Soziale Signale und Worterwerb


Essay, 2015
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Emergentist Coalision Model - Wie wir Worte lernen
1.1 ECM - Das Hybridmodell
1.2 Gebrauch von Achtungshinweisen im Alter
1.3 Fazit

2 Eine Studie zu Spracherwerbsstörungen
2.1 Ergebnisse der Datenerhebung
2.2 Schlussfolgerung

3 Was konnte ich für Erkenntnisse aus dem Seminar gewinnen?

4 Quellen

1 Emergentist Coalision Model - Wie wir Worte lernen

Das Emergentist Coalision Model wurde von den Sprachwissenschaftlern Roberta Michnick Golinkoff und Kathy Hirsh-Pasek entwickelt und beschreibt wie Kinder zum Worterwerb kommen. Generell fangen Kinder im Alter von 10 Monaten an ihre ersten Worte zu sprechen. Dazu verwenden sie in den ersten Lebensmonaten vor allem die Salienz als Hilfsmittel zum Lernen neuer Wörter. Ein Salientes Objekt ist durch seine äußere Beschaffenheit, wie z.B. Farbe, interessanter für ein Kind und es merkt sich unter Umständen das Wort zum Objekt besser. Ab einem Alter von 12 Monaten tritt das soziale und perzeptionsgeleitete Lernen in den Fokus der Lernstrategie eines Kindes. Kinder können hier zwar schon soziale Signale erkennen, können sie aber nicht zum Wortlernen benutzen. In einem Alter von 18-24 Monate können Kinder soziale Hinweise aus ihrer Umwelt zum Wortlernen benutzen und so ihren Wortschatz anreichern.

Es ergeben sich daraus drei Theorieansätze. So wird als erstes von einem Vorzug bestimmter Hypothesen über Wort-Bedeutungs-Zusammenhänge gegenüber anderen Hypothesen ausgegangen. Als nächstes ergibt sich die Theorie, dass besonders hervorstechende Objekte und Handlungen zum Wörter lernen wichtig sind. Als letztes wird den sozialen Signalen die größte Wichtigkeit zugeordnet. Allerdings lässt sich an allen Theorieansätzen Kritik üben, da sie die zeitliche Dimension nicht berücksichtigen. Außerdem sind es sehr isolierte Erklärungszusammenhänge, die immer nur einen kausalen Mechanismus beschreiben. Genau aus diesem Grund wurde das ECM entwickelt, da es ein Hybrides Modell ist und alle Theorieansätze miteinander verbindet.

1.1 ECM - Das Hybridmodell

Bei dem ECM gelten drei Grundprinzipien. So ist das Modell gegenüber mehreren Achtungshinweisen sensibel und beschreibt gleichzeitig auch die zeitliche Veränderung für die Wichtigkeit der Hinweise. Ferner wird durch das Modell darauf eingegangen, dass die kognitiven Prinzipien des Worterwerbs sich mit der Zeit verändern. Folglich werden durch dieses ganzheitliche Modell alle Erklärungsansätze zusammengefasst und sogar die zeitliche Komponente wird berücksichtigt.

In der ersten Phase des Modells sind die aufmerksamkeitsgesteuerten Achtungshinweise von großer Bedeutung. Demnach verwendet das Kind perzeptionsgeleitete Salienz für das Wortlernen. Des Weiteren benutzt es die zeitliche Kontiguität, um das Referenzobjekt zu benennen bzw. zu lernen. Nach der ersten Phase folgt die Phase, in der soziale Achtungshinweise an Bedeutung gewinnen. Das Kind lässt sich von dem Blick seines Interaktionspartners beeinflussen. In Versuchen wurde gezeigt wie die Kinder dasselbe Referenzobjekt fixieren, wenn der Interaktionspartner dies auch macht. Auch der soziale Kontext wird für das Kind in dieser Phase wichtiger, somit kann einem Kind auch mit Hilfe des Fingers etwas gezeigt und benannt werden. In dem letzten Teil der 2. Phase geht es um die linguistischen Achtungshinweise. Das Kind lernt nun mit dem Satzrhythmus umzugehen und grammatische Strukturen zu erkennen. Es zeigt sich, dass die Achtungshinweise aus Phase eins mit der Zeit an Bedeutung verlieren und soziale Achtungshinweise hingegen immer stärker angewendet werden.

