Laudine im mittelhochdeutschen Artusroman Iwein


Hausarbeit, 2017

9 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung Laudine

2.1 Laudines Beziehung zu Iwein

2.2 Ihre gesellschaftliche Stellung und Wichtigkeit für die Geschichte

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dem mittelhochdeutschen Artusroman „Iwein“ von Hartmann von Aue aus dem Jahre 1200, basierend auf der Vorlage von Chrétien de Troyes, der seinen Roman Yvain oder Le chevalier au lion circa 1177-1181 schuf, ist Laudine eine der weiblichen Hauptfiguren. Sie ist die autonome Landesherrin ihres Reiches, dennoch tritt sie im gesamten Roman als abhängige Frau auf. Seit ihr Mann Askalon tot ist, ist sie nicht in der Lage ihr Land vor Feinden zu schützen, jedoch wollen schon in zwölf Tagen die Artusritter ihr die magische Quelle und das Reich abgewinnen. Sie steht unter Zugzwang und braucht einen starken Verteidiger, welchen es in ihrem Reich aber nicht gibt. Die Königin hat ein enges Vertrauensverhältnis mit ihrer Zofe Lunete. Diese ist zwar Laudines Untergebene, legt aber viel Wert auf deren Rat. Nach ihrem Rat heiratet Laudine auch den Mörder ihres Mannes, jedoch nur aus politischen Gründen. Diese politischen Gründe wandeln sich im Laufe des Romans auch in wahre Liebe um und genau als sie die zeigt wendet sich ihr Ehemann von ihr ab, um im ganzen Land Turniere zu bestreiten und zu gewinnen. Er verlässt sie, um mehr Ritterlichkeit und Ehre zu erlangen, kommt aber nicht nach dem vereinbarten Jahr zurück, da er dies einfach vergisst. Durch eine List von Lunete kommen die beiden sich jedoch wieder näher und verzeihen einander.

Meine Hausarbeit befasst sich mit der starken Figur Laudine, ihrer Beziehung zu Iwein und ihrer gesellschaftliche Stellung und Wichtigkeit für die Geschichte.

2. Charakterisierung Laudine

Laudine hat goltvarwem hâre 1. und wird gleich zu Anfang von Lunete als „jung und schön adlig, mächtig und untadelig“2 beschrieben. Auch Iwein findet sie „so schön, wie er noch nie eine gesehen hatte.“3 Er geht sogar so weit und sagt, dass sie ein engel unde niht ein wîp 4 sei. Nach dem Tod von Laudines Mann erfordert ihre Situation schnellstmöglich eine neue Eheschließung, da sie Angst um ihr lant 5 und ihre êre 6 hat. Jedoch liebt sie ihren ersten Mann Askalon sehr, was durch die häufige Darstellung ihrer Trauer deutlich wird. So beklagt sie ihren aller tiurste[n] man 7 und viel […] often in unmaht 8. Laudine ist sehr verzweifelt in dieser Situation, sie weiß nicht, was sie ohne ihren geliebten Mann machen soll. Einerseits vermisst sie ihren Liebsten und hat Herzschmerz andererseits muss ihr Land verteidigt werden, da König Artus mit seinem Heer aus den Besten zur Quelle kommen wird um ihr diese abzugewinnen. Sie geht sogar so weit, dass „sie Gott bittet ihr den Tod [zu] senden, damit [sie ihrem] Herren nachsterbe.“1 Lunete überzeugt sie schließlich, dass sie nicht trauern, sondern sich schützen soll und es nur einen Mann gäbe, der sie verteidigen könne. Der richtige Mann sei der Brunnenritter, da er als Sieger über ihren Mann für die Verteidigung in Frage käme. Diz war ir ein herzeleit, / daz si deheiner vrümcheit / iemen vür ir herren jach. 2 Trotz ihrer Leidenschaftlichkeit zeigt sich Laudine vernünftig und verantwortungsvoll und befolgt Lunetes Rat. Sie spricht Iwein ihr gegenüber von Schuld frei und will niemanden mehr wie den der ihr den wirt erslagen hât. 3 „Auch wenn eine Frau nie um einen Mann anhält, würde [sie] um [ihn] werben“4, was unübliches Verhalten zu dieser Zeit ist. Sie macht Iwein damit kein Liebesgeständnis, sondern ein Angebot einer politischen Ehe. Triuwen 5 fordert sie, womit nicht die „Treue in einer Liebesbeziehung gemeint ist, sondern soziale Treue in einer politischen Ehe“6. Diese politisch motivierte Heirat ist ihr von der Situation vorgeschrieben, sie kann gar nicht anders handeln und muss ihren Ehepartner aufgrund „seiner Funktion und nicht wegen seiner Person“7 wählen. Laudine sagt selbst über diese Ehe, dass sie „eine nützliche und ehrenvolle Sache sei.“8 Ihr Charakter nimmt im Laufe des Romans eine Wandlung durch. Die einst so kalte Landesherrin zeigt erstmal für Iwein Gefühle, als er ihren politischen Anforderungen entspricht und sie erfolgreich gegen den angreifenden Artushof verteidigt. Doch kaum kann sie ihre Gefühle zeigen, fragt ihr Ehemann sie, ob er nicht weg könne um mehr Ritterehre zu erlangen. Diese Frage stellt er in einer List und so bleibt der Ehefrau nichts anderes übrig als ihm zuzustimmen, jedoch nur unter der Bedingung nicht länger wie ein Jahr fortzubleiben. Sie ist schlichtweg enttäuscht ihn loslassen zu müssen und hätte „vorher ausschließen müssen“9, dass er überhaupt so Gedanken in Erwägung ziehen würde. Sus wart dâ urloup genomme. 10 Nach diesem langen Jahr voller Warten und Sehnsucht kehrt Iwein jedoch nicht zurück, er handelt als Aventüre- und nicht als Brunnenritter. Lunete wird daraufhin vom Volk und Iwein von Laudine angeklagt, da sie untreue gezeigt haben. Lunete, indem sie diese Ehe angestiftet hat, und Iwein, da er sein Land im Stich gelassen hat und den Erwartungen eines Landesherrn nicht entsprach. Als Laudine und Iwein erst wieder durch eine List der Zofe Lunete zusammenkommen hat die Königin den Höhepunkt ihrer Gefühle erreicht. Sie fällt sogar, ganz untypisch in ihrer Rolle als Herrscherin, ihrem Mann vor die Füße und bittet um

