Der hohe Einfluss des Nachrichtenfaktors Nähe auf die Presseberichterstattung ist bislang durch quantitative Studien belegt, aber noch nicht im Hinblick auf journalistische Qualität geprüft worden. Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Nachrichten- faktors Nähe auf die Qualität in der westeuropäischen Auslandsberichterstattung. Es wurden zwei Ereignisse ausgewählt, die sich nur aufgrund ihrer Nähe zu Westeuropa unterscheiden – die Abtreibungsdebatten in Argentinien und Irland. Zunächst wurden fünf Gütekriterien für Qualität in der Auslandsberichterstattung definiert. Dann wurde eine qualitativ orientierte Inhaltsanalyse von 203 Artikeln von 16 Online-Nachrichtenmedien aus den fünf westeuropäischen Nationen Deutschland, Großbritannien, Spanien, Österreich und Schweiz durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Nähe generell stark auf die Quantität und Intensität der westeuropäischen Auslandsberichterstattung auswirkt. Eine stark ausgeprägte kulturelle und sprachliche Nähe zwischen Ereignis- und Berichterstattungsland bedingt außerdem eine hohe Argumente- und Sprechervielfalt sowie dialogi- sche Struktur. Mögliche weitere Forschungsansätze werden aufgezeigt.
The high impact of news factor „proximity“ on the general news coverage has already been proven by many quantitative studies, but still remains „unexplored“ regarding journalistic quality. This paper investigates the impact „proximity“ has on the journalistic quality of Western European foreign news coverage. Two events were selected that only differ from each other by their proximity to Western Europe: The political debates about the legalization of abortion in Ireland and Argentina. First, there were established five criteria of quality in foreign news coverage: Quality, intensity, diversity of arguments, dialogical structure and diversity of speakers. Then, 203 articles about the abortion debates which had been published by 16 online news media of Germany, United Kingdom, Spain, Austria, and Switzerland were investigated in a qualitative oriented content analysis. The re- sults show that proximity has a high impact on quantity and intensity of Western European foreign news coverage. Especially if there is a strong cultural proximity between the country of incident and the reporting country also the diversity of arguments, dialogical structu- re and diversity of speakers turn out to be far more higher. Possible future implications for further research are discussed.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Die Debatten zur Legalisierung von Abtreibung in Argentinien und Irland
2.2. Auslandsberichterstattung
2.3. Nachrichtengeographie
2.4. Nachrichtenwerttheorie
2.5. Nähe
2.5.1. Geografische Nähe
2.5.2. Status
2.5.3. Politische Nähe
2.5.4. Wirtschaftliche Nähe
2.5.5. Kulturelle Nähe
2.6. Resümee und Bildung der Forschungsfragen
2.7. Bestimmung journalistischer Qualität und Herleitung der Hypothesen
3. Angewandte Methodik
3.1. Empirisches Vorgehen
3.2. Fallauswahl
3.3. Entwicklung des Kategoriensystems
3.3.1. Pilotstudie nach Ferree et al. (2002)
3.3.2 Reliabilität
4. Ergebnisse
4.1. Aufbau der Berichterstattung generell
4.2. Quantität der Berichterstattung (H1)
4.3. Intensität der Berichterstattung (H2)
4.3.1. Wörterzahl
4.3.2. Einbindung von Multimedia-Content
4.3.3. Art der Autor/-innen
4.4. Vielfalt der Argumente
4.5. Dialogische Struktur
4.6. Vielfalt der Sprecher/-innen
5. Diskussion
5.1. Argentinien näher als gedacht?
5.2. Besonderheiten der kulturellen Nähe
6. Fazit und Ausblick
7. Einschränkungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Nachrichtenfaktors „Nähe“ auf die journalistische Qualität der Auslandsberichterstattung westeuropäischer Online-Nachrichtenmedien. Anhand der beiden Abtreibungsdebatten in Irland und Argentinien – die sich primär durch ihre Nähe zu Westeuropa unterscheiden – wird analysiert, wie diese räumliche und kulturelle Distanz Quantität, Intensität und diskursive Aspekte der Berichterstattung beeinflusst.
- Einfluss des Nachrichtenfaktors „Nähe“ auf die Berichterstattungsqualität.
- Vergleich der Berichterstattung über Abtreibungsdebatten in Irland und Argentinien.
- Analyse journalistischer Qualitätskriterien: Quantität, Intensität, Argumentenvielfalt, dialogische Struktur und Sprechervielfalt.
- Evaluation des Einflusses kultureller Nähe auf die journalistische Performance.
Auszug aus dem Buch
2.3. Nachrichtengeographie
Eine populäre Studie zur Nachrichtengeographie ist die von Kamps (1998). In Bezug auf Fernsehnachrichten stellte er ein Modell auf, welches Nachrichtengeographie in vier verschiedene Dimensionen klassifiziert, in die sich Länder einordnen lassen. Die erste Dimension sind die sogenannten Nachrichtenzentren. Länder aus Nachrichtenzentren sind konstant Gegenstand der Berichterstattung. Es wird mit einer hohen Themenrelevanz und -varianz über sie berichtet. Beispiele für Nachrichtenzentren aus deutscher Sicht sind Nationen wie die USA oder Frankreich.
