"Der braune Terror". Eine Demokratie die sich selbst entmündigt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Krise der Nation
1.1 Die Folgen des ersten Weltkrieges und die nationale Lage
1.2 Die emotionale Krise

2. Die NSDAP
2.1 Der Weg der NSDAP unter Adolf Hitler
2.2 Der Putschversuch von München
2.3 Der polarisierende Mann an der Spitze der NSDAP
2.4 Die Anhängergewinnung und Propagandamittel
2.5 Spannungen innerhalb der SA und ihrer Umwelt

3. Der Young-Plan

4. Die Boxheimer Dokumente

5. Straßenterrorismus als Wegbereiter
5.1 Individueller Straßenterrorismus
5.2 Saal-und Straßenschlachten zwischen Braunen und Roten
5.3 Hungerkanzler Brüning und die „Erfüllungspolitiker“
5.4 Reparationszahlungsende
5.5 Ausnahmezustand und Verschärfung des Versammlungsrechts
5.6 „Harzburger Front“ gegen „Eiserne Front“
5.7 Ergebnisse der Auseinandersetzung und Verbot der SS und SA, sowie die Opfer des braunen Terrors

6. Der demokratische Integrationsversuch von Papens

7.Der Reichstagsbrand

8.Das Ende der Demokratie

9. Fazit

10. Quellenverzeichnis

11. Anlage

1. Krise der Nation

Es blitzt und donnert, die Gewehrkugeln schießen an den ängstlichen Soldaten vorbei und verwunden etliche tödlich.1 Wie kommt es dazu, dass ein österreichischer Soldat im ersten Weltkrieg einmal an der Spitze des deutschen Volkes stehen wird?

„Voraussetzung für die Diktatur ist die moderne Massendemokratie. Die Massen werden gewonnen durch Berufung auf die große nationale Vergangenheit, opportunistische Programme, die die widersprechenden Elemente in sich verschmelzen, und durch geschickte Propaganda, die den Glauben an den eigenen Sieg einhämmern. Kennzeichen des Diktaturstaates sind gelenkte Publizistik, Scheinwahlen, Ausschaltung der Opposition, brutale Unterdrückung jeglichen Widerstands, Aufgabe des Rechtsstaates zum „Wohle des Volkes“, [und] die Missachtung des Individuums.“2

In meiner Seminararbeit mit dem Titel „Der Braune Terror-Eine Demokratie die sich selbst entmündigt“, verfolge ich das Ziel aufzuzeigen wie es dem späteren Diktator gelingt, die Massen zu gewinnen. Hitler sorgt für einen massenhaften Stimmenzuwachs der NSDAP. Welche Umstände führen dazu? Wie war es möglich, dass ein ganzes Volk einem Mann blind vertraut?

Im ersten Teil der Seminararbeit werde ich die allgemeine Situation nach Beendigung des ersten Weltkriegs aufzeigen. Ihm folgend wird die Weltwirtschaftskrise problematisiert und die damit einhergehenden Notverordnungen. Anschließend werden die äußeren Umstände die zur Kanzlerschaft Hitlers führen dargestellt. Die Frage: „Welche Rahmenbedingungen müssen vorliegen, dass eine Rechtsextreme Partei an die Macht gelangt?“, soll hier einen hohen Stellenwert einnehmen. Im Punkt der Auseinandersetzungen auf der Straße werde ich nur auf die Straßenkämpfe zwischen den Hitleranhängern und den Kommunisten eingehen. Die Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Demokraten werden keine Berücksichtigung finden. Der Fokus der Arbeit beleuchtet die Innenpolitik der Weimarer Republik. Fragen der Außenpolitik können in der Arbeit kaum berücksichtigt werden.

1.1 Die Folgen des ersten Weltkrieges und die nationale Lage

Der erste Weltkrieg ist der erste technologisierte Massenkrieg der die Welt überschattet.3 Die Opferzahlen auf der Deutschen Seite belaufen sich auf vier Millionen Verwundete und knapp zwei Millionen Tote.

