Der Terminus Fundamentalismus erfreut sich vor allem in gegenwärtig geführten Debatten und in Verbindung mit der Religion des Islam einer großen Beliebtheit. Präzise Erklärungen des Begriffes bleiben aber häufig aus. Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, den Begriff des Fundamentalismus näher zu beschreiben. Geschehen soll dies anhand der Frage, ob die jüdische Siedlungsbewegung im Rahmen des Nahostkonfliktes als fundamentalistisch bezeichnet werden kann.
Trotz der Komplexität des Konfliktes soll auch die Erkenntnis gewonnen werden, ob sich der Terminus Fundamentalismus als Konzept zur Beschreibung religiöser Konflikte überhaupt eignet. Zuallererst werden die Grundlagen und die Historie des Begriffs skizziert. Anschließend soll das maßgeblich auf den Ergebnissen von Martin E. Marty und R. Scott Appleby aufbauende „Fundamentalism Project“ vorgestellt werden, mit dem eine genauere Einordnung der judischen Siedlungsbewegung hinsichtlich des Fundamentalismus-Begriffes im Nahostkonflikt möglich ist.
Der Begriff des Fundamentalismus gehört, trotz seiner vermeintlichen Allgegenwärtigkeit, zu den am schwierigsten zu definierenden Begriffen. Vor allem die trennscharfe Abgrenzung etwa zu Konservatismus, Traditionalismus oder Ultra-Orthodoxie fällt schwer. Dabei kann es hilfreich sein, sich zunächst die Entstehungsgeschichte des Terminus Fundamentalismus vor Augen zu führen. Die religionsgeschichtlichen Wurzeln des Begriffes liegen in der protestantischen Fundamentalismusbewegung in den USA. Besonders hervorzuheben ist hierbei die zwischen 1910 und 1915 erschienene Schriftenreihe „The Fundamentals: The Testimony to the Truth“, welche vom Bible Institute of Los Angeles herausgegeben wurde und in Millionenauflage erschien.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Fundamentalismus - Definition eines diffusen Begriffes
2 Fundamentalismus als Kategorie der Beschreibung religiöser Konflikte - Das „Fundamentalism Project“
3 Exkurs: Beschreibung der jüdischen Siedlungsbewegung und des Nahostkonflikts
4 Analyse der jüdischen Siedlungsbewegung unter den Gesichtspunkten des „Fundamentalism Project“
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den umstrittenen Begriff des Fundamentalismus und analysiert, inwieweit die jüdische Siedlungsbewegung im Nahostkonflikt mithilfe des Kriterienkatalogs des „Fundamentalism Project“ als fundamentalistisch eingeordnet werden kann.
- Theoretische Grundlagen und historische Herleitung des Fundamentalismusbegriffs
- Vorstellung und Erläuterung der Kriterien des „Fundamentalism Project“
- Historischer Kontext des Zionismus und der Entwicklung der jüdischen Siedlungsbewegung
- Kritische Analyse der Siedlungsbewegung anhand soziologischer und religiöser Kategorien
- Reflektion der Eignung des Begriffs Fundamentalismus als analytisches Konzept
Auszug aus dem Buch
Fundamentalismus - Definition eines diffusen Begriffes
Der Begriff des Fundamentalismus gehört, trotz seiner vermeintlichen Allgegenwärtigkeit, zu den am schwierigsten zu definierenden Begriffen. Vor allem die trennscharfe Abgrenzung etwa zu Konservatismus, Traditionalismus oder Ultra-Orthodoxie fällt schwer. Dabei kann es hilfreich sein, sich zunächst die Entstehungsgeschichte des Terminus Fundamentalismus vor Augen zu führen.
Die religionsgeschichtlichen Wurzeln des Begriffes liegen in der protestantischen Fundamentalismusbewegung in den USA. Besonders hervorzuheben ist hierbei die zwischen 1910 und 1915 erschienene Schriftenreihe „The Fundamentals: The Testimony to the Truth“, welche vom Bible Institute of Los Angeles herausgegeben wurde und in Millionenauflage erschien. Die VeröffentlicherInnen sahen die amerikanische Kultur insgesamt bedroht, lehnten eine liberale Auslegung der Bibel strikt ab und erhoben die Forderung „zu den Wurzeln der Bibelexegese zurückzukehren“.
Das Beispiel der amerikanischen Fundamentalismusbewegung zeigt deutlich eine der entscheidenden Grundlagen des Fundamentalismus. Alle Bewegungen eint das Gefühl einer wahrgenommenen Bedrohung. Im Falle des Beispiels sind dies vor allem die Herausforderungen des christlichen Glaubens durch moderne naturwissenschaftliche Theorien, wie etwa die von Charles Darwin forcierte Evolutionstheorie. Diese stellen nicht etwa nur einzelne Teile der christlichen Schöpfungsgeschichte in Frage, sondern den christlichen Glauben an sich. So wird Fundamentalismus auch als „ein rückwärtsgewandter Protest gegen Zumutungen der Moderne wie etwa Demokratie und Liberalität, urbane Lebensformen und Säkularisierung gesehen“.