Zweite Dimension sind die sogenannten Nachrichtennachbarn. Diese sind Länder, die mit einiger Permanenz in die Berichterstattung eingebunden werden. Beispiele für Länder aus dieser Dimension sind Japan oder Italien. Außerdem wird mit thematischer Varianz über sie berichtet. Dies kann man von der dritten Dimension – den thematischen Nachrichtennachbarn – nicht behaupten. Diese werden nur mit geringer Themenvarianz in die Berichterstattung einbezogen und es wird nur bei besonderen Themen oder Ereignissen über sie berichtet. Beispiele für thematische Nachrichtennachbarn aus deutscher Sicht sind Australien, Spanien oder als aktuelles Beispiel der Bürgerkrieg in Syrien.
Länder, die für den Journalismus nur punktuell von Interesse sind und bei denen keinerlei Permanenz oder thematische Varianz in der Berichterstattung zu erkennen sind, befinden sich in der vierten Dimension. Diese wird „Nachrichtenperipherie” genannt (Kamps, 1998, S. 291; Weber, 2008, S. 392).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Journalismus durch Digitalisierung und Globalisierung und führt in die Fragestellung ein, wie der Nachrichtenfaktor „Nähe“ die Qualität der Auslandsberichterstattung beeinflusst.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert die Abtreibungsdebatten, erläutert Konzepte wie Nachrichtengeographie und Nachrichtenwerttheorie und leitet daraus die Gütekriterien für die journalistische Qualität der Studie ab.
3. Angewandte Methodik: Es wird das methodische Vorgehen erläutert, das eine qualitativ orientierte Inhaltsanalyse von 203 Artikeln umfasst, inklusive der Fallauswahl und der Entwicklung des Kategoriensystems.
4. Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten präsentiert, die zeigen, dass Nähe die Quantität und Intensität der Berichterstattung maßgeblich beeinflusst, während der Effekt auf qualitative Kriterien differenzierter ausfällt.
5. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Nachrichtenwerttheorie und untersucht insbesondere, wie kulturelle Nähe als Sonderfaktor die Berichterstattung beeinflusst.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Nähe zwar die Intensität der Berichterstattung steigert, aber nicht automatisch die inhaltliche Qualität in allen Bereichen signifikant verbessert.
7. Einschränkungen und Ausblick: Kritische Reflexion der methodischen Limitationen und Vorschläge für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Auslandsberichterstattung, Nachrichtenwerttheorie, Nachrichtenfaktor Nähe, Online-Journalismus, Abtreibungsdebatte, journalistische Qualität, Nachrichtengeographie, Inhaltsanalyse, mediale Deliberation, Argentinien, Irland, kulturelle Nähe, journalistische Selektion, politische Kommunikation, Medienberichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Nachrichtenfaktor „Nähe“ die Berichterstattung westeuropäischer Online-Medien über politische Ereignisse im Ausland beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum steht die Auslandsberichterstattung, wobei die theoretischen Rahmenbedingungen der Nachrichtenwerttheorie und Nachrichtengeographie auf zwei spezifische Abtreibungsdebatten angewendet werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, ob ein „nahes“ Ereignis (Irland) qualitativ anders und intensiver in europäischen Medien behandelt wird als ein „fernes“ Ereignis (Argentinien).
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine qualitativ orientierte Inhaltsanalyse von insgesamt 203 Artikeln aus 16 Online-Medien über einen Zeitraum von 42 Tagen durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der empirischen Überprüfung von fünf Hypothesen zur Berichterstattungsqualität, gemessen an Quantität, Intensität, Argumentenvielfalt, dialogischer Struktur und Sprechervielfalt.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Auslandsberichterstattung, Nachrichtenwerttheorie, Nachrichtenfaktor Nähe, Abtreibungsdebatte, journalistische Qualität und Inhaltsanalyse.
Warum wurden gerade die Abtreibungsdebatten in Irland und Argentinien gewählt?
Diese Ereignisse eignen sich ideal, da sie inhaltlich und zeitlich sehr ähnlich sind, sich aber in ihrer geografischen und kulturellen Nähe zu Westeuropa fundamental unterscheiden.
Welche Rolle spielt die „kulturelle Nähe“ in der Analyse?
Die kulturelle Nähe erweist sich als bedeutender Sonderfaktor, da sie beispielsweise bei der spanischen Berichterstattung über Argentinien trotz großer geografischer Distanz zu einer intensiveren Berichterstattung führt.
- Quote paper
- Philipp Durillo Quiros (Author), 2019, Der Einfluss des Nachrichtenfaktors "Nähe" auf die Qualität in der Auslandsberichterstattung von westeuropäischen Online-Nachrichtenmedien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490836