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Inquisitio Ac Territio. Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung

Title: Inquisitio Ac Territio. Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung

Term Paper , 2019 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sebastian Daniel (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die der Arbeit zu Grunde liegende Problematik ist die Darstellung der inquisitorischen Institutionalisierung, id est die prozessuale Ausbildung administrativer Exekutivorgane, mit besonderem Augenmerk auf das Frankreich des 11. bis zum 13. Jahrhundert. Wenn Henri Maisonneuve in seiner Schrift über die Inquisition derselben "l’acte de naissance" bescheinigt, so konstatiert er damit zugleich auch, dass es einen festen Termin, ein konkretes Ereignis oder ein gedrucktes Wort in päpstlichen Dekretalen oder kaiserlichen Statuten gibt, das sine dubio auf "Geburtsjahr" oder gar "Geburtstag" der inquisitio haereticae pravitatis schließen ließe. So befriedigend ein solches, greifbares Datum, das in diesem Kontext als Mutter der Inquisition zu verstehen wäre, auch sein mag, lässt man auf diese Weise doch zu Unrecht die Jahrzehnte andauernden Qualen von Schwangerschaft und "Geburtsvorgang", um an dieser Stelle noch einmal das so treffliche Bild von Peter Segel zu bedienen, außer Acht.

Immerhin in einem Punkt fällt das Urteil der Forschung weitestgehend homogen aus: Wenn man einen Zeitpunkt determinieren müsste, läge dieser zwischen 1231 und 1233. Begründet wird diese Festlegung anhand diverser Schriftstücke Papst Gregors IX., an deren Ende die Dominikaner als inquisitores haereticae pravitatis mit päpstlichen Vollmachten agierten. Doch dies soll uns erst an späterer Stelle im Detail beschäftigen. Zunächst gilt es festzuhalten, dass in der Wissenschaft offenbar Uneinigkeit darüber besteht, was man als "Inquisition" bezeichnen darf, ab wann man das darf und was dieser Begriff dann genau umfasst. Nicht grundlos schreiben so manche Publizisten, dass man gar nicht von "der mittelalterlichen Inquisition" sprechen dürfe, sondern dabei lediglich das Verfahren per inquisitionem gemeint sei. Es bedarf also einer konkreten Definition dessen, was jeweils unter "der Inquisition" verstanden werden soll.

In dieser Arbeit soll sich der vertretene Ansatz nach dem Grad der Institutionalisierung richten. Ihre wissenschaftliche Daseinsberechtigung ist demnach darin begründet, dass problematische Begrifflichkeiten wie "die Geburtsstunde der Inquisition" belanglos werden, da der Institutionalisierungsprozess mit seinen rudimentären Anfängen bis zum organisierten Endzustand dafür substituierend ins Zentrum des Interesses gerät. Es wird gewissermaßen der Entstehungsprozess per se zur Mutter der mittelalterlichen Inquisition erklärt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführendes zur institutionalisierten Verfolgung

1. Inquisitio institutio est?

2. Zu Literatur und Quellenlage

3. Vorgehensweise und Methodik in Hinblick auf das Erkenntnisziel

Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung

Anfänge und Entwicklung des inquisitorischen Verfahrens hin zur behördlich-strukturierten Ketzerverfolgung

1. „Phase der Unsicherheit“: Die allmähliche Ausbildung der Kanonistik

2. Von Lucius III. bis Innozenz III.: Die Dekretale ad abolendam (1184) Innozenz III. und das Vierte Laterankonzil (1215)

3. Gregor IX.: Das Ende des Krieges und die Wende in der Ketzerbekämpfung

4. Perfektionierung und Entartung unter Innozenz IV.: Die Dekretale ad extirpanda (1252)

Schlussbetrachtungen: Die 10 Stufen der Institutionalisierung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Institutionalisierungsprozess der mittelalterlichen Inquisition unter besonderer Berücksichtigung der Interaktion zwischen geistlichen und weltlichen Instanzen im Frankreich des 11. bis 13. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist die Herausarbeitung der prozessualen Ausbildung administrativer Exekutivorgane, die ausgehend von anfänglicher Unstrukturiertheit zu einer organisierten behördlichen Ketzerverfolgung führte.

  • Entwicklung des inquisitorischen Verfahrens
  • Kooperation zwischen weltlicher Macht und Klerus
  • Rechtliche Grundlagen und päpstliche Dekretalen
  • Institutionalisierung und Formalisierung der Inquisition

Auszug aus dem Buch

1. „Phase der Unsicherheit“: Die allmähliche Ausbildung der Kanonistik

Die Ausgangslage der Kirche im 11. Jahrhundert war eine selbstdestruktive und der Häresie zuträgliche Negativ-Situation des Sittenverfalls und der Verweltlichung, geprägt von Ausschweifungen und Simonie. Ein Großteil der Bevölkerung, insbesondere vielbevölkerter und -begüterter Landstriche, kehrte dem katholischen Klerus daher den Rücken zu, was dem Katharismus (und anderen Gemeinschaften) einen raschen Zulauf bescherte und zur Ausbildung hierarchischer Organisationsstrukturen verhalf. Des Weiteren trugen soziopolitische Umstände im Süden Frankreichs ihr Übriges dazu bei. Sowohl die Kirche als auch die weltlichen Machthaber waren sich über diese problematische Lage durchaus im Klaren, doch konnten sie vorerst nur wenig bis gar nichts dagegen ausrichten.