Nach der Beendigung des ersten Weltkriegs ist die Lage der deutschen Nation zunehmend bedrückt. Teile des Nationalgebietes sind von Trümmern und Aschehaufen überdeckt. Und die kaum noch vorhandene Infrastruktur kann nicht für die Bedürfnisse der Bevölkerung aufkommen.

Innerhalb des ersten Weltkrieges druckt der Staat massenhaft Geld, um den Krieg zu finanzieren. Außerdem werden Staatsanleihen im großen Stil an siegesgewisse private Haushalte verkauft.4

Durch die Machtübernahme der Alleierten, ist die Bevölkerung zunehmend eingeschüchtert und muss enorme Summen an Reparationszahlungen aufwenden um die Kriegsschuld zu begleichen.

Die vier Jahre des Kriegstreibens haben in den Haushaltskassen des Staates tief klaffende Löcher hinterlassen. Folgend, erreicht die Staatsverschuldung ein riesiges Ausmaß.

Um liquide zu bleiben erfolgt 1919/20 eine neue Finanz-und Steuerreform unter Matthias Erzberger. Denn die Belastungen der Republik erzwingen, einen völligen Umbau der Finanzverfassung und des Steuersystems. Das „Reichssteuergesetzt“, löst das vorherige zersplitterte Steuerrecht ab. Zusätzlich wird eine neue Vermögenssteuer Ende 1919, als Reichsnotsteuer geschaffen.

Durch die Höhe der Reparationszahlungen kommt es infolge dazu, dass die Regierung handlungsunfähig wird. Der so genannte „Dawes-Plan“, der am 16.August 1924 in London beschlossen wird, beinhaltete, dass die deutschen Zahlungen in Höhe von einer Milliarde Reichsmark leisten sollen.

Das Deutsche Volk sieht sich in Folge des Diktatfriedens, in dem festgelegt wird, dass Deutschland die alleinige Schuld am Krieg trägt, sehr ungerecht behandelt. Denn „der Frankfurter Frieden war weder ein milder Frieden noch folgte er auf ein Kabinettskrieg.“5 Die auferlegten Reparationszahlungen aus dem Dawes-Plan, der am 29.08.1924 entstand, sind in einem Ausmaß angedacht die nicht zu realisieren sind.

Nach dem Diktatfrieden wird in Deutschland die Weimarer Republik ausgerufen. Die wenigen vorhandenen Arbeitsplätze der verbleibenden Firmen sind rar. Viele Männer haben mit den psychologischen Folgen des Krieges zu kämpfen, deswegen sind auf dem Arbeitsmarkt vor allem Frauen sehr gefragt. Es ist auffällig, dass die Männer große Probleme nach dem jahrelangen Krieg haben, sich im Alltag zurecht zu finden. Psychologische Probleme führen dazu, dass viele nicht arbeiten und damit keine Wirtschaftsleistung erzielen.

Der „Schwarze Freitag“ am 24.10.1929, führt zum Börsencrash in vielen Nationen. Ursache für diese Entwicklung sind die übermäßigen ungedeckten Investitionen und Aktienkäufe der letzten Jahre. „Im Oktober 1929 stellte sich dann immer mehr heraus, dass das Angebot an Gütern, deren Nachfrage bei weitem überstieg.“6 Daraus resultieren Kurseinbußen und Panikverkäufe der Aktionäre. Ein riesiges Problem war, dass die Aktienkäufe größeren Teils per Kredite finanziert wurden, die nun nicht mehr im ausreichenden Maß beglichen werden konnten. Die Auslandsnachfrage sinkt dramatisch im Exportland Deutschland und die Binnenkonjunktur kommt zum erliegen. Die USA fordert verstärkt die geliehenen Kredite zurück um ihre eigene Wirtschaft zu restaurieren.

Die Bevölkerung hungert und ist mangelernährt. Aufgrund der dargelegten Gründe macht sich eine Orientierungslosigkeit, begleitet mit einer hohen Zukunftsangst breit.

Nach der Hyperinflation erholt sich die Republik langsam, und der Young-Plan wird später den Dawes-Plan ablösen.

