Lernerautonomie in der Praxis des DaF-Unterrichts

Anwendungsmöglichkeiten durch handlungsorientierte Unterrichtsaktivitäten und Lernstrategievermittlung


Doktorarbeit / Dissertation, 2019
347 Seiten, Note: Doktor

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse und theoretische Verortung des Themas
1.2 Methodologisches Vorgehen
1.3 Problematik und Fragestellungen
1.4 Aufbau der Forschungsarbeit

2 Theoretische Hintergrundkenntnisse über Autonomie
2.1 Historischer Rückblick
2.1.1 Autonomie in der Antike (bei den Griechen)
2.1.2 Autonomie in den Aufklärungszeiten
2.1.3 (Lerner-) Autonomie in der Reformpädagogik
2.1.4 (Lerner-) Autonomie in den Nachkriegszeiten
2.1.5 Autonomie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.1.6 Von individueller zur sozialen (Lerner-) Autonomie
2.2 Verwandte Begriffe zu (Lerner-) Autonomie
2.3 Bestehende Definitionen und Definitions-Chaos der Lernerautonomie
2.4 Zusammenfassung des Kapitels

3 Lerner-Individualitäten als Faktoren der Lernerautonomie im Unterricht
3.1 Wirkungen der Lernstile und Persönlichkeitsmerkmale im Unterricht
3.1.1 Wirkung der Lernstile auf die interaktive Teilnahme an den Lernaufgaben
3.1.1.1 Reflexive versus impulsive Lernenden
3.1.1.2 Risikobereitschaft
3.1.2 Wirkung der Lernstile auf Informationsverarbeitung
3.1.2.1 Ambiguitätstolerante versus ambiguitäts in tolerante Lernende
3.1.2.2 Feldabhängige versus feld un abhängige Lernende
3.1.3 Wirkung der Lernstile auf Kommunikation in der Lerngruppe
3.1.4 Implikationen für Lernerautonomie im Unterricht
3.2 Wirkung der Wahrnehmungsfaktoren und Lernertypen
3.2.1 Fakten aus der Wahrnehmungstheorie
3.2.2 Lernertypen
3.2.3 Implikationen für den schulischen Unterricht
3.3 Lernstrategien
3.3.1 Begriffserklärung
3.3.2 Lernstrategie-Forschung: ein kurzer Überblick
3.3.3 Klassifizierung von Strategien im Allgemeinen
3.3.4 Klassifizierung der Lernstrategien nach Wolff (1997)
3.3.4.1 Auf den Erwerb sprachlicher Mittel bezogene Strategien
3.3.4.2 Fertigkeitsbezogene Strategien
3.3.4.3 Auf die fremdsprachliche Kommunikation bezogene Strategien
3.3.4.4 Sprachreflexion bezogene Strategien
3.3.4.5 Auf das Lernen bezogene Strategien
3.3.5 Lernstrategien im schulischen Tertiärsprachen Lernen
3.4 Zusammenfassung des Kapitels

4 (Lerner-) Autonomiekonzeptionen und Kritik der reinen Autonomie
4.1 Autonomiekonzepte in der Fremdsprachendidaktik
4.1.1 Handlungstheoretische (Lerner-) Autonomiekonzeption
4.1.2 Die situativ-technizistische (Lerner-) Autonomiekonzeption
4.1.3 Technische und strategische (Lerner-) Autonomiekonzeption
4.1.4 (Radikal-) Konstruktivistische (Lerner-) Autonomiekonzeption
4.1.5 Autonomie als pädagogisch-fächerübergreifendes Konzept
4.1.6 Kognitionspsychologischbasierte (Lerner-) Autonomiekonzeption
4.1.6.1 Das soziale Lernen
4.1.6.2 Autonomieentwicklung durch den Interiorisierungs-Prozess
4.1.6.3 Förderung der Natürlichkeit des Lernens im Unterricht
4.1.6.4 Förderung der Lernbewusstheit
4.1.7 Die sechs Autonomiekonzeptionen im Vergleich
4.2 Kritik der reinen Autonomie
4.2.1 Logische versus physische Existenz
4.2.2 Relativität versus Absolutheit
4.2.3 Heteronomie versus Autonomie: Koexistenz und Verstricktheit
4.2.4 Abgrenzung der Lernerautonomie
4.3 Kompatible Autonomiekonzeption
4.4 Zusammenfassung des Kapitels

5 Lernerautonomie in der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts
5.1 Forschungsüberblick
5.1.1 Beiträge in der deutschsprachigen Literatur
5.1.2 Beiträge in der englischsprachigen Literatur
5.2 Lernerautonomie in den didaktischen Ansätzen
5.2.1 Lernerautonomie im kommunikativen Ansatz
5.2.2 Lernerautonomie im handlungsorientierten Ansatz
5.2.3 Lernautonomie im prozessorientierten Ansatz
5.2.4 Lernautonomie im lernerzentrierten Ansatz
5.2.5 Didaktische Ansätze im Vergleich
5.3 Anknüpfungsmöglichkeiten und Anschlussstellen der Lernerautonomie im Fremdsprachenschulunterricht
5.3.1 Anknüpfung durch Unterrichtsprinzipien: Lernmodell von Wolff
5.3.1.1 Sprachbewusstheit und Sprachlernbewusstheit
5.3.1.2 Projekts- und Handlungsorientierung
5.3.1.3 Authentizität des Lernens
5.3.2 Anknüpfung durch Gradualität der Lernerautonomie: Spiralmodell von Sanchez
5.3.2.1 Allgemeine Phasen der Autonomie
5.3.2.2 Stadien der Autonomie im Fremdsprachenunterricht
5.3.2.3 Lernerautonomie und Niveaustufen in der Fremdsprache nach (GER)
5.3.3 Anschluss durch Lernaufgaben: Aufgabenorientierte Lernerautonomie von Schmenk
5.3.3.1 Soziale versus individuelle Lernerautonomie
5.3.3.2 Verwobenheit Autonomie und Heteronomie in Bezug auf Lernaufgaben
5.3.3.3 Autonomieprozess in Bezug auf die Steigerung Übung, Aufgabe, Projekt
5.4 Zusammenfassung des Kapitels

6 Förderung der Lernerautonomie im schulischen DaF-Unterricht
6.1 Gründe für die Förderung der Lernerautonomie
6.1.1 Schülerbezogene Gründe
6.1.1.1 Der Schüler als Urheber seines Lernens
6.1.1.2 Problematik der Fremdsteuerung des Lernprozesses
6.1.1.3 Die Authentizität der affektiven Vorgänge
6.1.1.4 Fremdsprachenlernen als Umorientierung des Denkens
6.1.2 Unterrichtsbezogene Gründe
6.1.2.1 Unbrauchbarkeit des Unterrichtswissens
6.1.2.2 Knappheit der Unterrichtszeit fürs authentische Lernen
6.1.3 Wissensbezogene Gründe
6.1.3.1 Veränderungsrhythmus der Wissensbestände
6.1.3.2 Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens
6.2 Lernerautonomieförderung im Kontext der Mehrsprachigkeit
6.2.1 Forschungsstand der Mehrsprachigkeit ein kurzer Überblick
6.2.2 Mehrsprachigkeit im algerischen Schulsystem
6.2.3 Mehrsprachigkeit in der algerischen DaF-Klasse
6.2.4 Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die Autonomie des DaF-Schülers
6.2.4.1 Auf der kognitiven Ebene
6.2.4.1.1 Entfaltung der Sprachbewusstheit
6.2.4.1.2 Aufbauen und Ausbauen der Sprachlernbewusstheit
6.2.4.1.3 Entfaltung der Denkstrategien und Erleichterung des Verstehens
6.2.4.1.4 Entfaltung der kulturellen Kompetenz des Schülers
6.2.4.2 Auf der affektiven und motivationalen Ebene
6.2.4.2.1 Entfaltung der affektiven Lernstrategien
6.2.4.2.2 Förderung des intentionalen Lernens
6.2.4.2.3 Förderung der Motivation
6.2.5 Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die Aufgabentypen
6.3 Förderung durch Motivationssteigerung im schulischen Unterricht
6.3.1 Bedeutung der Motivation für Lernerautonomie
6.3.2 Steigerung der intrinsischen Motivation
6.3.3 Steigerung der extrinsischen Motivation
6.3.4 Steigerung der Lernmotivation
6.3.5 Steigerung der Leistungsmotivation
6.4 Zusammenfassung des Kapitels

7 Praktisches Teil: Unterrichtsmodell für Autonomieförderung
7.1 Forschungsdesign und Forschungsinstrumente
7.1.1 Unterrichtsangaben und Materialien
7.1.2 Erklärung des autonomiefördernden Unterrichtsmodells
7.1.2.1 Die implizite Förderung der Lernerautonomie
7.1.2.2 Die explizite Förderung der Lernerautonomie
7.1.2.3 Autonomiefördernde Aufgaben im schulischen Programm
7.1.2.3.1 Aufgaben in Bezug auf Orientierung der Lernenden
7.1.2.3.2 Aufgaben in Bezug auf Übertragung von Lernverantwortung
7.1.2.3.3 Aufgaben in Bezug auf Reflexion über Lernweisen
7.1.2.3.3.1 Erstellung von Lerntagebüchern
7.1.2.3.3.2 Festlegung der Lernertypen und Lernstile der Schüler
7.1.2.3.3.3 Fragen zur Kritik des Unterrichts bzw. des Lehrers
7.1.2.4 Steigerungsmöglichkeiten im Unterricht
7.1.2.5 Unterrichtsprinzipien
7.1.2.6 Klassengestaltung
7.1.2.7 Unterrichtsplan
7.2 Praktische Umsetzung des Unterrichtsmodells
7.2.1 Einstiegsphase (Einführungs-, Vorbereitungsphase)
7.2.1.1 Aufgaben zur Lernerautonomie
7.2.1.2 Wortigel zum Brainstorming
7.2.1.3 Wortigel zum Writestorming
7.2.1.4 Einstieg mit Bildkarteien
7.2.2 Präsentationsphase
7.2.2.1 Aufgabe zur Lernerautonomie
7.2.2.2 Assoziogramme mit Satzschnipseln
7.2.2.3 Aufgaben zu Strukturen und Redemitteln mit Substantiven
7.2.2.4 Aufgaben zu Strukturen und Redemitteln mit Verben
7.2.2.5 Fragen zum Textverständnis
7.2.2.6 Assoziogramme zum Text "Unser Klima"
7.2.3 Semantisierungsphase
7.2.3.1 Wortschatzarbeit mit Kugellagermethode
7.2.3.2 Kärtchen zur Wortschatzarbeit: Gegenteile
7.2.3.3 Übungen zum Lückenwort und zur Wortumformung
7.2.3.4 Wortbedeutung erschließen bzw. wiedererkennen
7.2.3.5 Satzschnipsel zum Textaufbau
7.2.4 Systematisierungsphase
7.2.5 Festigungsphase
7.2.6 Anwendungsphase
7.2.6.1 Gesteuerte Anwendung
7.2.6.2 Freie Anwendung im Projekt
7.2.7 Evaluationsphase (auch Lernkontrolle)
7.3 Förderung der Lernerautonomie in Bezug auf Sprachfertigkeiten, Grammatik und Wortschatzarbeit
7.3.1 Förderung in der Sprachrezeption
7.3.1.1 Förderung der Lernerautonomie im Leseverstehen
7.3.1.1.1 Förderung durch Vermittlung der Lesestrategien
7.3.1.1.1.1 Absichtsorientierte Lesestrategien
7.3.1.1.1.2 Globale Strategien des Leseverstehens
7.3.1.1.1.3 Explizite Anwendung der Leseverstehens-Strategien. Ein Beispiel für die fremdsprachliche Unterrichtspraxis
7.3.1.1.2 Förderung durch prozess- und handlungsorientierte Aufgaben
7.3.1.2 Förderung der Lernerautonomie im Hörverstehen
7.3.1.2.1 Förderung durch Hörverstehensstrategien
7.3.1.2.2 Förderung durch prozess- und handlungsorientierte Aufgaben
7.3.2 Förderung in den produktiven Fertigkeiten
7.3.2.1 Lernerautonomie Förderung in der Schreibfertigkeit
7.3.2.1.1 Schreiben als Ziel und als Mittel
7.3.2.1.2 Produkt- und prozessorientiertes Schreiben
7.3.2.1.3 Förderung in der Schreibfertigkeit durch Strategien
7.3.2.1.4 Förderung durch prozessorientierte Aufgaben
7.3.2.2 Förderung der Lernerautonomie in der Sprechfertigkeit
7.3.2.2.1 Die Förderung im transaktionalen Sprechen
7.3.2.2.1.1 Die Förderung im interaktionalen Sprechen
7.3.3 Förderung der Lernerautonomie in der Grammatikvermittlung
7.3.3.1 Systematische Grammatik
7.3.3.1.1 Vermittlung durch Strategien
7.3.3.1.2 Prozessorientierte Aufgaben
7.3.3.2 Funktionale Grammatik
7.3.3.2.1 Strategievermittlung
7.3.3.2.2 Aufgaben zur funktionalen Grammatik
7.3.4 Förderung der Lernerautonomie bei der Wortschatzarbeit
7.3.4.1 Strategievermittlung und Strategietraining
7.3.4.2 Prozessorientierte und handlungsorientierte Aufgaben
7.3.4.3 Aufgaben zum kontrastiven Wortschatzlernen

