Was ist Classroom Management und welche Bedeutung hat es für den Unterricht?


Ausarbeitung, 2017
5 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Classroom Management

Classroom Management wird im deutschen auch als Klassenführung, Klassenorganisation oder Klassenmanagement bezeichnet. Es handelt davon, wie Lehrkräfte es ermöglichen, dass jeder SuS in der Schulklasse vom Unterricht bestmöglich profitiert, indem sie die Voraussetzungen bieten und Lerninteressen und Lernfreude schaffen. Um eine Schulklasse effizient zu führen, muss die Lehrperson rechtzeitig Ordnung schaffen und eine Regel festlegen, welche den Umgang miteinander und im Unterricht betreffen. Das bedeutet also, dass Classroom Management immer stattfindet und von Lehrpersonen umgesetzt werden muss. „Klassenführungskompetenz versteht sich somit als ein pädagogisch-didaktisches Aufgabenspektrum.“ (Haag, Streber, 2012, S. 7) Laut Doyle (1985) hat dieser Aspekt des Unterrichts seit langem eine wichtige Bedeutung für die Lehrerausbildung, SuS, Lehrer und Schulverwalter. Dies hat dazu geführt, dass es vor kurzem einen Anstieg der Forschungsinteresse auf diesem Gebiet gab, was wiederum zu neuen Denkweisen über Klassenführung geführt hat.

Der wesentliche Durchbruch der Lehrer über das Classroom Management lässt sich auf Jacob S. Kounins Analyse zurückzuführen. (Doyle, 1985) In den 1970er Jahre erschien seine Studie „Techniken der Klassenführung“. Seine Schlussfolgerung dieser Studie lautet, dass der Erfolg einer Lehrperson im Unterricht, definiert durch ein hohes Maß an studentischer Mitarbeit und niedrigem Unterbrechungsgrad, von seiner Fähigkeit abhängt, ein komplexes Klassensystem zu führen. (Doyle, 1985) Außerdem sollte man es erst gar nicht zum Auftreten einer Störung kommen lassen, sondern, das Auftreten einer Störung von vornherein präventiv verhindern. (Kiel, Frey, Weiss, 2013) Um diese Präventionsmaßnahmen zu untersuchen fertigte Kounin Videoaufzeichnungen an, er fand jedoch keine Art, effektiv Präventionsmaßnahmen einzusetzen. Bei der Analyse dieser Videoaufzeichnungen fand er jedoch raus, dass bestimmte Verhaltensweisen der Lehrkraft Erfolg bei der Prävention zeigten, umso besser diese umgesetzt wurden, umso weniger Fehlverhalten zeigten die SuS. (Haag, Streber, 2012) Am Ende dieser Studie fasste Kounin noch ein kurzes Fazit: „Die Beherrschung der Gruppenführungstechniken enthebt den Lehrer fortan seiner Führungssorgen.“ (Kounin, 1976, S. 149)

Im Jahr „2004 wurde von der „Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK)“ Standards für die Lehrerbildung im Bereich der Bildungswissenschaften formuliert“. (Haag, Streber, 2012, S. 13) In diese vier Kompetenzbereiche (Unterrichten, Erziehen, Beurteilen/Beraten und Innovieren) lässt sich Klassenführung jedoch nicht eindeutig zuordnen. In dem Kompetenzbereich Unterrichten geht es vor allem um die Aktivierung der SuS. Damit dies den Lehrkräften gelingt, müssen sie ihre SuS durch unterschiedliche Methoden unterstützen und die Unterrichtsthemen interessant gestalten, damit die SuS motiviert sind. Die Lehrer/innen sollen so ihre SuS zum selbstbestimmten Lernen und Arbeiten fördern. (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder 2004) Der zweite Kompetenzbereich, Erziehen, handelt von der Konfliktlösung durch Classroom Management. (Haag, Streber, 2012) Die Lehrkraft muss „die sozialen und kulturellen Lebensbedingungen von Schülerinnen und Schülern“ (Haag, Streber, 2012, S. 13) kennen, um auf ihre individuelle Entwicklung Einfluss nehmen zu können. Außerdem vermitteln Lehrer/innen Normen und Werte und helfen bei der Findung von Lösungsansätzen. (Haag, Streber, 2012) Als diagnostische Dimension fällt Klassenführung in den Kompetenzbereich Beurteilen/Beraten, (Haag, Streber, 2012) dies bedeutet, dass Lehrkräfte die Lernprozesse von den SuS diagnostizieren und so individuell auf diese eingehen können, wie beispielsweise durch Beratung. Bei dem vierten und letzten Kompetenzbereich, Innovieren, geht es um die Schulentwicklung. Jeder Mensch ist anders und hat unterschiedliche Ansichten und genau das trifft auch auf das Führen einer Schulklasse zu. Daher sollen sich die Lehrkräfte den Anforderungen ihres Berufes bewusst sein, was bedeutet Verantwortung zu übernehmen und sich ständig weiterzubilden. (Haag, Streber, 2012)