Wenn sie es allerdings versuchten, so blieb es bei unstrukturierten, unsystematischen Maßnahmen ohne konkrete Organisation. Es gab schlicht kein explizites Regularium zum Verfahren mit Ketzern. Auch Predigtmissionen, wie die des Bernhard von Clairvaux, blieben mehr oder weniger erfolglos. Zudem bestand das Problem, Häretiker, die die Öffentlichkeit mieden und lieber aus dem Untergrund agierten, überhaupt zu entdecken. Die kirchliche Ketzerverfolgung gestaltete sich als Reaktion auf häretische Aktion, was im Wesen des damals gebräuchlichen Anklage-Verfahrens begründet liegt.

So vollzogen sich Ketzerüberführungen konsequenterweise nach dem Prinzip des Zufalls. Häufig wurden Häretiker auch Opfer der Denunziation eines misstrauischen Nachbarns oder der Synodalzeugen vor dem bischöflichen Sendgericht. Problematisch nach einer Entdeckung blieb jedoch das weitere Vorgehen, das H. C. Lea mit folgenden Worten trefflich beschreibt: „Im Prinzip hat, sobald der Verdacht irgendeines verborgenen Verbrechens vorliegt, das Strafverfahren drei Stufen: die Entdeckung des Verbrechers, den Nachweis seiner Schuld und endlich seine Bestrafung. […] und die […] verantwortlichen Geistlichen waren meist auf jeder der drei Stufen in Verlegenheit, welche Schritte sie unternehmen sollten, um zum Ziele zu gelangen.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einführendes zur institutionalisierten Verfolgung: Dieses Kapitel erörtert die Problematik der Begriffsdefinition „Inquisition“ und stellt den methodischen Ansatz der Arbeit vor, der sich am Grad der behördlichen Institutionalisierung orientiert.

Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung: Dieser Hauptteil analysiert die schrittweise Entwicklung der Ketzerverfolgung von einer unstrukturierten Phase hin zu einem systematischeren Verfahren, gestützt durch die Kooperation von Kirche und weltlicher Macht.

Schlussbetrachtungen: Die 10 Stufen der Institutionalisierung: Das Kapitel fasst die wesentlichen Meilensteine des Institutionalisierungsprozesses zusammen und reflektiert die Rolle der Rechtsförmigkeit und der Entartungserscheinungen wie der Folter.

Schlüsselwörter

Inquisition, Mittelalter, Ketzerverfolgung, Kanonistik, Institutionalisierung, Inquisitio, Frankreich, Weltlicher Arm, Dekretalen, Katharer, Gregor IX., Innozenz IV., Verfahren, Rechtsgeschichte, Klerus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Entstehungsprozess der mittelalterlichen Inquisition und untersucht, wie sich aus unstrukturierten Maßnahmen eine behördlich organisierte Ketzerverfolgung entwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die rechtliche Etablierung des Inquisitionsverfahrens, die enge Kooperation zwischen kirchlichen und weltlichen Machthabern sowie die prozessuale Ausbildung administrativer Strukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die für die Institutionalisierung der Inquisition maßgeblichen Schritte im Frankreich des 11. bis 13. Jahrhunderts zu strukturieren und die Rolle des weltlichen Armes bei der Ausbildung der inquisitio haereticae pravitatis aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?

Die Arbeit basiert auf der Analyse von Originalquellen, insbesondere päpstlichen Dekretalen und Konzilsbeschlüssen, sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur unter Anwendung eines institutionengeschichtlichen Ansatzes.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in verschiedene Phasen: von der „Phase der Unsicherheit“ im 11. Jahrhundert über die Dekretalen des 12. Jahrhunderts (Ad abolendam) bis hin zur Perfektionierung unter Innozenz IV. (Ad extirpanda).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Institutionalisierung, Inquisition, Ketzerbekämpfung, kanonisches Recht und die Interaktion zwischen geistlicher und weltlicher Macht bestimmt.

Was bedeutet der Titel „Inquisitio ac Territio“?

Der Titel verweist auf die Verbindung von „Inquisition“ (dem Untersuchungsverfahren) und „Territion“ (der Einschüchterung oder dem Schrecken), was die weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung unterstreicht.

Welche Rolle spielt die Dekretale „Ad extirpanda“ für die Institutionalisierung?

Diese Dekretale aus dem Jahr 1252 markiert laut Arbeit einen Endpunkt in der behördlichen Organisation, in dem das System perfektioniert wurde, aber gleichzeitig durch die Legalisierung der Folter auch eine „Entartung“ erfuhr.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Folter im Kontext der Institutionalisierung?

Der Autor ordnet die Folter als Mittel der „letzten Instanz“ ein und interpretiert sie eher als Kennzeichen einer Entartung des Systems, betont jedoch gleichzeitig, dass die Etablierung von Registern und Akten vor allem der formalen Rechtsklarheit diente.

Warum wird der Fokus der Untersuchung auf Frankreich gelegt?

Frankreich, insbesondere dessen Süden, bildete im 11. bis 13. Jahrhundert aufgrund soziopolitischer Umstände und des Zulaufs zu häretischen Gemeinschaften wie den Katharern das primäre Aktionsfeld für die Ausbildung der Inquisitionsverfahren.

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Details

Title
Inquisitio Ac Territio. Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung
College
University of Regensburg  (Mittelalterliche Geschichte)
Grade
1,0
Author
Sebastian Daniel (Author)
Publication Year
2019
Pages
14
Catalog Number
V491143
ISBN (eBook)
9783668989580
ISBN (Book)
9783668989597
Language
German
Tags
Ketzer Ketzerei Häresie Kirchengeschichte Inquisition ad extirpanda Folter Institutionalisierung ad abolendam Lucius III. Innozenz III. Laterankonzil Gregor IX. Ketzerbekämpfung Innozenz IV. Kanonistik Verfolgung institutio
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Daniel (Author), 2019, Inquisitio Ac Territio. Weltlich-geistliche Kooperation im Namen der organisierten Verfolgung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491143
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