Auf den Spuren von Thoreau. Rezeption und Verarbeitung in Red Dead Redemption 2


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
60 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Henry David Thoreau
2.1 Natur und Kultur
2.2 Der Westen und die Wildnis
2.3 Der Sumpf und die Stadt
2.4 Die Pflicht zum zivilen Ungehorsam

3 Abbildungen sozialer Ungleichheit in der Spielwelt
3.1 Industrialisierung und Korruption
3.2 Menschenrecht und Territorialansprüche
3.3 Frauenwahlrecht
3.4 Rassismus

4 Das Journal des Antihelden
4.1 Die ursprüngliche Wildnis
4.2 Die Verheißungen des Westens
4.3 Von Reptilien und der Großstadt
4.4 Die neue alte Welt
4.5 Instinkt und Kalkül

5 Evelyn Miller
5.1 Literarisches Werk
5.2 Gesellschaftliche und öffentliche Rezeption
5.3 Ein erfolgloser Menschenrechtler?
5.4 Zivilisatorischer Bruch

6 Fazit
6.1 Die verschiedenen Facetten der Wildnis
6.2 Der Westen und die Freiheit
6.3 Die urbane Wildnis
6.4 Ein zweiter Thoreau
6.5 Das Recht zum zivilen Ungehorsam

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Digitale Medien

Abbildungsverzeichnis

Anhang
Übersicht der digitalen Texte
Screenshots aus Red Dead Redemption
Zeitungsartikel
Bücher.
Briefe
Flugblätter
Tagebucheinträge

1 Einleitung

Im Nordamerika des 19. Jahrhunderts war die Wildnis von besonderer Bedeutung. Große ökonomische, gesellschaftliche und technische Veränderungen spielten sich in der neuen Welt in dieser Zeit ab: Die natürliche Wildnis schwand mit der Westexpansion, die soziale Wildnis entstand auf dem Rücken der Sklaverei, und die urbane Wildnis gedieh dort, wo die Industrie das Humankapital bündelte.

Als Henry David Thoreau Mitte des 19. Jahrhunderts sein Hauptwerk Walden verfasste, schuf er damit nicht nur einen praktischen Leitfaden zum selbstbestimmten Leben in der Wildnis, sondern legte auch wesentliche Ansichten dar über eine Zeit des zivilisatorischen Umbruchs, der gerade in Amerika zu beispiellosen sozialen Reibungen und moralischen Verfehlungen führte. Seine Bestimmung der natürlichen Wildnis samt ihrer Bedeutung, und seine Abgrenzung von einer Gesellschaft, die für ihn dank Kriegstreiberei und Sklaverei mehr und mehr an Glaubwürdigkeit verlor, geben seinen Worten als Zeitgenosse ihr Gewicht.

Viele von Thoreaus Gedanken finden sich in dem Videospiel Red Dead Redemption 2 verarbeitet. Angesiedelt im Jahre 1899 in einem alternativen Nordamerika, ist der Protagonist Arthur Morgan ein Gesetzloser, der in blinder Loyalität zu seinem Ziehvater Dutch Van der Linde steht und mit dessen knapp zwei Dutzend Personen umfassender Bande vor dem Gesetz und der Zivilisation flieht.

Ein zentrales Thema auf narrativer Ebene ist die Wildnis, sei es die natürliche oder die soziale. In dem alternativen Amerika von Red Dead Redemption 2 steht es dem Spieler weitestgehend frei, seine Handlungen moralischen oder ökonomischen Gründen zu unterwerfen. Interessant ist hierbei das Journal, welches der Protagonist Arthur Morgan über den Verlauf des Spiels führt und in das er neben inhaltlichen Zusammenfassungen der zuvor erlebten Abenteuer auch zahlreiche Reflexionen über die Gesellschaft und seine Rolle darin schreibt.

Von weiterem Interesse ist an diesem Videospiel die motivische Dichte und die hohe Literarizität. Neben dem am Ende über 9.000 Worte umfassenden Journal des Protagonisten gibt es zwei Zeitungen, die Bezug auf die Ereignisse der Spielwelt nehmen, sowie den fiktiven Schriftsteller Evelyn Miller, dessen Leben und Werk einige Parallelen zu Thoreau aufweisen.

Die vorliegende Arbeit möchte daher ergründen, wie die Wildnis auf textlicher Ebene in Red Dead Redemption 2 dargestellt und verarbeitet wird. Ferner wird analysiert, ob sich in diesem Spiel, und insbesondere der Figur des Evelyn Miller, eine Rezeption von Thoreau finden lässt.

Hierzu werden zunächst die zentralen Gedanken von Henry David Thoreau anhand von zwei seiner Werke herausgearbeitet: Civil Disobedience (1849) und Walking ( 1862).

In einem ersten Analysekapitel zu Red Dead Redemption 2 wird sodann der sozialgeschichtliche Kontext der Spielwelt ergründet und zwar hauptsächlich unter Bezugnahme auf die im Spiel existierenden Zeitungen. Hierdurch sollen vor allem Parallelen zu dem historischen Amerika zur Zeit Henry David Thoreaus aufgezeigt werden, denn dadurch bekommen seine Gedanken (und die Verarbeitung dieser) eine Aussagekraft im Kontext des Videospiels.

