Das Scheiterin der Integration in Iphigenie auf Tauris


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition

3. Integration im Werk

4. Welchen Gegenwartsbezug hat das Thema Integration?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen

Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;

Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.“1

In dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, wieso, beziehungsweise woran die Integration in Goethes Drama Iphigenie auf Tauris gescheitert ist. In dem Zusammenhang werden zunächst wichtige Begriffe für diese Hausarbeit definiert, um zu verdeutlichen, wie diese im Rahmen dieser Arbeit verstanden und verwendet werden. Im Anschluss daran wird analysiert, wo und wie das Thema Integration im Drama praktisch umgesetzt wird. Dazu wird zunächst der Inhalt thematisiert und durch eine kurze Zusammenfassung wird ein Überblick über das Gesamtwerk gegeben. Dies ist notwendig, um die darauffolgenden Ergebnisse in den richtigen Kontext zu setzen.

Im Anschluss daran erfolgt die detaillierte Untersuchung, inwiefern Iphigenie auf Tauris integriert ist. Dafür wird untersucht, in welcher Lebenssituation sie sich befindet und auch welchen sozialen Status sie hat und wo in diesen Bereichen Integration zu erkennen ist. Daran schließt sich die Bearbeitung der Frage an, woran die Integration schließlich doch gescheitert ist.

Im Anschluss daran erfolgt die Bearbeitung der Frage, welchen Gegenwartsbezug das Thema Integration heutzutage hat. Auch unter diesem Punkt wird das Scheitern der Integration diskutiert. Dabei ist zu beachten, dass ich die Thematik und seine Bedeutung auf die Gesellschaft in Deutschland beschränke. Außerdem werde ich mich bei der Bearbeitung dieses Abschnitts auf einen kleinen Ausschnitt für Gründe des Scheiterns beschränken, da das Thema aufgrund seiner Größe und auch der unterschiedlichen Ansichten und Perspektiven sehr individuell wahrgenommen werden kann und es so zu unzähligen Meinungen und Gründen, aber auch Vorwürfen kommen kann. Aus diesen Gründen werde ich bei dieser Bearbeitung vor allem auf persönlichen Erfahrungen zurückgreifen, um auf ein Ergebnis kommen zu können, was je nach Standpunkt bei jedem Menschen anders ausfallen kann.

Zum Ende der Hausarbeit, werde ich die Ergebnisse in einem Fazit noch einmal zusammenfassen und die Hausarbeit damit abschließen.

Die Einleitung dieser Arbeit möchte ich auch nutzen, um meine Eigenmotivation für die Bearbeitung dieses Themas darzustellen.

Ich selbst gehöre auch offiziell zu der Gruppe mit Migrationshintergrund. Mein Pass ist Deutsch, meine Muttersprache ist Deutsch, ich bin in Deutschland geboren und meine Mutter ist Deutsche, genau wie all ihre Vorfahren, von denen ich weiß. Mein Vater kam aus Indien alleine nach Deutschland und darin besteht mein Migrationshintergrund. Kulturell halte ich mich für Deutsch geprägt, indischen Einfluss habe ich wahrscheinlich so gut wie keinen, da ich neun Monate alt war, als mein Vater starb. Aber mein Aussehen ist wohl nicht deutsch. Denn nur so kann ich mir erklären, dass ich auf einer Hochzeit angesprochen und gefragt wurde, ob dies die erste deutsche Hochzeit wäre, auf der ich war. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass mir schon mehrfach im Leben, meine deutschen Mitmenschen mit einem anerkennenden Lächeln gesagt haben: „Du sprichst aber gut Deutsch.“

In der Hausarbeit frage ich nach den Gründen für das Scheitern der Integration von Iphigenie. Das ist eine Frage, die mich auch in meinem alltäglichen Leben begleitet. Woran scheitert meine eigene, reale Integration? Was habe ich falsch gemacht, dass ich nicht als Deutsche gesehen werde, bei der es ganz normal ist, dass sie gutes Deutsch spricht und die man nicht extra dafür loben muss? Habe ich überhaupt was falsch gemacht? In meinem Fazit komme ich auf diese Fragen zurück.

2. Begriffsdefinition

Im Folgenden werden zwei wichtige Begriffe dieser Hausarbeit genauer definiert, um zu verdeutlichen, wie sie hier zu verstehen sind. Es handelt sich bei den Begriffen um Integration und Flüchtlinge. Dabei ist zu beachten, dass es den Begriff der Integration zu den Lebzeiten Goethes noch nicht so gegeben hat, obwohl sein Werk die Thematik beinhaltet. Der Begriff wird daher in dieser Hausarbeit aus der heutigen Perspektive definiert.