Nach dem im Jahr 1923, Deutschland seine Reparationen nicht mehr zahlen will, marschieren belgische und französische Truppen in das Ruhrgebiet ein und beschlagnahmen Maschinen und andere Besitztümer.7

1.2 Die emotionale Krise

„Angesichts des Grauens verkohlter Leiber, zerschmolzener Glieder, in Massengräbern aufgetürmter Leichen“8, sind die Soldaten traumatisiert. „In den Kriegsführenden Staaten macht die anfängliche Begeisterung einem neuen Ernste Platz.“9 Die psychischen Erkrankungen der Soldaten, schlagen sich auch im Familienleben nieder. Viele Frauen können mit ihren Männern nicht mehr zusammen leben. Die Soldaten durchlebten schwere Zeiten und erlitten Grenzerfahrungen, die auch zu Wesensveränderungen führen.

Andere sind geradezu apathisch und nehmen ihre Umwelt nicht mehr war. Dadurch kommt eine Exaltation in ihnen hervor.

In der Deutschen Gesellschaft die nicht an der Frontkämpfen beteiligt war, wächst die Wut gegen die Politik. Sie verschleiert die tatsächliche Kriegslage und bekundet stets, dass der Sieg nicht mehr fern ist. Demnach ist die Ohnmacht über die Niederlage der Deutschen sehr groß. Ihm folgt eine Scham der Selbstüberschätzung und die Trauer der Hinterbliebenen über die gefallenen Soldaten.10

Die Kriegsbegeisterung weicht der Realität und der Angst vor der Zukunft.

2. Die NSDAP

2.1 Der Weg der NSDAP unter Adolf Hitler

Nach dem ersten Weltkrieg wächst die Zahl der politischen Parteien an. Eine von ihnen trägt den Namen DAP11, und wird unter der Führung von Anton Drexler und Karl Harrer, sowie 22 weiterer Mitglieder am 05.01.1919 gegründet.12

Adolf Hitler der zu jener Zeit noch in der Reichswehr dient, erhält den Auftrag seines Hauptmanns Karl Mayr, einige Veranstaltungen der DAP zu besuchen um sie auszuspionieren. Das dieser Auftrag Adolf Hitler einmal vom V-Mann zum Massenmörder werden [lässt …], ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand.13

Nach den Treffen, die von 25-40 Mitgliedern besucht werden, findet Hitler in den anschließenden Diskussionen schnell Gehör und die Spitze der Partei erkennt sein Potential. Hitler darf auftreten. In seinen Vorträgen ist Adolf Hitler sehr aggressiv und redet sich in Rage. Die Menge ist begeistert und die wachsende Anzahl der Zuschauer spielt viel Geld in die klamme Parteikasse ein.14

Hitler wird Drexler und Harrer gleichgestellt und es kommt zu einem Machtkampf, in dessen Folge Harrer aus der Partei ausgeschlossen wird. Die DAP wird nun durch eine Doppelspitze von Adolf Hitler und Anton Drexler geleitet. Herr Drexler wird auf Abstimmung der Mitglieder dann durch Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff ersetzt.

Hitler überzeugt die Menge und so steigen die Zuschauerzahlen rasant an. Anfangs hören Adolf Hitler auf den Mitgliedertreffen 25-40 Personen zu. Doch schon bald darauf folgen ihm gespannt die 7.000 zahlenden Gäste im Hofbräuhaus am 07.01.1920. Für seine antisemitische und gegen Juden hetzende Rede erntet er tobenden Beifall aus dem Publikum.15

Nachdem Parteimitglieder mit Ludendorff Sondierungsgespräche mit liberalen Parteien aufnehmen, um eine größere Chance auf politischen Einfluss zu erlangen, tritt Adolf Hitler aus der Partei aus. Die Partei verliert zunehmend Zuschauer und viele Mitglieder. Aus diesem Grund versuchen sie Hitler zurückzugewinnen. Dieser willigt unter sechs Bedingungen ein, wieder an die Spitze der Partei zurück zu kommen.16 „Wir werden die Massen zusammenschließen zu einem Stahlbock“17, mit dieser Parole deutet er die Zukunft der Partei, mit der er beabsichtigt bis an die Spitze der Nation zu kommen.