Vergebung und das, obwohl Iwein sie verlassen hatte und nicht umgekehrt. Diese Szene ist der erste wirkliche „menschliche Zug in der sonst kühl gezeichneten Laudine-Figur.“1

2.1 Laudines Beziehung zu Iwein

Als Laudine und Iwein das erste Mal aufeinandertreffen „sagt[…] sie nichts und begrüßt[…] ihn nicht“2, auch er bleibt stumm „und [weiß] nicht, wie er sich verhalten soll[…]“3 Als sie sich dazu entscheidet Iwein zum Mann zu nehmen macht sie ihm ihre Situation unmissverständlich klar, indem sie ihm erklärt, dass sie einen Landesherrn wählen muss, da sie sonst ihr Land verliert. Bei Iwein jedoch tritt Minne in Kraft, er verliebt sich augenblicklich in die Königin und hofft auf eine gegenseitige Liebe, welche Laudine jedoch zunächst nicht erwidert. Sie spricht Iwein auch nur auf Grund ihrer Vorstellung der Zweckehe frei. Auch nach der Hochzeit kann man nicht von gegenseitiger Liebe sprechen. Als er sie jedoch erfolgreich gegen den Artushof verteidigt, schenkt sie ihm auch ihre Liebe. Bis dahin hatte sie nur gehofft wol gehît4 zu sein, so war jetzt dehein wân dar an 5, die Heirat hat sich schließlich als zweckdienlich erwiesen. Da Iwein seine Ritterehre nicht verlieren möchte, will er in vielen Ländern Turniere bestreiten und gewinnen. Für diese Turniere muss er allerdings Laudine für eine Weile verlassen. Er fragt seine Frau nicht, ob er weg kann, sondern drängt sie ihm seine Bitte zu erfüllen, welche sie schließlich Zusagt. Erst dann erzählt er ihr von seinem Plan. Sie fühlt sich durch diese List hintergangen und daz gewern gerou si dâ ze stat. 6 „Laudine hat nun eine doppelte Motivation zur Ehe: politische Notwendigkeit [und] persönliche Neigung.“7 Sie will ihn eigentlich nicht gehen lassen, doch hat sie nun keine andere Wahl mehr. „Laudine gewährt ihm schweren Herzens genau ein Jahr“8 für seine Turniere. Sie warnt ihn aber, beliber iht vürbaz, / ez waere iemer ir haz. 9 Wieder einmal muss Laudine um ihr Land fürchten, da sie in dieser Zeit keinen Beschützer hat. Sie gibt Iwein einen Goldring, welchen sie sonst noch nie verliehen hat, damit er sie nicht vergisst und doch schneller wie geplant nach Hause kommt. Dieser Ring soll ihm gelücke unde senften muot 10 geben. Für Laudine zählt ihre Herrschaft mehr als die Liebe und so kommt es zwischen ihr und Iwein zu einem Missverständnis. Iwein sieht diesen Ring nämlich nicht wie Laudine als Herrschaftssymbol, sondern als Minnesymbol. Laudine redet mit ihren Mann nicht über dieses Thema und das eventuelle Missverständnis, sondern sie geht davon aus, dass Iwein Bescheid weiß. Durch die ganzen erfolgreichen Turniere vergisst Iwein die Jahresfrist. Genau in dem Moment, als er sich wieder an diese Frist erinnert, kommt Lunete angeritten. Sie richtet ihm im Sinne von Laudine Klage gegen den verrâtaere 1 aus. Lunete fordert in Laudines Namen den Ring zurück. Dieser ist nicht nur ein „magischer Ring mit der Kraft, Schädliches abzuwenden“2, sondern auch gleichzeitig Verlobungs- und Ehering. Mit dem Zurückfordern des Ringes scheidet sich Laudine also von Iwein. In ihren Augen hat er sie und ihr Land im Stich gelassen und so soll er nicht nur die Herrschaft und die Minne, sondern auch den Ring verlieren. Iwein fällt daraufhin in den „Wahnsinn“, wovon er durch den Minneverlust nicht so schnell herauskommt. Als es ihm jedoch gelingt, bekommt er mit, wie ein Drache und ein Löwe miteinander kämpfen. Kurzerhand entscheidet er dem Löwen zu helfen und tötet schließlich den Drachen. Als Dank für die Rettung begleitet der Löwe Iwein auf seiner Reise und so wird er als Löwenritter bekannt. Jedoch weiß keiner, dass Iwein hinter diesem Ritter steckt. Er trägt eine Rüstung, die keine Einblicke gewährt und er redet nicht über seine Person. Zufällig kommt er als Löwenritter eines Tages in Laudines Land und erinnert sich an den Herzschmerz als er die magische Quelle erblickt. So macht er es sich zur Aufgabe seine Geliebte erneut zu erobern und wieder einmal dient Lunete als Vermittlerin, die schnell rausbekommt, dass sich Iwein hinter dem Löwenritter versteckt. Das Leiden, durch die Huld einer Dame, vom Löwenritter hat sich schnell im Land rumgesprochen und so bekommt auch Laudine Mitleid mit ihm. Lunete vermittelt die beiden wie bei ihrem ersten Treffen. Sie erklärt ihrer Königin, dass sie wieder einen Landesherren braucht, da ihr Land sonst ungeschützt sei. Laudine verspricht unter Eid den Löwenritter zum Mann zu nehmen, ohne zu wissen, dass sich dahinter bereits ihr Ehemann Iwein verbirgt. Das Versprechen zu Lunete, alles zu tun, um dem „Ritter mit dem Löwen“ seine Ehre zurückzugeben, zwingt sie Iwein erneut zum Landesherren und ihrem Mann zu machen. Durch diesen Eid muss sie Iwein vergeben. Doch als sie erfährt, wer der Löwenritter wirklich ist macht sie deutlich, dass sie kein Leben mit einem führen möchte, „der sich um [sie] überhaupt nicht kümmert“3, andererseits muss sie ihn zurücknehmen, da sie unter Eid geschworen hat. Iwein beteuert seine Reue und verspricht, ihre Huld nie wieder zu verspielen. Laudine entschuldigt sich ebenfalls bei ihrem Ehemann und bittet in Gottes Namen ihr zu vergeben, dâ mit viel si an sînen vuoz.4 Mit diesem Fußfall wird mit der „wiedergegründeten Ehe auch die Minne wieder existent.“5

