„Der Mensch ist auf das Erwerben als Zweck seines Lebens, nicht mehr das Erwerben auf den Menschen als Mittel zum Zweck der Befriedigung seiner materiellen Lebensbedürfnisse bezogen.“
Die Industrielle Revolution - ein weltgeschichtliches Ereignis, das ab ca. 1850 ausgehend von Großbritannien durch Industrialisierung und Rationalisierung zu radikalen Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen führte und schnell auf andere europäische Länder wie z.B. Deutschland und Skandinavien, aber auch nach Übersee übergriff. Neuerungen im technischen Bereich und der damit verbundene Fortschritt, die Entwicklung eines Klassenverständnisses unter den Bürgern, Zentralisation der Produktion, demographische Veränderungen, eine neue Beschäftigungsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie und ein modernes betriebswirtschaftliches Denken - dies sind nur einige bedeutende Faktoren der Industriellen Revolution.
1904/05 veröffentlichte der deutsche Ökonom und Soziologe Max Weber (1864 - 1920) seine berühmte Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ im „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“.
Er entwickelte die These, dass Länder mit einer dominanten protestantischen Gesellschaft, z.B. England und die Niederlande, im historischen Ablauf in der Entwicklung des Kapitalismus eine Vorreiterrolle einnahmen, katholische Länder hingegen eher Nachzügler blieben.
In Bezug auf Deutschland stellte Weber fest, dass protestantische Gebiete vermögender waren als katholische und schließt somit auf einen Zusammenhang von Religion und Wirtschaftsentwicklung.
Ist es also möglich, einen Zusammenhang zwischen den Dogmen einer Religion und dem Entstehen der modernen Form des Kapitalismus herzustellen? Und welche Rolle spielt hierbei das moderne Unternehmertum des 19. Jahrhunderts?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Max Webers These von „Protestantischer Ethik“ und dem „Geist des Kapitalismus“
2.1.„Kapitalismus“ im Sinne Max Webers
3. Unternehmertum in Deutschland im 19. Jahrhundert
3.1.Definition des Unternehmers
3.2. „Protestantische Ethik“ und „Geist des Kapitalismus“
4. Exemplarische Vorstellung zweier Gebiete zur Veranschaulichung der These Max Webers – Calw und das Rheinland
4.1. Calw
4.2. Das Rheinland
5. Inwieweit ist Max Webers These für das Unternehmertum des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu belegen?
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den von Max Weber postulierten Zusammenhang zwischen der protestantischen Ethik und der Entstehung des modernen kapitalistischen Geistes, mit einem speziellen Fokus auf das Unternehmertum im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Gültigkeit dieser soziologischen Hypothese anhand theoretischer Grundlagen sowie exemplarischer Fallstudien zu hinterfragen und zu diskutieren.
- Analyse der Weberschen These zum „Geist des Kapitalismus“
- Definition und Aufgabenbereiche des modernen Unternehmertums
- Sozio-kulturelle Einflüsse religiöser Konfessionen auf das Wirtschaftshandeln
- Vergleichende Fallstudien: Das pietistisch geprägte Calw vs. das katholisch dominierte Rheinland
- Diskussion der empirischen Validität im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition des Unternehmers
„Im Erkennen und Durchsetzen neuer Möglichkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet liegt das Wesen der Unternehmerfunktion.“
Dieses Zitat von Joseph Schumpeter zeigt bereits, dass sich die Aufgaben des modernen Unternehmers nicht nur auf der ökonomischen Ebene bewegen.
Neben den für die Unternehmungen unbedingt existenten wirtschaftlichen Voraussetzungen wie u.a. dem Vorhandensein von ausreichend Kapital und Arbeitskräften, muss auch „eine[r] dem Wirtschaften zugewandte[r] Mentalität“ im Kreis der Unternehmer bestehen. Aus dieser spezifischen Mentalität in Kombination mit ökonomischem Wissen entsteht dann nach Schumpeter die „wirtschaftliche Führerschaft.“
Für Benno Biermann erscheint aus dieser Kombination „[…] das Bild der unternehmerischen „Persönlichkeit“, die sich durch schöpferische Gestaltungskraft, Verantwortungsfreude, Entscheidungskraft und Führungskönnen auszeichnet.“
Doch wie ist jetzt nun der Begriff „Unternehmer“ genau zu definieren und was sind seine Aufgaben?
