Eugene O'Neills 'The Hairy Ape' und die Interwar Period


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
34 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Inhaltsangabe

III. Konzepte O’Neills
3.1 Failure of the American Dream – Konzept
3.2 Das Konzept der Entfremdung – die Suche nach dem place of belonging

IV. Analyse des Dramas The Hairy Ape anhand der Konzepte O’Neills
4.1 The Failure of the American Dream in The Hairy Ape
4.2 Das Konzept der Entfremdung in The Hairy Ape

V. Einbettung von The Hairy Ape in das Gesamtwerk O’Neills

VI. Schlussfolgerung

VII. Bibliographie

I. Einleitung

Ein Wandel in Drama, Dichtung und Prosa vollzog sich während und insbesondere nach dem 1. Weltkrieg. Im 19. Jahrhundert wurden in Amerika hauptsächlich Dramen englischen und französischen Ursprungs sowie dramatische Bearbeitungen von Romanen bekannter Schriftsteller wie z.B. Hawthorne, Washington Irving und Thomas Hardy aufgeführt.[1] Bis ins frühe 20. Jahrhundert waren die Theater strikt kommerziell und auf die Mentalität des Mittelstandes ausgerichtet.[2] In großen Städten wurde in der Regel nicht mehr als ein Drama pro Saison und Theater aufgeführt. Generell wurden keine tiefgreifenden Stücke, sondern solche leichterer Unterhaltung bevorzugt inszeniert.[3] Neue Elemente und Themen wurden nur dann akzeptiert, wenn das Theater sich sicher sein konnte, dass dies dem Geschmack der Mehrheit des Publikums entspricht. Das hatte zur Folge, dass viele experimentelle Dramen und solche, die die Gesellschaft in Frage stellten, gar nicht erst aufgeführt wurden.[4] Ab 1915 bildeten sich verschiedene experimentelle Theatergruppen, wie z.B. die Provincetown Players, die Washington Square Players, die Neighborhood Players, Vagabond Players und das Portmanteau Theater von Stuart Walker, die gegen die vorherrschenden Standards rebellierten und die Entwicklung des ernsten, experimentellen, nicht kommerziell ausgerichteten Dramas zum Ziel hatten.[5]

Die traumatischen Auswirkungen des 1. Weltkrieges und die sich nach dem Krieg überhäufenden Ereignisse, wie beispielsweise die Rückkehr der Soldaten, die fortschreitende Industrialisierung, die Prohibition und der damit verbundene Alkoholschmuggel sowie die Korruption und deren Auswirkungen schlugen sich nachhaltig in den literarischen Werken nieder. Wie auch in Europa wichen viele bedeutende amerikanische Autoren vom herkömmlichen Stil – der naturalistischen Darstellungsweise – und den konventionellen Strukturen ab und nahmen radikale technische Veränderungen vor. Kennzeichnend für den Zeitraum zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg (Interwar Period) ist insbesondere, dass die amerikanischen Schriftsteller sich zunehmend von einer gefühlvollen Ausrichtung der Literatur abwandten. Romantisch-verklärende Elemente wurden ausgelassen. Statt dessen orientierten sie sich an der Realität und arbeiteten verstärkt die psychologischen Hintergründe ihrer Themen heraus (psychologischer Realismus)[6]. Obwohl die Romane in dieser Phase des Experimentierens zumeist realistisch geschrieben waren - die Realität widerspiegelten - variierten die Standpunkte der Autoren und die Inhalte und Formen der Werke stark. Ernest Hemingway beispielsweise schrieb in einem nüchternen und klaren Stil über den Krieg, das Jagen und andere männliche Domänen. William Faulkners Südstaatenromane beschreiben die Generationen und Kulturen in der Hitze und dem Dunst des Staates Mississippi und Sinclair Lewis schilderte das Leben der Bourgeoisie mit einer stark ironischen Klarheit.[7] Neben Faulkner, Hemingway und Lewis gehört auch der Dramatiker Eugene Gladstone O’Neill, dessen Werk The Hairy Ape Gegenstand dieser Hausarbeit ist, zu den revolutionären und bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern der Interwar Period. Im folgenden werde ich den Inhalt des Dramas The Hairy Ape kurz vorstellen und im Anschluss daran die Konzepte Entfremdung (die Suche nach dem place of belonging) und Scheitern des amerikanischen Traums, deren sich O’Neill in vielen seiner Dramen bedient, erläutern und eine Analyse des Dramas anhand dieser Konzepte vornehmen. Im fünften und letzten Teil folgt die Einbettung von The Hairy Ape in das Gesamtwerk Eugene O’Neills.