In seinem „25 Punkte Programm“, redet Hitler gegen die Regierung, Beamte, Juden, Wucherer und Zeitungen. Die 25 Punkte sollen die Partei fortwährend leiten. Für den Neuanfang der Partei, unter Adolf Hitler an der Spitze, erfolgt auch eine Umbenennung für ihren Neuanfang und den glorreichen Aufstieg. Sie bekommt das vorangestellte „NS“ für nationalsozialistisch.18 Folglich wird aus der ehemaligen DAP die neue NSDAP.19 In dieser Bewegung schließen sich immer mehr Menschen der NSDAP an, denn „attraktiv macht die Gruppe die NSDAP vielmehr Hitlers grenzenlose Aggressivität.“20

Am 01.04.1920 tritt Hitler „aus der Reichswehr aus. Fortan [will] er seine ganze Zeit der NSDAP widmen, von der er weder damals noch später irgendein Gehalt annahm.“21

Im gleichen Jahr gründet Hitler die SA.22 Sie dient erst als Sportjugend, wird aber schnell zu einem politischen Machtinstrument für den Führer. Hitler bekennt sich offen zum Militarismus und sieht die SA als Mittel zum Zweck um den Sieg herbeizuführen. Mit der Schaffung der SA verfolgte Hitler das Ziel, eine „leistungsfähige Organisation bereit zu stellen, sie zu pflegen und jederzeit im Sinne der NSDAP einsatzbereit zu halten.“23

Die SA fällt durch Übergriffe gegen die SPD, Linke und jüdische Aussehende Personen ins Auge der Zeitungen. Es kommt zu ersten Saalschlachten in denen Gewalt als politisches Mittel angesehen wird. Zunehmend schließen sich ehemalige Freikorpskämpfer der Organisation an. Die unorganisierte SA ist immer wieder Thema in den Zeitungen und sorgt für eine negative Publicity. Aus diesem Grund erschafft Adolf Hitler am 04.04.1925 die SS24, als seine persönliche Leib-und Prügelgarde in München. Sie soll die unkontrollierbaren Ausschreitungen der Braunhemden zügeln. Aufgrund dessen, das der SA auf einmal die SS vorangestellt wird, kommt es zur Rivalität der Organisationen.

2.2 Der Putschversuch von München

Die Not herrscht auch in Bayern, denn die französische Besatzung, die Hungersnot und die bereits erwähnte Inflation, wirft in Bayern ihre Schatten. Der Abbruch des passiven Widerstands25 durch Kanzler Stresemann, sieht Hitler als „aufgeben der Regierung“ und arbeitet fortwährend auf eine nationale Diktatur hin.

Im Alter von 34 Jahren wird Hitler zunehmend ungeduldiger, da die Mitgliederzahlen stagnieren. „Am 09.November 1923 versucht Adolf Hitler in München zum ersten Mal, politische Macht zu erlangen.“26 Nach dem Vorbild des Marsches von Mussolini auf Rom, marschiert der ungeduldige Hitler mit Ludendorff und weiteren Anhängern der NSDAP an seiner Seite, gegen die bayrische Landesregierung auf. Das Ziel ist die Beseitigung der parlamentarischen Demokratie und die Errichtung eines nationalsozialistischen Diktorialregimes.

Hitler, Göring und weitere Nationalsozialisten stürmen den Bürgerbräukeller, indem gerade der monarchistischen Generalsstaatskommissars Gustav von Kahrs eine Rede hält. Hitler steigt auf einen Stuhl und schießt mit einer scharfen Waffe in die Decke. Als er ankündigt, dass das Gebäude durch seine Sturmabteilung umstellt ist, fügen sich Kahr, Lassow und Seißner den Forderungen Hitlers und bieten ihre Unterstützung an. Nachdem Hitler nach Berlin marschierte und dort mehrere Minister als Geisel nimmt, widerruft das Triumvirat seine Unterstützung gegenüber Hitler um 2:55 Uhr. Aus ungeklärter Ursache kommt es am Folgetag um 12:45 Uhr zu Schüssen. Bei diesem Putschversuch sterben „Fünfzehn Putschisten, vier Polizisten und ein Unbeteiligter“27. Hitler flieht nach dem gescheiterten Putschversuch nach Uffingen am Staffelsee, wo er am 11.11.1923 verhaftet und inhaftiert wird. Die NSDAP wird infolge dessen verboten.