8 Empirisches Teil: Untersuchung mit Fragebögen
8.1 Methodisches Vorgehen
8.1.1 Datenerhebungsdesign
8.1.2 Erklärung der Fragebögen
8.1.2.1 Fragebögen zur Festlegung der Schülereigenschaften im Unterricht
8.1.2.2 Fragebogen zur Lernqualität und Lernmotivation durch Lernerautonomie Anwendung
8.1.2.3 Fragebogen zur Autonomieförderungsqualität und Anwendungsakzeptanz des Unterrichtsmodells
8.1.3 Datenaufbereitung
8.2 Datenauswertung und Datenanalyse
8.2.1 Individuelle Eigenschaften der Schüler und Klassen
8.2.1.1 Heterogenität in Bezug auf Lernertypen und Folgerungen für den Unterricht
8.2.1.2 Heterogenität in Bezug auf Lernstile und Folgerungen für den Unterricht
8.2.1.3 Schülereigenschaften in Bezug auf Motivation und Folgerungen für den Unterricht
8.2.2 Lernmotivation und Lernqualität durch Lernerautonomie Förderung
8.2.3 Die Qualität des Lernerautonomie fördernden Unterrichtsmodells
8.2.4 Akzeptanzfaktoren der Anwendung des Lernerautonomie Unterrichtsmodells

9 Schlussfolgerungen und Forschungsergebnisse
9.1 Zielsetzung und methodisches Vorgehen
9.2 Theoretische und konzeptuelle Ergebnisse und Erkenntnisse
9.3 Empirische und praktische Ergebnisse
9.3.1 Ergebnisse des Unterrichtsmodells
9.3.2 Ergebnisse der Fragebögen
9.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
9.5 Fazit und Aussichten für die Unterrichtspraxis

10 Verzeichnisse
10.1 Abbildungsverzeichnis
10.2 Tabellenverzeichnis
10.3 Arbeitsblätterverzeichnis
10.4 Diagrammverzeichnis
10.5 Abkürzungsverzeichnis

11 Literaturverzeichnis

12 Anhang
12.1 Fragebögen
12.1.1 Fragebögen zur allgemeinen Motivation
12.1.2 Fragebogen zur Lernerautonomie und ( Lern- und Leistungsmotivation)
12.1.3 Fragebogen zum Lernerautonomie fördernden Unterricht. (in Bezug auf Unterrichtsmodell)
12.1.4 Fragebogen zur Feststellung des Lernertyps
12.1.5 Fragebogen zur Feststellung des Lernstils
12.2 Auswertungstabelle der Schüler Individualitäten
12.2.1 Auswertungstabelle zur allgemeinen Motivation
12.2.2 Auswertungstabelle zur Festlegung der Lernertypen
12.2.3 Auswertungstabelle zur Festlegung der Lernstile
12.3 Auswertungstabelle zur Auswirkung der Autonomieförderung auf Lernqualität und Lernmotivation
12.4 Auswertungstabelle zur Autonomieförderungsqualität und Anwendungsakzeptanz des Unterrichtsmodells

1 Einleitung

Der Forschungsgegenstand der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Lernerautonomie in der Praxis des DaF-Unterrichts. Dabei werden die handlungsorientierten Lernaufgaben und die bewusst machende Anwendung der Lernstrategien als Anschlussfaktoren behandelt, anhand dessen die Lernerautonomie in den Kontext des Unterrichtsgeschehens bzw. in den Lernprozess der Schüler eingebettet werden kann. Mein Forschungsgegenstand enthält daher die Entwicklung eines Unterrichtsmodells, das die Lernerautonomie in die Praxis umsetzt, indem es den Autonomiefaktoren der einzelnen Schüler Rechnung trägt und sie fördert. Darauf aufbauend misst die Studie durch ein empirisches Verfahren die Akzeptanz und die Wirkung der Lernerautonomie Anwendung auf die Lernqualität und Lernmotivation der Schüler. Die Befragungen umfassen auch die Förderungsqualität der Autonomiebereiche und Autonomiefaktoren im Unterricht.

Zwei Gründe haben mich angereizt, mir die Erforschung des vorliegenden Themas vorzunehmen. Der erste Grund bezieht sich auf die Ergebnisse meiner Magisterarbeit und der zweite auf meine Beobachtungen und Bemerkungen, die ich als Deutschlehrer aus der Realität der Unterrichtspraxis und aus den Lektüren über die Befunde im Forschungsbereich der Fremdsprachendidaktik bzw. Fremdsprachenlehrforschung gewonnen habe.

In meiner Magisterarbeit bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass einer der wichtigsten Faktoren, welche die Motivation der DaF-Lernenden abschwächen und abklingen lassen, ist der Mangel an Lernerautonomie Förderung und die Art der Lernaktivitäten im Unterricht. Als DaF-Lehrer habe ich bemerkt, dass die Schüler ein hohes Maß an Lernmotivation und Beteiligung am Unterrichtsgeschehen aufweisen, wenn ich ab und zu mit ihnen Aufgaben durchnehme, die ich mit Berücksichtigung der Lernerautonomie Prinzipien und Handlungsorientierung entwickelt habe. Auch Schüler, die meistens abgelenkt sind und die sehr selten am Unterricht teilnehmen, arbeiteten im autonomiefördernden Unterricht und in handlungsorientierten Lernaufgaben sehr motiviert und sehr effektiv.

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch geschaffen wurde, um sich als soziales Wesen zu bewegen, zu handeln, sich Ziele zu setzen und diese nach Bedarf entweder alleine oder zusammen mit den anderen anzustreben. Dies ist in seinen angeborenen Bedürfnissen verwurzelt. Ich habe gemerkt, dass der Umgang mit dem Schüler als Person seinem Menschenbild nicht gerecht ist. Man behandelt ihn im Unterricht in vielen Hinsichten so, als ob man von ihm verlangen möchte, dass er auf einige seiner menschlichen Eigenschaften verzichten muss, damit er ein guter Lerner sein kann. Er soll beispielsweise stundenlang am Tag auf einem fremdbestimmten Lernstoff konzentriert bleiben und nur einteilig aktiviert bzw. nur kognitiv aktiv mit den vorgegebenen Lernaufgaben umgehen. Man findet keine Spuren der Berücksichtigung seiner Bedürfnisse, Interessen, Individualtäten weder in der Struktur und dem Typ der Lernaufgaben noch in der Arbeits- und Durchführungsweisen im Unterrichtsgeschehen. In solch einem Unterricht muss der Schüler auf sein Menschenwesen verzichten; d. h. keine Interaktion, keine Binnenkommunikation, keine freie Bewegung, er muss ausschließlisch Wissen erwerben, aber jedoch qualitativ und quantitativ nicht nach seinem eigenen Bedarf und nicht nach seiner eigenen Art und Weise, sondern total fremdbestimmt durch die curricularen Vorgaben und Entscheidungen der Lehrperson.

1.1 Erkenntnisinteresse und theoretische Verortung des Themas

Das Interesse an dem Konzept Lernerautonomie in der Fremdsprachendidaktik und in der Fremdsprachenlehrforschung wird immer größer und seine Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht nimmt immer mehr Raum ein. In den verschiedenen Diskussionen insbesondere in der deutsch- und englischsprachigen Literatur herrscht aber eine gewisse Uneinigkeit über die Definition des Autonomiebegriffs und eine Ungereimtheit in der bestehenden Konzeptionen, die zwangsläufig zu diversen manchmal auch zu diametral widersprüchlichen Vorstellungen über die Konkretisierung des Konzepts in die Unterrichtspraxis geführt haben. Man schwankt dabei zwischen der Allmacht und Ohnmacht der lernenden Person. Allmacht, wenn man das Lernerautonomiekonzept verabsolutiert und demzufolge dem Schüler die absolute Steuerung und Verantwortung über seinen eigenen Lernprozess von Planung bis Bewertung übergibt und verzichtet man somit auf die lehrende Person und die curricularen Vorgaben. Ohnmacht ist, wenn man die lernende Person als Marionette in den curricularen, fremdbestimmten Vorgaben und sozialen Einflüssen der Lernumgebung betrachtet. In Bezug auf die praktische Anwendung wird deshalb Lernerautonomie entweder als die situative Isolierung der lernenden Person konzipiert, dabei der Lernende alleine vor einem Computer sitzt und mit einem Selbstlernprogramm selbständig umgeht oder als eine stark reduktionistische Auffassung verstanden, die das Lernen und den Lernprozess auf die Auswahl und Anwendung der Lernstrategie reduziert. In der Pädagogik fasst man das Lernerautonomiekonzept als ein übergeordnetes fächerübergreifendes und allgemeines erzieherisches Ziel auf, das die Persönlichkeit der Schüler auf Emanzipation und Teamfähigkeit erzieht. Dieser Versuch, Autonomie als allgemeines Ziel zu idealisieren und mit vielen Begriffen und Prinzipien der Fremdsprachendidaktik zu verbinden, beinhaltet eine Reihe von Ungereimtheiten. Das Konzept verliert dann an Klarheit und Konkretion. Es beinhaltet Abstraktheiten, die keine konkreten Realisierungsvorschläge für den Bereich der fremdsprachenspezifischen Ziele implizieren.

In meiner Arbeit gehe ich reflektiert auf die bestehenden Konzeptionen ein, indem ich die jeweiligen Auffassungen der Lernerautonomie darstelle und im Zusammenhang mit den Konkretisierungsmöglichkeiten verbinde. Jede Auffassung, die Kompatibilität und Eingereimtheit mit den schulischen Fremdsprachen-Lernsituationen aufweist, werde ich berücksichtigen und in die Unterrichtspraxis, wo es am besten passt, einbetten. Dazu werde ich das Prinzip Lernerautonomie mit den im Unterricht einhergehenden Prinzipien berücksichtigen, die nicht losgelöst von einander zu verstehen sind, sondern einander ergänzen. Diese Vielfältigkeit an berücksichtigten Unterrichtsprinzipien halte ich für eine Notwendigkeit, welche die Komplexität des Konstrukts Lehren und Lernen im schulischen institutionellen Unterricht fordert.