II. Inhaltsangabe

Das Drama The Hairy Ape ist ein in 8 kurze Szenen gegliederter Einakter und spielt in den frühen 20er Jahren. Die erste Szene spielt auf dem Heizerdeck eines transatlantischen Passagierdampfers, die zweite zwei Tage später auf einem Teil des Promenadendecks, die dritte Szene spielt im Kesselraum, die vierte wie die erste Szene auf dem Heizerdeck, die fünfte Szene findet in der 5th Avenue in New York statt, die sechste auf einer Insel bei New York und die letzten beiden in New York City.

Der Protagonist Robert Smith, der von seinen Arbeitskollegen nur Yank genannt wird, ist als Heizer auf einem transatlantischen Passagierdampfer tätig. Er ist groß, sehr muskulös, selbstsicher und scheint stärker als die übrigen Heizer zu sein und hat aufgrund dieser Eigenschaften das Sagen im Kesselraum. Bis zu dem Zeitpunkt, als die 20jährige Mildred Douglas, die Tochter des millionenschweren Stahlproduzenten, den Kesselraum betritt, kennt Yank nur die Welt, in der er lebt und ist mehr als nur zufrieden mit seinem Leben als Heizer. Er begreift sich als die Kraft, ohne die alles zum Erliegen kommen würde. I´m at de bottom, get me! Dere ain´t nothin’ foither. I’m de end! I’m de start! I start somep’n and de woild moves! Ohne ihn und seine Kameraden würde das Schiff nicht fahren und die Angehörigen der Oberschicht nicht von A nach B gelangen. Als Mildred in Begleitung von zwei Ingenieuren den Kesselraum betritt, um das Leben der unteren Klasse kennenzulernen, ist sie beim Anblick Yanks einer Ohnmacht nahe und wimmert: Take me away! Oh, the filthy beast!. Yank, der von Mildreds ganz in weiß gekleideter Gestalt fasziniert ist, wird von den anderen Heizern aufgezogen, er habe sich in das Mädchen verliebt, während sie in ihm nur einen haarigen Affen sieht. Darauf reagiert Yank mit einem Wutausbruch und will sich an Mildred rächen. Die anderen Heizer können ihn nur mit Mühe davon abhalten. Bei einem Aufenthalt in New York, 3 Wochen nach dem Zusammentreffen mit Mildred, hat Yank sich so in seine Wut gegen die obere Klasse hineingesteigert, dass er auf der 5 th Avenue versucht, die Vornehmen und Reichen auf dem Nachhauseweg von der Kirche zu provozieren. Wie bei Mildred schlägt auch dieser Versuch mit der oberen Klasse zu kommunizieren, fehl. Yank ist außer sich vor Wut und tobt, bis er schließlich von einem Polizisten zusammengeschlagen wird und für einen Monat ins Gefängnis muss. Nach seiner Entlassung sucht Yank die linksradikale Gewerkschaft I.W.W. (Industial Workers of the World) auf, um gegen Kapitalisten, wie Mildred und ihren Vater, zu rebellieren, einen Umsturz zu erzielen. Die Gewerkschaft wirft Yank jedoch brutal hinaus, weil sie in ihm einen Polizeispitzel sieht. Das Stück endet mit dem Tod Yanks, als dieser in einen Zoo geht, den Gorillakäfig öffnet und von dem Gorilla erdrückt wird.