Im Frühjahr 1924 steht Hitler wegen der Vorfälle vor Gericht. Doch den Vorsitz hat ein Richter der mit den Rechten sympathisiert. Innerhalb der Anhörung gelingt es Hitler die Zuschauer zu begeistern und sie applaudieren seinen Ausführungen. In seinen Aussagen gibt Hitler an, sein Motiv für den Putsch, ist aus „Liebe zu Vaterland“ geschehen. Hitler erhält aufgrund seiner „Verbrechen des Hochverrats“, eine Strafe von fünf Jahren Festungshaft auferlegt. Der Richter entscheidet sich gegen das Plädoyer der Staatsanwaltschaft und Hitler wird aufgrund seiner österreichischen Staatsangehörigkeit nicht ausgewiesen.28

Hitler tritt seine Haftstrafe in Landsberg am Lech an. Während der Zeit seiner Inhaftierung denkt Hitler über seine Fehler nach. Doch anstatt seine Pläne der Machtübernahme zu verwerfen konkretisiert er sie. In seinem Buch „Mein Kampf“, welches in dieser Zeit entsteht gibt er seine Meinung zur vorherrschenden Politik, die Judenfrage und ähnlichem zum Ausdruck. Nach elf Monaten wird Hitler im Dezember 1924 aus der Haft entlassen.

2.3 Der polarisierende Mann an der Spitze der NSDAP

„Im Frühjahr 1925 war Hitler und seine Partei sozusagen nicht mehr wahrnehmbar.“29 Auf einer Rede am 27.02.1925 wird die NSDAP neu geordnet und Hitler gelingt es die Partei zu einigen und ohne einen „Nebenmann“ an ihrer Spitze zu stehen.30 Die Ergebnisse der Veranstaltung erscheinen im „Völkischen Beobachter“31 am Folgetag. Nachdem Hitler es gerade geschafft hat, dass die NSDAP als politische Partei durch den bayerischen Ministerpräsidenten wieder zugelassen wird, redet Hitler sich in Rage und fordert seine Parteigenossen zu einem Bürgerkrieg auf. Denn „der Kampf der Extremen wird nicht im Parlament ausgefochten werden, sondern auf der Straße.“32 Diese Aufforderung führt unmittelbar zu einem Redeverbot auf öffentlichen Veranstaltungen der NSDAP. Die Versammlungen der NSDAP tagen fortwährend hinter geschlossenen Türen und die Partei wird am 09.03.1927 wieder zugelassen. Im besagten März erscheint dann der zweite Teil des Buches „Mein Kampf“.

In dieser Zeit erkennt Hitler den Juden „als Führer der Sozialdemokratie“33 an und schafft damit ein Feindbild aller Juden die verfolgt werden müssen. Währenddessen macht sich die Regierung immer unpopulärer, indem sie die Landesfürsten enteignet um an Landbesitz zu kommen. Die Demokraten sehen die Ultralinken als Feinde der Regierung und gehen gegen sie vor. Dabei ahnen sie nicht, dass die eigentliche Gefahr aus den rechten Reihen naht.34

2.4 Die Anhängergewinnung und Propagandamittel

„Erst die Weltwirtschaftskrise schuf in Deutschland die Bedingungen, unter denen zwei Bürgerkriegsparteien große Anhängerzahlen gewinnen konnten[…].35 Der schwarze Freitag am 24.10.1929 führte in New York zum Börsencrash.36 Die Regierung unter Müller kann sich auf keinen gemeinsamen Kurs festlegen. Deswegen bricht sie in sich zusammen. Ein Präsidialkabinett37 unter Brüning übernimmt im März 1930 die Regierungsgeschäfte.