2.1 Integration

Der Begriff Integration kommt aus dem lateinischen von dem Wort integrare und lässt sich mit wiederherstellen oder ergänzen übersetzen.

Wenn man sich mit verschiedenen Definitionen dieses Begriffes auseinandersetzt, fällt auf, dass die Übersetzung von integrare überall aufgenommen wurde, trotzdem unterscheiden sich alle Definitionen erheblich. Da es in dieser Hausarbeit vor allem um ein neues Individuum in eine Gesellschaft dreht, orientiert sich mein Verständnis von Integration besonders an der Definition aus dem Taschenwörterbuch soziale Arbeit:

„Im sozialwissenschaftlichen Diskurs gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs I. Zentrale Elemente beziehen sich auf Prozesse der Herstellung eines Zusammenhaltes unterschiedlicher aufeinander verwiesener Gruppen in einer Gesellschaft, der umso schwieriger wird, je heterogener die einzelnen Teilbereiche sind. Als Voraussetzung zur Schaffung eines derartigen Zusammenhaltes werden auf Gerechtigkeit zielende Herrschafts- und Sozialstrukturen gesehen, die einen Interessensausgleich ermöglichen, Konfliktbewältigungsmechanismen vorsehen und eine soziale Praxis gegenseitiger Anerkennung fördern. In diesem Prozess kommt dem Zugang zu Bildung, der Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt unter Einbeziehung von Familienarbeit und der staatsbürgerlichen Anerkennung unter jeweiliger Berücksichtigung der strukturellen Faktoren Klasse, Geschlecht und Ethnie eine zentrale Bedeutung zu.“2

Dieser Definition würde ich noch hinzufügen, dass dieser Prozess der Herstellung einer Einheit wie ein Puzzle verstanden werden kann. Dabei ist das Puzzle als Gesellschaft zu verstehen, das jedoch flexibel genug sein muss, um zuzulassen, dass ein weiteres Puzzleteil hinzugefügt werden kann. Dass dieses Teil passt, erfordert ebenfalls eine gewisse Flexibilität des neuen Puzzleteils, das sich ein Stück weit der Form anpassen muss.

2.2 Flüchtlinge

Laut dem Genfer Flüchtlingsabkommen3 sind Flüchtlinge Menschen, die aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden und deshalb ihre Heimatländer verlassen müssen. Dabei ist zu beachten, dass es nach dem aktuellen Völkerrecht einen großen Unterschied zwischen Flüchtlingen und Migranten gibt. So ist ein Mensch, der sein Heimatland verlässt, um bessere Lebensbedingungen zu bekommen und somit freiwillig sein Heimatland verlässt, nicht gleichzusetzen mit Menschen, die aufgrund der oben genannten Bedingungen zur Flucht gezwungen sind. Dabei ist anzumerken, dass Kriege nicht explizit aufgeführt werden.

3. Integration im Werk

In diesem Kapitel wird zunächst ein Überblick über das Werk gegeben, um es in den thematischen Kontext zu setzen. Im Anschluss wird analysiert, auf welche Art und Weise die Protagonistin Iphigenie auf Tauris integriert ist und im dritten Schritt wird nach den Gründen gesucht, die letztendlich dazu führen, dass diese Integration im Werk scheitert.

3.1 Inhaltlicher Überblick über das Werk Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang Goethe

Iphigenie auf Tauris ist ein Drama, das auf der Insel Tauris spielt. Dabei handelt es sich bei Iphigenie um eine Griechin aus der Tantalidenfamilie, die für den Krieg von ihrem Vater als menschliches Opfer dargeboten werden sollte. Die Göttin Diana, für die man sie opfern wollte, rettete Iphigenie und brachte sie auf die Insel Tauris. Dort war es üblich, alle Fremden als Menschenopfer der Göttin Diana darzubringen. Doch der König von Tauris opferte Iphigenie nicht und sie wurde Priesterin, um der Göttin Diana zu dienen. Sie war bei den Menschen auf Tauris sehr beliebt und hatte auch großen Einfluss auf den König, sodass er für sie das Menschenopfer ganz abschaffte. Schließlich warb der König sogar um die Hand von Iphigenie, doch als sie seinen Antrag nicht annahm, führte er das Menschenopfer wieder ein, als zwei Fremde, Orest und Pylades, sich der Insel näherten. Als Priesterin war es Iphigenies Aufgabe, den Kult zu vollziehen, weshalb die Fremden zu ihr gebracht wurden. Dabei kam heraus, dass einer der zwei Fremden ihr Bruder Orest war. Iphigenie erfuhr so von den schlechten Verhältnissen in ihrer Familie, die auf einen Fluch zurückzuführen war, unter dem die Familie leidete und so war auch ihr Bruder davon betroffen und nicht Herr seiner Sinne.