Die Anregung zu dieser Forschungsarbeit hat ihren Ausgang aus der Unterrichtspraxis. Das Fremdsprachenlernen bzw. DaF-Unterrichtsrealität steht in einem so unangenehmen Zustand, dass eine Reihe von Veränderungen vorgenommen werden muss. Ich habe als Lehrer gemerkt, dass man den Fremdsprachenunterricht in Algerien und das Fremdsprachenlernen auf zwei Ebenen nicht adäquat auffasst bzw. nicht angemessen in die Praxis umsetzt. Auf der Ebene der Fremdsprache geht man in den Lernprogrammen und in der Unterrichtspraxis so, als ob die Sprache nicht für die Kommunikation geschaffen und nicht in der sozialen und kommunikativen Umgebung zustande kommen würde. Man Lernt die Fremdsprachen isoliert von den authentischen Kommunikationssituationen, in denen sie sich, aus ihrer Natur her, entwickelt. Man sollte in diesem Bezug die Fremdsprache normalerweise, so wie sie in der Tat ist, als soziales Phänomen auffassen, dass sie sich in einem interaktiven Zusammenhang mit der sozialen Umgebung des Menschen entwickelt und mit seinem Handeln verbunden ist. Deshalb sollte sie so auch in der Schule erlernt werden, ansonsten verliert sie an den genuinen und existenznotwendigen Anwendungskontexten. Wenn die Fremdsprache nicht in ihre authentischen kommunikativen Kontexten eigebettet und nicht mit dem Handeln und Taten der Schüler verbunden wird, dann wird sie wie ein Fisch, der außerhalb des Wassers Leben muss. Dies ist der Fall der meisten unserer Fremdsprachenlernenden, die Jahrelang die Sprache erlernen, die ist aber tot. Man kann sie in den konkreten kommunikativen Situationen weder schriftlich noch mündlich richtig gebrauchen.

Auf der Ebene des einzelnen Schülers so werden seine Spezifitäten und Individualitäten sowohl in den curricularen Vorgaben als auch in der Unterrichtspraxis nicht berücksichtigt. Man betrachtet ihn so, als ob er kein soziales Wesen wäre, keinen selbständigen Wille, keine individuellen Interessen und keine eigene Persönlichkeit hätte. Man vernachlässigt dabei sein Menschenbild, das in diesem Zusammenhang zwei koexistierenden gegensätzlichen Grundbedürfnisse beinhaltet, nämlich das Bedürfnis nach Interaktion und Kommunikation als soziales Wesen und das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung als Individuum, das seine eigenen Spezifitäten und Individualitäten hat. Der Schüler kann die Fremdsprache nur als ganzer Mensch erfolgreich erlernen. Als Teil eines Menschen schafft er das Lernen an sich nicht und erst recht die Fremdsprache. Einteilig wird der Schüler behandelt, wenn man nur seinen kognitiven Bereich berücksichtigt oder wenn man bei der Auswahl der Lernsituationen Lerninhalte, Lernaufgaben und Vorgehensweisen seinen Interessen und Individuellen Faktoren nicht Rechnung trägt. Der Schüler als Mensch, der 24 Stunden am Tag fürs Leben zur Verfügung hat, verbringt er außer Wochenende durchschnittlich sechs bis sieben Stunden in unseren Schulen. Wenn man die notwendigen acht Stunden Schlaf wegzieht, bleibt von seinem Tag 16 Stunden übrig. Dies heißt, dass er mehr als den Drittel und fast die Hälfte seines Tages in der Klasse verbringen muss. Wenn der Unterricht so gestaltet wird, dass die Schüler durch den Lernstoff nicht miteinander kommunizieren und nicht interagieren können wie sie das im außerunterrichtlichen Leben tun, aber nur sich auf die vermittelten und dargebotenen Informationen konzentrieren sollen, dann verlangt man von ihnen das Unmögliche, das gegen deren Natur als Menschen auswirkt. Diese Menschen, die Recht haben, nach Bedarf und freiwillig zu handeln, zu kommunizieren und zu interagieren.

Durch die Förderung der Lernerautonomie als Unterrichtsprinzip können die Individualitäten des einzelnen Schülers, die Spezifitäten des Fremdsprachenlernens, die curricularen Vorgaben sowie die sozialen Rahmenbedingung des Unterrichts berücksichtigt werden. Die wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, wie sieht die Anwendung der Lernerautonomie in der konkreten Unterrichtspraxis aus? Wie kann man all diese Zusammenhänge und Kombinationen adäquat und gereimt zusammen konkret im Unterrichtsgeschehen berücksichtigen?

1.2 Methodologisches Vorgehen

Die Relevanz jeder Forschungsarbeit wird an ihrer Nützlichkeit für die Unterrichtspraxis gemessen. Die Faktoren eines auf die Praxis bezogenen Forschungsgegenstandes gehören aber meistens nicht nur einer einzigen Disziplin an, sondern haben einen transdisziplinären Charakter. Forschungsgegenstände, die mit der Unterrichtspraxis zu tun haben wie der Meinige, fordern die Verfolgung der untersuchten Faktoren im Fachbereich Fremdsprachendidaktik und auch in den verschiedenen Bezugswissenschaften wie Lernpsychologie, Pädagogik und Fremdsprachenlehrforschung. Aufgrund dieser Erkenntnis habe ich mir vorgenommen, für meine Forschungsarbeit den sogenannten "internen interdisziplinären Ansatz" auszuwählen. Damit ist gemeint:

" dass sich der Fremdsprachenforscher in seiner eigenen Kompetenz und Vorstellungswelt dem Denken anderer Disziplinen öffnet und deren Erkenntnis- und Zugriffsweise sowie deren Ergebnisse wissenschaftsmethodisch reflektiert bzw. kritisch rezipiert und sie in kreativer Manier auf die eigene Frage- und Problemstellungen bezieht - immer in der Gefahr einer gewissen Überforderung. (Vollmer 2001: 57).

Durch diesen Ansatz wird die Forschungsarbeit nicht wegen disziplinären und methodologischen Grenzen eingeschränkt, sodass ich auf die Berücksichtigung einiger Faktoren verzichten muss, nur deshalb, weil sie einer anderen Disziplin angehören. Diese Einschränkungen führen meistens zu falschen Ergebnissen (vgl. Finkbeiner 2001: 67). Der interdisziplinäre Ansatz erlaubt mir die Untersuchung und die Berücksichtigung aller Faktoren, die einen Bezug bzw. eine Wirkung auf meinen Forschungsgegenstand haben.

Das praktische und empirische Teil dieser Forschungsarbeit wird durch das Verfahren des Mehrmethodenansatzes[1] durchgeführt. Ich gehe davon aus, dass die verschiedenen methodologischen Ansätze nicht dichotomisch zu verstehen sind, sondern integrativ mit einander angewendet werden, um dem komplexen Forschungsgegenstand gerecht werden zu können. Die Forschungsverfahren, die seit langem dichotomisch und unvereinbar betrachtet werden, befinden sich heute in einer integrativen und ergänzenden Position. Dabei werden sie allerdings nicht beliebig miteinander kombiniert, sondern begründet und nach Angemessenheit am Forschungsgegenstand. Der Mehrmethodenansatz gewährleistet mehr Reliabilität, Validität und Objektivität und ist den multifaktoriellen und multivariaten Forschungsgegenständen angemessen. Aufgrund dessen habe ich für meine Doktorarbeit eine quantitative, nomologisch-analytische und experimentelle Forschungsmethode ausgewählt. Diese methodologischen Ansätze können mit einander vorkommen und mit der statistischen Auswertung quantifizierbarer Daten verknüpft werden. Sie versichern zusammen die Reliabilität und die Objektivität der gewonnenen Erkenntnisse, die generalisierbar sein können. Dazu eignen sie sich für das Testen der gestellten Hypothesen und die Untersuchung der Fragestellungen.

Das nomologisch-analytische Verfahren verwende ich in der logischen Verbindung der Autonomiekonzeptionen bzw. Lernerautonomiefaktoren und Schülerindividualitäten mit den curricularen und Unterrichtsfaktoren sowie in der Analyse der Zusammenhänge der Lernerautonomiebereiche mit den Anschlussstellen im Unterrichtsgeschehen.

Das experimentelles Verfahren zeigt sich in dem lernerautonomie-fördernden praktischen Unterrichtsmodell, das ich entwickelt und mit den Schülern in die Praxis umgesetzt bzw. durchgenommen habe. Die Probe bzw. die Umsetzung des Unterrichtsmodells hat zwei Wochen gedauert.

Die quantitative Methode zeigt sich in den Datenerhebungen, die ich in einem empirischen Teil quantifiziert, statistisch dargestellt und analysiert habe. Dabei werden für die Validität und Reliabilität die sogenannte " Datentriangulation" (vgl. Riemer 1997: 86) bzw. verschiedene Datensets verwendet nämlich:

- Unterrichtsdaten: Sie umfassen die verwendeten Aktivitäten, die berücksichtigten Prinzipien und Autonomiefaktoren, die im Unterrichtsmodell eingebettet und konkretisiert werden. Daten werden durch experimentelle Anwendung eines Unterrichtsmodells in die Praxis eingebettet und durch Beobachtungen analysiert, dann durch Fragebögen hinsichtlich der Akzeptanz und Förderungsqualität quantifiziert und untersucht.
- Schülerdaten I: Sie erfassen Informationen über die motivationalen Merkmale, Individualitäten und Lernpräferenzen der Schüler. Daten werden durch halboffene Fragebögen erhoben.
- Schülerdaten II: Sie erfassen die Qualität und Akzeptanz des Unterrichtsmodells, die Qualität der Lernerautonomieförderung, die Motivations- und Lernqualität. Daten werden durch halboffene Fragebögen erhoben.

Das Unterrichtsmodell im praktischen Teil dieser Arbeit hat zweierlei Funktionen und zwar auf der didaktischen Ebene gilt es als eine konkretisierte Anwendung der Lernerautonomie in der Praxis des DaF-Unterrichts und auf der methodologischen Ebene gewährleistet es die Reliabilität und die Validität der Datenerhebungen, indem die Schüler die Sachverhalte und die konzeptuellen Bedeutungen der Fachbegriffe, danach sie durch Fragebögen befragt werden, in der Unterrichtsrealität erkennen und eingebettet in konkreten Situationen im Unterrichtsgeschehen erleben. D. h. die Schüler beantworten die Fragebögen durch valide Erkenntnisse, die sie in der Praxis erworben und deren Wirklichkeitsbezüge im Unterricht erlebt haben. Dazu habe ich verschiedene Datensets festgelegt d.h. Daten aus verschiedenen und spontan ausgewählten Klassen aus verschiedenen Gymnasien erhoben. Für die Objektivität habe ich sowohl die Fragebögen als auch die Auswertungstabellen der erhobenen Daten im Anhang beigefügt.

1.3 Problematik und Fragestellungen

Das Ziel dieser Forschung ist die Anwendungsmöglichkeit einer realistischen Lernerautonomie-Konzeption in die Unterrichtspraxis durch handlungsorientierte Lernaufgaben und bewusst machende Vermittlung der Lernstrategien zu überprüfen.

