Velázquez' Erfolg in Italien als Maler des Papstes (1648-1650)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zu Beginn

2. Reise nach Italien und Ankäufe
2.1 Das Porträt des Papst Innozenz X. Pamphilij
2.2 Das Porträt des Juan de Pareja
2.3 Das Porträt des Monsignor Camillo Massimi

3. Schlussbemerkung und Fazit zu Velazquez’ Malerei mit den Erfahrungen der zweiten Italienreise

4. Bibliographie und weiterführende Literatur

5. Abbildungen

1. Zu Beginn

Im Oktober 1623 wird der spanische Maler Diego Rodríguez de Silva y Velázquez zum pintor del rey ernannt. Während seiner Zeit am spanischen Hof unternimmt er zwei Reisen in das Künstlerland Italien. Die erste macht er 1629-1631 im Alter von dreißig Jahren als Künstlerreise. Auf die zweite begibt er sich von 1649 bis 1651.

Die vorliegende Arbeit soll die zweite Reise nach Italien des Spaniers in den Jahren 1649 bis 1651 beschreiben und hinsichtlich ihrer Bedeutung für seine malerische Entwicklung untersuchen. Besonders die während seiner zweiten Italienreise entstandenen Porträts von Papst Innozenz X. Pamphilij und Bildnis des Juan de Pareja, welche mit zu den Höhepunkten innerhalb seines Porträtsoeuvre zählen.

Dabei sollen, wie in der Sekundärliteratur oft beschrieben, die Italienreisen nicht als Zäsuren seines Schaffens, und damit sein Lebenswerk in drei Perioden einteilend, betrachtet werden. Eher versucht die Arbeit aufzuzeigen, welche Einflüsse und Erfahrungen italienischer Maler und italienischer Architektur und Skulptur, sowie die Kontakte und Bekanntschaften mit italienischen Persönlichkeiten, die er während der insgesamt vierjährigen Aufenthalts machte und sammelte, Velázquez zum bedeutendsten Maler seiner Zeit machten und wie sich diese Erfahrungen in seiner Malerei und Entwicklung auswirkt. Besonders Velázquez’ Porträts, die in dieser Zeit entstanden sind, weisen eine außergewöhnliche Präzision in der Wiedergabe des Charakters der Dargestellten auf, während sie gleichzeitig malerisch und dabei völlig frei von jeglichen narrativen Elementen sind.

Quellen für Velázquez’ Reisen nach Italien finden sich bei Antonio Palomino und Francisco de Pacheco, den Biorgrafen von Velázquez. Letzterer ebenfalls Lehrer und Schwiegervater.

Für diese Arbeit waren außerdem die Sekundärliteratur von Brown 1988 hilfreich, der das Leben des Velázquez’ herausragend detalliert beschreibt, Salort Pons neben Palomino war besonders für die in der Sekundärliteratur erwähnten und zu prüfenden Daten und Fakten elementar

Velázquez’ zweiter Italienreise liegt der Auftrag Philipps IV. zugrunde, dessen Sammlung durch Ankäufe von Kunstwerken und Bronzeabgüssen zu erweitern und ebenso italienische Maler für die Ausschmückung des Alcázar zu gewinnen.

Velázquez begibt sich 1649 auf die zweijährige Reise, dessen Rückkehr er längstmöglich hinausschiebt und erst auf mehrere Mahnschreiben des Königs kehrte er im Mai 1651 an den Spanischen Hof zurück.

In den 1630er Jahren wuchs die Kennerschaft König Philipps in Sachen Malerei1. Sein ausgeprägterer Geschmack für Bilder regte in ihm eine enthusiastische Leidenschaft des Sammelns an. Der englische Gesandte Sir Arthur Hopton empfindet Philips gesteigertes Interesse für qualitätvolle Kunst als erwähnenswert. In einem Brief vom 5.August 1638 schreibt er:„They [Philip IV.] are now become more judicious in and more affectioned unto the Art of Painting, than they have been, or than the world imagines. And the king within this 12 month, had gotten an incredible number […] of the best modern hands […] particulary […]Titian[…]“2.

König Philipp wertschätzte besonders die Gemälde von Rubens, die er zahlreich kaufte. Die für ihn gekauften Bilder von Rubens sind fast ausnahmslos erhalten und befinden sich im Prado. Einige Bilder Rubens' waren dem König seit ihrer Entstehung bekannt. So wurden beispielsweise Adam und Eva und Raub der Europa (Kopien von Tizian) 1628/29 während Rubens' Anwesenheit am spanischen Hof in Madrid geschaffen.

Durch zunehmende Kennerschaft und Würdigung qualitätvoller Kunst und das damit einhergehende vermehrte und gezielte Sammeln des Königs während der 1630er Jahre sollte sich zunehmend auch das Aufgabenfeld des Hofmalers Diego Velázquez verändern.

Ab 1640 malt er weniger und konzentriert sich mehr auf seine Karriere als Höfling3. Er beginnt in der Hierarchie aufzusteigen und macht sich unersetzbar. Für Velázquez' Leben am Hof sollten durch die beiden Interessen des Königs, - das Sammeln großer Werke und das Präsentieren der Malerei - ein neu definierten Aufgabenbereich nach 1640 zukommen.