1.2 Gebrauch von Achtungshinweisen im Alter

Ab einem Alter von ca. 12 Monaten ist die soziale Information für das Kind nötig, um ein Wort zu lernen, allerdings reicht diese alleine nicht aus. So lernen Kinder in diesem Alter den Begriff für das weniger saliente Wort nur wenn die soziale Information und die visuelle Beschaffenheit vom Kind priorisiert werden.

In einem Alter von 19 Monaten ziehen die Kinder die visuelle Information der sozialen Information zwar vor, können aber dennoch beide Informationen deuten. In diesem Stadium erlernen Kinder den Begriff für den „langweiligen“ Gegenstand nur, wenn auch eine soziale Information verwendet wird.

24 Monate alte Kinder verlassen sich ab jetzt beim Wortlernen fast ausschließlich auf die soziale Information und erlernen den weniger interessanten, wie auch den interessanten Begriff gleichermaßen.

1.3 Fazit

Angelehnt an das Emergentist Coalision Model kann geschlussfolgert werden, dass kognitive Worterwerbsprozesse sich im Laufe der Zeit ändern. Dies geschieht über aufmerksamkeitsgesteuerte Achtungshinweise, soziale Achtungshinweise und linguistische Achtungshinweise und in jedem Alter, bis zum Vollenden des zweiten Lebensjahres, ist eine dieser Techniken zentral für den Wortlernprozess des Kindes. Allgemein kann aber auch gesagt werden, dass soziale Signale immer einen Einfluss auf die Verbesserung des Worterwerbs haben. Diese Signale haben im steigendem Alter und kognitiver Kapazität eine größere Relevanz.

2 Eine Studie zu Spracherwerbsstörungen

Von einer Gruppe, die im logopädischen Frühbereich tätig ist, wurde 2006 die "Forschungsgruppe CH. Logopädie im Frühbereich" gegründet. Das Ziel dieser Gruppe war es in einem ersten Projekt Daten über Kinder zu sammeln, die zwischen den Jahren 2004-2009 wegen Auffälligkeiten beim Spracherwerb in einer von vier Praxen angemeldet und logopädisch abgeklärt worden waren. Die Daten wurden 2007 gesammelt, wodurch die Hälfte der Daten retrospektiv aus vorhandenen Akten erhoben wurde. Rund 1000 Kinder kamen bei diesem Verfahren zusammen. Der zweiseitige Erfassungsboden enthielt Fragen zum Alter bei Abklärung und Therapiebeginn, Geschlecht, Anzahl der Geschwister, Familiensprache(n),sozioökonomischer Status der Eltern, bereits gestellte Diagnosen, weitere einbezogene Fachstellen und anamnestische Angaben.1