Während Haag und Streber (2012) es wichtig finden, dass die Klassenführung schriftlich verankert ist, ist Doyle (1985) der Meinung, dass man Lehrpläne abschaffen muss, da man Probleme mit dem Classroom Management auf eine andere Weise löst. Er (1985) erklärt, dass der Lehrplan oft problematisch für die SuS ist und oft mit Verzögerungen im Zeitablauf einer Lektion, niedrigen Erfolg und Abschlussquoten verbunden ist. Aber nicht nur die SuS, sondern auch die Lehrkräfte haben Probleme mit dem System. Sie reagieren oft auf den Druck, der auf sie durch das System lastet, indem sie Arbeitsanforderungen vereinfachen. (Doyle, 1985) Dies kann allerdings die SuS schaden, da sie keine Arbeitsaufträge erledigen müssen, die höheres und anspruchsvolles Denken erfordern. Doyle (1985) fasst zusammen, dass eine gut geführte Schulklasse, die nichts lernt, genauso nutzlos ist, wie eine chaotische Schulklasse, in der akademisches Arbeiten möglich ist. Die grundlegende Aufgabe der Lehrkraft ist vielmehr, die schulische Zusammenarbeit zu steigern, um das zu erreichen erfordert es eine Balance von mehreren komplexen Elementen und eine kontinuierliche Reflexion der Lehrkräfte. (Doyle, 1985)

Klassenführung bedeutet, dass die Lehrperson eine geordnete Atmosphäre schaffen muss, damit die SuS im Klassenzimmer lernen können. Oft wird diese Führung mit Erziehung verwechselt, man sollte diese Begriffe jedoch voneinander abgrenzen. Die Erziehung ist immer auf den einzelnen gerichtet, während die Führung die gesamte Klasse oder Gruppe beinhaltet. (Haag, Streber, 2012) Jedoch sieht das in der Realität anders aus, keine Lehrperson kann sich aus seinem Erziehungsauftrag herausreden. „Unterricht ist nicht per se erziehend, sondern bietet Möglichkeiten und enthält Gelegenheiten, die erzieherisch genutzt werden können,“ (Haag, Streber, 2012, S. 119) zum einen durch die Motivation der SuS sich darauf einzulassen und zum anderen vom Willen der Lehrkraft. (Haag, Streber, 2012) Die Lehrperson hat viele Möglichkeiten, wie sie den Unterricht erzieherisch nutzen kann, beispielsweise durch die Nutzung von verschiedenen Unterrichtsmethoden, wie Partnerarbeit, Gruppenarbeit oder Diskussionen, welche das solidarische und kommunikative Verhalten lehren. Sie kann aber auch gezielt Konflikte oder Störungen aufgreifen und diese mit den SuS bearbeiten.

Bedeutend bei der Klassenführung ist das Einsetzen von Regeln, welche sich als wirkungsvolle Strategie erwiesen haben. Durch sie wissen die SuS was von ihnen erwartet wird und wie sie sich zu verhalten haben. Zu diesen Regeln zählen nicht nur Ruhe- und Ordnungsregeln, sondern auch Regeln für die soziale Interaktion untereinander. (Haag, Streber, 2012) Diese Regeln machen, sowohl für die einzelnen SuS, als auch für die Lehrperson, Ermahnungen vorhersehbar. Die Lehrperson sollte nicht nur Verfahrens-, sondern auch Verhaltensregeln einführen. (Kiel, Frey, Weiss, 2013) Zu den Verfahrensregeln zählen organisatorische Abläufe, wie das Mitbringen von Arbeitsmaterialien. Durch diese Regeln kann Unruhe vermieden werden, da sich jeder im Unterricht beteiligen und die entsprechenden Arbeitsaufträge erledigen kann. Genauso wichtig wie die Verfahrensregeln sind die Verhaltensregeln, welche den sozialen Umgang zwischen den SuS und ihnen gegenüber der Lehrperson thematisieren. Diese Regel stellt sicher, dass niemand unterbrochen oder beleidigt wird. Die Lehrperson sollte sich schon vorab die Regeln überlegen und sich selbst Bedingungen stellen. Sie sollte diese wichtigen Regeln frühzeitig, schon am Beginn des Schuljahres, etablieren. Die Formulierungen sollten klar und deutlich sein, damit auch jeder diese versteht. Sie sollte außerdem drauf achten, dass die Regeln auch konsequent eingehalten werden, beispielsweise Belohnen und Bestrafen für angemessenes und unangemessenes Verhalten und es gibt auch keinen Verhandlungsspielraum. Wichtig ist auch, dass die SuS die Regeln selbstaufstellen, dadurch werden sie wirksamer, da sie nicht autoritär festgelegt wurden. Damit kein SuS sie vergisst und auch immer wieder dran erinnert wird, kann man ein Poster in den Klassenraum hängen und dieses von den SuS unterschrieben lassen.