Er engagiert sich in der Organisation und Erweiterung der Gemäldesammlung, er engagiert sich für den Umbau des Palastes und er engagiert sich vor allem für Aufgaben, die beide Bereiche miteinander vereinen: Die Gestaltung von Räumen, in denen die Gemälde präsentiert werden. Neben seiner Tätigkeit als Hofmaler kam ihm nun die Aufgabe der Ausschmückung des Alcázar und später auch des El Escorial zu.

Von etwa 1645 bis 1648 wurden Räume und Gemächer im Alcázar umgestaltet und renoviert. Velázquez war an dieser Veränderung mit beteiligt. Die Dekoration der neu-/umgestalteten Räume sollte der Ästhetik des Königs folgen, durch Velázquez als ayuda de cámara (spanisch für Assistent der Privatkammer), diese bedeutsame Beförderung hatte Velázquez 1643 erhalten. Die Vereidigung wurde vom Herzog Olivares vorgenommen, nur elf Tage bevor er vom Hof ausschied und später als aposentador mayor de palacio tätig gewesen ist.

Lázaro Diáz beschrieb vier Jahre vor dem Tod Velázquez' diese Tätigkeit ganz explizit:

"Seine Majestät beanspruchte ihn für das Arrangement und die Ausschmückung seines königlichen Palastes, zu welchem er zweimal nach Rom und anderen Orten ging, woher er von den berühmtesten Künstlern der Welt geschaffene Bilder, Statuen und Modelle mitbrachte. Und in diesem jetzigen Jahr 1656 ist dank seiner sorgfältigen Überlegungen und seines exzellenten Anordnens und Arbeitens der Palast so vornehm und großartig, dass er die Zahl der Weltwunder vermehrt."4

2. Reise nach Italien und Ankäufe

Ende November 1648 verließ Velázquez Madrid in Richtung Rom, mit der Aufgabe, Gemälde und Skulpturen für die Ausschmückung des Alcázar zu erwerben.5 Von Palomino erhalten wir eine Dokumentation über seine Reisestationen und (An-)Kauftätigkeiten bis Ende November 1650. Sein Bericht über die Ankäufe lässt erahnen, mit welcher großen Aufgabe Velázquez nach Italien geschickt worden war. Unzählige Statuen und Bronzeabgüsse erwirbt er neben großartiger Malerei, die sich teils noch heute in Madrid im Prado befinden, für König Philipp IV.

War Velázquez während seiner ersten Italienreise zu Studienzwecken nach Italien gekommen, so kommt er nun als Kenner der italienischen Kunst und ihrer Künstler und als Hofmaler, der am Hof Philipp IV. großes Ansehen genießt und mit ehrenvollen Aufgaben sich in Madrid beinah unersetzlich gemacht hatte. Dennoch lässt Palomino die Gelegenheit nicht aus, ihn und seine Erfahrungen in Italien immer in Verbindung mit dem Wunsch der Weiterentwicklung zu erwähnen und die Reise nach Italien für sich zu nutzen. In Mailand, so Palomino, sieht Velázquez neben Kirchen und Malerei dieser erhabenen Stadt auch das Letzte Abendmahl von Leonardo. Über Padua kommt er nach Venedig, wo er natürlich Werke von Tizian, Veronese und Tintoretto sieht. Von Letzterem kauft er ein Deckengemälde, sowie alttestamentliche Szenen für Philipp IV., die sich heute im Prado befinden.

Tintoretto. Die Reinigung der Midianiten Jungfrauen. Öl auf Leinwand. 301 x 185 cm. Madrid Prado. Kat.Nr. P00393 .

Tintoretto. Susanna und die Alten. 1552-55. Öl auf Leinwand. 58 x 116 cm. Madrid Prado. Kat.Nr. P00386.

Tintoretto. Esther vor Ahasuerus. 1552-55. Öl auf Leinwand. 59 x 203 cm Madrid Prado. Kat.Nr. P00388.

Tintoretto. Judith und Holofernes. 1552-55. Öl auf Leinwand. 58 x 119 cm Madrid Prado. Kat.Nr. P00389.

Tintoretto. Josef und die Frau des Potifar. um 1555. Öl auf Leinwand. 54 x 117 cm Madrid Prado. Kat.Nr. P00395.

Tintoretto. Die Königin von Saba bei Salomon. Um 1555. Öl auf Leinwand. 58 x 205 cm Madrid Prado. Kat.Nr. P00394.

Tintoretto. Die Rettung Mose aus dem Wasser. Um 1555. Öl auf Leinwand. 56 x 119 cm Madrid Prado. Kat.Nr. P00396, ebenso wie ein Bild vom Paradies. Öl auf Leinwand. 168 x 544 cm, (welches Tintoretto zugeschrieben ist) und die Bekehrung des Paulus, ca.1545. Öl auf Leinwand. 152,4 x 236,2 cm. Bei dem es sich wohl um das Werk handelt, das heute in der National Gallery of Art in Washington D.C. befindet.