III. Konzepte O’Neills

O’Neill portraitierte in seinen Dramen das zeitgenössische Amerika und ist besonders für die abgründig pessimistische Schilderung der negativen Seiten des Lebens bekannt. Seine politische Gesinnung, besonders in den frühen Jahren nach dem 1. Weltkrieg, war sozialistischer Natur und seine Haltung gegenüber der Gesellschaft war herausfordernd und radikal.[8] Sein Ziel war es, den Menschen in der Gesellschaft (man-in-society) zu dramatisieren – die menschlichen Probleme isoliert darzustellen und aufzuzeigen, was dem Amerikaner fehlte, wie sehr dieser dem Materialismus verfallen war, und wie er durch den Materialismus nicht nur die wahre Bedeutung des Lebens aus den Augen verloren hat, sondern nicht einmal mehr versucht, die Bedeutung von Leben und Tod zu ergründen.[9] Der Ruin von Farmern, rassistische und soziale Ungleichheit, die elendigen Verhältnisse, die die Angehörigen der Arbeiterklasse ertragen mussten, sind zentrale Themen seiner Werke. Darüber hinaus portraitierte O’Neill wiederholt die Tragödie, die die Menschen erwartet, deren ganzes Leben nur aus fadenscheinigen Träumen besteht.[10]

3.1 Failure of the American Dream – Konzept

Ein Konzept, dass bei Eugene O’Neill häufiger zu finden ist, ist das Versagen des amerikanischen Traums und damit eng verknüpft das Versagen der amerikanischen Gesellschaft. Eugene O’Neill scheint den amerikanischen Traum als eines der am häufigsten falsch verstandenen Ideale der amerikanischen Kultur zu sehen. In einer Auseinandersetzung mit einem Kritiker machte O’Neill 1922 seine Sichtweise über die amerikanische Lebensweise deutlich:

Suppose some day we should suddenly see with the clear eyes of a soul the true valuation of all our triumphant brass band materialism; should see the cost – and the result in terms of eternal verities! What a colossal, one hundred percent American tragedy that would be. … Tragedy not native to our soil? Why, we are the tragedy, the most appalling yet written or unwritten. [11]

Es scheint, dass sich diese Sichtweise O’Neills sein Leben lang nicht geändert hat. In einem Interview anlässlich der Uraufführung seines Dramas The Iceman Cometh kritisiert O’Neill die Amerikaner erneut für die Aufgabe ihrer geistigen Unabhängigkeit und die ausschließliche Verfolgung ihrer materiellen Wünsche:

“Some day this country is going to get it – really get it. We had everything to start with – everything – but there’s bound to be retribution. We’ve followed the same selfish, greedy path as every other country in the world. We talk about the American Dream and want to tell the world about the American Dream, but what is that dream, in most cases, but the dream of material things? I sometimes think that the United States, for this reason, is the greatest failure the world has ever seen”.[12]

“I am going on the theory that the United States, instead of being the most successful country in the world, is the greatest failure. It is the greatest failure because it was given everything, more than any other country. Through moving as rapidly as it has, it hasn’t acquired any real roots. Its main idea is that everlasting game of trying to possess your own soul by the possession of something outside of I, toot. This was really said in the Bible much better. We are the greatest example of “For what shall it profit a man if he shall gain the whole world and lose his own soul?” We had so much and could have gone either way”.[13]