Er kam nach Tauris, weil ihm der Gott Apoll versprochen hatte, ihn von seinem Irrsinn zu befreien, wenn er die Schwester zurück nach Hause bringen würde. Orest ging bei diesem Auftrag davon aus, dass Apoll seine eigene Schwester Diana meint und nicht Orest Schwester Iphigenie, weshalb er die Statue von Diana stehlen wollte.

Nachdem Iphigenie von dem Zustand ihres Bruders erfuhr, betete sie um seine Heilung und tatsächlich wurde Orest Verstand wieder klar und er wollte nun zusammen mit Pylades und Iphigenie von der Insel fliehen.

Iphigenie geriet daraufhin in einen Zwiespalt, denn zum einen vermisste sie ihre Heimat Griechenland, doch zum anderen fühlte sie sich der Göttin Diana verpflichtet und den Menschen von Tauris, die sie aufgenommen hatten und als ihresgleichen akzeptiert hatten und auch gegenüber dem König, der ihr Schutz geboten hatte. Letztendlich war das Pflichtgefühl den Menschen von Tauris gegenüber größer und so gestand sie König Thaos alles von der geplanten Flucht, bat ihn jedoch gleichzeitig darum, sie alle gehen zu lassen.

Doch Thaos hatte nicht vergessen, dass Orest gekommen war, um die Statue der Diana zu stehlen und war nicht bereit, allesamt gehen zu lassen. Doch Orest hatte seinen Fehler erkannt und er wusste jetzt, dass es nie seine Aufgabe war die Statue zu rauben, sonders dass er seine Schwester Iphigenie wieder nach Hause holen sollte. Nachdem Orest ihm von dieser Erkenntnis berichtete, gewährte es König Thoas ihnen schließlich, dass sie Tauris verlassen und zurück nach Griechenland durften, einschließlich Iphigenie.

3.2 Inwiefern ist Iphigenie auf Tauris integriert?

Schon zu Beginn des Dramas erfährt man, durch ein Gespräch zwischen Iphigenie und Arkas, einem Vertrauten des Königs von Tauris, dass Iphigenie für Tauris sehr besonders ist, weil sie die erste ist, die nicht als Menschenopfer dargeboten wurde, nachdem sie auf der Insel angekommen war. Sie hat damit schon automatisch einen besonderen Status.4 Zudem hat Iphigenie das Amt der Priesterin eingenommen und einen großen Einfluss auf den König, so hat sie es geschafft, dass der König das Menschenopfer komplett abschafft. Ein Brauch der auch von dem Volk selbst als „grausamen Gebrauch“5 angesehen wurde, zumindest benutzt Arkas diese Wortwahl. Arkas kommt auch später nochmal auf die Menschen von Tauris im Zusammenhang mit dem Opferkult darauf zu sprechen, dass es nicht länger im Interesse des Volkes ist, ein Menschenopfer darzubringen.6 Somit liegt die Interpretation nahe, dass es als etwas Positives angesehen wurde, dass der Kult durch Iphigenie gestoppt werden konnte und dementsprechend auch Iphigenie als Person positiv wahrgenommen wurde.

[...]


1 Iphigenie auf Tauris. Goethes Werke. Achte, völlig neubearbeitete Auflage. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Hrsg. von Erich Trunz. Bd. V. C.H. Beck München: 1977, Seite 7, Zeile 7-9

2 Thole, W. et al., 2012. Taschenwörterbuch soziale Arbeit., Bad Heilbrunn: Klinkhardt. Seite 141 f.

3 https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/shop/media/pdf/7b/8b/76/GFK_Pocket_2015.pdf (22.03.2019)

4 Goethe, W.: Iphigenie auf Tauris. Seite 10, Zeile 101-104

5 Goethe, W.: Iphigenie auf Tauris. Seite 10, Zeile 122

6 Goethe, W.: Iphigenie auf Tauris. Seite 47, Zeile 1468-1469

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Scheiterin der Integration in Iphigenie auf Tauris
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sprach- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Erzähltextanalyse: Flucht und Vertreibung in Goethes Erzählwerk
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V490585
ISBN (eBook)
9783668978294
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Johann Wolfgang Goethe, Iphigenie auf Tauris, Integration, gescheiterte Integration, Flucht und Vertreibung, Scheitern der Integration, Literatur und Kultur
Arbeit zitieren
Raziya Yilmaz (Autor), 2019, Das Scheiterin der Integration in Iphigenie auf Tauris, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490585

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