1. Sinn und Wert als Bildungsanspruch
1.1 Sozialisationswidersprüche heutiger Kinder und Möglichkeiten der Wertebildung in der modernen Schule
Wenn man über Wertbildung in der Grundschule spricht, so muss man sich als erstes darüber klar werden, unter welchen Umständen Kinder heute aufwachsen, und welche äußeren Einflüsse außer der Schule zur Werteentwicklung der Kinder beitragen.
Bei diesen Betrachtungen erkennt man schnell, dass ein Zeichen der heutigen Kindheit ist, dass alle Kinder sehr unterschiedlich aufwachsen. Das zweite Problem stellt der gesellschaftliche Wandel dar: dieser vollzieht sich heutzutage so schnell, das wissenschaftliche Daten bei ihrem Erscheinen meist schon veraltet sind.
Die heutige Kindheit lässt sich am besten als "Konsum- und Krisenkindheit" beschreiben: "[...]die gesellschaftliche Situation einer Marktgesellschaft, in der der Konsum sowohl Motor des Wirtschaftens ist als auch zur subjektiven Definition vom "guten Leben" gehört."
Kinder sind für viele Wirtschaftsbranchen durch ihr oft recht reichliches Taschengeld ein wichtiger Faktor. Wer bestimmte Produkte nicht besitzt, läuft Gefahr auch sozial in das Abseits gedrängt zu werden.
Früher war Armut durch Wohngegend, Beruf und gesellschaftliches Leben klar definiert, heute aber lässt sie sich durch den Erwerb bestimmter Produkte ( und damit meist hohen Verschuldungen) verbergen.
Kinder sind in diesen Kampf um soziale und gesellschaftliche Anerkennung meist schon früh mit einbezogen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Sinn und Wert als Bildungsanspruch
1.1. Ulf Preuss-Lausitz: Sozialisationswidersprüche heutiger Kinder und Möglichkeiten der Wertebildung in der modernen Schule
1.2. Helmut Schreier: Welche Wertvorstellungen sollen wir Kindern vermitteln?
1.3. Richard Meier: Werte fördern, Werte fordern
2. Perspektiven der Kinder
2.1. Egbert Daum: Lebensorientierung und Lernen – Neue Aufgaben von Schule und Unterricht
2.2. Helmut Hanisch: Religiöse und moralische Orientierungen von Kindern
2.3. Marlies Hempel: Das „eigene Leben“ als Zukunftsthema der Grundschule
3. Welt, Kind, Sinn und Bildung – Fachdidaktische Zugänge
3.1. Irene Frohne: Sinn und Sinnorientierung im Sachunterricht
3.2. Ute Stoltenberg: Sinn – Bildung durch Auseinandersetzung mit Arbeit und Umwelt
3.3. Michael Soostmeyer: Sinn- und Wertorientierung des Lernens imnaturwissenschaftlich orientierten Sachunterricht
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen und Möglichkeiten der Sinn- und Wertorientierung im Grundschulunterricht vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Gesellschaft. Ziel ist es, pädagogische Ansätze aufzuzeigen, wie Kinder in einem von Unsicherheiten geprägten Umfeld in ihrer Identitätsentwicklung gestärkt und zu einer reflektierten Lebensführung befähigt werden können.
- Wertebildung in der modernen "Konsum- und Krisenkindheit"
- Die Rolle der Schule bei der Vermittlung von Orientierungswissen
- Methodische Gestaltung von Unterricht zur Förderung von Selbstständigkeit und Verantwortung
- Der Einfluss von Lehrerpersönlichkeit und Schulalltag auf die werteorientierte Entwicklung
- Fachdidaktische Ansätze für die Sinnstiftung im Sachunterricht
Auszug aus dem Buch
1.1 Sozialisationswidersprüche heutiger Kinder und Möglichkeiten der Wertebildung in der modernen Schule
Wenn man über Wertbildung in der Grundschule spricht, so muss man sich als erstes darüber klar werden, unter welchen Umständen Kinder heute aufwachsen, und welche äußeren Einflüsse außer der Schule zur Werteentwicklung der Kinder beitragen. Bei diesen Betrachtungen erkennt man schnell, dass ein Zeichen der heutigen Kindheit ist, dass alle Kinder sehr unterschiedlich aufwachsen. Das zweite Problem stellt der gesellschaftliche Wandel dar: dieser vollzieht sich heutzutage so schnell, das wissenschaftliche Daten bei ihrem Erscheinen meist schon veraltet sind.