In der Diskussion über Lernerautonomie in der Fremdsprachendidaktik existieren verschiedenen Konzeptionen, die mehr oder weniger der schulischen Unterrichtspraxis mit deren curricularen Vorgaben, institutionellen Rahmenbedingungen und Lernsituationen nicht gerecht sind. Diese diversen Konzeptionen machen die Anwendung der Lernerautonomie problematisch und reflexionsbedürftig. Meine vorliegende wissenschaftliche Arbeit geht aufgrund dessen den folgenden Forschungsfragen nach:

(1) Wie kann Lernerautonomie in die Praxis des DaF-Unterrichts umgesetzt werden? Kann dies durch handlungsorientierte Aufgaben und bewusst machende Vermittlung der Lernstrategien realisiert werden? Kann dies durchs Authentisieren der Unterrichtsaktivitäten erreicht werden?
(2) Wie kann Lernerautonomie in die Praxis des Fremdsprachenlernens zwischen Ohnmacht und Allmacht der lernenden Person verortet und wie kann sie in den curricularen Vorgaben und im Unterrichtsgeschehen gefördert werden?
(3) In wie fern kann die Berücksichtigung der individuellen Faktoren der Schüler im Unterricht zu der Autonomieförderung beitragen?
(4) Welche Lernerautonomie-Konzeption ist mit den Fremdsprachenunterrichtslernsituationen und curricularen Vorgaben kompatibel?
(5) Wie kann Lernerautonomie an den Unterricht angeschlossen werden, ohne dass man die beiden Konzepte Autonomie und Lernen trivialisiert oder stark reduziert?

Diese Fragen werden während der Arbeit bzw. durch die gewonnen Ergebnisse beantwortet werden.

1.4 Aufbau der Forschungsarbeit

Diese wissenschaftliche Forschungsarbeit umfasst insgesamt neun Kapitel. Jedes davon leite ich eingangs mit einer Darstellung der zu erreichenden Ziele ein und schließe ich mit einer synthetischen übersichtlichkeitsdienenden Zusammenfassung ab.

Das erste Kapitel habe ich der Einleitung gewidmet. Ich habe in diesem Kapitel den Forschungsgegenstand theoretisch verortet bzw. in den wissenschaftlichen Kontext eingebettet und das methodologische Verfahren erklärt. Desweiteren habe ich die Problematik und die Fragestellungen dargestellt und abschließend die Aufbau der Arbeit beschrieben.

Das zweite Kapitel befasst sich mit den theoretischen Hintergrundkenntnissen. Dies enthält einen geschichtlichen Überblick über die Wurzeln des Autonomiebegriffs. Dabei gehe ich auf die Entwicklung des Begriffs in Bezug auf den konzeptuellen Inhalt ein und hebe die Bedeutungsveränderungen hervor. Im Zusammenhang mit der Begriffsbestimmung der Autonomie präsentiere ich die verwandten Begriffe und Definitionen, die in der deutsch- und englischsprachigen Literatur existieren. Desweiteren erkläre ich die Gründe des bestehenden Definition-Chaos über Autonomie.

Das dritte Kapitel habe ich den individuellen Faktoren der Lernenden gewidmet, die einen Bezug auf Lernerautonomie haben. Dabei stelle ich die möglichen Zusammenhänge und Auswirkungen der Lernstile, Lerntypen und Lernstrategien auf die Lernprozesse und Unterrichtsaktivitäten dar.

Das vierte Kapitel umfasst die bestehenden Konzeptionen über Autonomie bzw. Lernerautonomie, die in der Diskussion der Fremdsprachendidaktik und Fremdsprachenlehrforschung existieren. Jede Konzeption erkläre ich einzeln und wiege sie in Bezug auf ihre Kompatibilität mit dem Unterricht. Desweiteren beinhaltet das Kapitel eine Kritik gegen die Existenz einer reinen Autonomie. Diese Kritik stelle ich in Thesen dar. Die Verabsolutierung der Lernerautonomie wird ebenfalls als unmöglich belegt und zwischen Allmacht und Ohnmacht der lernenden Person verortet. Am Ende dieses Kapitels wird für eine gemäßigte Vorstellung der Lernerautonomie entschieden, welche realistisch und mit der Unterrichtspraxis kompatibel ist.

Das fünfte Kapitel umfasst die Implikationen der bestehenden didaktischen Ansätze für Lernerautonomie. Dabei identifiziere ich und stelle die Lernerautonomie-Faktoren, welche in den Ansätzen gefördert werden, dar. Desweiteren enthält das Kapitel die Anschlussstellen und Verknüpfungsmöglichkeiten, welche die Lernerautonomie in der realen Unterrichtspraxis anwendbar machen und konkretisieren. Diese beziehen sich auf die Lern- und Autonomiemodelle, die ich für wichtig für diese Studie gesehen habe, nämlich das Lernmodell von Wolff, das Autonomiemodell von Sanchez und das Modell von Schmenk. Das Modell von Wolff ermöglicht die Einbettung der Lernerautonomie in die Unterrichtspraxis als Unterrichtsprinzip. Das Modell von Sanchez ermöglicht die Lernerautonomie-Anwendung durch ihre Gradualität in Bezug auf Erwerbsstadien von Autonomie und im Zusammenhang mit den fremdsprachlichen Niveaustufen nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Das Modell von Schmenk dient zur Anwendung der Lernerautonomie durch die Lernaufgaben und deren Einteilung nach Schwierigkeitsgrad bzw. nach Autonomieräumlichkeit in Übung, Aufgabe und Projekt.

Das sechste Kapitel beschreibt einerseits die Gründe der Anwendung von Lernerautonomie aus der Unterrichtsrealität, andererseits die Förderungsmöglichkeiten der Lernerautonomie durch die Steigerung der Schülermotivation. Es handelt sich hier um die intrinsische, extrinsische, Lern-, und Leistungsmotivation, um deren Eigenschaften und Begünstigungsweisen im Unterricht.

Das empirische Teil dieser Studie umfasst zwei große Kapitel, nämlich das siebte und achte Kapitel. Im siebten Kapitel präsentiere ich ein Unterrichtsmodell, das ich für die konkrete Förderung der Lernerautonomie in der schulischen DaF-Unterrichtspraxis entwickelt habe. Am Anfang des Kapitels erkläre ich die Herangehensweise und schildere das Forschungsdesign der Studie. Dann gehe ich auf die implizite und explizite Förderung der Lernerautonomie, die Unterrichtsprinzipien und Rahmenbedingungen des Unterrichtsmodells ein. Dann präsentiere ich ausführlich die praktische Anwendung des Modells in Bezug auf die Unterrichtsphasen. Im Anschluss daran erläutere ich die Förderung der Lernerautonomie im Zusammenhang mit der Entwicklung der sprachlichen Fertigkeiten und konkretisiere dies mit praktischen Beispielen.

Das achte Kapitel enthält ebenfalls ein Teil der empirischen Studie. Eingangs erkläre ich das methodische Vorgehen, das Datenerhebungsdesign und die Fragebögen. Dann präsentiere ich die Datenauswertung mit der jeweiligen Analyse der Diagramme. Es geht dabei um die Befragung der Schüler über Lernerautonomie-Faktoren im Allgemeinen und im Zusammenhang mit dem Unterrichtsmodell, das sie in der Klasse ausgeführt haben. Ziel des Kapitels ist die Wirkung des Unterrichtsmodells auf die Lernerautonomie festzulegen. Dabei wird der Akzeptanzgrad, die Qualität des Lernens, der Motivation und der Lernerautonomieförderung (nämlich Faktoren und Bereiche) gemessen.

Die Arbeit endet mit dem neunten Kapitel, das die Forschungsergebnisse und Schlussfolgerungen des theoretischen und praktischen Teils enthält. Ein Ausblick für die Unterrichtspraxis umfasst Aussichten für andere Anwendungsmöglichkeiten der Lernerautonomie im DaF-Unterricht.

Zehntes, elftes und zwölftes Kapitel umfassen jeweils Verzeichnisse bzw. Literaturverzeichnis und Anhang. Der Anhang beinhaltet alle Fragebögen, die ich in dieser Arbeit für Datenerhebung verwendet habe und ebenso alle Auswertungstabellen.

Die Verzeichnisse umfassen jeweils 22 Abbildungen, 28 Tabellen, 56 Arbeitsblätter für das Unterrichtsmodell und 27 Diagramme.

2 Theoretische Hintergrundkenntnisse über Autonomie

Ziel des Kapitels ist die Entwicklungsgeschichte des Begriffs Autonomie bekannt zu machen und die Beiträge der verschiedenen Wissenschaften und Rahmenbedingungen, die das Konzept Autonomie bzw. Lernerautonomie beeinflusst haben, zu erläutern. Dazu enthält dieses Kapitel die Begriffsbestimmung der Autonomie und die damit einhergehenden Uneinstimmigkeiten mit deren Begründungen.

Die Leitfragen dieses Kapitels sind:

(1) Seit wann existiert der Begriff der Autonomie und wie hat sich seine Bedeutung im Laufe der Zeit verändert?
(2) Welche sind die Bezugswissenschaften, die das Konzept Autonomie geprägt haben?
(3) Welche Gründe haben dazu beigetragen, dass Uneinstimmigkeit bezüglich der Bestimmung des Autonomiebegriffs herrscht?
(4) Welche sind die verwandten Begriffe, die mit dem Autonomiebegriff gleichbedeutend angewandt wurden?

2.1 Historischer Rückblick

Im Vorfeld möchte ich eine kurze historische Ermittlung über den Begriff Autonomie darstellen. Dies halte ich für sinnvoll für die kommende Diskussion über den Lernerautonomie Begriff, zumal es um seine konzeptuelle Festlegung eine Uneinigkeit herrscht.

2.1.1 Autonomie in der Antike (bei den Griechen)

Autonomie ist ein griechisches Wort, das aus zwei Teilen besteht und zwar: "auto" bedeutet selbst und "nomos" beinhaltet zwei Grundbezeichnungen: eine lokale und bedeutet "Bezirk" und eine rechtliche Bezeichnung und bedeutet "Gesetz" (vgl. Bachel 2011: 20). Aus dieser etymologischen Sicht bedeutet der Begriff Autonomie also so viel wie "Selbstgesetzgebung" und hat somit eine juristische Dimension, die aber keinen Bezug auf autonome Individuen zutun hat, sondern lediglich auf menschlichen Gruppierungen, die sich selbst Gesetze geben und deren Einhalten überwachen können (vgl. Schmenk 2008: 149). Im Altertum zur Zeit der Griechen beschränkt sich die Verwendung des Wortes "Autonomie" ausschließlich im politischen Rahmen. Man bezeichnete damit einen Staat oder eine Stadt, der/ die selbständig und unabhängig ist[2]. Der Begriff Autonomie hatte zu dieser Zeit-Ära nichts mit den individuellen Attributen zu tun (Tassinari 2009: 31).