Ein weiteres Analysekapitel arbeitet die narrative Ebene von Red Dead Redemption 2 anhand des Journals von Arthur Morgan auf und geht insbesondere auf dessen Reflexionen zu Mensch und Natur ein.

In einem dritten und letzten Analysekapitel wird die Figur des Evelyn Miller beleuchtet. Dies geschieht anhand von weiteren Zeitungsartikeln, den zwei im Spiel vorhandenen Büchern Evelyn Millers, sowie den Tagebuchaufzeichnungen des Protagonisten nach den Aufeinandertreffen mit dem Schriftsteller.

Das darauffolgende Fazit präsentiert die Ergebnisse der Analysekapitel in geordneter Form und gleicht diese miteinander ab. Abschließend wird die Frage beantwortet, inwiefern die Gesetzlosigkeit des Protagonisten Arthur Morgan als Pflicht zum zivilen Ungehorsam verstanden werden kann.

2 Henry David Thoreau

In diesem ersten Analysekapitel werden einige der bedeutendsten Texte von Henry David Thoreau beleuchtet, namentlich Civil Disobedience (1849) und Walking ( 1862). Diese Veröffentlichungen überspannen mehr als die Hälfte von Thoreaus kurzer literarischer Schaffensphase, liegen in ihrer Entstehung allerdings wesentlich dichter beisammen.

Es war im Sommer des Jahres 1845, als Henry David Thoreau sein zweijähriges Lebensexperiment am Walden-See begann. In diesen Zeitraum fällt auch das Ereignis, welches zu seinem Aufsatz über die Pflicht des zivilen Ungehorsams führte, den er Anfang 1848 zum ersten Mal im Lyzeum von Concord, Massachusetts, vortrug.

An gleicher Stelle folgte 1851 der erste Vortrag von Walking, ein auch als T he Wild betitelter Aufsatz, der erst nach Thoreaus Tod 1862 in Printform erschien.

2.1 Natur und Kultur

Zu Beginn von Walking legt Thoreau direkt dar, worum es ihm im Folgenden gehen wird:

I wish to speak a word for Nature, for absolute freedom and wildness, as contrasted with a freedom and culture merely civil--to regard man as an inhabitant, or a part and parcel of Nature, rather than a member of society.1

Die Natur wird hier der Kultur entgegengestellt, da erstere mit absoluter Freiheit und Wildheit gleichgesetzt wird, letztere lediglich die bürgerlichen Aspekte dieser Eigenschaften verkörpert. Konkreter wird dies, wenn Thoreau vom einzelnen Menschen spricht. Diesen möchte er als Teil der Natur verstanden haben, nicht lediglich als einen Teil der Gesellschaft.

Die Bedeutung der Wildheit führt er folgendermaßen aus:

Life consists with wildness. The most alive is the wildest. Not yet subdued to man, its presence refreshes him. One who pressed forward incessantly and never rested from his labors, who grew fast and made infinite demands on life, would always find himself in a new country or wilderness, and surrounded by the raw material of life.2

Das Leben besteht aus der Wildheit und solange diese noch nicht dem Menschen untergeordnet ist, solange der Mensch von dieser Wildheit angetrieben wird und sich deshalb nie auf den Früchten seiner Arbeit ausruht, solange wird der Mensch sich stets in einer neuen Wildnis finden, umgeben vom Rohmaterial des Lebens.

Interessant ist zudem, dass Thoreau hier sowohl von „wildness“ als auch von „wilderness“ spricht, letztere verwendet er zudem synonym zu dem Begriff „new country“. Er schafft dadurch eine Aufwertung der Wildnis, denn das „neue Land“ will nicht primär bekämpft werden.

2.2 Der Westen und die Wildnis

Im Amerika des 18. und 19. Jahrhunderts bewegte sich die Wildnis entlang der sogenannten Frontier, der zivilisatorischen Grenzlinie, die ursprünglich noch bei den Kolonien an der Ostküste gelegen hatte, sich allerdings rasant nach Westen ausbreitete. Der Westen galt lange als Inbegriff der Freiheit, da dort, aus Sicht der anglo-sächsischen Siedler, weder Besitz noch Zivilisation existierte.

Auch für Thoreau hatte der Westen eine größere Bedeutung. In „Walking“ stellt er fest:

Eastward I go only by force; but westward I go free. Thither no business leads me. It is hard for me to believe that I shall find fair landscapes or sufficient wildness and freedom behind the eastern horizon. 3

Es ist vor allem die Abgrenzung zum Osten bzw. dem östlichen Horizont, die dem Westen für Thoreau seine Bedeutung verleiht. Westwärts schreitet er frei, dort findet er, im Gegensatz zum Osten, noch reine Landschaften, ausreichende Wildheit und vor allem Freiheit.

Dieses Konzept der Freiheit ist von zentraler Bedeutung für Thoreaus Rezeption des Westens. Er führt weiter aus:

We go eastward to realize history and study the works of art and literature, retracing the steps of the race; we go westward as into the future, with a spirit of enterprise and adventure. The Atlantic is a Lethean stream, in our passage over which we have had an opportunity to forget the Old World and its institutions.4

Für Thoreau stellt der Westen also die Zukunft dar, der Osten demnach die Alte Welt, wo die Geschichte und die Kunst ruhen. Die Fahrt über den Atlantik vergleicht Thoreau sogar mit dem Fluss Lethe aus der griechischen Mythologie: Wer nach Amerika kommt, der bekommt auf seiner Überfahrt die Möglichkeit, die alte Welt und ihre Institutionen zu vergessen.