Classroom Management ist sehr wichtig, um Unterrichtsstörungen präventiv entgegenzuwirken. Die Bestrafung der SuS ist da ein Negativbeispiel. Durch sie erhofft sich die Lehrperson eine positive Veränderung der SuS, doch oft weckt diese nur negative Gefühle in ihnen. Man sollte, wenn überhaupt, milde Strafe nur kurzzeitig anwenden. Die Lehrperson sollte sich vorher im Klaren sein, was die Ursache dieser Unterrichtsstörung ist. Oft wird die Störung als problematisches Schülerverhalten dargestellt, da sie den Unterricht durch Zwischenrufe oder Reden mit dem Sitznachbarn stören. Die Störungsrate kann in derselben Klasse sehr unterschiedlich sein, je nachdem wer gerade unterrichtet. Bei manchen Lehrpersonen ist diese niedrig, während andere unbewusst das negative Unterrichtsverhalten fördern und so eine hohe Störungsrate haben. Entscheidend ist nicht, wie die Lehrkraft auf eine Störung reagiert, sondern was vor der potentiellen Störung geschieht, auf welche Weise man diese Störung vorbeugen kann. Unterrichtsstörung hat also auch mit problematischem Lehrerverhalten zu tun. Haag und Streber (2012) nennen vier relevante Bereiche des Lehrverhaltens zur Prävention. Der erste Bereich „Prävention durch breite Aktivierung“ hat am meisten mit dem eigentlichen Unterricht zu tun. Es kommt darauf an möglichst viele SuS, wenn möglich die gesamte Klasse, einzubeziehen und auch die SuS zu motivieren, die mit dem Unterrichtsthema nicht gut klarkommen. Es spielen vor allem didaktisch-methodische Aspekte eine Rolle, wie interessante Inhalte und Methoden, aber auch durch Stimme, Mimik, Gestik und Bewegung im Raum kann die Lehrperson die Schulklasse aktivieren. In der Praxis sieht dies so aus, dass die Lehrperson eine Frage stellt und den Blick durch den Klassenraum wandern lässt, um den SuS eine Denkpause zu gewähren. Wichtig ist es auch darauf zu achten, dass man alle SuS aufruft, zur Beobachtung kann man eine andere Lehrperson fragen, ob sie sich mit in den Unterricht setzt. Für die SuS ist es wichtig, dass ihre Aktivität sichtbar für die Lehrkraft ist, dies gelingt einem durch ein echtes Lob. (Haag, Streber, 2012) Der zweite Bereich ist die „Prävention durch Unterrichtsfluss“, was die Vermeidung von Unterbrechungen durch die Lehrkraft bedeutet. (Haag, Streber, 2012) Die Lehrkraft soll die Unterrichtszeit effizient nutzen und dies gelingt nur, wenn die Zeit nicht durch das Aufbauen von Geräten, Verteilen von Materialien oder Organisationskram verbraucht wird. Als drittes kommt die „Prävention durch klare Regeln“, dabei geht es um die Erwartungen an das Schülerverhalten bezüglich ihrer Mitarbeit sowie der Unterlassung von Störungen. (Haag, Streber, 2012) Der vierte und letzte Bereich ist die „Prävention durch Präsenz- und Stoppsignalen“. Dieser Verhaltensbereich ist eine gute Alternative zu den Standard Ermahnungen und Bestrafungen. Die Lehrperson muss zeigen, dass sie alles sieht und bei entstehender Störung frühzeitig reagiert. Oft reichen nonverbale Signale, wie den Störenden anschauen, aus.

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Details

Titel
Was ist Classroom Management und welche Bedeutung hat es für den Unterricht?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
5
Katalognummer
V491502
ISBN (eBook)
9783668980662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klassenführung, Classroom Management, Doyle, Kounin
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Was ist Classroom Management und welche Bedeutung hat es für den Unterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491502

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