2.1.2 Autonomie in den Aufklärungszeiten

Erst im 18. Jahrhundert bekam der Begriff Autonomie zur Zeit der Aufklärung einen individuellen Bezug und hatte dann viel mit der individuellen Freiheit und Selbstbestimmung zu tun (ebd.). Der Aller erste, der dem Begriff Autonomie eine individuelle Bezeichnung geliehen hat, ist der deutsche Philosoph "Emmanuel Kant" in seiner Definition der Aufklärung[3] (Schmenk 2012: 86). „Es ist Kants spezifische Leistung, den Autonomiebegriff aus dem juristischen Diskurs [in Bezug auf Gruppierungen] in den philosophischen und vor allem den ethischen eingeführt zu haben“ (Meyer-Drawe, 1998, S. 39, zit. n. Schmenk 2008: 149). Die Konzeption der Autonomie von Kant erfolgt aus seinen Thesen und Antithesen über das Kausalitätsprinzip, das für Erscheinungen in dieser Welt ursächlich ist. Kant unterscheidet in diesem Kontext zwei Arten von Kausalitäten, nämlich die Natur-bedingte und die Freiheits-bedingte Kausalität. Der Mensch befreit sich durch seinen Verstand bzw. seinen freien Wille von den Naturnotwendigkeiten, indem er sich selbst Gesetze macht. Kant leitet somit im Kontext der Kritik der reinen Vernunft, ein Konzept für den Begriff Autonomie, das mit der Freiheit des menschlichen Willens und der Selbstbestimmung zusammenhängt (vgl. Schmenk 2008: 150 f., Giesinger 2010: 4f.). Im folge dessen wurde der Mensch als potentiell vernunftbegabtes wesen bezeichnet, der seine sinnlichen Antriebe durch seinen Verstand beherrschen und überwachen kann, allerdingst nicht absolut frei, sondern gemäß der moralischen Motiven und Gesetzen (ebd.). Diese Autonomie bzw. Freiheit des Willens drückt die Fähigkeit des freien und selbstbestimmten Handelns aus und begründet aufgrund dessen die Selbstverantwortung des Menschen gegenüber seinen Handlungen.[4]

Autonom ist nach Kant das Handeln einer Person, die sich – in Absetzung von natürlichen Impulsen – dem in der Vernunft vorgegebenen moralischen Gesetz unterwirft. Diese Autonomievorstellung ist also nicht für beliebige Handlungsorientierungen offen, sondern erstens rationalistisch ausgerichtet und zweitens an die Befolgung moralischer Normen geknüpft. (Giesinger 2013: 2).

Die Koexistenz der Autonomie mit deren Gegensatz Heteronomie (siehe 4.2.3 und 5.3.32) drückte Kant in Bezug auf zwei Dichotomien aus, nämlich erstens die Notwendigkeit der Natur-bedingte Kausalität vs. die freiwillige und selbstbestimmte Freiheits-bedingte Kausalität (vgl. Schmenk 2008: 153). Zweitens die eigene Freiheit vs. die moralischen Gesetze der Vernunft (ebd.155).

Der Begriff Autonomie wurde dann als "Fähigkeit zur Emanzipation aus der eigenen Unmündigkeit" (Schmenk 2010: 20) konzipiert und bedeutet so viel wie "Unabhängigkeit, Selbständigkeit". In den Nachkants Philosophie, die zwar aus den Kantvorstellungen ausgeht, erfährt der Begriff Autonomie eine Überhöhung und Radikalisierung insbesondere im Idealismus und Subjektivismus (vgl. Schmenk 2008: 158 ff.).[5]

Die "Konzeptionen von personaler Autonomie, wie sie in der Philosophie sowie in Soziologie, Psychologie oder Pädagogik diskutiert und entwickelt wurden, sind bis heute von Kants Überlegungen maßgeblich beeinflusst." (Schmenk 2008: 149). Ab den Aufklärungszeiten verwendet man häufig den Begriff Autonomie in den verschieden Wissenschaften auf der individuellen Ebene, aber mit unterschiedlichen Bedeutungen. In der Ethik und auch in den Erziehungswissenschaften bezeichnet der Begriff Autonomie (z. B. bei Rousseau) die Selbstverantwortung. In der Erkenntnistheorie bezeichnet Autonomie die Eigenständigkeit im eigenen Wissenserwerb. In der Wirtschaft (Adam Smith) bedeutet Autonomie so viel wie die moralische Fähigkeit des Individuums (Tassinari 2009: 31), seine eigene Freiheit unter Kontrolle zu haben. Durch diese personale Dimension des Begriffs Autonomie hat die Aufklärung ein Fundament für ein neues Menschenbild gegründet, aus der eine neue Konzeption in der Pädagogik entwickelt wurde (vgl. Schmenk 2008: 149).

2.1.3 (Lerner-) Autonomie in der Reformpädagogik

Am Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts erschien die Sogenannte Reformpädagogik (1890- 1933) in Europa und in den USA als Gegenreaktion auf den schlechten Zustand der Bildung und Erziehung in den Schulen. Die Reformpädagogen forderten, dass die Freiheit und Selbständigkeit des Individuums in den Mittelpunkt des Interesses von Erziehungsmethoden gesetzt werden müssen (vgl. ebd. 173ff.). Autonomie wurde als Erziehungsprinzip zur Mündigkeit konzipiert und mit dem schüleraktivierenden Lehr- und Lernkonzept verbunden (vgl. Stübig 2003: 9). Der deutsche prominente Reformpädagoge Hugo Gaudig hat schon 1920 die Kern-Idee der Lernerautonomie in die Schule eingeführt. Als er Schul- und Lehrerseminarleiter in Leipzig war, entwickelte und etablierte er den sogenannten "Unterricht der freien geistigen Tätigkeit" . Die Schüler sollten dabei Ziele, Mittel, Arbeitsstufen selbst und eigenständig bestimmen und die Lehrer treten als Berater und Organisatoren. Er fokussierte in der Entwicklung des schulischen Fremdsprachen Lernens auf die Selbsttätigkeit und Selbständigkeit der Schüler (vgl. Stübig 2003: 11). Gaudig und Montessori gelten als die ersten, die die Idee der Lernerautonomie in die (Praxis der) Schulpädagogik eingeführt haben. Dazu haben sich viele Reformpädagogen Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Idee der Autonomie in der Schule und Erziehung befasst. "Georg Gerschensteiner" entwickelte die sognannte "Arbeitsschule", dabei soll der Lernende selbsttätig und aktiv die Lerninhalte mit dem Leben verbinden. "Maria Montessori" begründete die Pädagogik der Selbsttätigkeit und Selbstverwirklichung unter dem Moto: "hilf mir es selbst zu tun". Peter Petersen entwickelte ein neues Schulmodell "der kleine Jena Plan" und förderte damit die Eigenverantwortung der Lernenden. "Kurt Hahn" gründete 1934 die "British Salem School" und förderte damit "die Erlebnispädagogik". Freinet Célestene gründete die sogenannte "Aktive Schule". Dabei soll u.a. die individuelle Verantwortung in kooperativen Arbeitsgruppen gestärkt werden (ebd.).

2.1.4 (Lerner-) Autonomie in den Nachkriegszeiten

Nach dem zweiten Weltkrieg erweiterten sich die Diskussionen um den Begriff Autonomie als Themenbestand in den verschiedenen philosophischen, sozialen und politischen Bereichen.Wegen der neuen Veränderungen, die in der Nachkriegszeit den politischen und sozialen Umständen einhergegangen sind, haben viele Faktoren dazu beigetragen, ein großes Interesse am Lernen von Fremdsprachen zu wecken, insbesondere das Fremdsprachenlernen im außerschulischen Bereich bzw. in der Erwachsenenbildung. Diese neuen Umstände führten zur Ausbreitung der Idee von Autonomie und "Self-Direction" als Versuch, eine flexible Lernweise zu entwickeln, die den unterschiedlichen Zielen und Niveaus von Erwachsenen (wie Touristen, Migranten, Politiker, linguistische Minderheiten, Erzieher, Philosophen...) bzw. der Selbststeuerung beim Lernen gerecht sind (vgl. Gremmo, Riley 1995: 153). Ich erwähne als kurzer Exkurs auch andere Faktoren, die das Interesse an Autonomie beim Lernen verstärkt haben, und zwar die Entstehung internationaler Firmen (z.B. IBM, Shell), Entstehung der Organisation von vereinten Nationen und die große Bewegung der Migranten und Touristen. Dazu zählt auch die Gegenreaktion auf das behavioristische Paradigma, die die Menschen beim Lernen unter dem Prinzip "Anreiz - Reaktion" im gleichen Niveau mit den Tieren stellte.

2.1.5 Autonomie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Anfang der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (1960) entwickelte sich der Begriff Autonomie zu einem Schwerpunkt in den Theorien der Pädagogik und Lernpsychologie (Tassinari 2009: 30f.). In den 60ern wurde der deutsch Bildungsrat [6] gegründet. Er unterschied zwei Arten der Lernziele, nämlich die fachlich-inhaltlich, fachlich-prozessuale und die nicht-fachlich, allgemeine Lernziele. Diese letztere betrachtete der Bildungsrat als dringlich und besonders wichtig. Dazu zählte er auch folgende Lernziele: "Selbständiges und kritisches Denken, intellektuelle Beweglichkeit, kulturelle Aufgeschlossenheit, Ausdauer, Leistungsfreude, Sachlichkeit, Kooperationsfähigkeit, soziale Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein und Fähigkeit zur Selbstverantwortung [...] ". (Deutscher Bildungsrat: 1970: 83 zit. n. Schmenk 2008: 21). Diese Lernziele beinhalten die Befähigung der Lernenden zu einem mündigen Denken und Verhalten. (ebd.)

Das Interesse an Minderheiten-Rechte gilt als ein Hauptfaktor in der Entstehung des Europarates für modernes Fremdsprachenlernen-Projekt, der im Jahr 1971 gegründet wurde. Der Europarat hat sich in mehr als einer Dekade ab seiner Begründung auf die sprachlichen Bedürfnisse der Gastarbeiter und Migranten in Europa konzentriert. Dabei wurde Lernerautonomie als Bildungsideal definiert (Schmenk 2008: 21). 1979 trat die erste und bis heute die zentrale Definition für Lernerautonomie auf, sie stammte aus einem Bericht für den Europarat. Der Rat hat am Ende der 80er Jahre die Kompetenzen des fremdsprachlichen Lernens beschrieben, in sechs Niveaustufen aufgeteilt und für das Lernen, Lehren und Beurteilen aller Fremdsprachen in Europa geltend gemacht. Dieses Projekt gilt als die erste Grundlage des heutigen Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER. 2001), der alle fremdsprachendidaktischen Ansätze umfasst (vgl. Tassinari 2009: 40).

Zu Beginn der 70er Jahre entstand in Nordamerika auch die Tendenz der Hinwendung zu den individuellen Lernenden. Es entstanden Begriffe wie individualized Instraction. Parallel dazu entstanden in Europa entsprechende Begriffe wie Selbstlernen, Autonomes Lernen und selbstgesteuertes Lernen (vgl. Schmenk 2008: 56ff.).

Konrad Schröder gilt im deutschsprachigen Raum als ein bedeutender Theoretiker der (Lerner-) Autonomie. Seine Beiträge befassen sich mit Autonomie als allgemeines Lernziel d. h. als fachunabhängiges Lernziel bzw. übergeordnetes Erziehungsziel. In Anlehnung an den Empfehlungen der Bildungskommission des deutschen Bildungsrats sprach Schröder (1975) über die Bildung des autonomen Menschen als Erziehungsziel in der Schule. Der autonome Mensch ist nach Schröder derjenige,

der zu eigener Meinungsbildung fähig ist, eigene Entscheidungen treffen kann, der Bevormundung durchschaut, der die Notwendigkeit von Kooperation und (ethisch begründbarer sowie sozial sinnvoller) Leistung einsieht, der seine eigenen Grenzen und Schwächen zu sehen bereit ist, sich aber gegen Beherrschungsversuche zur Wehr setzt [...]. (Schröder 1975: 21 zit. nach Schmenk 2008: 20).

Nach Schröder soll Autonomie weder durch Unterrichtsinhalte noch durch fremdsprachliche Lernziele gefördert, sondern auf allgemeiner Ebene durch die Art der Unterrichtsdarbietung und Unterrichtsstile (ebd. 22).