Gerade diese Institutionen sind es, die dem von Thoreau idealisierten Westen fremd sind. Der Begriff des Westens ist für ihn daher auch ein Synonym:

The West of which I speak is but another name for the Wild; and what I have been preparing to say is, that in Wildness is the preservation of the World.5

So ist für Thoreau der Westen, über den er spricht, lediglich ein anderes Wort für die Wildnis bzw. Wildheit, den beide Bedeutungen können durch das Substantiv „Wild“ ausgedrückt werden. Im nächsten, viel zitierten, Satz schränkt er die doppelte Bedeutung des Wortes ein, indem er von der „Wildness“, der Wildheit, spricht. In dieser (charakterlichen) Wildheit sieht er die Erhaltung der Welt, abgegrenzt davon ist die (landschaftliche) Wildnis.

Diese Wildnis ist ebenfalls im Westen zu finden:

I am not excited by the prospect of a walk thither; but I believe that the forest which I see in the western horizon stretches uninterruptedly toward the setting sun, and there are no towns nor cities in it of enough consequence to disturb me. Let me live where I will, on this side is the city, on that the wilderness, and ever I am leaving the city more and more, and withdrawing into the wilderness.6

So ist Thoreau davon überzeugt, dass sich die Wälder im Westen ununterbrochen bis zur untergehenden Sonne erstrecken, und dass darin keine Dörfer oder Städte von genug Konsequenz sind, um ihn stören zu können. Für ihn existiert die Wildnis auf der einen und die Stadt auf der anderen Seite. Miteinander zu vereinen sind beide nicht, daher kommt für ihn als Wahl seines Lebensraumes nur die natürliche Wildnis in Frage.

2.3 Der Sumpf und die Stadt

Für Thoreau hatte der Sumpf eine besondere Bedeutung, da er darin eine Reinform der natürlichen Wildnis sah. Denn im Gegensatz zu Wäldern und Wiesen können Sümpfe nicht kultiviert werden, können also keinen zivilisatorischen Kompromissen unterworfen werden:

Yes, though you may think me perverse, if it were proposed to me to dwell in the neighborhood of the most beautiful garden that ever human art contrived, or else of a Dismal Swamp, I should certainly decide for the swamp. How vain, then, have been all your labors, citizens, for me!7

Die etwas überspitzte Aussage Thoreaus ist, dass er, vor die Wahl gestellt, lieber in einem trostlosen Sumpf leben würde, als in der Nachbarschaft des am feinsten durch Menschenkunst kultivierten Gartens. Auch hier findet sich die klare Abgrenzung der natürlichen Wildnis von allem Menschlichen. Dass es sich um den „most beautiful“ Garten handelt, steht für ihn fest. Allerdings wird sein Zugeständnis an die von Menschen geschaffene Schönheit direkt durch die entschiedene Bejahung der tristen Natur als Lebensmittelpunkt zunichte gemacht. Im letzten Satz betont Thoreau dann, dass alle bürgerlichen Errungenschaften für ihn sinnlos und eitel sind, sie also eine Art soziale Wildnis darstellen. Er präzisiert dies im Folgenden:

Hope and the future for me are not in lawns and cultivated fields, not in towns and cities, but in the impervious and quaking swamps.8

Für ihn sind es also die undurchlässigen, die unempfindlichen Sümpfe, in denen er Hoffnung wie Zukunft sieht, und nicht die dem Willen des Menschen unterworfenen Rasenflächen, Felder, Dörfer und Städte.

Um sich selbst wiederherzustellen, sucht Thoreau die tiefsten Wälder und undurchdringlichsten Sümpfe auf, denn diese erscheinen dem Bürger, und damit der Gesellschaft, düster und trostlos:

When I would recreate myself, I seek the darkest woods the thickest and most interminable and, to the citizen, most dismal, swamp.9

Auch hier findet sich wieder die klare Abgrenzung von natürlicher Wildnis und Zivilisation, von Sumpf und Bürgertum. Um allerdings zu verstehen, was Thoreau so sehr vor der menschlichen Zivilisation, vor der sozialen Wildnis, zurückscheuen ließ, ist es unabdingbar, einen Blick in Civil Disobedience zu werfen.

2.4 Die Pflicht zum zivilen Ungehorsam

Die soziale Wildnis bestand für Thoreau 1846 vor allem in dem Umstand, dass die steuerzahlenden Amerikaner damit (un- oder wissentlich) eine Regierung finanzierten, die Sklaverei und Kriegstreiberei unterstützte.

Thoreaus ziviler Ungehorsam bestand darin, dass er jahrelang bestimmte Steuern verweigerte. Als Konsequenz wurde er inhaftiert. Seiner letztlich nur eintägigen Haft entsprang der als Rede konzipierte Aufsatz Civil Disobedience. Darin schreibt er auch über die Gründe für sein Handeln:

[A]ll machines have their friction; and possibly this does enough good to counterbalance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer.10

Die Metapher der Regierung als Maschine ist ein Stilmittel, das sich bei Thoreau häufiger findet. Hier bedient sich Thoreau dieser Metapher, um über die Reibung zu sprechen, die alle Maschinen innehaben, und die normalerweise nicht dazu führt, dass die angedachte Funktion der Maschine entfällt. Ganz im Gegenteil: Die Friktion bzw. der Abrieb ist etwas, was zu einer regelmäßigen Wartung einer Maschine führt. Wird allerdings dieser Faktor zum eigentlichen Zweck, so gehört diese Maschine in Thoreaus Augen abgeschafft.