Von Paolo Veronese erwirbt er Venus und Adonis, ca. 1580. Öl auf Leinwand. 162 x 191 cm Kat.Nr. 482, heute ebenfalls noch im Prado befindlich.

Über Bologna, wo Velázquez Raffaels Hl. Cecilia 1513-1514 und Michelangelos Grabmal des Hl. Dominicus 1494-1495 sieht, gelangt er nach Florenz, wo er - laut Palomino - viel zu bewundern vorfand, weiter nach Modena und Parma, um „Correggios Dom“, also eigentlich wohl Correggios Fresko von der Himmelfahrt Marien 1526-1528, sowie die Werke des Parmigianino.

Velázquez erreicht Rom am 24. April 1649. Kam er 1639 während seiner ersten Italienreise als Lernender nach Rom, so war Velázquez' Ansehen nun gestiegen, denn jetzt kam er als spanischer Meister des Genres der Portätmalerei nach Rom. Die Porträtmalerei war in Rom um 1650 auf einem Tiefpunkt angelangt und Velázquez traf hier auf nur wenig italienische Konkurrenz. Dies wäre eine mögliche Erklärung der vielen Porträts, die während seines Aufenthalts dort entstanden sind: eine große Nachfrage dank des mangelnden lokalen Angebots.

Palomino nennt eine Vielzahl porträtierter Personen, die hohes Ansehen genossen und auch Personen, die als Sekretär oder Kardinal zum Kreis des Papstes gehörten. Er bekräftigt, all diese Porträts hätten bereits im Vorentwurf von Velázquez die Dargestellten so gut erfasst, dass sie in Bezug auf die Ähnlichkeit der zu porträtierenden Person, nichts zu wünschen übrig ließen und in nichts nachstehen würden. All diese Porträts, fährt er fort, seien mit langstieligen Pinseln in der Manier des Tizian gefertigt worden und unterlägen seinem, Tizians, Können keineswegs. Dies würde auch von keinem Betrachter in Madrid bezweifelt werden.6

Möglicherweise wird Velázquez von Alessandro Algardi in den Kreis wichtiger Personen eingeführt. Algardi war von Papst Innozenz X. Pamphilij, neben Gian Lorenzo Bernini, zum Hofbildhauer benannt worden. Velázquez kommt in Kontakt mit vielen wichtigen Personen und genießt die Gunst von unter Anderem Kardinal Astalli Pamphilij, einem Papstnepoten, sämtlichen dem Papst nahestehenden Personen, sowie Künstlern wie Bernini, Poussin, Ribera und Anderen.

Fünf Porträts, die in Rom entstanden sind, sind erhalten. Palomino spricht von weiteren, die aber bisher nicht auffindbar gewesen sind7. Aber nicht nur die Vielzahl von gemalten Bildnissen zeichnen Velázquez' Qualität seiner Werke aus. Unter ihnen befindet sich das Porträt von Papst Innozenz X. Pamphilij. Bereits aus seinen Tagen als politischer Gesandter am spanischen Hof 1626/29 dürften sich die beiden bekannt gewesen sein. Innozenz X. betritt im Jahr 1644 den Heiligen Stuhl und wird 1649/50 im Alter von 75 Jahren von Velázquez porträtiert.

[...]


1 Brown 1988. S. 190f

2 Brown/Elliot 2003. S. 118ff.

3 vgl. hierzu Brown 1988.S.190ff. Besonders im 6. Kapitel schreibt er über die veränderte Sammlertätigkeit des Königs, sowie die Umbauten und Renovierungsarbeiten, die er veranlasst. Diese sind hierbei besonders aufschlussreich, da sie dem Leser eine Idee von Velázquez' erweitertem Aufgabenbereich am Hof und sein Leben als Höfling geben.

4 zitiert nach Brown 1988, S. 191.

5 Laut Brown 1988 kam zu dieser offiziellen Mission noch eine zweite, persönlichere Mission, die Velázquez erledigen wollte. Brown hält fest, Velázquez wolle sich den Wunsch erfüllen, als Ritter in den spanischen Militärorden aufgenommen zu werden und somit die damit einhergehende Würde und soziale Anerkennung, die Malern bis dato nicht zukam, zu bekommen. Wie wir wissen, erhielt Velázquez diese Würdigung erst nach seinem Tod durch den spanischen König Philipp IV.

6 vgl Palomino ed 1987 S. 150ff

7 beispielsweise das Porträt der Schwägerin des Papstes, Olimpia

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Velázquez' Erfolg in Italien als Maler des Papstes (1648-1650)
Hochschule
Universität Stuttgart  (Kunstgeschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V490959
ISBN (eBook)
9783668977549
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Velazquez, Barock, Porträt, Papst Innozenz X., Spanische Malerei, Felipe IV., Rubens
Arbeit zitieren
M.A. Larissa Ferro (Autor), 2017, Velázquez' Erfolg in Italien als Maler des Papstes (1648-1650), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490959

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