In den Geschichtsbüchern ist Friedrich Christoph Perthes vor Allem als erster Sortimentsbuchhändler bekannt, auch eine Rolle bei der Gründung des Börsenvereins wird ihm zugesprochen. Um seine Heimatstadt Hamburg machte er sich vor allem während der französischen Besatzung um 1800 verdient.
Es stellt sich also heute die Frage, ob sein Wirken auf Hamburg begrenzt war und man ihm deswegen dort heute noch entsprechend viel Aufmerksamkeit zollt, oder ob er eine treibende Kraft für das gesamte deutsche Buchwesen um 1800 war. War er nur der erste Sortimenter oder muss er tatsächlich als Reformer zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesehen werden?
Diese Arbeit soll die Ansichten und das Wirken von Friedrich Christoph Perthes und ihre Bedeutung vor dem historischen Hintergrund darstellen. Hierbei wird nur auf seine wichtigsten Positionen, die das Buchwesen betreffen, wie seine Meinung zur Stellung des Buchhändlers, seine Ideen zum Auftrag des Buchhandels, seine Ansichten über das Urheberrecht, sein Wirken als Verleger und im Hinblick auf die Gründung des Börsenvereins und dessen Organe, eingegangen werden. Seine politischen Bestrebungen im Hamburg unter französischer Fremdherrschaft werden weitestgehend außer Acht gelassen.
Zum Abschluss sollen auch noch die Wirkungen seines Handelns bis in die Gegenwart umrissen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Buchwesen und Gesellschaft zur Jahrhundertwende 1800
2.1 Allgemeine politische und gesellschaftliche Situation
2.2 Lage des Buchwesens
3. Leben und Wirken des Friedrich Perthes
3.1 Biographischer Überblick
3.1.1 Jugendjahre
3.1.2 Perthes Buchhandlung
3.1.3 Die französische Herrschaft
3.1.4 Neuanfang in Hamburg
3.1.5 Verlagsgründung in Gotha und Perthes’ letzte Jahre
3.2 Perthes Wirken als Buchhändler und Verleger
3.2.1 Der erste Sortimenter
3.2.2 Das „Vaterländische Museum“
3.2.3 Der Buchhandel als „Nationales Institut“
3.2.4 Gründung des Börsenvereins
4. Perthes’ Wirken bis in die heutige Zeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Friedrich Christoph Perthes, um zu klären, ob er lediglich als Hamburger Sortimentsbuchhändler zu betrachten ist oder als eine treibende Kraft der Reformen im deutschen Buchwesen um 1800. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf seine Bedeutung für das deutsche Buchwesen, seine Ansichten zum Urheberrecht sowie seine Rolle bei der Professionalisierung des Buchhandelsstandes.
- Historischer Kontext des Buchwesens um 1800
- Biographische Meilensteine und unternehmerische Entwicklung von Friedrich Perthes
- Entwicklung des Buchhandels vom Tauschhandel zum Sortimentsbuchhandel
- Politisches Engagement und die Gründung des Börsenvereins des Deutschen Buchhändler
- Einfluss von Perthes auf das Berufsethos und die rechtliche Stellung von Buchhändlern
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Der erste Sortimenter
Perthes erkannte in Gesprächen im Kreis der geistigen Elite Hamburgs, dass „bei einer Bevölkerung von hundert und zwanzig Tausend Seelen hier [in Hamburg] nur drei Buchhandlungen [waren] und das literarische Bedürfnis noch einer solchen Steigerung fähig [war]“ 48. Zum einen sah Perthes den Buchhandel als Mittel zum Zweck: Er wollte vor Allem reich und unabhängig werden, um öffentlich wirken zu können.49 Zum anderen erkannte er, dass der Buchhandels sich nicht mehr nur auf die Gelehrten und Wissenschaftler beschränken sollte, sondern für die Allgemeinheit wichtig war. Der Buchhandel war für ihn der Antrieb eines politischen und geistigen Wandels; erreicht werden sollte dies durch die Bildung des Volkes.