Die Lage der Deutschen Nation verschlimmert sich, als Reichkanzler Brüning in einer Rede dem deutschen Volk erklärt, „[…] dass die momentane Krise wohl noch bis 1935 dauern [wird][…]“.38 Diese Rede bringt dem Kanzler den Zusatz „Hungerkanzler“ bei und ruft die Satire auf den Plan. Diese führte in der Bevölkerung zu folgendem Schlachtruf:

„Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Brüning auch zu dir, mit der neunten Notverordnung und macht Hackfleisch aus dir.“39

In dieser Stunde gibt es zwar „keine neue Notverordnung, aber […] Brüning [wird] der unpopulärste Reichskanzler, den die […] Republik je erlebt hat […].“40 In dieser hoffnungslosen Lage tritt die NSDAP auf das Parkett. Die einst so uninteressante Partei, kann nun durch ihr Wahlprogramm bei der Bevölkerung punkten. Denn die NSDAP spricht sich nicht nur „gegen den Young-Plan“41 aus, sondern Hitler propagiert, dass der „Fehler im System nur durch den Sturz der parlamentarischen Demokratie“42 zu beheben sei.

Die Partei der NSDAP mit ihrem Führer Adolf Hitler an der Spitze, muss alles auf eine Karte setzen, um in den Reichstag einziehen zu können. Mit „verheißungsvollen Parolen von politischer Stabilität, wirtschaftlichen Aufschwung und nationalen Wideraufstieg“43, sowie ihrem paramilitärischen Stil, ködert sie die breiten Massen und gewinnt einen riesigen Anteil an Wählerstimmen.44 Eine besondere Zielgruppe sind für Hitler die jungen Wähler, weil sie keine Zukunftsperspektiven haben.

Die Zielgruppe der jungen Wähler haben noch keine weitreichenden politischen Ansichten und bangen um die nächste Essensration im Angesicht der „fehlenden staatlichen Unterstützung und der Arbeitslosigkeit“45. Das macht Hitler sich zu nutzen, indem die NSDAP für jene jungen Leute „SA-Lokale, SA-Küchen sowie SA-Heime“46 erschafft und sich um Arbeitsplätze für ihre Mitglieder bemüht. Die Anstrengungen werden stets unter der Prämisse der Wählergewinnung realisiert. Damit „nutzt die NSDAP jede Chance zum Aufstieg.“47

Die öffentliche Propaganda reicht von Flugblättern, Zeitungen48, Plakaten, Platzkonzerten und Filmveranstaltungen bis hin zu SA-Aufmärschen. All dies, zum Zweck der Anhängergewinnung. Ebenfalls werden riesige „Fake-Veranstaltungen“ aufgeführt, auf welche Teile der Bevölkerung aufmerksam werden und sich der Partei ebenfalls anschließen.

Heinrich Himmler entwickelt unterdessen eine Großangriffstaktik. Er versucht die Jugend für die NSDAP zu begeistern, indem er sie vom tristen Alltag ablenkt und in den Parteialltag integriert. Dieses macht er ihnen mit „sportlichen Vorführungen, Lebenden Bildern, Theaterstücken, Singen von Liedern, Vorträge der SA und durch zeigen von Filmen“49 schmackhaft.

1928 kommt es zur Bildung von eigenständigen nationalsozialistischer Verbände. Unter anderem werden ein Juristenbund und ein Ärztebund eingeführt. In diesen können die Mitglieder der NSDAP, gemäß ihres Berufsstandes eintreten und erhalten Privilegien.50

Inszenierte Auftritte der NSDAP unter Hitler erwecken in der Bevölkerung großes Aufsehen und lassen sie Glauben es handle sich um eine riesige Partei, der sie sich anschließen müssen. Die Bevölkerung ist zunehmend von den SA-Aufmärschen beeindruckt. Die Landbevölkerung gibt der NSDAP ihre Stimmen, weil sie über keine eigene Partei verfügen und sie großen Eindruck hinterlässt.