Die Fortschrittskritik wird dabei von der Strategie des Kompromisslosen, des Unbedingten und des Absoluten begleitet, was eine Argumentation mit gegenläufigen Meinungen erschwert beziehungsweise gänzlich unmöglich macht. Die Herausforderungen der Moderne stellen für den jeweiligen Glauben also einen Angriff auf die jeweiligen Fundamente dar, die folglich mit einer Flucht hin zu ebendiesen beantwortet wird. Fundamente dienen zugleich als Orientierungshilfe und Wertesystem in einer als unübersichtlich und tendenziell feindlich wahrgenommenen Umwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Begriffsbildung "Fundamentalismus" ein und formuliert das Ziel, die jüdische Siedlungsbewegung auf fundamentalistische Tendenzen hin zu untersuchen.
1 Fundamentalismus - Definition eines diffusen Begriffes: Dieses Kapitel erläutert die schwierige Definition des Fundamentalismus und arbeitet dessen Wurzeln in der US-amerikanischen Protestbewegung sowie die Reaktion auf Modernisierungsprozesse heraus.
2 Fundamentalismus als Kategorie der Beschreibung religiöser Konflikte - Das „Fundamentalism Project“: Hier werden die Ergebnisse des „Fundamentalism Project“ vorgestellt, das eine wissenschaftliche Systematik zur Analyse fundamentalistischer Bewegungen bereitstellt.
3 Exkurs: Beschreibung der jüdischen Siedlungsbewegung und des Nahostkonflikts: Dieses Kapitel bietet einen geschichtlichen Abriss über die Entstehung des Zionismus und die Entwicklung der Siedlungsbewegung im Kontext des Nahostkonflikts.
4 Analyse der jüdischen Siedlungsbewegung unter den Gesichtspunkten des „Fundamentalism Project“: Die praktische Anwendung der zuvor erarbeiteten Kriterien auf die jüdische Siedlungsbewegung zeigt die Grenzen des Modells und die Heterogenität der Bewegung auf.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Fundamentalismusbegriff zwar Ansätze für eine Analyse liefert, aufgrund der Komplexität der jüdischen Siedlungsbewegung jedoch nur bedingt als universelles Analysekonzept taugt.
Schlüsselwörter
Fundamentalismus, Jüdische Siedlungsbewegung, Nahostkonflikt, Fundamentalism Project, Zionismus, Religiöser Konflikt, Moderne, Identität, Israel, Palästina, Soziale Bewegung, Antisemitismus, Messianismus, Religionsgeschichte, Fundamentalistisches Potenzial
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie der wissenschaftliche Begriff des Fundamentalismus verwendet werden kann, um religiös motivierte gesellschaftliche Konflikte wie die jüdische Siedlungsbewegung zu beschreiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definitionstheorie von Fundamentalismus, die wissenschaftliche Kategorisierung durch das „Fundamentalism Project“ und die historische Entwicklung des Zionismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob die jüdische Siedlungsbewegung im Nahostkonflikt als fundamentalistisch bezeichnet werden kann und ob der Terminus für diese Art der Konfliktbeschreibung geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Einbettung durch Fachliteratur und wendet dann einen bestehenden Kriterienkatalog (das „Fundamentalism Project“) auf einen spezifischen historischen und politischen Fall an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die Begriffsbestimmung, die theoretischen Analysekriterien, den historischen Exkurs zum Zionismus und die direkte Analyse der Siedlerbewegung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff Fundamentalismus sind Zionismus, Siedlungsbewegung, Nahostkonflikt und der Kriterienkatalog von Marty und Appleby für die Arbeit maßgeblich.
Warum fällt eine Einordnung der Siedlerbewegung unter den Fundamentalismus-Begriff schwer?
Weil die Bewegung historisch aus einer primär säkularen zionistischen Idee entstand und zudem sehr heterogen ist, wodurch nicht alle klassischen Kriterien (wie eine einheitliche autoritäre Organisation) gleichermaßen greifen.
Welche Rolle spielt die "Reaktivität" laut dem Modell?
Reaktivität beschreibt die Reaktion einer religiösen Gruppe auf als bedrohlich wahrgenommene Veränderungen durch die Moderne; die Autorin zeigt auf, dass dies nur bedingt auf die zionistische Siedlungsbewegung zutrifft.
Was schlussfolgert die Autorin über den Begriff "Fundamentalismus"?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Begriff als starres Analysekonzept wenig geeignet ist, da er häufig eher zur Stigmatisierung genutzt wird, statt komplexe historische Zusammenhänge differenziert zu erklären.
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- Anonym (Author), 2015, Religiöser Fundamentalismus. Betrachtung der jüdischen Siedlungsbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490372