Den Übertrag dieser Metapher auf die zeitgenössische Regierung liefert Thoreau selbst:

In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize.11

Die von der Maschine generierte Reibung sieht er darin, dass ein Sechstel der Einwohner der USA zu diesem Zeitpunkt Sklaven waren, und ferner, dass ein Angriffskrieg gegen Mexiko geführt wurde. Dadurch werden für ihn auch die Bedingungen erfüllt, die jeden ehrlichen Mann zu Rebellion und Revolution drängen müssen.

Thoreau greift das Bild der Regierungsmaschine erneut auf, um diese Pflicht des zivilen Ungehorsams weiter auszuführen:

If the injustice is part of the necessary friction of the machine of government, let it go, let it go; perchance it will wear smooth,— certainly the machine will wear out. If the injustice has a spring, or a pulley, or a rope, or a crank, exclusively for itself, then perhaps you may consider whether the remedy will not be worse than the evil; but if it is of such a nature that it requires you to be the agent of injustice to another, then, I say, break the law. Let your life be a counter friction to stop the machine. What I have to do is to see, at any rate, that I do not lend myself to the wrong which I condemn.12

Sobald die Ungerechtigkeit fester Teil der Regierungsmaschine ist, sobald diese Ungerechtigkeit also nicht mehr nur ein unvermeidlicher Nebeneffekt ist, sondern eine der Hauptfunktionen der Maschine, die mittels einer Druckfeder, einer Umlenkrolle, eines Seils oder einer Kurbel umgesetzt wird, so ist die Ungerechtigkeit nicht mehr länger ein Nebenprodukt des Regierungsapparates, sondern wird zu einer aktiven Funktion dieser Maschine.

In einem solchen Fall wird der Bürger zu einem Agenten, also einem Vertreter, der Ungerechtigkeit. Somit wird es für Thoreau zur Pflicht des Einzelnen, das Gesetz zu brechen und dadurch eine Gegenreibung zu schaffen, mit der die Maschine gestoppt werden kann. Er schließt mit der Maxime, dass ein jeder um jeden Preis sicherstellen sollte, nicht selbst zum Teil des Falschen zu werden, das er verurteilt.

3 Abbildungen sozialer Ungleichheit in der Spielwelt

Zwar ist die Welt von Red Dead Redemption 2 eine geschickt komprimierte Kopie der Vereinigten Staaten zum Ende des 19. Jahrhunderts, allerdings finden sich darin so gut wie keine Erwähnungen von realen Orten, Personen oder Geschehnissen.13 Dass es sich bei dem Amerika der Spielwelt jedoch tatsächlich um eine kontextgetreue Version des historischen Amerika handelt, lässt sich vor allem an den Zeitungen innerhalb der Spielwelt festmachen, da dort über Dinge zu erfahren ist, die mit der unmittelbaren Spielhandlung in keinem direkten Zusammenhang stehen.

Die folgende Analyse wird sich primär den Aspekten der Spielwelt widmen, die zu gesellschaftlichen Reibungen und sozialer Ungleichheit führen.

3.1 Industrialisierung und Korruption

Ein Name, der schon zu Beginn im Spiel auftaucht und auch im Laufe der Handlung ständig wiederkehrt, ist der von Leviticus Cornwall. In einer der ersten Ausgaben des Blackwater Ledger ist dem Großindustriellen direkt ein Artikel auf der Titelseite gewidmet:

CORNWALL ARMY CONTRACT - SUPPLIES TO SHIP BY RAIL. - EXCLUSIVE DEAL WILL SAVE COSTS.

The Cornwall Railroad contract currently in negotiations is being hailed as a much needed boost to both the military and rural communities. Once signed, citizens and soldiers in outposts far and wide can expect on time supplies, and more importantly, payroll that shows up in a timely manner rather than a week or two late, which can hamstring families' abilities to purchase basic necessities. Supporters of the Cornwall plan hope there is no way for the government to back out of it. Many have long waited for a reliable means of transporting goods and money with the outside world. This is especially true in places where roads are unfavorable or road agents are lurking to rob the payroll for the soldiers and government men who serve so dutifully. Industrialist Leviticus Cornwall's involvement and expansion plans are certainly encouraging news.14

In diesem Artikel erfährt der Leser von einem exklusiven Vertrag, der zwischen dem Eisenbahnunternehmer und der Regierung geschlossen wurde. Hierdurch soll die Versorgung von Bürgern und Soldaten „in outposts far and wide“ garantiert werden. Ob und in welchem Grad dazu Schienen verlegt müssen, oder welche permanenten Eingriffe in die Natur dabei erfolgen, das bleibt im Artikel unerwähnt. Drei Ausgaben später berichtet der Bl ackwater Ledger erneut über die Eisenbahn:

RAILWAY COMPANIES BOOMING - CONSOLIDATION BRINGS FEARS OF MONOPOLY

Gone is the New Austin Northern Railroad. Long forgotten is the Armadillo Express Railroad. Only the oldest among us remembers the Valentine Valley Railway. As each year passes, dozens of railway companies are formed, combine, and break up, the signs changed, the schedules printed anew, and the names are lost to history.