In den Städten, wo die NSDAP ihre Wählerziele nicht annähernd erreicht, kommt ein anderes taktischen Mittel zum Einsatz. Der braune Propaganda und die Aufmärsche führen immer wieder zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.51

Der NSDAP ist jedes Mittel Recht um zum Sieg zu gelangen und mit der Zeit geht es nicht mehr nur um propagandistischen Wahlkampf, sondern ebenso um die Einschüchterung anderer Parteien. Zu dieser Zeit sichert die SA die eigenen Wahlkampfveranstaltungen stets ab und begründet ihr Vorgehen als Schutzmaßnahme. „Wobei der Schutz brutale Gewalt gegen etwaige „Störer“ ebenso umfasst wie die Sprengung von Veranstaltungen politischer Gegner.“52

„Überblickt man die Situation von NSDAP und SA Anfang 1929, […kann man feststellen], das die Partei über ein reichsweit ausgebautes und zuverlässige Organisationen verfügte, in der die Führerschaft Adolf Hitlers unbestritten war.“53

2.5 Spannungen innerhalb der SA und ihrer Umwelt

Die SS ist geboren und in den Augen Hitlers sein Traum. Sein größter Wunsch war es diese elitäre Gruppe auf eine Truppenstärke von einer Millionen Mann auszubauen. Dazu gibt es in der Realität leider nicht genügend Bewerber, die dem Anforderungsprofil54 entsprechen.

Die schon vorhandene SA kann in den Jahren 1931 und 1932 viele Anhänger für sich gewinnen und expandierte.55 So sieht sich die geschaffene SS immer wieder bedroht und es kommt zu drei großen Konflikten innerhalb und zwischen den Organisationen.

[...]


1 Nach www.statista.com etwa 2.037.000 deutsche Soldaten; Zugriff:04.08.2018.

2 Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner; Hergt, Manfred: Dtv-Atlas-Weltgeschichte, 20103, München, S.417.

3 www.aerzteblatt.de; Erster Weltkrieg 1914-1918: Gefühlswelten, Konzeption von Angst in der Kriegspsychiatrie.; Zugriff:03.08.2018.

4 Die zwanziger Jahre: Inflation, Ruhrkampf, Separatisten. Phoenix. TC 00:02:00-00:05:13.

5 Nolte,Ernst: Der Faschismus-Von Mussolini zu Hitler, 2016, München, S.16.

6 Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933, 2004, Darmstadt, S.5.

7 Vgl., Phoenix, Die zwanziger Jahre.

8 Nolte, Ernst: Der Faschismus, S.12.

9 Ebd.

10 www.aerzteblatt.de; Erster Weltkrieg 1914-1918: Gefühlswelten, Konzeption von Angst in der Kriegspsychiatrie.; Zugriff:03.08.2018.

11 DAP= Deutsche Arbeiter Partei.

12 Vgl., https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.geburtsort-des-nsdap-vorlaeufers-dap-gaststaette-mettingh-das-nazi-nest-in-neuhausen.34e1deef-1bb4-4565-b00c-e54ecd45026d.html; Zugriff:05.08.2018.

13 Diehl, Jörg: Vom V-Mann zum Massenmörder; in: www.spiegel.de; Zugriff: 01.08.2018.

14 Kellerhoff, Sven F.: Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder, 2017, Stuttgart. S.33-38.

15 Vgl. Kellerhoff, S.43-46.

16 6 Bedingungen beinhalten unter anderem alleiniger Spitzenkandidat mit diktatorischen Machtbefugnissen, kein Zusammenschluss mit anderen Parteien, keine Auftritte bei anderen Parteien.

17 Vgl. Kellerhoff, S.43-46.

18 Nationalsozialistisch beinhaltet: Antisemitisch, rassistisch, nationalistisch, völkisch, sozialdarwinistisch, antikommunistisch, antiliberal, antidemokratische Ideologie.