2.1 Ergebnisse der Datenerhebung

Das Alter bei Abklärung zeigte, dass eine erfreulich große Anzahl von Kindern vor dem dritten Lebensjahr zur logopädischen Abklärung kommen. Das ist ein Hinweis darauf, dass Früherfassung funktioniert. Auffällig war auch dass zwei Drittel der Kinder Jungen waren und ein Drittel Mädchen, was sich mit der international festgestellten Verteilung deckt, dass bei Jungen zwei- bis dreimal häufiger Sprachentwicklungsstörungen vorkommen. Wie auch viele andere Studien zeigten, so zeigt auch diese Studie, dass zuletzt geborene Kinder mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine spezifische Sprachentwicklungsstörung ausbilden, als Erstgeborene oder Kinder mit einer mittleren Geschwisterposition (nur Auftretwahrscheinlichkeit). Seit den 60er Jahren wird die Sozialzugehörigkeit der Eltern in Bezug auf den kindlichen Spracherwerb kontrovers diskutiert und untersucht. Bei der vorliegenden Studie ist der prozentuale Anteil allerdings sehr gering. So haben nur ein Fünftel der Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien Probleme beim Spracherwerb. Auch wenn es keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Risikofaktor (tiefer sozio-ökonomischer Status der Eltern bzw. tiefes Bildungsniveau der Mutter) und dem Ausbilden einer Störung der Sprachentwicklung gibt, so legen viele Studien dennoch nahe, dass es auf jeden Fall ein erhöhtes Risiko gibt. Mehrsprachigkeit bei Kindern konnte sich bei knapp der Hälfte der untersuchten Kindern feststellen. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder, die mit Mehrsprachigkeit aufwachsen, häufiger logopädische Unterstützung brauchen. Das Forscherteam begründet dies viel eher mit einem günstigen bzw. ungünstigen Umfeld der Mehrsprachigkeit, in dem die Kinder aufwachsen. In der Praxis muss dann der Einzelfall vor dem Hintergrund der Mehrsprachigkeit bei Kindern beurteilt werden. Zum Schluss wurden bei den von 2007-2009 durchgeführten Studien folgende Angaben systematisch erfragt. So zeigten drei Viertel der Kinder im Alter von zwei Jahren einen Wortschatz von weniger als 50 Wörtern. Weiterhin wies ein Fünftel aller Kinder Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung auf. Knapp 20% der Kinder hatten mindestens eine Problematik aus dem Spektrum frühkindlicher Regulationsstörungen (z.B. Fütter- und Gedeihstörungen, Durchschlafstörungen, exzessives Schreien). Bekannt ist, dass gerade diese frühkindlichen Regulationsstörungen immer ein Risiko für Verhaltens- und Entwicklingsprobleme ist. Ob es im Endeffekt dazu kommt hängt aber viel mehr von den Ressourcen und Bewältigungsstrategien der Eltern ab.2

Aus der Abklärung wurden die Beobachtungen in dem Entwicklungsprofil von Zollinger zusammengetragen. Ungefähr 80% aller Kinder zeigten in mindestens einem Bereich altersentsprechende Fähigkeiten und die anderen 20% zeigten in keinem Bereich entsprechende Fähigkeiten. Im praktisch-gnostischen Bereich war auffällig, dass 20% der Kinder in diesem Bereich Entwicklungsverzögerungen aufzeigten, was auf eine Lern- oder geistige Behinderung schließen lässt. Gut drei Viertel aller Kinder zeigten verzögerte Fähigkeiten im symbolischen Bereich, wie sie sich im freien Spiel zeigen. Von den Kindern die ein altersenstsprechendes Entwicklungsprofil hatten, verfügten 60% über nicht altersentsprechende symbolische Kompetenzen. Bei dem theoretischen Modell, welches die Grundlage bildete, spielen symbolische und sozial-kommunikative Fähigkeiten als spracherwerbsbestimmende Prozesse eine zentrale Rolle für die frühkindliche Sprachentwicklung. Im sprachlichen Bereich wird das Sprachverständniss in der freien Spielsituation getestet. So zeigen 90% der Kinder eine verzögerte Entwicklung in diesem Bereich. Die Kinder die schon älter als drei Jahre waren und bei denen sich eine Sprachentwicklungsstörung feststellen ließ, zeigten 77% deutliche Einschränkungen im Sprachverständnis.3

[...]


1 Zollinger S.26

2 Zollinger S. 26ff

3 Zollinger S. 33ff

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Soziale Signale und Worterwerb
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V490799
ISBN (eBook)
9783668979406
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spracherwerb, Sprachstörung, Studie
Arbeit zitieren
Oskar Cylkowski (Autor), 2015, Soziale Signale und Worterwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490799

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