Since completion of the first transcontinental railroad in 1869, the number of companies has decreased, and travel by wagon and horse becomes less and less in fashion, with more people preferring the luxury of a sleeper car. Lawmakers are beginning to investigate whether the railway consolidation has resulted in creating regional monopolies that subject riders to hefty price increases.15

Der Ton dieses Artikels ist allerdings weniger euphorisch, schon die Unterzeile sorgt dafür, indem sie Ängste vor einer etwaigen Monopolisierung anspricht. Im Artikel selbst wird den kleinen Eisenbahnlinien vergangener Tage nachgetrauert, die allesamt zum Opfer des Fortschritts wurden, also der Transkontinentalen Eisenbahnlinie, die seit 1869 die beiden Küsten des Landes miteinander verbindet16.

Acht Jahre später berichtet der Blackwater Ledger ein letztes Mal über die Eisenbahn:

NEW RAILROAD COMPLETED - A GRAND PROJECT – OUR MANIFEST DESTINY

The final ties were laid and spikes driven through to complete the Central Union rail line stretching through New Hanover. Passengers will be able to bypass the Grizzlies, Rhodes and Scarlett Meadows, drastically reducing travel time. Now with a direct line connecting Cornwall Kerosene and Tar and Saint Denis, freight and commuters will flow fast and freely. The project came with complications, including controversy over missing workers' wages and a land dispute. Representatives from towns such as Van Horn Trading Post and Annesburg say the new line will result in the decline of their towns. Civic planners hail the railroad as a new dawning day in American progress and history.17

Anlass ist die Fertigstellung einer neuen Eisenbahnlinie, mit welcher eine direkte Verbindung zur Hauptstadt möglich ist. Die Unterzeile des Artikels ergeht sich in Lobhudelei, spricht von einem grandiosen Projekt, und einer gemeinsamen „manifest destiny“, einer offenkundigen Bestimmung. Worin diese genau liegt, das geht aus dem restlichen Artikel nicht hervor. Die Direktverbindung spart Passagieren zwar einiges an Zeit, da viele Zwischenhalte entfallen, allerdings ist keine Erwähnung von finanziellen Vorteilen. Stattdessen melden sich besorgte Vertreter der nun vom Schienennetz genommenen Siedlungen, die einen gesellschaftlichen Verfall befürchten.

Interessant ist die Erwähnung von Cornwall Kerosene & Tar, die Fabrikanlage ist die eine Endhaltestelle der Bahnlinie. In Verbindung dazu wird zudem in Erinnerung gerufen, dass es während des Projektes zu einigen Komplikationen kam, die mit dem Lohn der Arbeiter und dem Eigentum des Landes zu tun hatten.

3.2 Menschenrecht und Territorialansprüche

Ein Hauptkonflikt in der Spielwelt betrifft das Indianerreservat und die Ölindustrie, in Red Dead Redemption 2 verkörpert durch Leviticus Cornwall. Der Unternehmer hat durch seine Verträge mit der Regierung sowohl die Armee als auch die Zeitung auf seiner Seite. Und während die Armee in einem in der Nähe stationierten Fort durch Provokationen wie der Zurückhaltung von Arznei einen offenen Konflikt mit den indigenen Bewohnern lostreten möchte, mit dem Ziel, diese von ihrem Reservat zu vertreiben, damit die darunter vermuteten Ölvorkommen von Cornwall Kerosene & Tar kapitalisiert werden können, vertritt die Zeitung eine diesem Unternehmen dienliche Meinung:

THE INDIAN TROUBLE - WAPITI QUARREL WITH U. S. AGENTS.

Indian discontent has taken many forms and many say it is poised to boil over once more. The ungrateful Indian can wax poetic about a time when all land was his, and grumble about his limited quarters confined to reservations all he wants, but the facts are the facts. The United States of America has been particularly generous to the red man, and yet, they repeatedly claim mistreatment. However, there is nothing preventing any citizen of the United States from leaving, and so too should the red man consider leaving for Europe, or Canada, or more likely, Mexico, which does not impose tax or laws on times of season in which one can hunt game.

Currently, most full-blooded Indians are quite content to accept the very generous allowance given by the U. S. Government. Yet there are still some tribes who prefer conflict as their warring nature cannot leave their system. Take for instance, in our region, the Wapiti Reservation in the Grizzlies where tensions with the army regiment stationed at nearby Fort Wallace are growing, and some fear an all-out return to the bloody days of the Indian Wars. Colonel Henry Favours, officer in command of the local regiment, has sent a dispatch to Washington warning of a possible return to armed hostilities as the Indians have failed to abide by treaties that we signed in good faith. Indians claim that the army is withholding supplies and medicine and that sickness is rife, all of which are falsehoods meant to further hostilities. We will stay with this story as events unfold.18

Bereits die Überschrift lässt die Tendenz des Artikels und damit die Einstellung des Mainstreams erahnen: Der indianische Ärger. Der Artikel fährt in einem ähnlich anklagenden Ton fort, erwähnt den „undankbaren Indianer“, der zwar ewig darüber lamentieren könne, dass ihm das Land gehöre, der allerdings die Fakten nicht akzeptieren wolle. Diese Fakten bestehen laut Artikel aus der speziellen Großzügigkeit der Regierung gegenüber dem „roten Mann“, doch dieser beschwere sich nach wie vor. Es folgt die Empfehlung, doch nach Europa, Kanada oder Mexiko auszuwandern.

