Die Seminararbeit (Zulassungsseminar) gibt einen Überblick über die historische Entwicklung des Militärstrafrechts generell und über die hier angedrohte Todesstrafe im Speziellen. Hierbei werden die todeswürdigen Militärdelikte eingehend betrachtet, anhand derer die vorab dargestellte, über Jahrhunderte währende, Legitimation der Todesstrafe verdeutlicht werden soll. Der Begriff der Disziplin wird hierbei einer genaueren Betrachtung unterzogen. Abschließend wird beleuchtet, dass die Todesstrafe bei Weitem nicht immer auch vollstreckt wurde, wenn sie verhängt war.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Abgrenzung zum zivilen Strafrecht
1. Geltungsbereich des Militärstrafrechts
2. Wesen
II. Geschichtliche Entwicklung des Militärstrafrechts
III. Die Todesstrafe im Militärstrafrecht
1. Bedeutung/ Charakter
2. Besonderheiten in der NS-Zeit
3. Berechtigung
IV. Todeswürdige Verbrechen im Militärstrafrecht
1. Fahnenflucht
2. Feigheit
a) Historische Entwicklung
b) Gründe für die immerwährende hohe Strafe
3. Verrat
4. Gemeine Delikte
a) Mord
b) Raub
V. Vollstreckung der Todesstrafe
VI. Begnadigung bei Todesstrafe
C. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die rechtliche Ausgestaltung der Todesstrafe innerhalb des Militärstrafrechts. Dabei wird analysiert, wie militärspezifische Bedürfnisse nach Disziplin und Gehorsam die Anwendung dieser schwersten Strafe legitimierten und wie sich das Verhältnis zum zivilen Strafrecht über die Jahrhunderte gewandelt hat.
- Historische Legitimation der Todesstrafe im Militär
- Die Rolle der Disziplin als Schutzgut des Militärstrafrechts
- Rechtliche Einordnung spezifischer Delikte (Fahnenflucht, Feigheit, Verrat)
- Verfahrensweisen bei Vollstreckung und Begnadigung
- Einfluss der NS-Zeit auf die militärgerichtliche Praxis
Auszug aus dem Buch
3. Berechtigung
Um die Todesstrafe im Militärstrafrecht gesetzlich zu kodifizieren, muss es eine besondere Rechtfertigung geben, die diese Strafart im Gegensatz zum zivilen Strafrecht so oft androht und auch vollstreckt. Auch wenn die Meinungen über die Berechtigung der Todesstrafe seit jeher auseinander gingen, bestand am Anfang des 20. Jahrhunderts eine weitgehende Einigkeit darüber, dass die Todesstrafe im Militärstrafrecht immer noch ihren Platz - zumindest in Kriegszeiten - verdient hat. Die Begründung ist wieder in dem höchsten Schutzgut des Militärwesens zu sehen: In der Disziplin und ihrer Aufrechterhaltung um jeden Preis. Dazu wird zu generalpräventiven Mitteln gegriffen. Die Erfüllung der hohen Aufgaben der Armee wird nach Steiger nur durch Abschreckung aller derer möglich, die militärischen Anforderungen nicht aus Pflichtgefühl und innerster Überzeugung genügen wollen. Dem zur Begehung einer strafbaren Handlung sich hinneigenden Willen soll ein starkes Motiv entgegengesetzt werden, nämlich die Furcht vor der drohenden Strafe. Die so geschaffenen Voraussetzungen einer Strafe, die jeder als gleich stark und bedrohend empfindet, trifft am ehesten bei der Todesstrafe zu, da von Natur aus jedem Lebewesen der Trieb zum Überleben angeboren ist.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der militärischen Disziplin und die historische Anwendung der Todesstrafe ein, wobei der zeitliche Fokus auf dem 20. Jahrhundert liegt.
B. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Abgrenzung zum zivilen Strafrecht, die geschichtliche Entwicklung, die Analyse todeswürdiger Delikte sowie die Untersuchung der Vollstreckungs- und Begnadigungspraxis.
C. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Militärstrafrecht durch das Schutzgut der Disziplin ein eigenes Strafmaß rechtfertigt, welches sich jedoch im Laufe der Zeit durch Humanisierung und gesellschaftliche Demokratisierung gewandelt hat.
Schlüsselwörter
Militärstrafrecht, Todesstrafe, Disziplin, Fahnenflucht, Feigheit, Verrat, Generalprävention, Wehrmacht, Militärgerichtsbarkeit, Begnadigung, Gehorsam, Kriegsrecht, NS-Rechtsprechung, deutsche Rechtsgeschichte, schweizerisches Militärstrafrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und rechtlichen Stellenwert der Todesstrafe im Militärstrafrecht, insbesondere unter Berücksichtigung des Schutzes militärischer Disziplin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Abgrenzung zum zivilen Strafrecht, die Begründung der Todesstrafe im militärischen Kontext, spezifische todeswürdige Delikte sowie Vollstreckungs- und Begnadigungsverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die historische Entwicklung des Militärstrafrechts zu geben und die spezifische Legitimation der Todesstrafe bei der Verletzung militärischer Dienstpflichten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche Untersuchung, die auf der Analyse von Gesetzesquellen (insb. MStGB 1872) und relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden unter anderem die Unterschiede zwischen zivilem und militärischem Strafrecht, die Bedeutung der Disziplin sowie Delikte wie Fahnenflucht, Feigheit und Verrat detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Militärstrafrecht, Todesstrafe, Disziplin, Generalprävention und Militärgerichtsbarkeit.
Welche Rolle spielt die NS-Zeit in der Arbeit?
Die NS-Zeit wird als Exkurs behandelt, da sie durch eine massive Ausweitung und Instrumentalisierung der Todesstrafe zur Aufrechterhaltung des blinden Gehorsams eine drastische Abweichung zur allgemeinen Entwicklung darstellte.
Warum wurde die Todesstrafe gerade bei Feigheit angedroht?
Die Todesstrafe bei Feigheit diente als abschreckendes Mittel, um den Überlebensdrang des Einzelnen zugunsten des militärischen Gesamtauftrags und der Sicherheit der Einheit zu unterdrücken.
- Arbeit zitieren
- Inga Denecke (Autor:in), 2014, Todesstrafe im Militärstrafrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491380