Die heutige Kindheit lässt sich am besten als „Konsum- und Krisenkindheit“ beschreiben: „[...]die gesellschaftliche Situation einer Marktgesellschaft, in der der Konsum sowohl Motor des Wirtschaftens ist als auch zur subjektiven Definition vom „guten Leben“ gehört.“¹ Kinder sind für viele Wirtschaftsbranchen durch ihr oft recht reichliches Taschengeld ein wichtiger Faktor. Wer bestimmte Produkte nicht besitzt, läuft Gefahr auch sozial in das Abseits gedrängt zu werden. Früher war Armut durch Wohngegend, Beruf und gesellschaftliches Leben klar definiert, heute aber lässt sie sich durch den Erwerb bestimmter Produkte ( und damit meist hohen Verschuldungen) verbergen.
Kinder sind in diesen Kampf um soziale und gesellschaftliche Anerkennung meist schon früh mit einbezogen. Die Konsumkindheit ist jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was die Krisenkindheit ausmacht. Kinder wachsen heutzutage in einem Umfeld voller Unsicherheit auf: Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Beruf. Ständig treten neue Prognosen auf, die die schlechtesten Zukunftsaussichten für verschiedenste Berufe und den Arbeitsmarkt überhaupt prophezeien, und in ihrer Verwandtschaft werden die meisten wohl selbst erleben, wie schnell man eine Arbeitsplatz verlieren kann, und wie schwer es ist einen neuen zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sinn und Wert als Bildungsanspruch: Analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen Kinder aufwachsen, und leitet daraus notwendige Grundprinzipien für eine werteorientierte Erziehung in der Grundschule ab.
2. Perspektiven der Kinder: Beleuchtet die kindliche Lebenswelt, ihre Vorbildsuche sowie ihre religiöse und moralische Entwicklung in einer durch interaktive Medien geprägten Zeit.
3. Welt, Kind, Sinn und Bildung – Fachdidaktische Zugänge: Präsentiert konkrete fachdidaktische Strategien, um Sinnerfahrung und Werteorientierung in den Sachunterricht und das naturwissenschaftliche Lernen zu integrieren.
Schlüsselwörter
Sinnorientierung, Wertbildung, Grundschulpädagogik, Kindheit, Sozialisation, Sachunterricht, Lebensorientierung, moralische Erziehung, Bildungsanspruch, Medienkompetenz, Werteförderung, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen pädagogischen Aufgabe, Kindern in der Grundschule in einer komplexen und krisenanfälligen Welt Orientierung sowie eine fundierte Wertebasis zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Lebensbedingungen heutiger Kinder, der Einfluss von Schule und Unterricht auf die Wertebildung sowie die Möglichkeiten der Sinnstiftung durch fachdidaktische Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schule als Lebensraum genutzt werden kann, um Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken, damit sie soziale Kompetenzen und Verantwortung für ihr eigenes Leben entwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine pädagogisch-didaktische Analyse, die soziologische Erkenntnisse über die heutige Kindheit mit fachdidaktischen Konzepten des Grundschulunterrichts verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Sozialisationsbedingungen, die Untersuchung der kindlichen Perspektiven auf Welt und Vorbilder sowie eine fachdidaktische Vertiefung für den Sachunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sinnorientierung, Wertbildung, Grundschulpädagogik, Sozialisation, Lebensorientierung und moralische Erziehung.
Wie unterscheidet sich die "Konsum- und Krisenkindheit" von früheren Generationen?
Sie ist geprägt durch eine hohe Verfügbarkeit von Taschengeld für Konsumgüter bei gleichzeitiger Verunsicherung durch Arbeitsmarktprognosen und eine allgemeine Informalisierung von Werten.
Wie kann naturwissenschaftlicher Unterricht zur Wertebildung beitragen?
Durch die Dimensionen des Lernens – von der subjektiven Erlebnisfähigkeit bis zur sozialen Reproduzierbarkeit von Versuchen – lernen Kinder Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit im sozialen Miteinander.
- Quote paper
- Katharina Kruppa (Author), 2000, Sinn- und Wertorientierung in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4906