Ihm erschien nur logisch, dass der jeweilige Buchhändler auch wesentlichen Einfluss auf die geistige Entwicklung der Leser und Käufer nehmen konnte und sollte, v.A. da um 1800 der Buchhändler noch als oftmals einzige Informationsquelle für die Leser diente und ihnen regelmäßig Lektüre empfahl.50 Die aus wirtschaftlicher Sicht wichtigste Voraussetzung für die Gründung der ersten reinen Sortimentsbuchhandlung, die „die besten ältesten und neuern in Deutschland herausgekommenen Bücher (...)“51 auf Lager hatte, war jedoch die Abkehr vom Tauschhandel: Pflegten noch zu Zeiten von Perthes’ Lehre Verlegersortimenter zweimal jährlich zum Tauschen auf die Messe in Leipzig zu fahren, wurden nun die Bücher à condition eingekauft (siehe 2.2 Lage des Buchwesens).52
Jetzt war es erstmals auch ohne eigene Buchproduktion möglich, einen Handel mit Büchern zu betreiben, ohne dass dies zu Lasten der Sortimentsqualität gehen musste. Zudem ging durch die Remissionsmöglichkeit nun das Risiko vom Händler auf den Verlag über. Zwar gab es auch zuvor schon die sogenannten „Kleinsortimenter“, die ebenfalls reine Sortimenter waren. Diese waren aber zurecht als Ramschverkäufer verschrieen, da sie unverkäufliche Ware von Verlegersortimentern aufkauften oder gleich „die Übernahme einer verkrachten Handlung vollzogen“ und so oft schon bei der Gründung dem Untergang geweiht waren.53
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Friedrich Christoph Perthes als Reformer des deutschen Buchwesens dar und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, seine beruflichen Positionen sowie sein Wirken in den historischen Kontext einzuordnen.
2. Buchwesen und Gesellschaft zur Jahrhundertwende 1800: Dieses Kapitel erläutert den sozio-politischen Wandel der Aufklärungszeit und die wirtschaftlichen Bedingungen des Buchmarktes, einschließlich der Transformation vom Tauschhandel zum modernen Buchvertrieb.
3. Leben und Wirken des Friedrich Perthes: Dieser umfangreiche Teil beleuchtet die Biographie von Perthes sowie seine unternehmerischen Erfolge und Rückschläge, insbesondere seine Rolle bei der Gründung der ersten Sortimentsbuchhandlung und sein Engagement für den Börsenverein.
4. Perthes’ Wirken bis in die heutige Zeit: Das Fazit fasst die langfristigen Auswirkungen von Perthes' Wirken auf die heutige Struktur des Buchhandels zusammen und bewertet sein Erbe kritisch im Kontext heutiger Lesegewohnheiten.
Schlüsselwörter
Friedrich Christoph Perthes, Buchhandel, Sortimenter, Börsenverein, Urheberrecht, Buchwesen, Aufklärung, Verlagswesen, Lesekultur, deutsche Literatur, Buchhandelsgeschichte, nationales Institut, Buchhandelsberuf, Bildung, Kommissionshandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Wirken von Friedrich Christoph Perthes, einer zentralen Figur der deutschen Buchhandelsgeschichte, und untersucht seinen Einfluss auf die Professionalisierung des Berufsstandes um 1800.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Buchhandels, die Entwicklung des Urheberrechts, den Übergang vom Tauschhandel zur Sortimentsbuchhandlung und das Wirken von Perthes als Verleger und Interessenvertreter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Beitrag von Perthes zur Reform des deutschen Buchwesens zu würdigen und zu bewerten, ob er als treibende Kraft hinter nationalen Entwicklungen wie dem Urheberrecht gesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Seminararbeit, die auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse basiert, um Perthes' Ansichten und Positionen vor dem zeitgenössischen historischen Hintergrund darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Biographie von Perthes, seine Rolle als Buchhändler und Verleger, seine Versuche zur Etablierung urheberrechtlicher Standards sowie seine maßgebliche Beteiligung an der Gründung des Börsenvereins.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben dem Namen Perthes Begriffe wie Sortimentsbuchhandel, Börsenverein, Buchhandelskultur, Urheberrecht und das 19. Jahrhundert als Epoche des Umbruchs.
Warum war der Tauschhandel vor 1800 für Perthes problematisch?
Der Tauschhandel führte zu hohen Lagerbeständen unverkäuflicher Ware und einer mangelnden Sortimentsqualität, weshalb Perthes für eine Umstellung auf den Bar- und Kreditverkehr eintrat.
Welche Bedeutung hatte das „Vaterländische Museum“ für Perthes?
Das Journal diente Perthes als Medium, um den Kontakt zwischen deutschen Intellektuellen während der französischen Besatzung zu halten und die Idee eines kulturell geeinten Deutschlands zu fördern.
Wie stand Perthes zur Rolle des Buchhändlers als Kulturvermittler?
Perthes sah den Buchhändler nicht als bloßen Verkäufer von Ware, sondern als verantwortungsvollen Wegbereiter von Bildung, der die moralische Pflicht hatte, qualitativ hochwertige Literatur auszuwählen.
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- Ina Fuchshuber (Author), 2005, Leben und Wirken des Friedrich Christoph Perthes', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49060