Nach der Auffassung von Schröder wurde die Autonomieförderung im Fremdsprachenunterricht bloß auf die Methode, wie der Unterricht dargeboten wird, eingeschränkt. Sein Grund für diese Einschränkung ist die sprachlichen Vorgaben der Lernziele und sprachlichen Inhalte:

Da die Lernziele im Fremdsprachenunterricht durch die sprachlichen Gegebenheiten vorbestimmt sind, und auch die Inhalte, an denen gelernt wird, nicht frei wählbar, sondern vielmehr durch die Sprache thematisch und in ihrer Abfolge festgelegt sind, wird der Fremdsprachenunterricht seinen Beitrag zum genannten Gesamtziel von Schule durch einen entsprechenden Unterrichtsstil und entsprechende Darbietungsweisen leisten (Schröder 1975: 21 zit. nach Schmenk 2008: 20)

Nach dieser Auffassung ist Autonomie als Bildungsideal betrachtet und weitgehend als Synonym für Mündigkeit und Emanzipation verwendet. Bei Schröder ist Lernerautonomie in Fremdsprachenunterricht nicht rein Fachspezifisch verstanden, sondern Allgemeinpädagogisch betont (vgl. Schmenk 2008: 22 f.).

Durch Holecs Definition (1979) entstand eine Sinnverschiebung des Autonomiebegriffs. Mit dem Begriff "Lernerautonomie" wurde der Fokus auf den Lernenden gestellt bzw. auf seine Fähigkeit, selbstständig und selbstverantwortlich Fremdsprachen zu lernen. Es geht dabei um die Lernerautonomie im Sinne des Self-directed Learning und Selbstgesteuertes Lernen.

Mitarbeiter von CRAPEL (Centre de Rechérche et d´Aplication en Langues) und auch von anderen Sprachlaboren zu Selbstlernzentren bezeichneten "Lernerautonomie" als "ein wesentliches Prinzip bei der Durchführung von Sprachlernaktivitäten durch Fortgeschrittene Studierende[...]."(ebd. 24f.). Wenn das verwendete Lernmaterial authentisch ist, dann handelt es sich um eine Komplette Autonomie, wenn das Material hingegen didaktisiert wird, geht es dann um eine Halb-Autonomie. Total autonomes Lernen kommt zustande, wenn der Lerner eigenständig und mit authentischem Material arbeitet (Ebd.). Holec konzipierte Autonomie als Fähigkeit des Lernenden, sein gesamtes Lernen selbst zu steuern d. h. außerhalb der institutionellen Rahmen und weit von irgendwelcher Fremdsteuerung oder Vorgaben (vgl. Schmenk 2008: 27).

2.1.6 Von individueller zur sozialen (Lerner-) Autonomie

Nach der Veröffentlichung der Holecs Autonomie Definition (1979, 1980), die eine individuelle Konzeption beinhaltete, versuchten Forscher aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen diese Definition mit dem Kontext des institutionellen Unterrichts zu adaptieren. Besonders am Anfang der 90 er Jahren haben sich die Diskussionen und die Forschungen über den Begriff Autonomie vermehrt. Die nennenswerten Konzeptionen bzw. Forschungsergebnisse werde ich im Folgenden darstellen:

- Autonomie nach Little (1991): Er konzipiert Autonomie als Fähigkeit, die psychologische und pädagogische Dimensionen hat und betonnt die Unterscheidung zwischen dem Selbstgesteuerten Lernen und der Lernerautonomie. Diese letztere bezieht sich auf das schulische Lernen in sozialen Verbänden (siehe 3.1.6). Die Förderung der Lernerautonomie geschieht so Little durch das Authentisieren der Lernprozesse und zielt auf die Aufhebung der Grenzen zwischen Schule und Gesellschaft (vgl. Little 1991: online Dokument).
- Autonomie nach Benson (1997): Benson unterscheidet in seiner Klassifizierung drei Versionen von Autonomieauffassungen und zwar die technische Version und fasst Autonomie als technische Fertigkeit auf, die man durch das alleinige Einüben außerhalb der erzieherischen Institutionen bzw. ohne das Dasein eines Lehrers erreichen kann (siehe 3.1.2). Diese Version betrachtet er als sehr reduktionistisch (Schmenk 2008: 39) . Die psychologische Version konzipiert Autonomie als Fähigkeit, die dem Lernenden ermöglicht, mehr Verantwortung über das eigene Lernen zu übernehmen. Benson betrachtet das Wissen und das Lernen aus dem Blickwinkel des Konstruktivisten, nämlich, dass der Lernende sein subjektives Wissen bzw. Lernen allein konstruiert, er sei der Urheber seines Wissens und seines Lernens. Diese Version von Autonomie bezeichnet den Menschen in all seinen Verhalten und Taten als Autonom (siehe 3.1.4). Autonomie sei jedem Menschen angeboren (ebd. 39). Die politische Version ; in dieser Version fokussiert Benson drei Aspekten und zwar Macht, Zugangsmöglichkeit und Ideologie. Er betrachtet dabei das Wissen und das Lernen als Konstruktionen. Die Wahrheit und die Sprache bezeichnet er als Ideologie, weil sie dem Lernenden ideologisch gefärbte Materialien zur Bedeutungskonstruktion bereitstellen. Autonomie wurde in dieser Version als "Kontrolle über die Inhalte und Prozesse des eigenen Lernens" aufgefasst. (Benson 1997: 25 zit. n. ebd. 40).
- Klassifikationsmodell von Oxford: Ausgehend von den Autonomieversionen von Benson und auf Grund einer Kritik bzw. Erweiterungsarbeit unterscheidet Oxford vier Perspektiven auf Autonomie und zwar die technische, die psychologische, die soziokulturelle und die politische-kritische Perspektiven. Sie bezieht ihre Perspektiven auf vier Themenschwerpunkte nämlich Kontext, agency, Motivation und Lernstrategien (Schmenk 2008: 43). Die technische Perspektive auf Autonomie dient zur Beschreibung der äußerlich sichtbaren Formen des Allein-Lernens in Selbstlernzentren. Die psychologische Perspektive dient zur Beschreibung der mentalen und emotionalen Zustände des Lernenden (wie Motivation, Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein und positive Einstellungen gegenüber dem eigenen Lernen). Die soziokulturelle Perspektive : Die Hinzufügung der soziokulturellen Perspektiven in der Autonomie Diskussion geht auf Oxford zurück. Sie bringt somit die Lernerautonomie aus dem engen Kreis des Individualismus und gibt ihr eine soziale Dimension. Lernerautonomie sei nicht eine reine individuelle, sondern auch eine soziale Sache. Diese Perspektive teilt Oxford in soziokulturelle Perspektive I und II. Mit Perspektive I meinte sie das Modell des Lernens durch Internalisierung (siehe 3.1.6). Dabei geht es darum, dass das Lernen seinen Ursprung grundsätzlich in sozialer Interaktion hat.[7] Der Lernende internalisiert die intermentale Interaktion, die dann zu intramental wird. In der soziokulturellen Perspektive II geht es wenig um die Interaktion beim Lernen, aber vielmehr um das Lernen in komplexeren sozialen Gruppierungen (vgl. Schmenk 2008: 46ff.). Die politische Perspektive: Dabei fokussiert Oxford wie Benson die drei Aspekten der Macht, Zugangsmöglichkeit und Ideologie. Oxford versuchte, einen Raum für viele Perspektiven in der Autonomie Konzeption zu schaffen, um somit Widersprüche zu relativieren. Sie konzipiert "Lernerautonomie als facettenreiches Verhalten bzw. facettenreiche Fähigkeit." (ebd. 48).
- Autonomie bei Rampillon: Rampillons Auffassung der Autonomie umfasst sowohl die allgemeinpädagogische als auch die didaktische Perspektive des Fremdsprachenlernens im schulischen Unterricht sowie die Persönlichkeits- und Sozialperspektive:

Unter „Autonomie“ im unterrichtlichen Kontext verstehen wir die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, die Verantwortung für ihre eigenen Angelegenheiten, d.h. für ihr Lernen, zu übernehmen. Der Begriff wird daher synonym gebraucht zu „Selbstverantwortung“ und „Selbstständigkeit“. […] Ziel ist es […], neben dem Erwerb von fremdsprachlichem Wissen und Können die Persönlichkeit der Lernenden zu entwickeln, einen Beitrag zu ihrer Mündigkeit zu leisten und durch den sozialen Austausch ihre Teamfähigkeit zu fördern. [Es] geht […] nicht mehr allein um die fremdsprachliche Entwicklung der Lernenden, sondern auch um die Entfaltung ihrer Persönlichkeit im Sinne der Autonomie .(Rampillon, 2003, S. 5, zit. n. Schmenk 2008: 26)

Die Autonomie Auffassung von Rampillion scheint im Vergleich zu der von anderen umfassender zu sein, zumal sie wichtige Autonomiedimensionen einschließt, die im schulischen Lernen von größer Bedeutung sind, nämlich die lernpsychologische Dimension (d. h. die Fähigkeit zur Selbstverantwortung, Erwerb vom fremdsprachlichen Wissen und Können), die persönlichkeitsbezogene Dimension (d. h. die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit des Lerners) und die soziale bzw. die soziointeraktive Dimension (d. h. die Fähigkeit zum sozialen Austausch und Teamfähigkeit).

In der folgenden Abbildung stelle ich, zu Gunsten von der Übersichtlichkeit, die chronologische Entwicklung des (Lerner-) Autonomie Begriffs dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Chronologische Darstellung der der Begriffsentwicklung (Lerner-)Autonomie.

Quelle: Eigene Arbeit des Autors.

2.2 Verwandte Begriffe zu (Lerner-) Autonomie

In der deutschsprachigen Literatur der erwachsenen Bildung, Lern- und pädagogischen Psychologie befinden sich folgende Begriffe, die teils als Synonyme, teils als Äquivalente Übersetzungen, meistens aus dem Englischen, für den Begriff Autonomie gelten. Ich führe hier die meist verwendeten Begriffen mit einer kurzen Erklärung an:

(1) Mündigkeit : Dieser Begriff wurde ab den Aufklärungszeiten als eine Sinnveränderung der Autonomie verwendet. Dies veränderte den Inhalt der Autonomie von einem politischen zu einem philosophischen Konzept. Häufig wurde "Mündigkeit" besonders in der Pädagogik und den Erziehungswissenschaften geleichbedeutend wie Autonomie verwendet und wurde somit als ein Erziehungsideal im Sinne von Selbstständigkeit, Emanzipation und Eigeninitiative bezeichnet. (vgl. Schmenk 2008: 22, Tasssinari 2009: 31).
(2) Selbststeuerung: Der Begriff Selbststeuerung stammt aus dem Englischen Begriff "self direction", der im Forschungsfeld der nordamerikanischen Erwachsenenbildung verwendet wird. Dieser Begriff wurde zweideutig konzipiert. Er wurde zum einen als eine komplexe Fähigkeit bezeichnet, die die verschiedenen Bereiche der Gestaltung vom Lernprozess steuert und zum anderen als eine allgemeine Fähigkeit des Individuums, ein Bildungsziel und einen Lernprozess, der zu diesem Ziel führen soll, einzusetzen und durchzuführen (vgl. Tassinari 2009:46). Dies heißt, dass der Lernende in der Lage sein soll, Ziele für seine Bildung einzusetzen und eine entsprechende Methode zu findet, die zum Erreichen des geplanten Ziels führt.
(3) Selbstgesteuertes Lernen: Dies ist die Übersetzung des englischen Begriffs "self-acces Learning". Er wurde auch als eine Lernform[8] bzw. Lernmodus betrachtet und von Lernerautonomie unterscheidet. Lernerautonomie wird in diesem Zusammenhang als eine Fähigkeit bzw. ein Attribut des Lerners verstanden, welche in der "Lernform" vom selbstgesteuerten Lernen ausgeübt werden kann (vgl. Tassinari 2009: 49). Eine Lernform umfasst die gesamten Aktivitäten des Lerners und des Lehrers zusammen. In einer Lernform kann der Lernende seine "Autonomie", Entscheidungen, Methoden, Ziele und Fähigkeiten einüben (Benson 2001: 34, Dickinson 1987: 11 zit. nach ebd.: 50). "Unter 'selbstgesteuertem Lernen' sei dabei eine komplexe Handlung zu verstehen, die (in hohem Maße) aus genuinen Interessen und Bedürfnissen der lernenden Person hervorgeht, und welche keiner die Person einschränkenden Ziel- und Ergebniskontrollen unterliegt" (Schmelter 2004: 257).
(4) Selbstorganisiertes Lernen (Selbstorganisation) : Damit ist "insbesondere den technischen Aspekt der komplexen Handlung des selbstgesteuerten Lernens" (Schmelter 2004: 257) gemeint. Dieser Begriff bezeichnet eine radikale Bedeutung der Autonomie, dabei der Lernenden situativ und organisatorisch isoliert lernt z. B. in Selbstlernzentren durch Selbstlernprogramme.
(5) Selbstreguliertes Lernen (Selbstregulierung): Bedeutet in der Lernpsychologie im Allgemeinen die bewusste Steuerung des eigenen Lernprozesses (vgl. Seel 2003: 379). Damit wird vor allem der mental-operative Teilbereich des selbstgesteuerten Lernens beschrieben (vgl. Schmelter 2004: 257f.). Dieser Begriff liegt dem Autonomiebegriff sehr nah. Wenn Lernerautonomie die Steuerung des eigenen Lernprozesses von der Planung über Durchführung bis Evaluieren bedeutet, bezieht sich der Begriff Selbstregulierung auf den Ausmaß der aktiven Teilnahme am eigenen Lernprozess (Tassinari 2009: 47).
(6) Selbstbestimmtes Lernen (Selbstbestimmung): In der Psychologie bzw. Lernpsychologie verbinden Deci/ Ryan (1993: 225f.) die Handlungen von Individuen mit der freien Intention bzw. mit der intrinsischen und extrinsischen Motivation. Eine Handlung gilt bei ihnen als selbstbestimmt, wenn sie freiwillig von der handelnden Person intendiert. Aufgrund dessen setzt das Selbstbestimmte Lernen nicht nur die Berücksichtigung der Lernenden-Bedürfnisse voraus, sondern vor allem die Entscheidungen über den Lernprozesse zu initiieren (ebd.). Im Fremdsprachenlernen bezieht sich "Selbstbestimmtes Lernen" auf den Spielraum für eigene Entscheidungen des Lerners im Rahmen eines institutionell definierten Kurses" (Tassinari 2009: 117f.).
(7) Selbstlernen (individuelles Lernen): Bezieht sich auf den organisatorischen Modus (siehe selbstorganisiertes Lernen), der aus der Entscheidung der Lernenden, ohne Lehrer und Klassenzimmer zu lernen, entsteht (vgl. Rösler 1998:4). Daher ist der Begriff Selbstlernen immer mit dem Lernen durch neue Medien und Selbstmaterialien wie "CD-Roms", Internet, und die dafür entwickelten Selbstlernprogramme" verbunden. (vgl. Richter 2001: 3).

Im Folgenden führe ich u. a. zusätzliche begriffliche Verwendungen in der Fachdiskussion über Autonomie, die in der Deutsch-, Französisch-, und Englischliteratur existieren (vgl. Tassinari 2009: 45).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Begriffe in der Autonomiediskussion

Quelle: Tassinari 2009: 45.

2.3 Bestehende Definitionen und Definitions-Chaos der Lernerautonomie

Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen entsteht eine Uneinigkeit in der Festlegung des Begriffs Lernerautonomie (vgl. Holec 1981, Wolff 1999 , 2002: 8, Schmenk 2010, Finch 2001: 21, Bimmel 2002, 2010: 845, Tassinari 2012: 12f., Schlak 2002: 62f., Chudak 2008, Rampillon 2000, 2003, Meltzer/Quetz 2002: 179f., Apeltauer 2011, Königs 2004: 522f., Nodari/Steinmann 2010: 1156f., Tönshoff 2001: 206). Die Hauptursache der differenzierten Konzeptionen besteht darin, dass der Begriff Autonomie Wurzel in verschiedenen widersprüchlichen Theorien hat. Er wurde demzufolge unterschiedlich kontextuiert (vgl. Schmenk 2012: 63f.):

a) Die psychologische Kontextuierung: In der Psychologie schränkt man das Autonomiekonzept nur auf der Individuums -Ebene bzw. dem individuellen Lernens ein.
b) Die soziokulturelle Kontextuierung: In diesem Kontext wird Autonomie in Bezug auf Zusammenhänge in der Gruppe aufgefasst. Hier wird den Fokus nicht auf das Individuum als einzelnes Element gestellt, sondern auf seine sozialen Beziehungen als Mitglied in einer Lerngruppe.
c) Die pädagogische Kontextuierung : Man betrachtet Autonomie als ein übergeordnetes Bildungs- und Erziehungsziel sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft.
d) Die politisch-kritisch konstituierte Auffassung der Autonomie: Sie erfordert die Berücksichtigung sowohl der Ausgangskultur und Politik des Lernenden als auch die Zielsprachenkultur.

Die zweite Ursache der Uneinigkeit ist, dass der Begriff Lernerautonomie als Trend in der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts übergeneralisiert, verabsolutiert und idealisiert wird. Alle didaktischen und methodischen Überlegungen, sei es die, die theoretisch sind oder die, die in die Praxis umgesetzt werden, alle Herangehensweisen werden irgendwie in eine Verbindung mit dem Begriff Lernerautonomie gebracht. Alles wird bezeichnet als eine Förderung der beliebten Lernerautonomie. Dies hat dazu beigetragen, dass der Begriff an realistischer und tiefgründiger Bedeutung verliert (vgl. Königs 2004: 522, Schmenk 2010: 12). Desweiteren kommen die unterschiedlichen Interpretationen des Autonomiebegriffs aufgrund der allgemeineren Bedeutung des Wortes im alltäglichen Gebrauch.

Nach Nodari (2010) bestehen im Bereich der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts drei verschiedene Autonomie Interpretationen und zwar:

1) Autonomie in Bezug auf Lernort, -zeit, und -rhythmus. Damit ist die, nach Wolff (1999), technizistische Auffassung gemeint, die den Lehrer durch den Computer und digitale Programme ersetzt.
2) Autonomie als Übernahme von Verantwortung für das Lernen. Nach dieser Interpretation kann der Schüler in allen Schritten des Unterrichtsgeschehens erstmal mitbestimmen bis er befähigt wird, die totale Verantwortung über sein Lernen zu übernehmen. Diese Interpretation entspricht der humanistischen Auffassung der Lernerautonomie von Wolff. (vgl. Wolff 1999)
3) Autonomie als Fähigkeit, eigene Lernprozesse selber zu steuern und zu reflektieren.

Im Folgenden führe ich die wichtigsten Definitionen, die in der deutschsprachigen Literatur geführt worden sind:

Holec 1981 definiert Lernerautonomie

als die Fähigkeit des Lernenden, das eigene Lernen selbständig zu gestalten; d. h. der Lernende sollte in die Lage versetzt werden, Lernziele, Lerninhalte, und Progressionen zu definieren, seine Lerntechniken selbständig auszuwählen und die eigenen Lernprozesse und Lernergebnisse zu bewerten. (Holec 1981: 3, zit. nach Wolff 2002: 8).

Diese ist die meist zitierte Definition des Lernerautonomie Begriffs. Sie wird jedoch scharf kritisiert und didaktisch- methodisch als wenig konkret beschrieben (vgl. Schmenk 2010: S.12). Diese Auffassung von Lernerautonomie ist pädagogisch-didaktisch sehr anspruchsvoll und fordert, dass der Lernende in der Lage sein soll, sich selbst zu unterrichten, obwohl er das notwendige didaktische und methodische Wissen dafür nicht hat. Soll der Lerner zuerst ein Lehrer sein, um dann sich selbst als Schüler zu lehren? (ebd. 15). Die Definition von Holec setzte sich erst in Neunzigerjahren im nennenswerten Maße durch, als sie mit einem eher technizistischen Verständnis der Autonomie kollidierte. Dieses Verständnis war politisch attraktiver, weil man die Selbständigkeit mit der Vereinzelung verwechselte und glaubte, dass die Lernenden schon selbständig sein werden können, d. h. ohne Lehrer lernen, wenn man den Lehrer mit erforderlichen Geräten ersetzt. (vgl. Wolff 2002: online Dokument).

Gerhard Roth definiert Autonomie, aus einem neurowissenschaftlichen Perspektive, folgendermaßen: „Autonomie ist die Fähigkeit unseres ganzen Wesens, d.h. Bewusstsein, Unbewusstes, das ganze Gehirn und der ganze Körper zusammengenommen, innen geleitet, aus individueller Erfahrung heraus zu handeln.“

Roth deutet somit auf die Unmöglichkeit der Lernerautonomie. Diese Einstellung von Roth rührt aus der Vermutung her, ob der Mensch überhaupt frei ist bzw. ob er einen eigenen Willen hat (Gerhard Roth 2001: 449, zit. n. Jantzen 2007: 1).

Tönshoff (2001: 206) sieht aus einer kognitionspsychologischen Perspektive die Lernerautonomie im Kontext des Fremdsprachenunterrichts als "Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit des Lerners im Rahmen eines Fremdsprachenunterrichts, der dies bewusst zulässt und fördert". Tönshoff betont damit die Bewusstmachung des Lernens bzw. die Kognitivierung des Lernprozesses. Im Rahmen des Fremdsprachenlernens umfasst dies sowohl die Sprachbewusstheit als auch die Sprachlernbewusstheit. D. h. der Lernende wird bewusst über sich selbst bzw. seinen Sprachlernprozess und über die Zielsprache.

Königs (2004: 522): Im Kontext der Lern- und Lehrforschung [meint man] mit dem autonomen Lerner eine Persönlichkeit, die in einem komplexen Prozess der Informations- und Erfahrungsverarbeitung nicht nur in der Lage ist, den eigenen Lernweg auszuwählen, sondern auch über diesen Weg zu reflektieren und für mögliche Verbesserungen offen zu sein.

Tassinari (2012) definiert Lernerautonomie

als die Komplexe Metafähigkeit des Lerners, in verschiedenen Situationen und Formen Kontrolle über das eigene Lernen auszuüben. Sie besteht aus Wissensbasierten und Handlungsorientierten Kompetenzen, Fähigkeiten und Strategien sowie motivationalen und affektiven Einstellungen, Kompetenzen und ist somit als ein Komplexes Konstrukt zu verstehen. (Tassinari 2012: 13)

Nach demAutonomiemodell von Tassinari (2009)gelten Eigeninitiative, Eigenverantwortung, Selbstbestimmtheit, neue Rollen für Lernende und Lehrende als Säulen der Lernerautonomie. Nach diesem Modell wird Lernerautonomie verstanden als die Fähigkeit und die Möglichkeit,

- Entscheidungen über das eigene Lernen (was will ich lernen? wie will ich lernen?) selbstständig zu treffen und umzusetzen.
- die eigene Motivation in den Mittelpunkt zu stellen und individuelle Interessen, Vorlieben und Kreativität zu verfolgen.
- das eigene Lernen selbst zu evaluieren.
- in sozialer Interaktion mit anderen zu lernen.
- sich der Grenzen und der Möglichkeiten bewusst zu werden, mit denen man lernt und lebt.
- kritisch zu denken.
- die eigene Identität als mitbestimmende und sozial handelnde Personen weiterzuentwickeln.

Sanchez (2015) definiert Autonomie "als eine Fähigkeit, die teils angeboren ist, teils erworben wird. Sie ist graduell, nicht permanent, übertragbar, eingebettet in eine bestimmte soziale Realität, von der sie ständig beeinflusst wird, und in ihrer Vollständigkeit unerreichbar" (Sanchez 2015: 227).