Am Ende des Artikels wird sogar der Standpunkt der indigenen Einwohner erwähnt, nämlich, dass die Armee absichtlich dringend benötigte Vorräte und Medizin zurückhalten würde. Doch schon im nächsten Satz werden diese Vorwürfe diskreditiert und als Vorwand gebrandmarkt, alte Feindschaften aufrecht zu erhalten.

Auf narrativer Ebene begegnet der Protagonist einem Kapitän der Armee, dem die Verwaltung des Indianerreservats untersteht. Der unlängst aus Washington entsandte Captain Monroe räumt mit den Vorurteilen gegenüber den Reservatsbewohnern auf und bestätigt das Gerücht, dass die Armee absichtlich Medizin und Impfstoffe zurückhält:

Saw Captain Monroe again. A good man in a difficult situation. This dump must seem a long way from West Point and Washington. He cares about the Indians, but he ain't too friendly with the local regiment. Helped him distribute some vaccines others were not so keen to offer about.19

In dieser Figur findet sich eine Seele, die zutiefst zerrissen ist zwischen Menschlichkeit und Obrigkeitshörigkeit. Captain Monroe hat die Pflicht des zivilen Ungehorsams verinnerlicht, ist allerdings aufgrund seiner persönlichen Situation nicht in der Lage, diese Pflicht in die Tat umzusetzen, da er dadurch nur größeren Schaden anrichten würde. Er wendet sich daher an den Protagonisten des Spiels, der als Gesetzloser ohnehin auf der Abschussliste der Regierung steht. Arthur Morgan hilft ihm schließlich im Alleingang und überfällt auf Hinweis Captain Monroes eine Kutsche der Armee, welche die unter Verschluss gehaltenen Medikamente transportiert.

Das von der Zeitung zerstreute Gerücht, dass das Militär den Indianern Medikamente vorenthalte, erweist sich also als wahr. Auch ist die Armee, und damit die Regierung, derartig korrumpiert, dass sie die von Captain Monroe aufgedeckten Verbrechen nicht etwa aufarbeitet, sondern ihn stattdessen wegen Landesverrat vor ein Erschießungskommando stellen möchte. Auch hier interveniert der Protagonist des Spiels und vermerkt in seinem Journal:

Things went from bad to worse with the army. I was not wrong – the local regiment's Colonel despised Captain Monroe and planned to destroy him. Charles and I rescued Monroe and probably ruined his life in the process. I hope he can find peace someplace.20

Zusammen mit Charles Smith, der an späterer Stelle21 noch von Interesse sein wird, befreit der Protagonist den Captain aus den Fängen der Armee und verhilft ihm zur Landesflucht.

In der nächsten Ausgabe des Bl ackwater Ledger geht es erneut um das Indianerreservat:

TENSIONS HIGH - FEARS OF RETURN TO INDIAN WAR. - ARMY IN AMBARINA ON EDGE. - FORT WALLACE REQUESTS MORE TROOPS.

The management of the reservation is a cumbersome business, and the fact that issues occasionally arise is not the fault of the administration or Congress. Money is appropriated quite liberally and honestly for the care of the Indian people. The children are taught something of hygiene, fed and clothed, and given shelter. Yet still the Indians contaminate their own water and end up spreading typhoid to all and sundry. The Indian Problem will not solve itself. The Crown, Shoshone, Cheyenne and even the Navajo have signed treaties and been moved to very generous reservations, taking to agricultural life and the tenets of Christianity.

However, those contained at the Wapiti Indian Reservation remain warlike, spurred on by their chief and his son. Military officials stationed at nearby Fort Wallace warn that armed hostilities are a distinct possibility.

These Indians, acting in conjunction and harmony with government officials could prosper and become friends to the Americans who have tamed the lands from New York to California. Instead, exhibiting savagery, ingratitude and surly behavior, the treacherous Indians falsely accuse mistreatment. In light of all the tensions reported in the region, Washington has sent another military delegation to try and reduce the tension.22

Unter dem alarmistischen Aufmacher „Tensions High“ kommt ein Artikel, der von Inhalt wie auch Tonfall her dem ersten Artikel gleicht. Auch hier werden die Bewohner des Reservats als Gruppe von aggressiven und undankbaren Wilden gezeichnet, die nur darauf warten, einen Krieg vom Zaun zu brechen. Von dieser ethnisch nicht näher definierten Gruppe grenzt der Artikel gleich vier Indianerstämme ab, und stellt diese als positiven Kontrast dar, da sich diese Stämme der Landwirtschaft und dem Christentum zugewandt hätten.

Den Bewohnern des Reservats ebenfalls gegenübergestellt sind die Amerikaner. Das Selbstbild, das der Artikel von dieser Gruppe zeichnet, ist sehr interessant. So wird davon gesprochen, dass sich regierungsfreundliche „indians“ gerne anfreunden können mit den Amerikanern, die die Länder von New York bis Kalifornien gezähmt haben. Der Artikel schließt mit dem Hinweis, dass mehr Militär aus Washington die Spannungen künftig abbauen solle.

