Dies ist eine Arbeit aus dem Bereich der Wissenschaftstheorie. Hier wird die Kritische Erziehungswissenschaft als Weiterentwicklung der Kritischen Theorie (aus der Sozialwissenschaft vgl. Frankfurter Schule) und in Abgrenzung zur Geisteswissenschaftlichen Pädagogik und zur verhaltenstheoretischen bzw. empirischen Erziehungswissenschaft dargestellt. Auch die Beschreibung der Methodik Kritischen Erziehungswissenschaft in Form der Handlungsforschung als einer Verbindung von Empirie und Hermeneutik kommt nicht zu kurz.
Dieses Werk ermöglicht einen kurzen, aber dennoch fundierten Einblick in die Probleme und Fragen der Wissenschaftsdisziplin Pädagogik. Verschiedene Theoriestränge werden gegenübergestellt und voneinander abgegrenzt. Somit bildet es eine ideale Einführung in das Studium der Pädagogik.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
B) Die Kritische Theorie: Grundlage der Kritischen Erziehungswissenschaft
C) Kritische Erziehungswissenschaft und Klaus Mollenhauer
I. Der biographische Hintergrund des Klaus Mollenhauer
II. Kerngedanken der Kritischen Erziehungswissenschaft
a) Ablehnung der geisteswissenschaftlichen und der verhaltenstheoretischen Pädagogik
b) Abhängigkeit der Erziehung von der Gesellschaft bewusst machen
c) Ziel der Erkenntnis ist Emanzipation
III. Forschungsmethoden der Kritischen Erziehungswissenschaft
a) Empirie und Hermeneutik werden verbunden
b) Handlungsforschung
D) Kritik an der Kritischen Erziehungswissenschaft
E) Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Fundament der Kritischen Erziehungswissenschaft und beleuchtet insbesondere den Standpunkt von Klaus Mollenhauer in seinem Aufsatz „Pädagogik und Rationalität“. Ziel ist es, die Einordnung, Kernaussagen und methodische Ausrichtung dieser erziehungswissenschaftlichen Strömung zu verdeutlichen und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Kritischen Theorie
- Kritische Analyse der geisteswissenschaftlichen und verhaltenstheoretischen Pädagogik
- Die Bedeutung von Emanzipation in der Erziehung
- Methodische Ansätze wie die Verbindung von Empirie und Hermeneutik
- Handlungsforschung als emanzipatorisches Konzept
Auszug aus dem Buch
II. Kerngedanken der Kritischen Erziehungswissenschaft
Die erste Kernaussage der Kritischen Erziehungswissenschaft betrifft ihren theoretischen „Vorgänger“, die Geisteswissenschaftliche Pädagogik, und ihren theoretischen „Konkurrenten“, die verhaltenstheoretische Erziehungswissenschaft. Beide wissenschaftstheoretischen Modelle werden abgelehnt. Bevor MOLLENHAUER diese Ablehnungen begründet, bringt er zwei Aussagen, die die Grundlage für seine Argumentation sind. Die erste Aussage bezieht sich darauf, was als die ursprüngliche Erziehungssituation betrachtet wird. Nach der landläufigen, jedoch falschen Meinung ist diese in der „instinktähnlichen pflegenden und liebenden Zuwendung der Mutter zu ihrem Kind“ (MOLLENHAUER 1970, S. 55) vorzufinden. Die Konsequenz aus dieser Meinung ist, dass man bei der Überlegung, was denn Erziehung ganz konkret sei und wie man richtig erziehe, nur noch der „Anschauung dieses Urphänomens und seiner Transposition in die familienfernen Erziehungsverhältnisse“ (MOLLENHAUER 1970, S. 55) bedürfe. Man müsse also einfach nur das Mutter-Kind-Verhältnis genauestens analysieren, jedes Einzelne der darin enthaltenen Merkmale untersuchen und anschließend die gewonnenen Informationen und Möglichkeiten auf die vorhandene Situation übertragen, unabhängig davon, welche Erziehungssituation vorliegt.
MOLLENHAUERS zweite Aussage stellt die Folgen des Tatbestandes aus seiner ersten Aussage dar. Obige Vorstellung, also die Meinung, dass das Mutter-Kind-Verhältnis das „Urphänomen“ der Erziehung sei, und dass sich in ihr „das »Eigentliche« der Erziehung... (zeige, das) allgemein gelte“ (MOLLENHAUER 1970, S. 55), hat fatale Folgen. Sowohl für die Erziehungspraxis als auch für die Erziehungstheorie, die Erziehungswissenschaft. Denn dadurch wird die Rationalität, die „doch für die Wissenschaft der Lebensnerv“ (MOLLENHAUER 1970, S. 56) ist, eingeschränkt und somit die Pädagogik als Wissenschaft in ihrer wichtigen Funktion des reflektiven Nachdenkens behindert.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und Formulierung der Fragestellung zur Einordnung der Kritischen Erziehungswissenschaft.
B) Die Kritische Theorie: Grundlage der Kritischen Erziehungswissenschaft: Erläuterung der Kernaussagen der Frankfurter Schule als theoretisches Fundament.
C) Kritische Erziehungswissenschaft und Klaus Mollenhauer: Vorstellung von Mollenhauers Hintergrund sowie Analyse der Kerngedanken und Forschungsmethoden am Beispiel seines Aufsatzes.
D) Kritik an der Kritischen Erziehungswissenschaft: Diskussion theoretischer und methodischer Schwachstellen des Ansatzes.
E) Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion zur wissenschaftstheoretischen Einordnung und Ausblick.
Schlüsselwörter
Kritische Erziehungswissenschaft, Klaus Mollenhauer, Kritische Theorie, Pädagogik und Rationalität, Emanzipation, Hermeneutik, Empirie, Handlungsforschung, Frankfurter Schule, Wissenschaftstheorie, pädagogische Autorität, Gesellschaftskritik, Erziehungspraxis, Mündigkeit, Ideologiekritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und Einordnung der Kritischen Erziehungswissenschaft sowie dem speziellen Beitrag von Klaus Mollenhauer durch seinen Aufsatz „Pädagogik und Rationalität“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Kritische Theorie, die Ablehnung traditioneller Erziehungswissenschaften, das Ideal der Emanzipation sowie die methodische Verbindung von Empirie und Hermeneutik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Kritischen Erziehungswissenschaft offenzulegen und kritisch zu hinterfragen, welchen Stellenwert Mollenhauers Thesen einnehmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Verbindung von empirischen Untersuchungen und hermeneutischen Verfahren sowie das Konzept der Handlungsforschung.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Kerngedanken Mollenhauers, insbesondere die Kritik an der Geisteswissenschaftlichen und der verhaltenstheoretischen Pädagogik.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Emanzipation, Kritische Erziehungswissenschaft, Rationalität und Handlungsforschung.
Wie begründet Mollenhauer die Ablehnung der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik?
Er kritisiert, dass dieser Ansatz durch das reine „Verstehen“ dazu neigt, das bestehende System zu stabilisieren, ohne die gesellschaftlichen Machtstrukturen kritisch zu hinterfragen.
Welche Schwachstellen der Kritischen Erziehungswissenschaft werden in Kapitel D benannt?
Unter anderem werden das Fehlen empirischer Studien, die mangelnde präzise Definition des Begriffs „Emanzipation“ und die ungelöste Frage nach einer eigenen Forschungsmethodik kritisiert.
- Quote paper
- Frank Alibegovic (Author), 2005, Was ist die Kritische Erziehungswissenschaft und welchen Standpunkt vertritt Klaus Mollenhauer in seinem Aufsatz "Pädagogik und Rationalität"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49059