Das Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich der unzuverlässigen Erzählstile anhand der Regisseure David Fincher und Christopher Nolan.
Wer kennt nicht dieses trügerische Gefühl: Man beginnt einen vermeintlich alltäglichen Film anzuschauen, welcher mit den Genreerwartungen des jeweiligen Zuschauers übereinzustimmen scheint. Doch dann geschieht es. Das Unerwartete. Eine Wendung, die die Umdeutung der bisherigen gesehenen Ereignisse erfordert. Dies ist eine der vielen Varianten des unzuverlässigen Erzählens, welches in der folgenden Arbeit in Bezug auf die Filme David Finchers und Christopher Nolans analysiert wird.
Das Thema des unzuverlässigen Erzählens ist keine Erfindung des Medium Films, sondern wurde Mitte des 20. Jahrhunderts in der Literatur geprägt. Die erstmalige Definition des Begriffs erfolgte durch Wayne Booth in The Rhetoric of Fiction Anfang der 60er Jahre. Aus der Literatur wurde dieser Erzählstil analog auf den Film übertragen. Das unzuverlässige Erzählen erlangte in den letzten 25 Jahren im US-amerikanischen und westeuropäischen Film immensen Wachstum und kann daher nicht nur als eine Modeerscheinung gesehen werden, weswegen dies sowohl für Laien als auch für Filmwissenschaftler einen besonderen Stellenwert einnimmt. Eine regelrechte Begriffsvielfalt ist bezüglich des unzuverlässigen Erzählens im Film seit geraumer Zeit vorhanden. Begriffe wie Mind-Bender, Postmodernes Erzählen, Puzzle Films, Falsche Fährten, Kino der Lüge, Plot Twist u.v.m. werden oftmals als Synonym oder Äquivalenz gesehen, da es an einer exakten wissenschaftlichen Begriffstrennung mangelt. Daher verwende ich einige Autoren für ein theoretisches Grundgerüst, welches ich für meine Analyse bezüglich des unzuverlässigen Erzählens bei David Fincher und Christopher Nolan heranziehe.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Unzuverlässiges Erzählen im Film
2.2 Abgrenzung der Begriffe: Plot Point und (Final-) Plot Twist
2.3 Bestimmung eines Protagonisten und Antagonisten
3 Die unzuverlässigen Erzählstile von Fincher und Nolan
3.1 David Fincher
3.1.1 Ausweglosigkeit der Protagonisten
3.1.2 Informationsexzess
3.2 Das unzuverlässige Erzählen bei Nolan
3.2.1 Ambivalenz der Protagonisten und Antagonisten
3.2.2 Informationsdefizit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Mechanismen und Ausprägungen des unzuverlässigen Erzählens in ausgewählten Spielfilmen der Regisseure David Fincher und Christopher Nolan. Dabei wird analysiert, wie diese Regisseure durch narrative Strukturen, Inszenierungstechniken und Informationsmanipulation die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflussen und gezielt steuern.
- Vergleichende Analyse narrativer Strategien von David Fincher und Christopher Nolan
- Untersuchung von unzuverlässigem Erzählen im Kontext von Figurenkonstellationen
- Bedeutung von Informationsflut und Informationsdefizit für die Rezeption
- Rolle von Plot Twists und Final Plot Twists für die narrative Umdeutung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ausweglosigkeit der Protagonisten
In David Finchers Filmen widerfährt den Protagonisten oftmals das Grauen, obwohl sie damit überhaupt nicht rechnen. Doch diesem finsteren Schicksal können sie sich entweder entsagen oder beugen. So ist beispielsweise in Alien³ Ellen Ripley, gespielt von Sigourney Weaver, wie in den ersten zwei Filmen der Alien-Reihe, die Protagonistin. Als der Prototyp einer Einzelkämpferin vollzieht sich in diesem dritten Teil eine Veränderung ihrer Persönlichkeit. Dieser Prozess endet, als die personifizierte Widerstandskämpferin feststellen muss, dass sie in sich einen Teil einer außerirdischen Lebensform beherbergt, was schlussendlich im Selbstmord ihrerseits und gleichzeitig im Mord des ungeborenen Embryos mündet (vgl. Schnelle 2002: 20-23). Anders verhält es sich in The Curious Case of Benjamin Button. Hier ist die Ausweglosigkeit des Protagonisten Benjamin Buttons im Prozess des Altwerdens zu finden, da er als physischer Greis geboren wurde. Anstatt körperlich älter zu werden, wird dieser mit zunehmenden Alter immer jünger, was ihn letztendlich als Säugling sterben lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des unzuverlässigen Erzählens im Film ein und erläutert die Forschungsansätze sowie die Relevanz der Analyse der Regisseure David Fincher und Christopher Nolan.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert das unzuverlässige Erzählen, grenzt zentrale Begriffe wie Plot Point und Plot Twist ab und erarbeitet Kriterien zur Bestimmung von Protagonisten und Antagonisten.
3 Die unzuverlässigen Erzählstile von Fincher und Nolan: Hier werden anhand konkreter Filmbeispiele die spezifischen Erzählstrategien von Fincher, insbesondere Ausweglosigkeit und Informationsexzess, sowie von Nolan, vor allem Ambivalenz und Informationsdefizit, untersucht.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Inszenierung des unzuverlässigen Erzählens bei beiden Regisseuren zusammen und zieht ein abschließendes Resümee.
Schlüsselwörter
Unzuverlässiges Erzählen, David Fincher, Christopher Nolan, Filmwissenschaft, Narratologie, Plot Twist, Figurenkonstellation, Informationsdefizit, Informationsexzess, Diegese, Film, Analyse, Zuschauersteuerung, Ambivalenz, Ausweglosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der filmwissenschaftlichen Analyse des unzuverlässigen Erzählens in den Werken von David Fincher und Christopher Nolan.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die narrativen Strukturen, die Manipulation der Zuschauerwahrnehmung durch Informationen sowie die Ausgestaltung von Figurenkonstellationen im Kontext von Unzuverlässigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der systematische Vergleich der unzuverlässigen Erzählstile der beiden Regisseure und die Untersuchung der eingesetzten technischen und narrativen Mittel.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich auf ein theoretisches Grundgerüst zur Narratologie und Figurenkonstellation stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Merkmale wie Ausweglosigkeit und Informationsexzess bei Fincher sowie Ambivalenz und Informationsdefizit bei Nolan anhand zahlreicher Filmbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem unzuverlässiges Erzählen, Plot Twist, Diegese, Narratologie und Zuschauersteuerung.
Wie unterscheidet sich Finchers Erzählweise von der Nolans in Bezug auf Informationen?
Fincher arbeitet häufig mit einem Informationsexzess, der den Zuschauer bei der ersten Sichtung überfordert, während Nolan vermehrt auf gezielte Informationsdefizite und komplexe Zeitstrukturen setzt.
Welche Rolle spielt der Plot Twist bei beiden Regisseuren?
Der Plot Twist dient bei beiden als zentrales Instrument, um die bisherige Handlung rückwirkend neu zu bewerten, wobei Fincher oft psychologische Ausweglosigkeit thematisiert und Nolan häufig die Faktenbasis und Wahrnehmung destabilisiert.
- Citar trabajo
- Keith Petri (Autor), 2017, Unzuverlässiges Erzählen in den Filmen von David Fincher und Christopher Nolan, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491174