In seinem Ursprung ist der amerikanische Traum ‘der Traum der großen Freiheit’. Er beschreibt das Hoffen und Glauben an die Erfüllung menschlicher Wünsche und Sehnsüchte. Was zu diesen Wünschen zählt, lässt sich anhand eines Ausschnittes aus der von Thomas Jefferson verfassten amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 erklären, in der es heißt, dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, und dass zu diesen Rechten Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.[14] Nimmt man diese Rechte als Grundlage des amerikanischen Traums, so wird deutlich, dass dieser keineswegs auf den materiellen Erfolg begrenzt ist, sondern dem Menschen die Freiheit einräumt in allen Dimensionen seines Lebens, der materiellen, der spirituellen und der beruflichen Dimension frei zu entscheiden, und zu versuchen so zu leben, wie er leben möchte, solange er sich an das Gesetz hält, seinen Mitmenschen nicht schadet und diesen dieselben Rechte einräumt.[15]

O’Neill zeigt in einigen seiner Dramen zu was der amerikanische Traum in seinen Augen verkommen ist: zu einer ausschließlichen Verfolgung materieller Interessen, die unweigerlich zum Verlust der menschlichen Spiritualität führt.

Einige von O’Neills Dramen sind konzeptionell so aufgebaut, dass der Protagonist oder auch mehrere der Charaktere bereits zu Beginn der Dramen aus verschiedenen Gründen - sei es die Tatsache, dass sie so aufgewachsen sind und keine Bildung genossen haben oder als Folge der Industrialisierung nur noch als menschliche Maschine fungieren - mehr oder weniger seelisch verkümmert sind. Durch ein einschneidendes Erlebnis werden sie wachgerüttelt und erkennen, dass sie ein eher menschenunwürdiges Leben führen, versuchen sich mit ihrer Situation auseinander zu setzen und diese zu ändern. Bis auf wenige Ausnahmen enden die meisten Dramen jedoch mit dem Scheitern des Protagonisten.

O’Neill zeigt, dass die Ideale des amerikanischen Traums, nämlich Freiheit und Gleichheit, in der Realität nicht existent sind und wie tief und starr das Klassensystem in der amerikanischen Gesellschaft verankert ist. Klassenbarrieren bestimmen die Bildungsmöglichkeiten, die Lebensauffassung und die Kultur. Er schildert, wie die Herkunft eines Menschen dessen Leben bestimmt und ihn zum Gefangenen seines eigenen Blutes macht.[16] O’Neills Charaktere leben in einer Welt ohne Chancen auf Selbstverwirklichung, in einer Gesellschaft, die auf geistigem sowie auf sozialem Gebiet auf ihre Klasse beschränkt ist. Die Oberschicht der Gesellschaft mag den amerikanischen Traum als verwirklicht ansehen, denn in ihren Augen haben sie es geschafft, das Streben nach Glück hat sich erfüllt. Doch Glück bezieht sich hier nur auf Reichtum und Luxus und nicht auf die Verwirklichung der Menschlichkeit. Die Feindseligkeit der wohlhabenden Gesellschaftsschicht, die ihre Handlungen nur nach ihrem Geldbeutel ausrichtet und nicht in der Lage ist, Mitgefühl zu zeigen, hebt O’Neill dabei immer wieder hervor.[17]

Dass die Gesellschaft in Klassen eingeteilt ist, scheint O’Neill jedoch nicht zu kritisieren. Er scheint sich auch nicht für bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen der Arbeiterklasse einzusetzen. Er kritisiert ‘nur’ die spirituelle Sterilität der oberen Gesellschaftsschicht, und dass diese die Angehörigen der Arbeiterklasse nicht als menschliche Wesen behandeln, geschweige denn sie als solche wahrnehmen. Mit seinen Dramen versucht O’Neill die Gesellschaft aufzufordern, brüderlich zu denken und zu handeln, wie in einem Interview mit einer Journalisten des Theatre Magazines vom Juni 1924 zum Ausdruck kommt:

I care only for humanity. I wish to arouse compassion. For the unfortunate. The suffering. The oppressed. I do not write with a premeditated purpose. I write of life as I see it. As it exists for many of us. If people leave the theatre after one of my plays with a feeling of compassion for those less fortunate than they I am satisfied. I have not written in vain. [18]