Auf ökonomischer Ebene ordnet Schumpeter den Unternehmern, der „wirtschaftlichen Führerschaft“ folgende Aufgaben zu, die ohne die oben genannte spezifische Mentalität und das wirtschaftliche Wissen nicht durchführbar wären:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Verbindung von protestantischer Religion und der Entstehung des modernen Kapitalismus.
2. Max Webers These von „Protestantischer Ethik“ und dem „Geist des Kapitalismus“: Erläuterung der Kausalbeziehung zwischen asketischer Lebensführung und dem kapitalistischen Wirtschaftsethos.
2.1.„Kapitalismus“ im Sinne Max Webers: Definition des Kapitalismus als rationales Wirtschaftssystem und Abgrenzung zum bloßen Gewinnstreben.
3. Unternehmertum in Deutschland im 19. Jahrhundert: Untersuchung der Faktoren, die das Unternehmertum während der industriellen Revolution prägten.
3.1.Definition des Unternehmers: Analyse der strategischen und schöpferischen Funktionen des Unternehmers nach Schumpeter und Kocka.
3.2. „Protestantische Ethik“ und „Geist des Kapitalismus“: Verbindung der religiösen Glaubensinhalte mit den spezifischen unternehmerischen Wertevorstellungen.
4. Exemplarische Vorstellung zweier Gebiete zur Veranschaulichung der These Max Webers – Calw und das Rheinland: Praktische Anwendung der Theorie auf regionalhistorische Beispiele.
4.1. Calw: Analyse des Einflusses des Pietismus auf die wirtschaftliche Blüte der Handelsstadt Calw.
4.2. Das Rheinland: Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung im katholisch geprägten Rheinland unter preußischem Einfluss.
5. Inwieweit ist Max Webers These für das Unternehmertum des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu belegen?: Kritische Schlussfolgerung zur Gültigkeit der Hypothese unter Berücksichtigung weiterer gesellschaftlicher Faktoren.
6. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung zur anhaltenden Relevanz der Weberschen Theorien in der aktuellen Forschung.
Schlüsselwörter
Protestantische Ethik, Geist des Kapitalismus, Max Weber, Unternehmertum, Industrielle Revolution, Pietismus, Calvinismus, Wirtschaftsgeschichte, rationale Lebensführung, Konfession, Kapitalbildung, Wirtschaftsethik, Schumpeter, Modernisierung, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische These von Max Weber, ob die protestantische Glaubenslehre einen förderlichen Einfluss auf die Entstehung und Ausbreitung des modernen Kapitalismus im 19. Jahrhundert hatte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Religionssoziologie, der deutschen Wirtschaftsgeschichte im 19. Jahrhundert sowie der Definition von unternehmerischen Funktionen und Persönlichkeitsprofilen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Webers Hypothese zu erläutern und exemplarisch an den Regionen Calw und dem Rheinland zu prüfen, ob ein direkter Zusammenhang zwischen Konfession und wirtschaftlichem Erfolg nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung soziologischer und wirtschaftshistorischer Literatur sowie der Untersuchung von Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Kapitalismus-Begriff Webers, die Aufgaben des Unternehmers sowie der Vergleich zwischen protestantischen und katholischen Prägungen in deutschen Wirtschaftsregionen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die „protestantische Ethik“, der „Geist des Kapitalismus“, „rationale Lebensführung“, „Unternehmertum“ und der sozio-kulturelle Kontext der Industrialisierung.
Warum wird Calw als Fallbeispiel angeführt?
Calw dient als Beispiel für eine protestantisch-pietistische Gemeinschaft, in der eine Verbindung zwischen strenger Religiosität und wirtschaftlichem Erfolg durch die „Calwer Compagnie“ besonders gut beobachtbar war.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Relevanz Webers?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Webers These zwar unterstützend und prägend für das 19. Jahrhundert wirkte, jedoch nicht als alleinige Ursache für wirtschaftliche Erfolge betrachtet werden kann, da auch naturgegebene und andere gesellschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle spielten.
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- Meike Seiffert (Author), 2005, Protestantische Ethik und Unternehmertum in Deutschland im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49048