Acht Jahre später räumt die gleiche Zeitung ein, dass es von Anfang an um die Ölreserven unter dem Land ging:

PUMP JACKS SIT SILENT - NO OIL FOUND AT WAPITI. - INVESTORS ALLEGE FRAUD.

The oil reserves discovered on land near the Wapiti Indian Reservation in 1899 have turned up dry, and all drilling operations have ceased and packed up. There were high hopes for the location following a detailed exploration by the Leland Oil Development Company on behalf of Cornwall Kerosene & Tar, and a number of petroleum outfits had sought to develop it into a well-paying field. Workers flocked to the area in anticipation of jobs that would pay as much as 22 cents an hour. Companies sank well after well, coming up empty with only a miniscule amount of oil being found, not enough to keep operations running. The tribe at the reservation went on the run after a series of attacks on the army, culminating in a bloody battle at the Cornwall Kerosene & Tar factory around the time news of the oil discovery became known. Many members of the tribe were gunned down in Wyoming but a few members are believed to have escaped into Canada. It is unknown what will happen to the Indian Reservation land moving forward as there are no Indians in the area to relocate there currently.23

Der Artikel schließt mit dem Hinweis, dass unklar sei, was künftig mit dem Land geschehen werde, da es momentan keine Indianer in der Umgebung gebe, die dorthin umgesiedelt werden könnten.

3.3 Frauenwahlrecht

Das Frauenwahlrecht wurde in den Vereinigten Staaten erst 1920 endgültig in der Verfassung verankert. Die organisierte Frauenrechtsbewegung, die Suffragetten, sind im fiktiven Abbild der USA in Red Dead Redemption 2 genauso präsent, wie sie es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch in amerikanischen Großstädten waren. Eine Zeitungserwähnung dazu findet sich im Spiel recht früh. Die Saint Denis Times schreibt:

WOMAN SUFFRAGE DEBATE - MOVEMENT GROWS. - MANY IN OPPOSITION.

Lemoyne lawmaker Abbott Bachmeier spoke at a meeting here addressing “The Woman Problem” as concerns grow over the emergent suffrage movement. “States in the North have passed laws allowing women's suffrage, to their detriment and arguably to their damnation. We cannot allow the scourge of the North and Europe to spread here. Women are the evidently weaker sex and unable to think things out coolly and calmly. Giving them the vote would lead to great damage to the republic and to this state,” he said, to a standing ovation. Well-known activist Dorothea Wicklow has held meetings in St. Denis and other towns in recent months promoting voting rights for women. The movement is spreading to smaller towns such as Rhodes, but traditionalists are confident that common sense will prevail.24

Die Neutralität des Zeitungsartikels wird direkt zu Beginn durch den zitierten Anwalt zunichte gemacht, der davon spricht, dass Staaten im Norden das Frauenwahlrecht erlaubt hätten und dies zum Schaden und Untergang der Frauen führe. Er bezeichnet Frauen zudem als das nachweislich schwächere Geschlecht, das nicht in der Lage sei, sich in Ruhe Gedanken über etwas zu machen. Abschließend sagt er voraus, dass das Frauenwahlrecht zu großem Schaden am Staat führen werde. Dass eine Frauenaktivistin im Artikel zwar erwähnt wird, aber nicht zu Wort kommt, spricht ebenfalls nicht für eine neutrale Berichterstattung.

Eine Begegnung innerhalb der Spielwelt gibt es auch mit den Suffragetten. In Saint Denis, der größten Stadt der Spielwelt, trifft Arthur Morgan auf einen Frauenrechtprotest. Als er sich darauf einlässt, den Wagen mit den skandierenden Frauen durch die Stadt zu fahren, wird er vom Zuschauer zum Teilnehmer. In seinem Journal vermerkt der Protagonist dazu:

Suddenly, I'm marching as a suffragette. The looks of loathing on the faces of the locals delighted me while their leader – a Mrs Galhoun amused me. I don't know much about good causes, nor the joys of democracy, but I enjoyed my little experience riding alongside them. World is certainly changing fast.25

Aus der Sicht der Frauen nimmt er die von Abscheu verzerrten Gesichter der Einwohner wahr, und auch wenn er zugibt, weder viel von wohltätigen Zwecken noch den Freuden der Demokratie zu verstehen, so genießt er dennoch seine Rolle als temporären Teil der Frauenrechtsbewegung.

3.4 Rassismus

Gleich in der ersten im Spiel verfügbaren Ausgabe des Blackwater Ledger informiert ein Randartikel über einen Fall der öffentlichen Selbstjustiz:

CHICAGO NEGROES HOLD ANTI-LYNCHING SERVICE - PROTEST AGAINST LYNCHING OF POPULAR REVEREND IN GEORGIA -

The body of Reverend Benson Floyd, the man who was implicated in the Chandler murder, was found hanging from a branch of a persimmon tree in a small hamlet in Georgia. Despite many protests of his innocence by his employer and white members of the community, a mob convicted him by a roadside here and strung him up to hang after mutilating the body. Floyd had been implicated by another Negro, Otto Luther, who was hanged in the Chandler murder and in a final confession said it was the preacher who had paid him to murder Chandler.