3.2 Das Konzept der Entfremdung - die Suche nach dem place of belonging

Ein Konzept, das in den Früh- bis hin zu den Spätwerken Eugene O’Neills zu finden ist, ist das Konzept der Entfremdung (alienation), wobei sich der Begriff Entfremdung auf die Aufhebung einer ursprünglich einheitlichen Beziehung des Menschen zu sich selbst und seiner Umgebung bezieht. In einem Brief an den New York Herald Tribune vom 16. November 1924 schrieb Eugene O’Neill:

‘The Hairy Ape’ was propaganda in the sense that it was a symbol of man, who has lost his old harmony with nature, the harmony which he used to have as an animal and has not yet acquired in a spiritual way. [19]

Weiter unten in dem Brief heißt es:

The subject here is the ancient one that always was and will be the one subject for drama, and that is man and his struggle with his own fate. The struggle used to be with the gods, but is now with himself, his own past, his attempt to belong.[20]

Voraussetzung für das Einsetzen eines Entfremdungsprozesses ist, dass sich der Mensch zuvor mit einer Gruppe oder einer Sache identifiziert haben muss bzw. Teil von etwas gewesen sein oder sich zumindest als Teil von etwas gefühlt haben muss. Dass der Mensch seine ursprüngliche Harmonie mit der Natur verloren hat, bedeutet, dass er sich im Laufe der Evolution durch seine geistige Entwicklung vom Primaten hin zu einem intelligenten, bewusst denkenden und handelnden Wesen entwickelte und sich somit von der Natur und allen anderen Lebewesen distanziert hat.

Selbsterfahrung, das Bewusstsein seiner selbst, die Einbildungskraft des Menschen und seine Fähigkeit, Dinge und Geschehen zu begründen, sprich, seine Fähigkeit zu denken haben seine Harmonie mit der Natur, die die Existenz von Tieren charakterisiert, aufgehoben.[21] Und gerade diese Eigenschaften, die den Menschen ausmachen und von allen anderen Lebewesen unterscheiden, führen seine Entfremdung herbei und lassen ihn scheitern. Von der Frage getrieben, wer er ist und wohin er gehört, beginnt der Mensch sich selbst und nach seinem Platz in der Welt - his place of belonging - zu suchen, denn er ist nicht bereit, sein ‘Dasein’ als gegebene Tatsache hinzunehmen. Er unterliegt dem ständigen Zwang, eine Begründung für sein ‘Dasein’ zu finden.[22] Der Entfremdungsprozess und die dadurch ausgelöste Suche nach dem place of belonging können durch unterschiedliche Faktoren, wie z.B. durch die menschliche Psyche an sich, aber auch durch soziale, wirtschaftliche und politische Faktoren hervorgerufen werden.

Der Mensch braucht etwas an dass er glauben kann, an dem er festhalten kann, etwas, dass seinem Leben einen Sinn gibt. Vor der Industrialisierung fand der Mensch den Grund für sein Dasein in der Religion. Sein Leben war gottgegeben. Intellektuelle Strömungen, insbesondere die Konzepte von Freud, Nietzsche, Jung, Fromm und – allerdings in weit geringerem Maße – das Konzept des Marxismus, haben in den 20er Jahren zu einer gottlosen Weltanschauung und zum Verfall der traditionellen Werte beigetragen. In der nicht veröffentlichten Fassung des Vorwortes zu The Great God Brown erklärt O’Neill:

‘ [ Theater ] …should give us what church no longer gives us – a meaning. In brief, it schould return to the spirit of Greek grandeur. And if we have no Gods, or heroes to portray we have the subconscious, the mother of all gods and heroes.’[23]