19 Vgl. Kellerhoff, S.48-50.

20 Vgl. Kellerhoff, S.61-62.

21 Shirer, William L.: Aufstieg und Fall des Dritten Reichs, Band I, München, 1963, S.142.

22 Die Abkürzung wird Programm und soll „Sturmabteilung“ lauten.

23 Vgl. Kellerhoff, S.56-57.

24 SS= Schutzstaffel.

25 Passiver Widerstand: Ist eine Protestform einzelner Menschen oder Menschengruppen. Kennzeichnend ist, dass sie Aufforderungen, Anweisungen oder Befehlen nicht folgen. Im Beispiel des Nationalsozialismus ist hier das Ruhrgebiet gemeint. Aufgrund der Nichtzahlung der Reparationen marschieren französische und belgische Truppenverbände in das Ruhrgebiet ein und beschlagnahmen Ressourcen. Hitler ruft zum passiven Widerstand auf. Die Menschen stellen die Arbeit ein. Die Ausfälle finanziert die Regierung.

26 www.lpg-bw.de/hitlerputsch.html; Zugriff:03.08.2018.

27 Longerich, Peter: Deutschland 1918-1933. Handbuch zur Geschichte. Die Weimarer Republik, 1995, Hannover, S.144.

28 Erste verpasste Möglichkeit den Machtaufstieg Hitlers und seine Folgen in der Geschichte zu verhindern.

29 Nolte, Ernst: Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945, 19975, München, S.159.

30 Vgl. Nolte, ebd.

31 Erste Zeitung der NSDAP um ihre Propaganda an die Öffentlichkeit weiter zu geben.

32 Maurice-Brief v. 03.Juni 1924, zit. N. Siegmund: Des Führers bester Freund, S.29; in: Kellerhoff, Sven F.: Die NSDAP-Eine Partei und ihre Mitglieder, 2017, Stuttgart, S.77.

33 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.43. Wird fortlaufend mit MK abgekürzt.

34 Vgl. Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, S.164.

35 Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, S.179.

36 Vgl. Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, S.129.

37 Präsidialkabinett: Mit Notverordnungen konnte Brüning regieren. Ihm sollten Franz von Papen und Kurt Schleicher folgen.

38 Vgl. Evans, Richard J.: Das Dritte Reich, 2005, München, S.352.

39 Harpprecht, Klaus/ Mann, Thomas: Eine Biographie, 1995, Reinbeck, S.722-750.

40 Vgl. Evans, S.352.

41 Vgl. Evans, S.95.

42 Ebd.

43 Vgl. Evans, S.96.

44 Siehe Anhang Tabelle zu Wählerstimmen für die NSDAP im Jahresvergleich.

45 Vgl. Evans, S.96.

46 Vgl. Evans, S.97.

47 Pätzold, Kurt/Weißbäcker, Manfred: Geschichte der NSDAP 1920-1945, 1998, Köln, S.104-114.

48 Erste Zeitung als Propagandamittel ist der „Völkische Beobachter“, um den Parteigenossen eine einheitliche Richtung zu weisen; Auflage wächst von 2.000 auf 17.000 Exemplare.; Vgl., Schulz, Bernhard: Hitlers tägliche Helfer „Zeitungspresse als Machtinstrument“; in: www.tagesspiegel.de; Zugriff:21.05.2013.

49 Vgl. Longerich, S.74

50 Vgl. Longerich, S.77.

51 Vgl. Longerich, S.74.

52 Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933, Darmstadt, 2004, S.98.

53 Vgl. Longerich, S.77.

54 Anforderungsprofil: Gesund und kräftig, absoluter Gehorsam verpflichtet (Vgl. Kellerhoff), Mindestgröße, Verhaltenskodex, Disziplin, Elitegesellschaft (Vgl. Longerich).

55 Vgl. Longerich, S.44.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
"Der braune Terror". Eine Demokratie die sich selbst entmündigt
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V491153
ISBN (eBook)
9783668989603
ISBN (Buch)
9783668989610
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anhängergewinnung Hitler, Hitlers Aufstieg, Brauner Terror, Krieg auf den Straßen, Hitlers Machtergreifung
Arbeit zitieren
Stephan Schwartz (Autor), 2016, "Der braune Terror". Eine Demokratie die sich selbst entmündigt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491153

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