollenbild des modernen Mafioso im Vergleich zum traditionellen Bild verändert?

Während der traditionelle Mafioso sich durch Gewalt und die Aufrechterhaltung eines strengen Ehrkodex definierte, steht für den modernen Mafioso primär die Akkumulation von materiellem Reichtum zur Erlangung von gesellschaftlichem Respekt im Vordergrund.

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Details

Title
Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Author
Catrin Knußmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V49032
ISBN (eBook)
9783638455800
ISBN (Book)
9783638764414
Language
German
Tags
Mafia Ehre Ehrvorstellung Siziliens Laufe Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Catrin Knußmann (Author), 2005, Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49032
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