Many believe this story to be a falsehood as Luther resented Rev. Floyd's chastising him for his sinful ways. In response to the lynchings, many of the 30,000 colored residents of Chicago are arranging a series of protests to be held in churches. Community leaders have called for calm and civilized discussions.26

Ein afro-amerikanischer Pastor wurde in Georgia von einer wütenden Meute von Bürgern am Straßenrand ein Standgericht gehalten. Grund war die Aussage eines verurteilten Mörders, der kurz vor seiner Hinrichtung behauptete, der Pastor habe ihn bezahlt. Obwohl der Arbeitgeber des Pastors, also die Kirche, und viele weiße Mitglieder der Gemeinde dagegen protestierten, verurteilte das Standgericht den Pastor, verstümmelte seinen Körper und hängte ihn an einem Obstbaum auf.

Der Artikel fährt fort mit Argumenten gegen die Schuld des Pastors und erwähnt abschließend die anstehenden Proteste der afro-amerikanischen Gemeinschaft in Chicago. Über juristische Konsequenzen für die am Mord an dem Pastor beteiligten Personen schweigt sich der Artikel allerdings aus.

Ein weiteres Anzeichen des Rassismus ist in der Spielwelt auf literarischer Ebene mit der Eugenik vertreten, der Erbgesundheitslehre, und deren Missbrauch, um Rassismus zu rechtfertigen und die Rassentrennung zu stärken.

Im Blackwater Ledger findet sich ein Artikel über ein wissenschaftliches Symposium und einen kontroversen Vortrag über die Rassenkreuzung:

PROMINENT YALE SCIENTIST SPEAKS OUT - MIXING OF RACES DISCOURAGED. - AMERICAN SOCIETY AT RISK.

Noted Yale anthropologist Harold MacDougal, author of the book “The Scourge of Crossbreeding”, presented a paper to colleagues at a symposium last week, reminding fellow scientists that some races are predisposed to create higher functioning societies than others. The paper, titled: 'Savage Minds: The Racial Continuum Between Animal and God', has created a stir amongst those in the anthropological community.

“It is clear to me that some societies advance, taming agriculture, mastering letters and literature, inventing fantastical things such as the phonograph and electricity while others wallow in squalor, scarcely able to feed and clothe themselves. It comes down to the nature of the savage soul. Savages cannot construct buildings that rise to the heavens, but we have,” MacDougal said in an agitated and excited manner. The Professor of Anthropology at Yale has dedicated his academic focus to the study of race and civilization. His paper was soundly trashed by his colleague Benjamin Fortescue who asserted that MacDougal has no empirical evidence to support his wild claims.27

[...]


1 Thoreau, Henry David: Walking. In: The Atlantic Monthly, A Magazine of Literature, Art, and Politics. Boston: Ticknor and Fields, 1862, S. 657.

2 Ebd., S. 665.

3 Thoreau, Henry David: Walking, S. 662.

4 Ebd.

5 Ebd., S. 665.

6 Ebd., S. 662.

7 Thoreau, Henry David: Walking, S. 666.

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Thoreau, Henry David: Walden and Civil Disobedience. New York: Barnes & Noble, 2003, S. 306.

11 Ebd.

12 Thoreau, Henry David: Walden and Civil Disobedience, S. 311.

13 Dies hat Tradition bei Rockstar Games, dem Entwickler des Spiels. So gibt es bei einer anderen Videospielreihe des Entwicklers, Grand Theft Auto, eine kontextgetreue Kopie des Amerikas im frühen 21. Jahrhundert, wobei alle Bezugnahmen auf (Soziale) Medien, Kapitalgesellschaften und Politiker derart chiffriert wurden, dass die durchaus derben Parodien und harten Kritiken keinerlei Anlass zu etwaigen Unterlassungsklagen boten.

14 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 68, Jahrgang 1899.

15 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 71, Jahrgang 1899.

16 Diese Referenz entspricht dem realhistorischen Ereignis, die First Transcontinental Railroad zwischen Omaha und Sacramento wurde im Mai 1869 fertiggestellt.

17 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 72, Jahrgang 1907.

18 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 67, Jahrgang 1899.

19 Red Dead Redemption 2. Arthur Morgans Journal. Kapitel 6.

20 Ebd.

21 Siehe Kapitel 4.4 „Menschenliebe und Kalkül“.

22 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 69, Jahrgang 1899.

23 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 72, Jahrgang 1907.

24 Red Dead Redemption 2. Saint Denis Times, Nr. 45, Jahrgang 1899.

25 Red Dead Redemption2. Arthur Morgans Journal.

26 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger. Nr. 67, Jahrgang 1899.

27 Red Dead Redemption 2. Blackwater Ledger, Nr. 71, Jahrgang 1899.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Auf den Spuren von Thoreau. Rezeption und Verarbeitung in Red Dead Redemption 2
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
60
Katalognummer
V490593
ISBN (eBook)
9783668982994
ISBN (Buch)
9783668983007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thoreau, Wilderness, Wildnis, Red Dead Redemption 2, Videospiele
Arbeit zitieren
Florian Arleth (Autor), 2019, Auf den Spuren von Thoreau. Rezeption und Verarbeitung in Red Dead Redemption 2, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490593

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