Darüber hinaus führten auch die Kriege - der Civil War und der 1. Weltkrieg - zur Desillusionierung und Entfremdung der amerikanischen Gesellschaft und verlangten nach einer neuen Begründung der menschlichen Existenz.[24] Diese neue Begründung fand der Mensch zunächst im Fortschritt der Wirtschaft und Wissenschaft. Der Mensch als intelligentes und denkendes Wesen hat Maschinen entwickelt, um sein Leben angenehmer und einfacher zu gestalten, aber in erster Linie auch, um seinen materiellen Wünschen schneller nachkommen zu können.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte sich Amerika von einer Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft gewandelt und bereits nach Ende des 1. Weltkrieges hatten die Vereinigten Staaten eine führende Position in der Welt eingenommen. Mit der Industrialisierung wuchs jedoch auch die Entfremdung. Die Industrialisierung und der technische Fortschritt haben den Arbeiter zunehmend zum Handlanger der Maschine gemacht. Im Gegensatz zur vorindustriellen Zeit, in der ein Arbeiter viele verschiedene Aufgaben verrichten können musste, war er mit dem Einsetzen der Industrialisierung zunehmend gezwungen, monotone und stetig wiederkehrende Arbeiten zu übernehmen, die ihm außer schwerer körperlicher Anstrengung nichts abverlangten. Die Arbeit erforderte kein Denken bzw. zwang oder regte auch nicht zum Nachdenken an und führte somit zu geistiger Armut, einer seelischen Ausgestorbenheit. Dadurch, dass sich die Arbeitsschritte stark verändert hatten und der Arbeiter nur noch Teilaufgaben zu erledigen hatte, ist dieser nicht mehr in der Lage, sich mit seiner Arbeit und vor allem dem Produkt seiner Arbeit zu identifizieren (loss of identity).

[...]


[1] Vgl. Straumann 1951: 160; Spanckeren van 2003: Stichwort: 20th Century American Drama

[2] Vgl. Koreneva 1979: 150

[3] Vgl. Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon: Stichwort: E. O’Neill

[4] Vgl. Straumann 1951: 160f.

[5] Vgl. Leech 1963: 11, Knight 1972: 478

[6] Vgl. Microsoft Encarta. Stichwort: Amerikanische Literatur. 20. Jahrhundert

[7] Spanckeren van 2003: Modernism and Experimentation: 1914-1945; Stichwort: Prose Writing, 1914-1945:

American Realism

[8] Leech 1963: 35

[9] Virgina Floyd 1979: 10/11; Hoffmann 1965: 256

[10] Vgl. Spanckeren van 2003

[11] O’Neill zitiert in Koreneva 1979 : 147

[12] O’Neill zitiert in Dorn 1968: 125

[13] O’Neill zitiert in Floyd 1979: 5; Koreneva 1979: 147

[14] Vgl. Microsoft Encarta 1999 : Stichwort: amerikanische Unabhängigkeitserklärung

[15] Vgl. Stone 2001

[16] Vgl. Dubost 1997: 31

[17] Vgl. Sparknotes und Koreneva 1979: 146

[18] O’Neill zitiert in Bird 1924: 8; Dorn 1968: 119

[19] O’Neill zitiert in Clark 1967: 84; Leech 1963: 41; Falk 1965: 34

[20] Vgl. O’Neill zitiert in Clark 1967: 84

[21] Vgl. Fromm in Falk 1965: 36

[22] Vgl. Kübler 1997

[23] O’Neill zitiert in Leech 1963: 73

[24] Vgl. Spanckeren 2003 Stichwort: Outline of American History

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Eugene O'Neills 'The Hairy Ape' und die Interwar Period
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
American Literature in the Interwar Period
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
34
Katalognummer
V49126
ISBN (eBook)
9783638456531
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eugene, Neills, Hairy, Interwar, Period, American, Literature
Arbeit zitieren
Constanze Ries (Autor), 2002, Eugene O'Neills 'The Hairy Ape' und die Interwar Period, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49126

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