In der englischen Literatur befindet sich gleich wie in der deutschsprachigen Literatur eine "Definitions-Chaos" über Lernerautonomie (Vgl. Schmenk 2010, Finch: 2001). "Es existieren sogar zum Teil diametral widersprüchliche Definitionen und Auffassungen" (Schmenk 2012: 62).

Finch hat folgende Definitionen aus den englischsprachigen Publikationen zusammengestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Autonomiedefinitionen in der englischsprachigen Literatur

Quelle: Finch 2001: 21f.

Ich halte die Definitionen des Begriffs Autonomie bzw. Lernerautonomie von Sanchez (2015) und Tassinari (2009, 2012) für die umfassendsten und die wichtigsten für die theoretische und wissenschaftliche Grundlegung und für die Fremdsprachenunterrichtspraxis (siehe 4.3.2). Sanchez definierte den Begriff "Autonomie" aus einer philosophischen Perspektive "als eine Fähigkeit, die teils angeboren ist, teils erworben wird. Sie ist graduell, nicht permanent, übertragbar, eingebettet in eine bestimmte soziale Realität, von der sie ständig beeinflusst wird, und in ihrer Vollständigkeit unerreichbar" (Sanchez 2015: 227).

Tassinari definiert den Begriff "Lernerautonomie" in Bezug auf das Lernen in einer institutionellen Lernumgebung,

als die komplexe Metafähigkeit des Lerners, in verschiedenen Situationen und Formen Kontrolle über das eigene Lernen auszuüben. Sie besteht aus wissensbasierten und handlungsorientierten Kompetenzen, Fähigkeiten und Strategien sowie motivationalen und affektiven Einstellungen, Kompetenzen und ist somit als ein komplexes Konstrukt zu verstehen. (Tassinari 2012: 13)

In den beiden Definitionen werden alle Dimensionen der (Lerner-) Autonomie berücksichtigt nämlich die psychologischen, die individuellen und die sozialen Dimensionen.

Sanchez berücksichtigt die Eigenschaften und Charakteristika der Autonomie als Fähigkeit, die sich auf die Individualitäten des Menschen und auf die Bezüge der Außenwelt bezieht.

Tassinari fokussiert in ihrer Definition die Vielschichtigkeit der Lernerautonomie Faktoren und daher als Konstrukt bezeichnet, das sich auf alle Lernbereiche des Lernenden (d. h. den kognitiven, metakognitiven, emotionalen, affektiven und motorischen Bereich) bezieht.

2.4 Zusammenfassung des Kapitels

Der Begriff Autonomie existierte seit der Antike. Er wurde nur im Rahmen der Politik verwendet und bezeichnete die Unabhängigkeit der Staaten und Städte. Die Verwendung des Begriffs im Rahmen der individuellen Eigenschaften des einzelnen Menschen geht auf den deutschen Philosophen Emanuel Kant. Autonomie erlebte dabei eine Sinnveränderung und bedeutete so viel wie Freiheit, Mündigkeit und Selbstbestimmung.

In der Nachkants Philosophie erfuhrt der Begriff Autonomie eine überhöhte Radikalisierung, insbesondere im Idealismus und Subjektivismus. In der Reformpädagogik wurde der Begriff als Erziehungsprinzip zur Mündigkeit und Emanzipation konzipiert und mit den schüleraktivierenden Lernkonzepten verbunden.

In den Nachkriegszeiten schenkte man dem Konzept Autonomie ein großes Interesse. Es wurde im Rahmen des Fremdsprachenlernens in der Erwachsenenbildung als "Selbststeuerung" des eigenen Lernens aufgefasst. In den 60ern entwickelte sich Autonomie zu einem Schwerpunkt in den Theorien der Pädagogik und Lernpsychologie. Nach der Gründung des Europarates für moderne Fremdsprachen wurde der Begriff Lernerautonomie als Idealbild aufgefasst und zum ersten Mal vom Holec definiert. Dabei wurde Lernerautonomie als individuelles, selbstgesteuertes Lernen aufgefasst. Am Anfang der 90er Jahren wurde dem Konzept Lernerautonomie eine soziale Dimension geliehen.

In der Fremdsprachendidaktik herrscht eine Uneinigkeit und Ungereimtheit in der Festlegung des (Lerner-)Autonomiekonzepts. Diese Uneinigkeit liegt darin begründet, dass es eine historisch-philosophische Grundlegung fehlt, welche die Wurzeln des Begriffs Autonomie einreimend zusammenstellt, die in den widersprüchlichen Theorien bestehen. Dazu kommen die unterschiedlichen unreflektierten Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen insbesondere aus dem Englischen und Französischen.

Die kompatible Definition der Lernerautonomie ist diejenige, die sowohl die psychologische und individuelle als auch die soziale Dimensionen des Lernens berücksichtigt wie die von Sanchez 2015) und Tassinari (2009).

3 Lerner-Individualitäten als Faktoren der Lernerautonomie im Unterricht

Ziel dieses Kapitels ist die individuellen Faktoren der Lernenden darzustellen, die die Binnendifferenzierungen und Heterogenität beim Lernen im Unterricht aufweisen und für die Anwendung der Lernerautonomie im schulischen Fremdsprachenunterricht sprechen. Dabei werde ich die Auswirkung dieser Faktoren auf die Lernaktivitäten, Lernaufgaben, und auf den Lernprozess darstellen.

Den Binnendifferenzierungen der Lernenden beim Fremdsprachenlernen werden nur wenig in der Fremdsprachenforschung Aufmerksamkeit geschenkt. Der Grund dafür besteht darin, dass man den Fokus auf die Gemeinsamkeiten statt auf die Besonderheiten des Lernens stellt. Man suchte nach Gemeinsamkeiten in der mentalen Ausstattungen und Sprachverarbeitungsprozesse, um generalisierbare Lernregeln bzw. Methoden zu entwickeln, die das Lehren und Lernen der Fremdsprachen erfolgreicher machen (vgl. Grotjahn et al. 2001: 83). Mit der Fokusveränderung und Entwicklung der Schülerzentrierten Ansätze (siehe 4.3.4 und 7.2.5), rückt der Lernende bzw. die individuellen Spezifitäten des einzelnen Lerners allmählich in den Fokus der Forschungsinteressen. Da stellt man fest, dass es auf der individuellen Ebene erhebliche Unterschiede gibt, welche die Lernweisen bzw. Lernstile, Lernwege, Lernrhythmus, Lernertypen, usw. betreffen (vgl. Riemer 1997) und die Effektivität der generalisierten Lernregeln und pauschalierten Lernmethoden verhindern.

3.1 Wirkungen der Lernstile und Persönlichkeitsmerkmale im Unterricht

Die menschlichen Persönlichkeitseigenschaften spielen eine bedeutende bzw. eine entscheidende Rolle in der Festlegung der Wahl und der Verwendung der Lernstrategien (vgl. Grotjahn et al. 2001: 85). Von dieser Erkenntnis ausgehend beschäftigt man sich in verschiedenen Studien wie "Adult-Interview-Studie", "Main-Classroom-Studie" mit der Untersuchung des Persönlichkeits-konstrukts in Verbindung mit dem fremdsprachlichen Lernen im schulischen Kontext (vgl. Riemer 1997: 55). Lernstile bzw. kognitive Stile sind im Gegensatz zu Lernstrategien intraindividuell gesehen relativ stabile Lerner-Merkmale, welche nicht situations- und Lernaufgaben-spezifisch sind - sie beeinflussen allerdings auf einer allgemeineren Ebene die Art und Weise wie man mit der Aufgabe umgeht - und somit als persönlichkeitsmerkmale des Lernenden bezeichnet werden können. Sie werden als andauernde Lernpräferenzen bezeichnet, die die Informationsverarbeitung und soziale Interaktion des Lernenden stark steuern können. Lernstile haben eine selektive, organisierende und eine handlungs- und verhaltenssteuernde Funktion. Die selektive Funktion bezieht sich auf die Bedeutsamkeit der aufgenommenen Information. Die organisierende Funktion bezieht sich auf die Weiterverarbeitung der Information. Die handlungs- und verhaltenssteuernde Funktion bezieht sich auf den Umgang mit der Lerngruppe und auf Bevorzugung bestimmter Lernstrategien und Lerntechniken. In der Forschung sind Lernstile meistens bipolar bzw. in paaren dargestellt z. B. extrovertiert vs. introvertiert, feldabhängig, -unabhängig, usw. (vgl. Riemer 1997, Grotjahn 2001: 85, Seel 2003: 71 f.).

[...]


[1] Mehr Informationen über Mehrmethodenansatz findet man bei Riemer (1997; 79-86); Riemer (2008); Hinrici/ Grotjahn (2001).

[2] Heute verwendet man den Begriff auch noch mit derselben Bezeichnung im Rahmen der Politik; so wie der angestrebte autonome Staat für Palästinenser oder autonome Provinz Québec in Kanada. (Schmenk 2012: 86).

[3] Emmanuel Kant (1784) definierte Aufklärung als: " [...] der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. "Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere Audi! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."(Schmenk 2010: 20)

[4] Mehr Ausführungen zu den Grundlagen des Begriffs Autonomie in den Aufklärungszeiten bzw. in der Kants Philosophie findet man bei (Schmenk 2008, Kapitel 4.1 und Giesinger 2013).

[5] Im Mittelpunkt steht die Philosophie des Idealismus von Fichte über Verabsolutierung des "Ichs".

[6] Der deutsche Bildungsrat wurde 1965 von Bund und Ländern gegründet und arbeitete von 1966 bis 1975 als Kommission für Bildungsplanung. (Vgl. Wikipedia.de)

[7] Oxford beruht damit auf den Überlegungen vom sozialen Konstruktivisten Lev Vygotsky zum sozial vermittelten Lernen (vgl. Schmenk 2008: 47). Vygotsky verbindet die kognitiven Funktionen mit der sozialen und kulturellen. Lernen wird als Entdeckungsprozess im Kontext der sozialen Interaktion betrachtet und jede kognitive Funktion übergeht zwei Stufen; einmal auf der intermentalen Ebene (Interaktion mit anderen Menschen) und ein anderes Mal auf der Intramentalen Ebene (als Reflexion über internalisierten Wissen). Das Individuum wird als aktiver Konstrukteur seines eigenen Wissens, aber nicht losgelöst von der sozialen und kulturellen Umgebung. Lernen geschieht demnach unter dem Prinzip "external - internaler sozialer Konstruktionprozess"(ebd).

[8] Lehr-Lernformen sind historisch gewachsene feste Formen zur Aneignung von Wirklichkeit. Sie haben einen definierten Anfang, eine definierte Rollenverteilung, einen bestimmten Spannungsbogen und einen erkennbaren Abschluss. (Meyer 2002:6).

Ende der Leseprobe aus 347 Seiten

Details

Titel
Lernerautonomie in der Praxis des DaF-Unterrichts
Untertitel
Anwendungsmöglichkeiten durch handlungsorientierte Unterrichtsaktivitäten und Lernstrategievermittlung
Hochschule
University of Oran  (ILE)
Note
Doktor
Autor
Jahr
2019
Seiten
347
Katalognummer
V491048
ISBN (eBook)
9783668986442
ISBN (Buch)
9783668986459
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Très honorable
Schlagworte
lernerautonomie, praxis, daf-unterrichts, anwendungsmöglichkeiten, unterrichtsaktivitäten, lernstrategievermittlung
Arbeit zitieren
Doktor Nourredine Bouchama (Autor), 2019, Lernerautonomie in der Praxis des DaF-Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491048

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