[...]


1 von Aue, Hartmann: Iwein. Hg. v. Volker Mertens. Tübingen. 2008. V. 1672

2 von Aue: Iwein. V. 1925f

3 von Aue: Iwein. V. 1308f

4 von Aue: Iwein. V. 1690

5 von Aue: Iwein. V. 1824

6 von Aue: Iwein. V. 1825

7 von Aue: Iwein. V. 1455

8 von Aue: Iwein. V. 1325

1 Wolf, Jürgen: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. Hg. v. Bogdal, Klaus-Michael und Grimm, Gunter. Darmstadt. 2007. S. 92

2 von Aue: Iwein. V. 2249

3 von Aue: Iwein. V. 2253

4 von Aue: Iwein. V. 2672

5 von Aue: Iwein. V. 2673

6 von Aue: Iwein. V. 2919

7 Mertens: Laudine: Soziale Problematik im Iwein. S. 18

8 Wolf: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. S.83

9 von Aue: Iwein. V.2927f

10 von Aue: Iwein. V.2954

1 Wolf, Jürgen: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. Hg. v. Bogdal, Klaus-Michael und Grimm, Gunter. Darmstadt. 2007. S. 92

2 von Aue: Iwein. V. 2249

3 von Aue: Iwein. V. 2253

4 von Aue: Iwein. V. 2672

5 von Aue: Iwein. V. 2673

6 von Aue: Iwein. V. 2919

7 Mertens: Laudine: Soziale Problematik im Iwein. S. 18

8 Wolf: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. S.83

9 von Aue: Iwein. V.2927f

10 von Aue: Iwein. V.2954

1 von Aue: Iwein. V. 3118

2 Mertens: Laudine: Soziale Problematik im Iwein. S. 18

3 von Aue: Iwein. V. 8081f

4 von Aue: Iwein. V. 8130

5 Mertens: Laudine: Soziale Problematik im Iwein. S. 40

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Laudine im mittelhochdeutschen Artusroman Iwein
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Einführung in die Ältere deutsche Literaturwissenschaft
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V491499
ISBN (eBook)
9783668980860
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iwein, Laudine, Artusroman, ädl, ältere deutsche literatur, Mediävistik, mittelhochdeutsch
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Laudine im mittelhochdeutschen Artusroman Iwein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491499

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